„Ich mache Aufnahmen in 4K“ – Meinung von Branchenkennern

Besucher konnten beim Canon Stand auf der IBC 2017 in Amsterdam (Niederlande) die 4K-Funktionen der neuesten Cinema-Produkte von Canon ausprobieren. © Joby Sessions

4K-Fernsehen in Ultra-HD ist keine Zukunftsmusik mehr – es existiert bereits. Und die Nachfrage wird weiterwachsen, auch dank Streaming-Giganten wie Amazon oder Netflix, die Inhalte in 4K bereitstellen. Dennoch wird ein großer Teil der Inhalte noch immer mit 1080p (HD) aufgenommen, gesendet oder gestreamt. Auf der International Broadcasting Convention 2017 in Amsterdam (Niederlande) haben wir mit Bewegtbildmachern gesprochen – von Filmemachern bis hin zu Nachrichtensendern –, um herauszufinden, warum sie selbst für die Ausgabe in HD Aufnahmen mit einer Auflösung von 4K machen.

Während viele Menschen nach wie vor der Ansicht sind, dass 4K noch immer den Kinoleinwänden vorbehalten ist, widerspricht Paul Atkinson, European Pro Video Product Specialist bei Canon, dieser Auffassung: „Aufnahmen in 4K sind definitiv nicht nur der Filmbranche vorbehalten – die gesamte Sendebranche wendet sich langsam 4K zu. Viele Abonnenten möchten jetzt, dass ihnen Material in 4K zur Verfügung gestellt wird.“

Eine Zukunft in 4K

„Ich nehme immer in 4K auf, selbst wenn das Projekt nur eine 1080p-Ausgabe ist – wenn man ein 4K-Bild zu einem mit 1080p reduziert, erhält man ein besseres, schärferes und klareres Bild mit einem besseren Dynamikumfang“, meint Dokumentarfilmer Martin Waine, der Aufnahmen mit einer Canon C300 Mark II macht. „Wenn Sie allein arbeiten, so wie ich, haben Sie nur eine Kamera, aber eigentlich drei Aufnahmen, aus denen Sie in der Postproduktion schneiden können.“

Diese Flexibilität bedeutet, dass viele Bewegtbildmacher sich dafür entscheiden, in einer höheren Auflösung aufzunehmen als vorgegeben. Der Filmemacher Philip Bloom nimmt all seine persönlichen Projekte in 4K auf, und wartet darauf, die Investition in die EOS C200 zu rechtfertigen, die intern mit 4K RAW Light aufnimmt. „Wenn ich HD-Material nachbearbeite, habe ich noch Spielraum, die Dinge bei Bedarf noch zu verschieben“, sagt er.

„Aber ich nehme meine persönlichen Sachen nicht deswegen in 4K auf, weil ich die Bildkomposition auf einer HD-Zeitleiste ändern kann, sondern weil es einfach die besten Bilder ergibt. Ich könnte unmöglich irgendetwas in HD aufnehmen, weil ich will, dass es bestehen bleibt“, sagt Bloom zum Thema Zukunftssicherheit seiner Arbeit. „Ich möchte, dass es das Bestmögliche ist.“

„Ich hoffe wirklich, dass die Branche diese Komfortzone in 4K findet“, sagt Erik Naso, DP für Kreativleistungen und Mitarbeiter bei einem Nachrichtensender. „Wir kommen langsam an den Punkt, an dem 4K gut funktioniert, wenn man in einer HD-Umgebung arbeitet.“

In a working post-production zone, it was demonstrated how the 4K output of Canon products integrates with existing workflows.
In einem Bereich für die Nachbearbeitung wurde gezeigt, wie die 4K-Ausgabe der Canon Produkte in die bestehenden Arbeitsprozesse integriert werden kann. © Joby Sessions

Sollte jeder in 4K aufnehmen?

Obwohl man durchaus anspruchsvolle Kunden trifft, gibt es irgendeinen Grund, in 4K zu filmen, wenn die meisten Bildschirme diese Auflösung nicht darstellen können oder die Streaming-Geschwindigkeiten zu langsam sind? Im ersten Moment mag die Antwort „Nein“ scheinen, aber Philip Bloom widerspricht dem rasch: „Ich denke, jeder sollte in 4K aufnehmen. Jeder. Das alte Argument ‚Es ist ja nur fürs Internet, da reichen 1080p‘ gibt es nicht mehr. Tatsächlich sieht man heute den meisten 4K-Inhalt im Web. YouTube hat Inhalte in 4K gezeigt, ja sogar in 8K, und Vimeo zeigt Inhalte In 4K. Wenn man Aufnahmen für das Internet macht, sollte man definitiv in 4K aufnehmen.“

Tatsächlich sieht man heute den meisten 4K-Inhalt im Web.

