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Action-Fotografie mit Andrey Golovanov & Sergey Kivrin

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© Andrey Golovanov und Sergey Kivrin.

Im Vorfeld des Londoner Marathon und dem „London to Paris Bike Ride“ fanden wir es interessant, mit zwei der erfahrensten Sportfotografen der Welt zu plaudern – mit Andrey Golovanov und Sergey Kivrin. In einem exklusiven Interview sprachen sie mit Canon über die Vorteile ihrer Arbeit im Team und ihre Herangehensweise bei der Aufnahmen von spektakulärer Action.

Fotografie als Teamsport

Es ist ziemlich ungewöhnlich, ein kreatives Fototeam zu finden, das so eng zusammenarbeitet – aber die russischen Fotografen Andrey Golovanov und Sergey Kivrin möchten diese Arbeitsweise auf keinen Fall ändern. Nachdem sie sich im Jahr 1986 während der Arbeit für ein Magazin in der Sowjetunion begegneten, sind die beiden seitdem unzertrennlich.

Sergey erklärt die Vorteile der ungewöhnlichen Konstellation: „Es kommt mir so vor, als ob diese Zusammenarbeit nur Vorteile hat. Erstens: Wenn wir zusammen fotografieren, haben wir immer zwei Aufnahmestandpunkte und somit zwei Vorteile während es Events. Zweitens, wenn jemand etwas verpasst hat, stellt der Andere eine Art Versicherung dar. Es ist unwahrscheinlich, dass wir jemals unsere Arbeit niederlegen müssen – wenn einer von uns krank ist, springt der Partner ein. Das ist besonders hilfreich bei der Zusammenarbeit während der Olympischen Spielen, wo man zeitgleich bei Events sein muss!“

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© Andrey Golovanov und Sergey Kivrin.

Mehr als der Moment

Andrey und Sergey haben sich ihren Ruf als erstklassige Sportfotografen auf dem herkömmlichen Weg erarbeitet – sie sind produktiv und haben Tausende von erstaunlichen Fotos bei den riesigen Sportveranstaltungen auf der ganzen Welt gemacht. Im Laufe der Jahre haben sie gelernt, was funktioniert und was nicht. Obwohl die Sportformel einfach erscheinen mag: „Licht, Hintergrund, die Emotionen des Athleten, die Schönheit der Form und die Dynamik sind wichtig fürs Ergebnis“ – macht es letztendlich den wesentlichen Unterschied, wenn der Aufnahmestandort gut und ein gewisses Verständnis für das Thema vorhanden ist.

Sergey erklärt. „Wir versuchen immer von dort zu fotografieren, wo uns die Werbung, Promotion und die Lichtinstallationen nicht stören. Wir versuchen dann, alle Bilder der Reportage ästhetisch zu gestalten und nicht nur den Moment einzufangen.“

Die Vorbereitung ist ganz selbstverständlich ein wichtiger Bestandteil. „Es ist bereits im Vorfeld notwendig, sich jedes Mal auf die Aufnahmen vorzubereiten. Man muss sich mit der Sportart auseinander setzen, den Veranstaltungsort und die besten Standorte für die Aufnahmen kennen lernen. Es ist auch notwendig, sich mit den Leistungen und Gewohnheiten der Athleten vertraut zu machen. Dann hat man im Vorfeld die richtigen Rahmenbedingungen und ist für die Aufnahme bereit. In der Hauptsache sollte man wissen, was zu tun ist und nichts dem Zufall überlassen.“

Man kann sich gut vorstellen, dass man für die Arbeit bei solchen unvorhersehbaren Action-Aufnahmen eine Ausrüstung dabei hat, die für alles bereit ist. „Wir nehmen deshalb immer einen ganzen Satz Canon Objektive mit – EF 16-35mm 1:4L IS USM, EF 70-200mm 1:2,8L IS II USM, EF 300mm 1:2.8L IS II USM und EF 400mm 1:2.8L IS II USM. Und wir verwenden meist eine Canon EOS-1D X Mark II.”

Das Urgestein bei den Olympischen Spielen

Es gibt nicht viele Profis, die von sich behaupten können, dass sie über ein Dutzend Mal bei den Olympischen Spielen dabei waren – für Andrey Golovanov und Sergey Kivrin gehörte das jedoch zum Tagesgeschäft.

