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Digitalität vs. Digitalisierung: neues Denken, neue Chancen

Ändern Sie Ihre Einstellung, damit sich neue Geschäftsmodelle auftun, fordert Sven Fund

Sven Fund presenting at FBF 2017

Bücher publizieren – das hat sich verändert

Als jemand, der in der Welt der Verleger und Technikexperten zuhause ist, interessiert es mich sehr, welche Auswirkungen technische Neuerungen auf Buchveröffentlichungen haben. Das Aufkommen der E-Reader, der Boom der Hörbücher und die vielschichtige Beziehung zwischen Amazon und Verlagen – all das hat die Branche enorm verändert.


Doch die gravierendste Änderung der letzten Jahre ist vielleicht die, dass sich Leser immer weniger an das Buch als greifbares Produkt gebunden fühlen – es steht nicht mehr im Mittelpunkt unseres Medienkonsums. Im Zeitalter der Digitalität denkt man eher in Begriffen wie „Inhalte“.


Bevor ich darauf eingehe, was dieser Perspektivenwechsel für das Verlagswesen bedeutet, sollte man sich klarmachen, was „Digitalität“ bedeutet. Es ist nämlich etwas anderes als „Digitalisierung“.

Der Perspektivenwechsel

Trotz Digitalisierung beruht das Geschäftsmodell von Verlagen noch immer im Wesentlichen auf Print. Inhalte, die schon in gedruckter Form vorliegen, werden umfunktioniert (z.B. für einen E-Reader), also einfach in einem neuen Format weiterverkauft. Im Kontext der „Digitalität“ werden bereits die Inhalte digital erstellt. Dies eröffnet viele Möglichkeiten für völlig neue Geschäftsmodelle.


Im Prinzip passt diese digitale Veröffentlichungs-Strategie besser zu unseren technologisch geprägten Zeiten. Man müsste also annehmen, Verlage wären erpicht darauf, sie für ihr eigenes Unternehmen zu übernehmen. Digitalität ist jedoch eher eine Frage der Einstellung als der Technologie – und wenn sie sich in Verlagen durchsetzen soll, sollten diese zunächst das Thema Innovationsmanagement angehen.



Die Wirklichkeit sieht so aus: Mit der heutigen Technologie können Inhalte aktualisiert und ergänzt, digital verteilt und on-Demand nachgedruckt werden.

- Sven Fund, fullstopp

Es gibt zwei Arten von Verlagen: Die einen erfinden ihr Geschäft von innen heraus neu, während die anderen sich der Innovation so lang widersetzen, bis sie sich auf dem Markt durchgesetzt hat. Sie können also entweder mit gutem Beispiel vorangehen oder hinterherhinken. Es gibt noch immer „digitale Analphabeten“, also Verleger, die zwar Zugang zu digitalen Produkten haben und deren Vorteile kennen, aber die Möglichkeiten der Digitalität bei weitem nicht ausschöpfen.


Vor diesem Hintergrund muss man annehmen, dass Verlage die in der Branche verfügbaren technischen Funktionen nur bedingt nutzen. Sie verstehen einfach nicht, inwieweit die Publikations-Technologie bei Büchern Einfluss darauf hat, wie sie geschäftlich agieren.


Jene Mitarbeiter im Verlagswesen, die Mühe haben, sich „Inhalte“ als dynamisches Konzept vorstellen zu können, sind die gleichen, die Bücher noch immer als anfassbare Einwegprodukte sehen, die gedruckt, verteilt und dann auf eine andere Plattform geschoben werden. Die Wirklichkeit sieht so aus: Mit der heutigen Technologie können Inhalte aktualisiert, digital verteilt und on-Demand nachgedruckt werden.


Daher ermutigen wir Verlage, eine digitale Mentalität zu entwickeln. So können sie die Chancen nutzen, die das dynamische Content Management und die digitale Drucktechnik bieten.

Die digitale Mentalität

Eine digitale Denkweise ermöglicht es Verlagen, künftig die Möglichkeiten zu nutzen, die Kleinauflagen und On-Demand-Lieferungen bieten. Ein vorausschauendes Lebenszyklus-Management der Druckdaten versetzt sie in die Lage, den wirtschaftlichen Wert ihrer Inhalte zu maximieren und diese ihren Kunden einfacher zugänglich zu machen.


Buchdruckereien wiederum, die in eine digitalisierte Produktion investiert haben, spielen eine wichtige Rolle dabei, Verlage zu motivieren und zu lenken. Konkret: digital zu denken, optimierte digital zentrierte Prozesse einzurichten und auf diese Weise Geschäftsmodelle zu ermöglichen, die den Wandel vorantreiben.


Die Innovation bei Buchveröffentlichungen ist also keine Einbahnstraße. Sie wird möglich durch die dreiseitige Zusammenarbeit zwischen Verlagen, Buchdruckereien und Anbietern technischer Lösungen.

Sven Fund ist Gründer und Geschäftsführer von fullstopp, einem Consulting-Unternehmen für akademische Verlage, das strategische Beratung zu einer Reihe von Themen anbietet, die vom Change Management bis zu Fusionen und Übernahmen reichen. Funds Unternehmen arbeitet nicht nur mit Anbietern wie Druckereien oder Distributoren zusammen, sondern fungiert auch als Schnittstelle zwischen wissenschaftlichen Bibliotheken und Verlagen.

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