ARTIKEL

Braucht der World Press Photo Contest die neuen „Environment“-Kategorien? Fotografen äußern sich

Jasper Doests Arbeit „Nicht mehr heilig“ erreichte den zweiten Platz in der Kategorie „Nature Stories“. In den letzten Jahren haben sich die Japanmakaken, die auch als „Schneeaffen“ bekannt sind, an den Menschen gewöhnt. Eine wachsende Makakenpopulation auf dem Land zwingt die Affen dazu, Feldfrüchte zu stehlen, um zu überleben. In den Städten werden die Makaken gezähmt und für die Unterhaltungsbranche trainiert. Doest dokumentierte seine Geschichte zwischen dem 15. Januar 2016 und dem 2. Oktober 2017. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark IV mit einem Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM Objektiv. © Jasper Doest

Ein Nashorn mit verbundenen Augen, ein Adler im Müll und ein von Mäusen angegriffener Albatros. 2018 gibt es beim World Press Photo Contest die neuen Kategorien „Environment“ – sowohl „Singles“ als auch „Stories“ werden ausgezeichnet. Sie feiern die Arbeit von Fotografen, die den – positiven und negativen – Einfluss des Menschen auf die Umwelt dokumentieren.

Christian Ziegler’s

Melden Sie sich für den Newsletter an

Klicken Sie hier, um inspirierende Geschichten und interessante Neuigkeiten von Canon Europe Pro zu erhalten.

Die neuen Kategorien für den World Press Photo Contest 2018 haben zu Diskussionen und zum Nachdenken über dieses Thema angeregt. „Der Einfluss des Menschen auf die Umwelt ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit“, meint Micha Bruinvels, Director of Contests der World Press Photo Foundation, zur Ergänzung durch die Kategorien. „Sie ermöglichen es uns, die Bildberichterstattung über dieses Thema zu belohnen und zu unterstützen, und zwar auch Geschichten über Lösungen. Wir glauben, dass diese Veränderungen eine umfassendere visuelle Wahrnehmung der heutigen Gesellschaft schaffen.“

Hier berichten wir von den Ansichten der Fotografen zu den neuen „Environment“-Kategorien, ihrer Bedeutung, ihrer Aktualität und ihrer Stellung im Fotojournalismus.

A portrait of the photographer Jasper Doest standing by a tree in low light.

Über Jasper Doest

Jasper Doest ist ein niederländischer Fotojournalist, der sich mit Naturschutz- und Reisegeschichten befasst. Er erhielt den zweiten Preis in der Kategorie „Nature Stories“ für seine Geschichte „Nicht mehr heilig“ über Japanmakaken in der Unterhaltungsindustrie.

Jasper Doest

„Ich finde es ist eine großartige Entwicklung, dass World Press Photo die „Environment“-Kategorien aufgenommen hat. Wir alle wissen von der globalen Erwärmung und der Abholzung von Bäumen im Amazonas, aber es gibt viele Hintergrundgeschichten, die als Folge unserer sich verändernden Umwelt ans Licht kommen – und diese verdienen eine Stimme.

„Wir leben in einer Zeit, in der Umweltveränderungen immer größere Auswirkungen haben, und wenn wir jetzt nicht reagieren, indem wir beispielsweise über den Klimawandel sprechen, dann gibt es keinen Weg zurück. Der richtige Zeitpunkt ist jetzt – noch haben wir eine Chance, etwas zu ändern.

„Bei dem Projekt, das ich für den World Press Photo Contest eingereicht habe, geht es um die Beziehung zwischen Menschen und Japanmakaken. Früher wurden Japanmakaken als heilige Vermittler zwischen Menschen und Götter betrachtet, aber heutzutage sieht man sie in der Landwirtschaft als Schädlinge und sie werden in der Unterhaltungsindustrie lächerlich gemacht. Aber für mich geht es um viel mehr. Ich hoffe, mein Beitrag wird als Geschichte über die Beziehung zwischen uns Menschen und allen anderen Tieren verstanden, mit denen wir uns den Planeten teilen.

„Ich sehe mich als Natur-Fotojournalist oder Natur-Dokumentarfotograf, der Geschichten über die Beziehung zwischen wilden Tieren und Menschen erzählt. Ich begann mit dieser Geschichte vor 11 Jahren, als ich mich noch nur auf hübsche Bilder von Japanmakaken konzentrierte. Mein Redakteur bei National Geographic fragte: „Was ist die Geschichte dahinter?“ Ich konnte diese Frage nicht wirklich beantworten, also begann ich, über den größeren Zusammenhang nachzudenken. Das sind die Geschichten, die erzählt werden müssen, anstatt sich nur auf die Schönheit der Natur zu konzentrieren. Schönheit ist auch wichtig, aber ich denke, wir brauchen beide Seiten, auf die wir die Aufmerksamkeit der Menschen lenken und verstehen, was los ist.“

A young white rhino has been drugged and blindfolded and lies against a metal wall and dusty mud floor.
Neil Aldridges Arbeit „Warten auf Freiheit“ erlangte den ersten Preis in der Kategorie „Environment Singles“. Am 21. September 2017 wird ein junges Breitmaulnashorn betäubt. Mit verbundenen Augen wartet es auf seine Freilassung im Okavango-Delta, Botswana, nachdem es zum Schutz vor Wilderern aus Südafrika umgesiedelt wurde. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark II mit einem Canon EF 16-35mm f/2.8L USM Objektiv. © Neil Aldridge
A portrait of photographer Neil Aldridge standing by a tree in a forest.