Die Nachfrage nach TV-Inhalten in 4K nimmt ebenfalls zu. „Ich denke, dass es eine bestimmte Zielgruppe gibt, vor allem jüngere Leute, die diese Qualität definitiv wollen, und es läuft auch auf ein wenig Prestige hinaus – wir allen wollen die neuesten Gadgets, also kaufen die Leute einen Fernseher mit 4K“, fährt Bloom fort. „Es macht einen Unterschied, ob man einen großen Fernseher kauft und nah genug dran sitzt – es sieht einfach großartig aus.“

Erik Naso glaubt, dass die Nutzung von 4K „extrem wichtig“ ist, selbst in der Nachrichtenbranche, in der die Kanäle noch immer in HD ausstrahlen. „Die EOS C300 Mark II ist auf dem Weg – die Tatsache, dass sie Aufnahmen in 4K macht und etwas bessere hohe Bildraten liefert, macht einem die Entscheidung leicht.“

News broadcaster Erik Naso believes that all news should be shot in 4K, even when the output is HD, as the resulting image quality is higher.
Erik Naso, Mitarbeiter bei einem Nachrichtensender, ist der Meinung, dass alle Nachrichten in 4K aufgenommen werden sollten, auch wenn die Ausgabe in HD erfolgt, da die daraus resultierende Bildqualität höher ist. © Joby Sessions

„Ich bin mir nicht sicher, ob unsere Sender in den USA Inhalte in 4K ausstrahlen werden, aber ich sage den Leuten immer: ‚Erinnert ihr euch noch, als alles in Standardauflösung war, aber wir nahmen in HD auf?‘ Jetzt ist es genau das Gleiche: Wir haben keine TV-Sender mit 4K, wir zeigen keine Nachrichten in 4K, aber dank dieser Extra-Auflösung haben wir letztendlich ein besseres Produkt“, meint Naso.

Obwohl jeder die Auswirkungen auf seine Arbeitsprozesse erkennt, ist der allgemeine Konsens, dass der Prozess bei einem System-Upgrade zur Bearbeitung größerer Dateien unverändert bleibt und die Qualität die Änderung auf jeden Fall rechtfertigt.

Zukunftssicher mit 4K

Die Aufnahme von Bildern mit höherer Auflösung bietet auch die Möglichkeit, diese für die Zukunft zu sichern. „Sehen Sie sich einen Film an, der vor 50 Jahren gedreht wurde und in 4K nachgescannt wurde – das Bild sieht wundervoll und makellos aus, aber alles, was mit Standardauflösung oder HD aufgenommen wurde, kann nicht weiter verbessert werden“, meint Philip Bloom. „Natürlich kann ich gehobene Logarithmen verwenden, um die Dinge ein bisschen besser aussehen zu lassen, aber ich glaube, wir sollten immer auf die allerbesten Resultate abzielen.“

„Aufgrund der Betrachtung in verschiedenen Medien und auf unterschiedlichen Plattformen müssen wir in der Lage sein, Material der höchsten Qualität zu produzieren – anstatt es also in HD zu filmen und dann zu versuchen, es auf 4K zu verbessern, sollte man besser in 4K filmen und es dann auf HD reduzieren“, stimmt Paul Atkinson zu.

„Wir haben eine komplette Bandbreite an Kameras, die in 4K aufnehmen – von der XF405 bis zum Flaggschiff, der EOS C700. Die Tatsache, dass Canon 4K-Produkte anbietet, bedeutet, dass wir Kunden besser unterstützen können, während die Branche sich weiterentwickelt. Es gibt eine immer größere Nachfrage nach qualitativ hochwertigerem Bildmaterial.“


Canons Stand auf der IBC befindet sich in Halle 12, Stand D60, im RAI Messe- und Kongresszentrum in Amsterdam (15. bis 19. September).

Verfasst von Emma-Lily Pendleton