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Der zunehmende Erfolg des Self-Publishings

Warum Digitaldruck die Individualität fördert und was als Nächstes kommt.

Man typing on computer sat at desk

Self-Publishing – der Markt im Überblick

Das Stigma der Selbstverlage verschwindet. Es ist noch nicht lange her, dass dieser Bereich der Buchbranche als letzter Ausweg für Autoren galt. Doch wie auch die Frankfurter Buchmesse kürzlich gezeigt hat, wird das unabhängige Publizieren für viele aufstrebende Autoren zunehmend zur ersten Wahl. Sie lernen, mit den größeren Verlagen zu konkurrieren und können sie teilweise sogar übertreffen.

Dank Unternehmen wie Kindle Direct Publishing sind digitale Plattformen mittlerweile zu wichtigen Kanälen für Selbstverleger geworden. Autoren bevorzugen den Selbstverlag per E-Book wegen kreativer Kontrolle, schnellerem Zugang zu weltweiten Märkten und zur unabhängigen Werbung. Natürlich gibt es auch wirtschaftliche Anreize: Laut Publishers Weekly behalten Schriftsteller alle Urheberrechte und verdienen 60 bis 80 % des Listenpreises ihrer E-Book-Gebühren.

Doch, obwohl digitale Inhalte direkt an den Verbraucher gesendet und verkauft werden können, bevorzugen es die Selbstverleger zumeist, gedruckte Exemplare ihrer Arbeiten vorzuhalten. Belegt ist das im UKSG Bericht über den Bereich Self-Publishing: zwischen 2011 und 2016 stieg die Zahl der e-Books von 88.238 auf 148.311, eine Steigerung um 68 %. Doch im Gegensatz dazu stieg die Zahl der gedruckten Bücher von 158.972 auf 638.624, eine Zunahme um ganze 301 %.

Niemand hatte mit einem solchen Wachstum gerechnet. Noch vor einigen Jahren war es sehr unwahrscheinlich, dass selbstveröffentlichte Bücher den Weg in renommierte Verlage finden würden. Doch genau so ist es gekommen: Verlage nutzen die Verkaufsdaten aus selbstveröffentlichten Titeln, um vielversprechende Autoren aufzuspüren und sich die Urheberrechte zu sichern, während Buchdrucker die durch Selbstverlage entstandenen neuen Geschäftsmöglichkeiten nutzen.

Rows of books in library

Was bedeutet das Publizieren im Selbstverlag für Buchverleger

Ähnlich wie die Film- und Musikindustrie orientiert sich die Verlagsbranche noch immer sehr an Bestsellern. Tom Weldon, Vorstandschef von Penguin Random House UK, beschrieb dies 2016 so: „Wenn ein Verlag einen Bestseller hat, braucht er nicht mehr zu tun, als ihn nachzudrucken. Auf der Strecke bleiben fantastische Autoren, die keinen Verlag finden. Die ganze Branche muss sich ändern.“

Self-Publishing hat das Potenzial den Status Quo radikal zu ändern. Mittlerweile gibt es mehr Bücher aus Selbstverlagen, als solche, die traditionell verlegt wurden. Die meisten davon werden in den engen Kreisen des Autors gelesen, doch die, die von der Kritik und den Leser gut bewertet werden, haben die Chance, die Aufmerksamkeit angesehener Verlage zu erlangen.

Eine der interessantesten Entwicklungen der letzten Jahre ist, dass Self-Publishing zum Testen des Marktes genutzt wird, um festzustellen, welche Inhalte Leser bevorzugen. Titel mit einer geringen Erstauflage zu testen, reduziert das finanzielle Risiko für Verlage. Bei potenziellen Ladenhütern kann man sich teure Werbung sparen und Kosten für die Vernichtung von Restbeständen fallen gar nicht erst an.

