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Sein Manager Mark George über den echten Sir Don McCullin

Mark George, Sir Don McCullins Manager, gibt Einblicke in den Mann hinter der Kamera.

Nur wenige können auf eine so lange Karriere zurückblicken wie Sir Don McCullin. Über Jahrzehnte hat er sich als Meister seiner Zunft etabliert und von Kriegen in fremden Ländern bis zur Armut im Londoner East End alle Aspekte des Lebens dokumentiert. Zu seinen Motiven gehören bedächtige Stillleben, eindrucksvolle Porträts und zuletzt die ungeschönte Menschlichkeit in Kalkutta. Seine legendären Bilder haben weltweiten Ruhm erlangt. Doch Mark George – Dons Manager und guter Freund seit mehr als 35 Jahren – skizziert ein intimes und sehr persönliches Bild des Mannes hinter der Kamera.

„Ich lernte früh, die wahre Natur der Menschen zu erkennen. Das war in meinem Berufsfeld immer ein großer Vorteil. Don ist ein faszinierender Mensch und gleichzeitig durch seine Bodenständigkeit bewundernswert.“

„Er kommt aus bescheidenen Verhältnissen und hat seitdem bescheidene Menschen fotografiert. Deswegen kann er sich so gut mit den Menschen in seinen Aufnahmen identifizieren. Wenn ein ganz anderer Fotograf neben ihm stehen und dieselben Menschen fotografieren würde, wäre die Verbindung eine ganz andere. Ich glaube, dass in der Fotografie eine Magie steckt, mit der deine Seele durch deine Hände in das Foto einfließt.“

Ich glaube, dass in der Fotografie eine Magie steckt, mit der deine Seele durch deine Hände in das Foto einfließt.“

„Ich begegnete Don kurz nachdem ich Ende der 1970er Manager für Fotografen wurde. Wir kannten uns über einen gemeinsamen Freund. Eines Tages rief mich Don einfach an. Wie alle anderen war auch ich ganz von ihm ergriffen. Mich beeindruckte sofort sein Moralkodex: Er ist unglaublich ehrlich, sehr loyal und extrem zuverlässig. Er hat den Ruf, sehr ernst zu sein. Ich war wirklich überrascht, als ich herausfand, dass er einen fantastischen Sinn für Humor hat.“

Guter Rat

„Ich beriet Don bei allen kreativen und finanziellen Aspekten seiner Arbeit, wie ich es auch mit anderen Fotografen machte, die ich vertrat. Er arbeitete für die Sunday Times und andere Zeitungen. Als er das Blatt 1984 verließ, hatte er keine Erfahrung in der Geschäftswelt und brauchte Rat. Ich beriet ihn auch in privaten Angelegenheiten und lernte ihn besser kennen.“

„Don ist ein geradliniger Kerl. Das macht es so einfach, sein Manager zu sein. Sobald er sich einem Projekt verschrieben hat, herrschen keine Zweifel mehr. Ihm ist es wichtig, dass sein Auftraggeber mit dem Ergebnis zufrieden ist. Er arbeitet sehr professionell, ohne Rücksicht auf den Arbeitsaufwand, der für ein erfolgreiches Projekt nötig sein kann.“

„Ich bin mir sicher, dass seine Aufträge in Kriegszonen, die er für die Sunday Times erledigte, für diese Einstellung mitverantwortlich sind. Er musste einfach mit guten Aufnahmen zurückkommen. Sein Job war wichtig. Die Verantwortung lag bei ihm. Dieser Ansatz ist in seine Persönlichkeit und seine Arbeit eingeflossen.“

„Es gibt Snobs, die eine sehr geringe Meinung von Werbefotografie haben. Sie warfen ihm vor, sich mit seiner kommerziellen Arbeit zu verkaufen.“

„Don und ich haben über die Jahre an vielen Werbeprojekten gearbeitet und einige fantastische Kampagnen produziert. Ein sehr erinnerungswerter Fototermin war die Rekrutierungskampagne der Metropolitan Police im Jahr 1988, die mit einer Vielzahl an Preisen ausgezeichnet wurde. „Es gibt Snobs, die eine sehr geringe Meinung von Werbefotografie haben. Sie warfen ihm vor, sich mit seiner kommerziellen Arbeit zu verkaufen.“ Er muss aber sein Geld verdienen wie jeder andere auch.“

„Werbefotografie ist so künstlerisch wie journalistische Fotografie. Sie ist in gewisser Hinsicht anspruchsvoller, denn du musst ein Foto produzieren, dass sich gut verkaufen lässt. Der Ansatz unterscheidet sich sehr von einer Aufnahme für einen Magazinartikel. Die Bezahlung ist so gut, weil man das Zielpublikum optimal erreichen muss. Die Location, das Casting, die Emotionen und die Nachricht müssen stimmen.“

„Ich habe jedoch in all den Jahren, in denen ich ihn vertreten habe, vor seinem Einsatz in Kalkutta noch nie gesehen, wie er in dem Umfeld arbeitet, in dem er sich einen Namen gemacht hat: Aufnahmen von der Straße und von interessanten, ungewöhnlichen Menschen. Das war eine sehr wertvolle Erfahrung. Obwohl er 81 Jahre alt war, konnte ich kaum mit ihm mithalten. Während ich noch aus dem Auto ausstieg, hatte er sich schon davongemacht. Es gab keinen langweiligen Moment.“

ER GILT ALS DER GROSSARTIGSTE LEBENDE FOTOGRAF VON KONFLIKTSITUATIONEN.

„Don hat ein immenses Maß an Mitgefühl für Menschen. Deswegen gilt er als der großartigste lebende Fotograf von Konfliktsituationen. Für Don dreht sich Krieg um das Leid armer Menschen. Wenn Kriege aufflammen, können sich die Reichen schnell aus dem Staub machen, während die Armen mit den Problemen zurückgelassen werden. Wie gesagt, er kommt aus bescheidenen Verhältnissen und er fotografiert bescheidene Menschen.“

„Seine Passion für gute Aufnahmen ist eine große Inspiration für Fotografen auf der ganzen Welt. Wenn er unterwegs auf Kriegsreportage ist, ruft er mich oft an, um mir davon zu berichten. Erst letztens rief er mich aus Damaskus in Syrien an. Ich fragte ihn, wie es lief. Er erzählte mir: ‚Also ich höre schwere Artillerie in weiter Entfernung. Aber es gibt auch viele kleine Gefechte die ganze Nacht über. In unmittelbarer Nähe.‘

„In so einer Situation würden die meisten Menschen das Weite suchen. Aber Don klang zufrieden. ‚Es war großartig! Ich hatte das Gefühl, hier genau richtig zu sein‘, beteuerte Don. Da war er 82 Jahre alt. Respekt.“

Verfasst von David Clark


„McCullin in Kolkata“ feierte auf der Camerimage 2017 in Polen Premiere. Weitere Informationen über das neueste Modell der Kamera EOS 5D, die EOS 5D Mark IV, die McCullin für sein Kalkutta-Projekt verwendete, finden Sie auf der entsprechenden Produktseite.

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