Von links nach rechts: Derzeitige und frühere World Press Photo-Juroren Thomas Borberg, Magdalena Herrera und Helen Gilks. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Objektiv Canon EF 50mm f/1.2L USM. © Olivia Harris

World Press Photo (WPPh) gehört zu den branchenweit renommiertesten Wettbewerben, doch sind die preisgekrönten Bilder repräsentativ für die Besten der Branche, und was macht ein erfolgreiches Bild aus? Canon Europa traf sich mit drei Juroren des WPPh-Wettbewerbs, um herauszufinden, wie ein Bild die Aufmerksamkeit der Jury erregen kann.

Emma-Lily Pendleton, Redakteurin von Canon Europe Pro, sprach mit Magdalena Herrera, Director of Photography bei Geo France und Juryvorsitzende bei den WPPh 2018; Thomas Borberg, Chefredakteur für Fotografie bei der dänischen Zeitung Politiken und Helen Gilks, Geschäftsführerin der Nature Picture Library.

Christian Ziegler’s

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Thomas Borberg: Ich kenne Arbeiten, die nicht eingereicht wurden, die ich sehr gerne in diesem Wettbewerb gesehen hätte. Natürlich spiegelt der Wettbewerb die Branche und das vergangene Jahr wider. Doch nicht vollständig, denn es gibt noch viel mehr Geschichten, die mitgeteilt werden könnten.

Helen Gilks: Ich glaube, die Fotografen empfinden es so, dass nur ernste Nachrichten und von Untergangsstimmung geprägte Geschichten Erfolg [beim World Press Photo Contest] haben können. Doch wir suchen auch nach positiven Geschichten.

Magdalena Herrera: Die preisgekrönten Bilder des Jahres stammen in der Regel aus den Kategorien „General News“ und „Spot News“ [die häufig Konflikte und schlechte Nachrichten widerspiegeln], aber wir haben auch viele weniger negative Geschichten gesehen. Zum Beispiel gab es in der Kategorie „Long-Term Projects“ andere Arten von Geschichten zu sehen, da diese Projekte drei oder mehr Jahre andauern. So haben die Fotografen Zeit, alle Seiten einer Geschichte zu dokumentieren. In der neuen Kategorie „Environment“ geht es darum, die Entwicklung der Welt zu zeigen. Da hier ein eigener Ansatz herausgearbeitet werden muss, ist es eher kein Nachrichten- oder Ereignisbericht. Auch die Kategorie „People“ ermöglicht andere Arten von Geschichten, die nicht immer negativ sind.

A rhino lies in the corner of a pen with a red scarf tied over its eyes, and the number 12 sprayed on its side.
Am 21. September 2017 wird ein junges Breitmaulnashorn betäubt. Mit verbundenen Augen wartet es auf seine Freilassung im Okavango-Delta, Botswana, nachdem es zum Schutz vor Wilderern aus Südafrika umgesiedelt wurde. Dieses Foto wurde in der Kategorie „Environment Singles“ der 2018 WPPh Awards nominiert. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark II mit einem Objektiv Canon EF 16-35mm f/2.8L USM. © Neil Aldridge

Thomas Borberg: Es geht nicht um positive oder negative Geschichten, sondern eher darum, ob man mitgerissen wird. Ich denke, es sind die starken Geschichten – und oft die negativen – die den größten Eindruck auf uns machen. Das ist nun einmal so. Das Ergebnis der Beurteilung sollte die beste Geschichte belohnen, die auf die bestmögliche Weise erzählt wurde.

Emma-Lily Pendleton: Denken Sie, dass viele Naturfotografen Bilder für den WPPh Wettbewerb einreichen?

Helen Gilks: Ich bin mir nicht sicher, wie gut sie über den Wettbewerb Bescheid wissen. Bei den Geschichten denke ich schon, da Geschichten aus National Geographic häufig eingereicht werden und Erfolg haben. Aber bei den Einzelbildern sind Naturfotografen der Meinung, dass dies nicht der richtige Wettbewerb für sie ist. Wir hoffen, dass sich das ändern wird. 

Emma-Lily Pendleton: Gibt es eine Tendenz, Fotografien einzureichen, die den erfolgreichen Bildern der vergangenen Jahre ähneln?