In Rio De Janeiro war Andrey nunmehr fünfzehn und Sergey das zwölfte Mal dabei. Mit so vielen Olympischen Spielen im Rucksack kennen sie sich zwar bestens aus – trotzdem sagen sie, dass es heutzutage schwerer geworden ist. „Der Erfolg unserer Arbeit hängt leider sehr stark von den Organisatoren der Olympischen Spiele ab. Der Transport, die Standorte und die Anzahl der Fotografen. Die Distanz zwischen den Sportanlagen, gutes Internet – all dies beeinflusst die Qualität unserer Arbeit.“

Sergey bringt uns auf den Boden der Tatsachen zurück, indem er uns sagt, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. „Wir Pressefotografen haben selbst unter idealen Bedingungen nur vier Stunden Schlaf in der Nacht. Es ist richtig harte Arbeit.“

Die Evolution der Fotografie

Sergey und Andrey haben eine gemeinsame jahrzehntelange Erfahrung und konnten aus erster Hand die vielen Veränderungen in der Fotografie beobachten. Von der Entwicklung der fotografischen Ausrüstung bis zum Aufstieg der Digitalfotografie haben sie sich angepasst – in einer Branche, die sich mit Blitzgeschwindigkeit verändert.

Sie haben ihre Qualifikation bei Aufnahmen mit herkömmlichem Film erlangt – und dabei erkannt, dass sie viel selektiver vorgehen mussten. „Als wir mit Film fotografiert haben, waren wir sehr abhängig von der Quantität und Qualität des Fotomaterials. In der Sowjetunion war diese Abhängigkeit besonders stark. Mit dem Aufkommen der digitalen Technik hat sich für alle Fotografen in gewisser Weise das Spielfeld geebnet.“

Sie halten es jetzt wie viele andere für ein weit verbreitetes Missverständnis, wenn jeder von sich glaubt, ein Fotograf zu sein. „Unser Beruf hat sich dramatisch verändert – es ist ein vollkommen anderer Ansatz. Jetzt haben alle Handys eine Kamera und jeder hält sich damit gleich für einen Fotografen.“

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© Andrey Golovanov und Sergey Kivrin.

Was erwartet das russische Duo als Nächstes?

Obwohl Sportaufnahmen zum Alltag gehören, gibt es nicht viel, auf das sie sich nicht freuen. „Es ist immer interessant, für eine Zeitschrift, ein Buch oder eine Ausstellung zu arbeiten. Alles ist irgendwie jedes mal anders. In diesen Fällen musst du nicht nur die Champions einfangen, sondern auch die Atmosphäre.“

Aber wie man sich vorstellen kann, ist die Konkurrenz für diese Jobs heftig und heizt sich jedes Jahr stärker auf. „Leider werden diese Aufträge immer weniger“, merkt Sergey an. Oft werden die Bilder sofort ins Internet gestellt. Qualität steht nicht mehr an erster Stelle – Geschwindigkeit ist das einzige, was zählt.“

Zum Glück scheint es, dass immer noch eine Nachfrage nach qualitativ hochwertiger Sport-Fotografie besteht. „Als nächstes werden wir beim Federation Cup Tennis in Russland arbeiten, dann nach Kasachstan für die International Tennis Federation. Im Sommer werden wir beim Konföderationen-Pokal in Moskau und den Islamischen Spielen in Baku arbeiten. Nun ja …“ Sergey lächelt – „Wir bleiben am Ball.“

Anerkennung und Auszeichnungen

Während ihrer beeindruckenden Karriere hat das Duo zahlreiche fotografische Auszeichnungen auf der ganzen Welt gewonnen – darunter in Frankreich, Niederlande, Belgien, Schweiz, Deutschland, Japan und in ihrer Heimat Russland. Sie waren besonders stolz auf ihre Reportagen von den Olympischen Spielen in London, im Jahr 2012. Sie waren auch unterstützend dabei, als die Bilder für Russlands Bewerbung für die 2014er Winterspiele in Sotschi gemacht wurden. Und man hat sie damit beauftragt, andere Sportfotografen in Vorbereitung auf diese Spiele zu beraten.

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© Andrey Golovanov und Sergey Kivrin.

Die Kameratasche von Sergey und Andrey:

Kameras

EOS-1D X

EOS-1D X Mark II

Objektive

EF 16-35mm 1:2,8L III USM

EF 70–200mm 1:2,8L IS II USM

EF 200-400mm 1:4L IS USM Extender 1,4fach

EF 300mm 1:2,8L IS II USM

EF 400mm 1:2,8L IS II USM

EF 600mm 1:4L IS II USM

EF 800mm 1:5,6L IS USM

Zubehör:

Canon EF Extender 1,4x III

Canon Timer-Auslösekabel TC-80N3



Rechte am Interview: Verfasst von Martin Fleming