Über Neil Aldridge

Neil Aldridge ist Naturschutzfotograf, Dozent für Marine and Natural History Photography an der Falmouth University, veröffentlichter Autor und professioneller Naturführer. Er erhielt den ersten Preis in der Kategorie „Environment Singles“.

Neil Aldridge

„Es ist wichtig, dass World Press Photo die ‚Environment‘-Kategorien eingeführt hat, weil es viele wichtige Gründe dafür gibt, und gerade einige großartige (Forschungs-)Projekte laufen. All das muss mit anderen geteilt werden. Für Fotografen wie mich geht es nicht nur um die Arbeit mit außergewöhnlichen Tieren an unglaublichen Orten. Mir ist es auch wichtig, Wissenschaftlern, Tierärzten, Ökologen und anderen leidenschaftlichen Menschen, die in ihrem Job jeden Tag Tiere retten, eine Plattform zu bieten. Diese Kategorien steigern das Bewusstsein weiter, nicht nur über die Gefahren [für die Umwelt], sondern auch über mögliche Lösungen. Es ist wichtig, dass wir die Lösungen und die positive Arbeit, die auf die Rettung bedrohter Arten und Orte abzielt, nicht aus den Augen verlieren.

„Fotografen sollten viel mehr zusammenarbeiten und ihre Fähigkeiten als Geschichtenerzähler miteinander verbinden, anstatt isoliert zu arbeiten. So können wir versuchen, gemeinsam etwas zu verändern und das Bewusstsein für die wichtigen Probleme zu erhöhen.

„In der Kategorie „Singles“ muss man wirklich die ganze Geschichte erzählen können. Das Nashornfoto, das ich zum Glück für diesen Wettbewerb einreichen konnte (oben), weist auf die größere Krise der Nashörner hin, aber es erzählt auch eine positive Geschichte über großartige Arbeit und Chancen. Ich rate jedem, der nächstes Jahr mitmachen möchte, sich mit der Geschichte einer Story zu identifizieren, denn dann werden die Juroren das wahrscheinlich auch bemerken. Erzähle nachdenklich machende Geschichten auf nie dagewesene Art und Weise.“

A portrait of photographer Erik Sampers at the World Press Photo 2018 event.

Über Erik Sampers

Erik Sampers arbeitet beim Magazin Le Figaro und berichtet dort über Umweltfragen. Für sein Luftbild des „Marathon des Sables“, einem 250 km Rennen in der Sahara in Südmarokko, erhielt er den dritten Preis in der Kategorie „Sport Singles“.

Erik Sampers

„Es gibt definitiv Überschneidungen zwischen Fotojournalismus und Naturfotografie – im Fotojournalismus geht es nicht nur um Krieg. Mit diesen [Environment] Kategorien können wir auch auf positive Dinge hinweisen.

„Ich mag das Foto von Neil Aldridge, dass die Kategorie „Singles“ gewonnen hat – es wirkt wie ein Gemälde. Erst vor ein paar Tagen habe ich gelesen, dass das letzte männliche Breitmaulnashorn gestorben ist. Als ich Neils Foto sah, dachte ich, dass es ein großartiger Beitrag für die Kategorie „Environment“ wäre. Manchmal ist es gut, die Menschen zu schockieren.

„Wir haben einige sehr schwierige Geschichten zu erzählen, aber der Umweltschutz ist heute so wichtig wie nie zuvor. Es ist unsere Aufgabe als Fotografen die Tatsachen aufzudecken.

„Ich habe gerade ein Projekt abgeschlossen, bei dem ich zwei Chinesen fotografiert habe. Einer war blind und der andere hatte keine Arme, und in den letzten 10 Jahren haben sie in China 30.000 Bäume gepflanzt. China ist eines der am stärksten verschmutzten Länder der Welt – manchmal kann man in Peking vor lauter Smog keine 10 Meter weit sehen. Diese Männer leben fünf Stunden von Peking entfernt und beschlossen, diese Bäume für ihre Kinder und deren Zukunft zu pflanzen. [Sie zu fotografieren] ist ein Beispiel dafür, was Journalisten tun können, um Geschichten über die Umwelt zu erzählen und sowohl positive als auch negative Seiten aufzuzeigen.“

Verfasst von Emma-Lily Pendleton


Canon Professional Services

Mitglieder erhalten Zugang zum CPS-Support – lokal und auf großen nationalen und internationalen Veranstaltungen, dem Dringlichkeits-Reparaturservice und – abhängig von der Stufe Ihrer Mitgliedschaft – zum kostenlosen Verleih von Ersatzausrüstung.

Beitreten

Erfahren Sie mehr

Canon Professional Services

Ähnliche Artikel

Alle anzeigen