Helen Gilks: Häufig werden die Stile kopiert, die im Wettbewerb erfolgreich waren. Ein Naturfotograf namens Bence Máté entwickelte ein System für Aufnahmen auf Bodenebene aus Unterwasserverstecken. Plötzlich sahen wir diese Art von Bildern sehr oft. Aber ich glaube, die meisten ernsthaften Wettbewerbsteilnehmer wissen, dass wir etwas Neues und noch nicht Dagewesenes suchen.

Thomas Borberg: Zum Beispiel verwenden viele Fotografen jetzt Drohnen. Doch dadurch entstehen auch viele schlechte Bilder, wenn nicht eine Geschichte erzählt, sondern nur eine andere Perspektive gezeigt wird.

Auch bei einer großen Geschichte – wie der Rohingya-Krise oder der Flüchtlingskrise in Europa – neigen Fotografen dazu, dieselben Orte aufzusuchen, da die Zeitungen oder Zeitschriften sie dorthin senden. Aber einige Fotografen sind so gut, dass sie einen Schritt zurücktreten und die Geschichte aus einer anderen Perspektive erzählen können. Dadurch heben sie sich hervor.

 A woman sits at a large desk in a home office, her face obscured by a cloud of smoke from her e-cigarette.
Lorri Cottrill, 45, raucht eine E-Zigarette in ihrer Wohnung in Charleston, West Virginia, USA. Als Kopf des National Socialist Movement, einer rechtsextremen Bewegung in den USA, war sie für den Fotojournalisten Espen Rasmussen ein faszinierendes Motiv. Die Serie „Espen's White Rage – USA“ wurde in der Kategorie „Contemporary Issues Stories“ für einen 2018 WPPh Award nominiert. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark IV. © Espen Rasmussen

Emma-Lily Pendleton: Wenn es um die Beurteilung geht, wie viel Gewicht hat die Geschichte im Vergleich zur Ästhetik der Fotografie?

Thomas Borberg: Es hängt von dem Bild ab, das Sie sehen, und der Diskussion innerhalb der Jury. Einer der Faktoren, die ich an der World Press Jury schätze, ist unsere Unvoreingenommenheit, zumindest in diesem Jahr. Man durfte seine Meinung während der Diskussion ändern. Man wählte vielleicht anfangs ein Bild aufgrund seiner fotografischen Qualität aus, war dann jedoch von der Geschichte hinter einem anderen Bild noch überzeugter. Die Gewichtung ist nicht unbedingt ausgeglichen, sondern es hängt vom jeweiligen Bild und der Geschichte dahinter ab.

Magdalena Herrera: Es gibt mehrere Faktoren, die in Erwägung gezogen werden müssen – das Überraschungsmoment, das Gefühl, die Komposition und auch die Aufnahme. So ist das mit der Fotografie – sie setzt sich aus so vielen Parametern zusammen.

Emma-Lily Pendleton: Wie wichtig ist die Fähigkeit, eine Geschichte zu redigieren und zusammenzufügen?

Magdalena Herrera: Sie müssen in der Lage sein, Ihre Geschichte gut zu erzählen. Es muss einen Anfang und ein Ende geben, und dazwischen muss etwas geschehen.

Thomas Borberg: Viel zu viele Leute machen das leider verkehrt. Manchmal sehen wir Geschichten mit drei, vier oder fünf starken Einzelbildern, doch nichts, was diese Bilder zu einer Geschichte verbindet. Manchmal denkt man sich auch „ Oh nein, da braucht jemand Hilfe!“ 

Helen Gilks: Ja, einige Fotografen verstehen nicht, was eine Geschichte ist. Thomas und Magdalena, ich wollte fragen, ob Sie glauben, dass die Portfolios, bei denen die Fotografen sehr eng mit einem Redakteur zusammengearbeitet haben, einen Vorteil haben? Denken Sie, dass diese Fotografen häufiger ausgezeichnet werden als Fotografen, die vielleicht noch nicht veröffentlicht wurden und selbst redigieren?