Auf diesem Weg können die Verlage auch besser herausfinden, welchen Autoren sie einen Vertrag anbieten sollen. Autoren wie E.L. James (Fifty Shades of Grey), Andy Weir (The Martian) und High Howey (Wool) haben ihre Werke ursprünglich unabhängig als Kindle E-Books veröffentlicht, bevor sie von größeren Verlagen unter Vertrag genommen und sie zu Bestsellerautoren wurden.

Two colleagues reviewing work on computer in a print room

Die Verbindung von Digitaldruck und Self-Publishing

Buchproduzenten können vom Boom des Self-Publishings sehr profitieren, insbesondere wenn sie in der Lage sind, digital gedruckte Kleinauflagen anzubieten. Self-Publishing und Digital-on-Demand ergänzen sich hervorragend, denn im Vergleich zum auflagenstarken Offsetdruck kann es eine deutlich kostengünstigere Option sein.

Fortschritte in der digitalen Drucktechnik haben eine Menge Vorteile gebracht: kleinere Druckläufe, flexiblere Bestellungen, bessere Lagernutzung und schnellerer Marktzugang. Unbekannte Autoren zu fördern, ist nicht mehr länger das Vabanquespiel früherer Zeiten. Durch ein On-Demand-Geschäftsmodell, das eine kostengünstige Kleinstauflage eines einzigen Titels ermöglicht, kann auch das ausgefallenste Buch zum Erfolg werden.

Die Vorteile des Digitaldrucks für die Verlagslieferkette gehen weit über die Bewältigung von Auflagen, die für eine wirtschaftliche Offset-Produktion zu klein sind, oder die Minimierung des Lagerbestands hinaus. Er bietet auch die Möglichkeit für Buchdrucker, ihr Werteversprechen durch eine beratende Funktion bei kleineren Selbstverlegern zu erweitern.

Self-Publishing-Unternehmen müssen ihre Kosten und Ressourcen strategischer planen, als die budgetstarken etablierten Verlagshäuser. Buchdrucker mit langjähriger Erfahrung in der Verlagsbranche können diese Unternehmen dabei unterstützen, ihre Aufträge besser zu verwalten, die Auflagenschätzungen zu perfektionieren, ihre Lieferkette zu optimieren und die gesamte Investitionsrendite zu verbessern.

Woman taking e-reader off bookshelf

Was Selbstverlage dem Digitaldruck verdanken

Die Zeiten, in denen die Verlage das letzte Wort darüber hatten, welche Bücher in den Druck und in den Buchladen gelangten, sind vorbei. In den letzten zehn Jahren hat die weltweite Buchbranche die Demokratisierung des Publishings erlebt, immer mehr Bücher werden unabhängig veröffentlicht und das nicht nur im E-Book-Format.

Während E-Book-Plattformen aufstrebenden Autoren geholfen haben, die Kontrolle über den Veröffentlichungsprozess ihres Buches zu übernehmen, haben Digitaldrucktechnologien und Print-on-Demand den Boom der Selbstverlage möglich gemacht. Den Autoren wurden die Türen geöffnet und gleichzeitig die Buchproduzenten dabei unterstützt, Kleinserien kostengünstiger zu fertigen.

Der ökonomische Wandel beim Publizieren, der durch den Digitaldruck ermöglicht wurde, schafft eine Umgebung, in der Kreativität und Innovation beim Schreiben gefördert werden, ohne dass Millionen Exemplare eines Titels verkauft werden müssen. Durch Digitaltechnik wird eine Nischenstrategie beim Publizieren möglich. Eintrittsbarrieren werden beseitigt und der Weg in eine publizistische Zukunft, in der alternative Inhalte gefördert werden, geebnet.

Buchproduzenten, die in der Lage sind, kleine Auflagen oder sogar Print-on-Demand zu realisieren, sind am besten in der Lage, in einer Branche zu gedeihen, die von hohen Auflagen Abschied nimmt und stattdessen einzigartige Inhalte priorisiert.

Verfasst von Tino Wägelein
Business Development Manager, Canon Europe


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