Interview with World Press Photo Contest judge Christian Ziegler

Interview mit Christian Ziegler, Jurymitglied beim Weltpressefoto des Jahres

Der Naturfotograf Christian Ziegler war Jurymitglied in der Kategorie für Naturfotos beim diesjährigen Weltpressefoto des Jahres. In diesem Interview verrät er, womit die Teilnehmer die Aufmerksamkeit der Jurymitglieder gewinnen.

Als Gewinner des Weltpressefotos des Jahres 2013, 2014 und 2015, wie hat es sich angefühlt, Jurymitglied zu sein?
„Für mich war es großartig, Jurymitglied gewesen zu sein und die andere Seite kennengelernt zu haben. Ich habe viel darüber gelernt, wie die anderen Jurymitglieder die Bilder und Geschichten betrachteten. Sie haben eine sehr unterschiedliche Herkunft und verschiedene Weltansichten. Somit war es aufregend, mit dieser vielfältigen Gruppe von talentierten Menschen zusammen zu sein.“

Wie hoch war die Qualität der Arbeit, die Sie bewertet haben?
„Sehr hoch. In der Kategorie für Naturfotos haben wir viele gute Geschichten gesehen. Der preisgekrönte Essay von Brent Stirton über die Nashornwilderei in Südafrika behandelt das Problem aus allen Blickwinkeln und bietet ein vollständiges Bild über das Aussterben der Nashörner und unsere Mitschuld daran. Die Geschichte von Ami Vitale über die Zucht von Pandas in China wurde mit wunderschönen Bildern und Sinn für Humor dargestellt. In der Kategorie für Einzelbilder haben wir versucht, wichtige Umweltprobleme hervorzuheben. Besonders erwähnenswert waren die Bilder einer Meeresschildkröte, die sich in einer herrenlosen Fischereiausrüstung verhakt hat, einer großen Katze in Indien, die in einem Stadtviertel nach Nahrung sucht, und von toten Monarchfaltern in Mexiko, die nach einem Schneesturm gestorben sind.“

Was haben Sie beim Bewerten der Arbeit von anderen Menschen gelernt?
„Dass jede Person die Bilder unterschiedlich betrachtet, wir alle aber ein gutes Bild erkennen.“

Was ist wichtig, damit die Jurymitglieder bei einem Fotografie-Wettbewerb als eine Einheit funktionieren?
„Du musst den anderen Jurymitgliedern zuhören, insbesondere in ihrem Fachgebiet. Das haben wir alle gemacht. Es war großartig, die Meinung der anderen zu den Bildern zu hören, zugleich musste man sich aber für oder gegen ein Bild aussprechen, je nachdem, ob man davon überzeugt war oder nicht. Die Juryarbeit beim Weltpressefoto des Jahres ist ein sehr intensiver Prozess. Man arbeitet eine Woche lang mit den Jurymitgliedern zusammen, oftmals über 12 Stunden am Tag. Die Bilder sind häufig sehr aufregend, aber ich bin der Meinung, dass wir uns alle nach mehrmaliger Betrachtung über unsere Entscheidungen sicher waren, sodass es zum Schluss keinen Diskussionsbedarf gab.“

Wird Ihnen die Erfahrung als Jurymitglied beim Weltpressefoto des Jahres bei Ihrer eigenen Fotografie helfen?
„Auf jeden Fall! Ich habe einen besseren Eindruck davon, worauf die Juroren achten. Zum Einen benötigt man ein wirklich interessantes und aktuelles Thema von allgemeinem Interesse. Des Weiteren kommt es auf die richtige Bildbearbeitung an. Man benötigt Bilder, die dem breiten Publikum eine vollständige Geschichte erzählen. Für die Herausgabe in einem Magazin, verwende ich oft exotischere Bilder, doch beim Weltpressefoto des Jahres werden viele unterschiedliche Geschichten und Probleme behandelt, sodass der Fotograf präzise arbeiten und dabei alle Seiten einer Geschichte berücksichtigen muss. Beim Einreichen eines Einzelbildes muss man bedenken, dass der erste Eindruck sehr entscheidend ist. Das Bild muss auf einen Schlag viele Informationen vermitteln und gut zusammengesetzt sein. Ich persönlich schaue nach Bildern, die eine Breitenwirkung und eine klare Botschaft haben, mit der die Menschen etwas anfangen können.“

Welchen Ratschlag haben Sie für diejenigen, die am Wettbewerb nächstes Jahr eventuell mitmachen möchten?
„Denken Sie ganz genau über die Botschaft Ihres Bildes nach. Ist sie klar und aussagekräftig? Ist sie originell? Und ist sie vor allen Dingen wunderschön?“

Was ist das Besondere am Weltpressefoto des Jahres?
„Das Weltpressefoto des Jahres ist der weltweit größte und renommierteste Fotowettbewerb, der eine unglaublich große Bedeutung für die Fotografie und die Art und Weise hat, wie wir die Welt zeigen. Mehr als vier Millionen Menschen weltweit sehen sich die Ausstellung persönlich an. Berücksichtigt man die Medienberichterstattung, so ist die Reichweite noch größer. Für einen Naturfotografen ist es wichtig, unsere Botschaften und andere Geschichten hier zu vermitteln. Die Natur und Umweltprobleme betreffen uns alle, und diese Probleme müssen umfassender behandelt werden. Wenn diese Geschichten beim Weltpressefoto des Jahres erzählt werden, erreichen sie Menschen, die damit normalerweise nicht konfrontiert werden oder dafür kein Interesse zeigen würden.“

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