Daily Life, first prize singles – Paula Bronstein

Erster Platz Kategorie „Daily Life, Singles“

Die amerikanische Fotojournalistin reiste zum ersten Mal 2001 im Auftrag von Getty Images nach Afghanistan, um dort im so genannten Krieg gegen den Terror zu fotografieren. Seither kehrte Paula immer wieder in das Land zurück, um die Auswirkungen des Krieges auf das tägliche Leben normaler Menschen in Afghanistan zu dokumentieren. Ihr Bild, das in der Kategorie "Daily Life, Singles" zum Pressefoto des Jahres gekürt wurde, zeigt die „schweigenden Opfer eines vergessenen Krieges“, die es nur selten in die Schlagzeilen schaffen.

Paula fotografierte die Serie „The Silent Victims of a Forgotten War“ für das Pulitzer Centre on Crisis Reporting, um auf die vielen Menschen aufmerksam zu machen, die im afghanischen Krieg verletzt werden. „Es ging darum, die vielen Kriegsopfer zu zeigen, die keine Stimme haben, weil niemand weiß, wer sie sind“, erklärt sie. „Ich wusste, dass ich es schaffen könnte, diese Menschen und ihre Geschichten zu zeigen und damit alle zu berühren, die diese Bilder sehen. Darum geht es beim Fotojournalismus unter anderem und deshalb ist mein Beruf für mich auch eine Art humanitäre Arbeit.“

Paula verbrachte einen Monat in der Notaufnahme eines Krankenhauses in Afghanistans Hauptstadt Kabul, wo diese Serie entstand. Auf ihrem preisgekrönten Bild liegt der zweijährige Shabir in den Armen seiner Tante Najiba. Seine Mutter beerdigt während dieser Zeit seine Schwester, die bei einem Bombenanschlag ums Leben kam. Das Bild zeigt eine fast biblische Szene. „Ich wusste, dass das Licht in bestimmten Teilen des Krankenhauses, vor allem im Frauen- und Kindertrakt, am späten Nachmittag für eine ganz eigene Atmosphäre sorgt“, erzählt Paula. „Dazu kommt die besondere Art, wie sie das Kind hält, das engelhafte Gesicht des Kindes und diese kleine Hand, die hervorschaut.“

Sie erzählt weiter: „Ich habe gewartet, bis die Mutter und der Vater da waren, damit ich ihnen mein Beileid aussprechen konnte. Sie durchlebten eine furchtbare Zeit. Sie wissen nicht, dass dieses Foto einen Preis gewonnen hat, und ich weiß auch nicht, auf welche Weise ich es ihnen erklären könnte, so dass es für sie einen Sinn ergäbe. Das kennen sicher auch andere Fotografen, die schreckliche Dinge in ihren Bildern festhalten: Wie soll man die Menschen auf den Fotos mit den Auszeichnungen in Bezug bringen?“

Obwohl Paula das Foto ursprünglich in der Kategorie „Contemporary Issues“ einreichte, war sie nicht überrascht, dass World Press Photo das Bild in der Kategorie „Daily Life“ auszeichnete. „Diese Szenen gehören in Afghanistan zum täglichen Leben.“

March 29, 2016, Kabul, Afghanistan – Najiba holds her nephew Shabir, who was injured in a bomb blast that killed his sister. The bomb exploded in a relatively peaceful part of Kabul while Shabir’s mother was walking the children to school.

29. März 2016, Kabul, Afghanistan: Najiba hält ihren Neffen Shabir im Arm, der bei dem Bombenanschlag verletzt wurde, bei dem seine Schwester getötet wurde. Die Bombe explodierte in einem relativ friedlichen Teil von Kabul, während Shabirs Mutter die Kinder zur Schule brachte. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III.
© Paula Bronstein

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