Magdalena Herrera: Wir wissen nicht, wie viele Teilnehmer ihre eigenen Fotografien redigieren. Genau wie Schriftsteller müssen Fotografen begreifen, dass an einem gewissen Punkt ein Außenstehender bestätigen muss, dass er die Geschichte versteht. Die Branche befindet sich im Wandel – früher gab es in den Agenturen Redakteure, die das für die Fotografen übernommen haben. Es gab mehr Redakteure bei Zeitschriften und Zeitungen, doch jetzt sind es weniger.

A police officer's reflection is seen in a car window, which is peppered with bullet holes.
Die Serie „Latidoamerica“ von Javier Arcenillas wurde in der Kategorie „Long-Term Projects“ 2018 nominiert. Nach Jahren des sozialen Chaos, des Drogenhandels und der Korruption sind viele Lateinamerikaner entschlossen, sich gegen die Probleme in ihren Ländern aufzulehnen. Das Projekt beschreibt die Angst, Wut und Machtlosigkeit der Opfer inmitten des täglichen Terrors durch Straßenbanden, Mord und Diebstahl, und behandelt auch den jüngsten Trend des Drogentourismus in Ländern wie Kolumbien. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark II mit einem Objektiv EF 24-70mm f/2.8L USM im August 2017. © Javier Arcenillas, Luz

Emma-Lily Pendleton: Also ist das Redigieren ein wichtiger Teil der Arbeit eines professionellen Fotografen?

Magdalena Herrera: Ja, wenn Sie Geschichten erzählen möchten.

Thomas Borberg: Ich stimme zu, dass man sich Rat holen sollte – sei es von einem Redakteur oder einem anderen Fotografen – nicht nur wegen des World Press Contest, sondern weil es einem bei der Arbeit hilft. Man sollte das tun, bevor man seinen Beitrag einreicht. So wird von Anfang an sichergestellt, dass man die bestmögliche Geschichte vermittelt, die von der Öffentlichkeit verstanden wird.

Magdalena Herrera: Die Erzählung und die konsistente Stimmung in der gesamten Geschichte [sind wichtig].

Auch wenn Sie ein professioneller Fotograf sind, sollten Sie es wagen, Ihre Rohdateien zu zeigen und um Hilfe zu bitten.

Thomas Borberg: Mein Rat ist, auch wenn Sie ein professioneller Fotograf sind, sollten Sie es wagen, Ihre Rohdateien zu zeigen und um Hilfe zu bitten, weil Ihre Arbeit dadurch nur besser werden kann. Sie machen sich damit verwundbar, weil andere alle Ihre Bilder sehen können, die schlechten und die guten. Aber Sie werden etwas über Ihre eigene Arbeitsweise lernen.

Magdalena Herrera: Sie werden auch beginnen zu verstehen, was Sie für Ihr nächstes Projekt benötigen, und was Ihre Geschichte beeindruckender machen kann. Vielleicht fehlen eine Gesamtaufnahme oder eine Nahaufnahme, um einen Rhythmus in Ihre Geschichten zu bringen. Sie lernen viel über den Prozess des Redigierens, denn dabei werden Sie erkennen, was in der Erzählung fehlt.

Women wearing niqabs and hijabs line up closely, with young girls. A few metres away in the background is a line of men and boys.
In diesem Foto, das in der Kategorie „World Press Photo of the Year“ 2018 nominiert ist, zeigt Ivor Prickett, wie am 15. März 2017 Menschen in der Schlange für Hilfsgüter in Mamun stehen. Aufgenommen im Auftrag von The New York Times mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Objektiv Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM. © Ivor Prickett

Emma-Lily Pendleton: Was ist die Kernkomponente des Siegerfotos?

Thomas Borberg: Emotionen. Sie müssen den Menschen ein Gefühl vermitteln. Es muss nicht unbedingt ein bestimmtes Gefühl sein, aber Sie müssen einen gewissen Eindruck bei den Menschen hinterlassen, damit sie weitere Fragen stellen.

Magdalena Herrera: Nicht alles, was Emotionen hervorruft, ist negativ. Es kann auch ein „Wow“-Gefühl sein. 

Helen Gilks: Ja, auch besondere Schönheit kann ein starkes Gefühl hervorrufen, nicht wahr? 

