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Die Dos and Don‘ts der Präsentation bei Fotoredakteuren

Fotografiestudenten lernten beim Canon Student Development Programme auf dem Visa pour l'Image, wie man sich Fotoredakteuren präsentieren sollte, und konnten ihre Portfolios von erfahrenen Profis bewerten lassen.

Fotoredakteure erhalten jeden Tag Dutzende, wenn nicht sogar Hunderte von E-Mails mit Vorschlägen für Fotoreportagen. Wenn du eine Idee hast – oder vielleicht bereits ein Projekt begonnen oder sogar abgeschlossen hast –, weißt du dann, wie du es zur Veröffentlichung bringen kannst?

Die Präsentation von Fotos bei Redakteuren einer Website, Zeitung, Zeitschrift oder Agentur kann ein einschüchternder Prozess sein. Wir haben mit den drei Fotoredakteuren Thomas Borberg, Francis Kohn und Fiona Shields gesprochen. Sie verfügen über jahrzehntelange Erfahrung in der Sichtung von Fotos, Vergabe von Aufträgen und Bewertung von Portfolios. Wir haben sie gefragt, was man tun kann, um seine Erfolgschancen zu verbessern.

Thomas Borberg. Photograph by Paul Hackett.

Thomas Borberg

Borberg war als Lehrer für Fotojournalismus, Prüfer und Gastdozent, Redakteur für Buchprojekte und Jurymitglied bei führenden Fotowettbewerben tätig. Derzeit ist er Photo Editor-in-Chief bei der Zeitung Politiken in Dänemark.

Richtig: Präsentiere deine Idee bei der richtigen Publikation

„Fotografen sollten sich immer die Zeit nehmen, um die Publikation kennenzulernen, an die sie sich mit ihrem Projekt werden“, sagt Borberg. „Manchmal erhalte ich eine unpersönliche E-Mail mit einer Idee, die an einen beliebigen Empfänger gerichtet ist – eine Zeitschrift, eine Zeitung oder sogar einen Buchredakteur. Ich würde dann gerne sagen: „Wenn du schon meine Zeit in Anspruch nimmst, dann bitte mit etwas, das du genau bei mir drucken oder veröffentlichen lassen willst, nicht bei irgendjemandem.“

Falsch: Verschwende nicht die Zeit der Bildredakteure

„Ich will nicht arrogant klingen, aber meine Zeit ist kostbar. Ich erhalte im Schnitt zwischen fünf und zehn Geschichten pro Tag. Wenn ein Fotograf also eine Geschichte einreicht, die nicht einmal zur Hälfte fertig ist, z. B. 40 Bilder, die ich sichten muss und bei denen eindeutig noch keine Redaktion erfolgt ist, landet sie direkt im Papierkorb. Ich bin nicht da, um ihre Geschichte zu redigieren. Das sollten sie selbst tun“, sagt Thomas.

„Aber ich mag es, wenn die Leute einen konstruktiven Ansatz verfolgen. Beispielsweise wenn ich sie ablehne und sie dann fragen: ‚Was hätte ich tun können, damit diese Geschichte für Sie interessant ist?‘ Vielleicht liegt es an der Bearbeitung, vielleicht am Zeitpunkt oder an etwas anderes. Ich gebe gerne Tipps, damit sie sich weiterentwickeln können, weil das für uns beide hilfreich ist.“
Francis Kohn. Photograph by Paul Hackett.

Francis Kohn

Ab 1979 berichtete Francis für die Agence France-Presse (AFP) über Konflikte in Zentralamerika und Mexiko. Später wurde er Chefredakteur, danach von 2012 bis 2017 Photo Director für AFP. Er war im Jahr 2016 Juryvorsitzender der World Press Photo Awards.

Richtig: Stelle klar dar, was du tun möchtest

„Als AFP Photo Director habe ich hauptsächlich mit fest angestellten Fotografen zusammengearbeitet, die ich bereits kannte. Mit ihnen konnte ich mich zusammensetzen und Ideen besprechen. Es gab jedoch auch Fotografen außerhalb der Agentur, die uns Geschichten vorschlugen. Dabei habe ich immer nach jemandem gesucht, der eine Idee klar und professionell präsentieren konnte“, so Kohn. „Der Vorschlag muss präzise sein, und wenn ich den Fotografen nicht kenne, sollte er einige Fotos beilegen. Nicht notwendigerweise zum Projekt selbst, sondern ihrer allgemeinen Arbeit [um mir eine Vorstellung seines typischen Stils und Ansatzes zu vermitteln]. Als Fotoeditor spürt man sehr schnell, ob eine Geschichte funktioniert oder nicht.“

Falsch: Schlage keine unpraktischen Ideen vor

„Es ist gut, wenn mir ein Fotograf eine kreative Idee präsentiert, von der ich noch nicht gehört habe – eine andere Herangehensweise an ein Thema, die meine Aufmerksamkeit erregen wird“, sagt Kohn. „Aber die Geschichte muss auch machbar sein. Manchmal bitten Fotografen dich um eine Geschichte, die ein wenig verrückt und praktisch nicht gut durchdacht ist. Das Budget ist ebenfalls ein Problem, aber wenn es sich um eine gute Geschichte handelt, lässt sich das diskutieren.“

Fiona Shields. Photograph by Paul Hackett.

Fiona Shields

Shields ist Picture Editor und Head of Photography beim Guardian in Großbritannien. Davor sammelte sie über zwei Jahrzehnte lang Erfahrung in der Bildbearbeitung für Nachrichten wie den arabischen Frühling, die Terroranschläge vom 11. September und die wachsende Flüchtlingskrise.

Falsch: Sende keine Download-Links

„Die Bilder sollten leicht zugänglich sein, z. B. als PDF-Anhang. Wenn ich die Dateien erst von WeTransfer oder Dropbox herunterladen muss und sie dann auch noch keine Bildunterschriften haben, ist das für mich einfach extrem aufwändig. Eine PDF-Datei ist einfach“, so Shields. „Es ist wichtig, Bildunterschriften anzugeben, damit wir wissen, um wen, um was, um welchen Ort und um welche Zeit es sich dreht. Dann kann ich schnell eine Entscheidung über die Qualität der Arbeit und die Relevanz der Geschichte treffen, und wir können fortfahren.“

Richtig: Nutze den Pyramidenansatz

„Ich erhalte täglich rund 250 E-Mails. Ich bin von dieser Flut vollkommen überwältigt, also muss eine Präsentation wirklich auf den Punkt sein“, sagt Shields. „In einem Managementkurs habe ich gelernt, wie man die Aufmerksamkeit einer sehr beschäftigten Person erregt: Beginne mit einer Überschrift, stelle ein paar Zusatzinformationen bereit (nur ein paar Zeilen), und dann kannst du weiter unten im Text mehr ins Detail gehen. Es ist schwer, einen von uns am Telefon zu erwischen. Wenn du jedoch nichts von mir hörst, bedeutet das in der Regel nicht, dass ich unhöflich bin oder dein Projekt ablehne, sondern dass ich deine E-Mail noch nicht gelesen habe. Ich würde vorschlagen: vorsichtig anklopfen.“

Verfasst von David Clark and Emma-Lily Pendleton


Alle Canon Geschichten findest du auf der Seite zum Visa pour l'Image.

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