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Durch das Objektiv von Nehemias Colindres

Der Fotograf und Filmemacher Nehemias Colindres gibt seine Top-3 Tutorials für Filmaufnahmen an uns weiter: „Eine Vignette aufnehmen“, „Ratschlag von einem Filmemacher“ und „Durch ein Objektiv“.

Als ich das erste Mal über dieses Projekt nachdachte, war ich sofort begeistert. 24 Stunden in Berlin, um das Herz und die Seele einer Stadt durch das Kameraobjektiv festzuhalten.

Ich wollte gern die Canon EOS C300 ausprobieren, von der ich schon so viel gehört hatte. Sie gilt als die ideale Steigerung zur Canon EOS 5D Mark III. Das wollte ich persönlich herausfinden und nicht nur so ein typisches Video-Tutorial darüber anschauen. Ich wollte wissen, ob sie auch für meine Art zu filmen geeignet ist.

Daher haben wir die Canon EOS C300 und die Canon EOS 5D Mark III eingesetzt und zudem mit älteren Festbrennweiten der Canon K-35 Serie gearbeitet. Ich benutze gern ältere Objektive und war beeindruckt von deren Qualität und den Bildern, die wir damit aufgenommen haben.

Wir hatten nicht viel Einfluss darauf, wie sich diese konkrete Szene entwickeln würde und mussten daher für alle Möglichkeiten bereit sein. Wir konnten einige Porträts der Mitwirkenden drehen, was dem Film sehr viel mehr Gefühl gab.

Auch bei den Aufnahmen von der Tänzerin mussten wir sehr wachsam sein, da ihre Art des Tanzes eher interpretativ als choreographiert war. Ich konnte sie in einigen Aspekten anleiten, so dass wir spezielle Aufnahmen und Bewegungen bekamen, aber ansonsten haben wir nur versucht, mit ihr mitzuhalten, wobei die Kamera einen großartigen Job gemacht hat.

Es hat uns bei dieser Szene sehr geholfen, alles mit 50 Bildern pro Sekunde aufzunehmen, da einige Ihrer Bewegungen so schnell waren, dass der Zuschauer sie ansonsten verpasst hätte. Es passte auch gut zu ihrem Tanzstil und bei der Nachbearbeitung, damit viel mehr Emotionen zu zeigen.

Wir haben den gesamten Film an nur einem Tag aufgenommen. Zu Beginn setzte ich mich mit Steve Ellery zusammen – dem Geschäftsmann in der ersten Szene – und erklärte ihm, was ich von ihm erwartete. Ich sagte ihm allerdings nicht, wie es meiner Meinung nach enden sollte.

Ich gebe diesen wundervollen Fehlern, die einen Film auf ganz anderes Niveau heben, gern den nötigen Raum. Die Punker waren alle Laiendarsteller von der Straße und ich ließ sie das tun, was sie immer tun. Sie schneiden sich gern gegenseitig die Haare und so entschied ich, das aufzunehmen. Eigentlich wollte ich sie und ihre Art zu leben beobachten, ohne dabei zu viele Anweisungen zu geben und ich finde, sie haben darauf großartig reagiert.

Schlussendlich muss ich sagen, dass die Canon EOS C300 definitiv eine Steigerung ist. Braucht man jedoch mehr Flexibilität, so würde ich empfehlen, auch die Canon EOS 5D Mark III einzusetzen, die immer noch großartige Low-Light-Eigenschaften besitzt.