Thomas Borberg: Das [ als World Press Photo of the Year“ prämierte] Bild von Mads Nissen aus dem Jahr 2015 handelte von Liebe, und zwar von verbotener Liebe auf der ganzen Welt. Ist das eine positive oder negative Geschichte? Man sah zwei Menschen beim Sex, was ganz normal ist. Aber es waren zwei Männer [in Russland, wo LGBT-Personen Diskriminierung und Schikanierung erfahren].

A woman lying in a hospital bed lifts up her hospital gown to her navel, and holds a hand mirror between her legs to see her genitalia. A smartly dressed man with sugeon's gloves stands beside her bed.
„Mehr als eine Frau“ von Canon Botschafter Giulio Di Sturco ist für den Preis in der Kategorie „Contemporary Issues Singles“ nominiert. Am 3. Februar 2017 zeigt Dr. Suporn Watanyusakul seiner Patientin Olivia Thomas ihre neuen Genitalien nach der Geschlechtsumwandlung in einem Krankenhaus in Chonburi in der Nähe von Bangkok, Thailand. Aufgenommen mit einer Canon 5D Mark III mit einem Objektiv Canon EF 24-70mm f/2.8 II USM © Giulio Di Sturco

Magdalena Herrera: Es besteht immer ein Dialog zwischen verschiedenen Elementen – was Sie sehen und was dahinter steckt. Tatsächlich ist Mads Nissens Foto selbst schön und ruhig, aber der Kontext dahinter ist, dass diese Liebe auf eine schreckliche Weise bedroht wird. Jedes Jahr gibt es bei den prämierten Bildern diese Art von Konflikt zwischen dem, was Sie sehen, was Sie fühlen, was es ist und welche Botschaft es sendet.

Thomas Borberg: Ich glaube, es ist wichtig, dass die Juroren ihre endgültige Entscheidung zum Bild des Jahres darauf stützen, welche Elemente ein Signal zu den Zeiten senden, in denen wir leben. John Stanmeyers Bild aus dem Jahr 2014 zeigte Flüchtlinge am Strand, die nach einem Mobilfunksignal suchten. Dabei ging es um Flucht und Migration – eines der wichtigsten Themen weltweit. Die Smartphones zeigten, dass es sich um eine moderne Krise handelt, denn vor 25 Jahren, als [wenige normale Menschen] Mobiltelefone besaßen, wäre dieses Bild nicht möglich gewesen.

Wenn die Juroren die Bilder das erste Mal betrachten, lesen sie die Bildunterschriften nicht.

Emma-Lily Pendleton: Wie wichtig sind Bildunterschriften?

Thomas Borberg: Wenn wir Juroren die Bilder das erste Mal betrachten, lesen wir die Bildunterschriften nicht. Es geht nur um den fotografischen Eindruck und darum, ob der Fotograf ein guter Geschichtenerzähler ist. In der zweiten Runde fragen wir häufig nach den Bildunterschriften. 

Magdalena Herrera: Das kommt an einem bestimmten Punkt am Ende des Prozesses, wenn man von einem Werk begeistert ist, aber ethische Fragen hat oder nicht sicher ist, was man sieht. 

Helen Gilks: Ich glaube, um eine starke Geschichte zu verstehen, braucht man keine Bildunterschrift. Wenn ich mir das Portfolio einer Geschichte ansehe, möchte ich überhaupt keinen Text sehen – ich möchte auf den ersten Blick grob erkennen können, wovon die Geschichte handelt. Wenn das nicht möglich ist, wurde die Geschichte nicht gut erzählt. Bildunterschriften sind so etwas wie eine Bestätigung des ersten Eindrucks und liefern Hintergrundinformationen.

A small snow monkey dressed in a red silk waistcoat looks down. Another snow monkey wears a suit and Donald Trump mask. They stand in front of a wall painted with a forest mural.
Jasper Doests Arbeit „Nicht mehr heilig“ wurde 2018 in der Kategorie „Nature Stories“ nominiert. In den letzten Jahren haben sich die Japanmakaken, die auch als „Schneeaffen“ bekannt sind, an den Menschen gewöhnt. Eine wachsende Makakenpopulation auf dem Land zwingt die Affen dazu, Feldfrüchte zu stehlen, um zu überleben. In den Städten werden die Makaken gezähmt und für die Unterhaltungsbranche trainiert. Doest dokumentierte seine Geschichte zwischen dem 15. Januar 2016 und dem 2. Oktober 2017. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark IV mit einem Objektiv Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM. © Jasper Doest

Emma-Lily Pendleton: Die Regeln von World Press Photo sind [seit 2016] in Bezug auf Inszenierung, Manipulation sowie Fotobearbeitung strenger geworden. Wie schwierig ist die Überprüfung?

Magdalena Herrera: Sehr schwierig. Jede Datei wird mit technischen Mitteln geprüft. Dann werden die Bildunterschriften zweimal von einem unabhängigen Prüferteam geprüft. Zuweilen befragen die Prüfer dann den Fotografen und überprüfen die Nachrichten [um sicherzustellen, dass die Geschichte des Fotografen mit den bekannten Ereignissen übereinstimmt]. Das ist ziemlich streng, aber anders geht es heutzutage nicht. In den Zeiten gefälschter Nachrichten ist es wichtiger denn je, entschieden gegen [Manipulation] vorzugehen, um glaubwürdig zu sein.

Thomas Borberg: Ich glaube, dass der World Press Photo Contest eine Botschaft von Wahrheit und Vertrauen sendet, nicht nur im Namen von World Press Photo, sondern aller professionellen Fotografen, insbesondere Fotojournalisten. Sie können nicht fast richtig liegen oder nur ein bisschen fälschen – es ist entweder echt oder nicht. Wenn Sie versuchen, die Geschichten zu manipulieren, untergraben Sie das Fundament des Fotojournalismus. Dabei geht es nicht nur um das Beschneiden eines Bildes oder das Hinzufügen von Elementen. Wenn Sie ein professioneller Geschichtenerzähler sind, sollten Ihre Bildunterschriften die wahre Geschichte erzählen, da es nicht nur darum geht, was wir sehen. Es geht auch um die Geschichte dahinter.

Magdalena Herrera: Und wie Sie bei der Darstellung von Personen vorgehen – Sie haben eine enorme Verantwortung.

Magdalena Herrera: Ich erinnere mich an ein Jahr, als ich in der Jury saß. Da gab es ein Foto von einer kleinen Schlange, die das Maul aufriss. Wir fanden das Foto sehr hübsch, doch die Juroren gehen wissenschaftlich vor, und sagten: „Diese kleine Schlange würde das Maul nur dann so öffnen, wenn man sie vorher reizt.“

Emma-Lily Pendleton: Was würden Sie jemandem sagen, der in Erwägung ziehen, nächstes Jahr beim Wettbewerb mitzumachen?

Magdalena Herrera: Als Vorsitzende habe ich dieses Jahr alle Juroren gefragt, wonach sie Ausschau hielten. 90 % von ihnen sagten, sie suchten neue, anspruchsvolle Ansätze. Nicht nur in Bezug auf die Technik, sondern auch bei der Perspektive des Fotografen auf die weltweiten Geschehnisse. Zum Beispiel müssen Sie sich in den Kategorien „Environment“ und „Long-Term Projects“ einbringen und die Geschichte aus Ihrer Perspektive erzählen. Ich spreche nicht von Inszenierungen – sondern von Ihrem persönlichen Umgang mit dem Thema. Es geht darum, wie Sie sich positionieren. Mit welchem Abstand, welchem Maß an Intimität. Sollte die Geschichte mit Humor erzählt werden? Das ist es, was ich mit einem neuen Ansatz, bzw. Ihrem eigenen Ansatz meine.

Thomas Borberg: Fragen Sie sich einmal, warum Sie Fotograf geworden sind? Sie sind neugierig und möchten eine emotionale und geistige Verbindung zu Menschen aufbauen. Sie möchten ins Vertrauen gezogen werden und diese Erlebnisse teilen. Besinnen Sie sich auf die Ihnen angeborene Neugier als Fotograf, und kombinieren Sie dies mit etwas technischem Können. Finden Sie dann intelligente Menschen, die Ihnen beim Redigieren der Geschichten helfen – und schon haben Sie den Photo of the Year Award halb gewonnen.

Um eine vollständige Liste der Testkategorien, die Regeln und den Beurteilungsprozess zu sehen und am World Press Photo Contest teilzunehmen, besuchen Sie die Website von World Press Photo.

Verfasst von Emma-Lily Pendleton


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