DJ laser show

Drew Ressler ist Fotograf auf Festivals für elektronische Tanzmusik

Drew Ressler Porträt

© Caesar Sebastian

Geschichten von der Tanzfläche.

Wenn die meisten von uns auf ein Festival gehen, können sie von Glück reden, wenn sie ein gutes Foto von ihrem Lieblingskünstler machen können. Drew Ressler ist Fotograf auf Festivals für elektronische Tanzmusik und machte Hunderte, wahrscheinlich Tausende gute Bilder, von denen wir nur träumen können. Er war ursprünglich intensiv in die Arbeit der Videospielindustrie eingebunden und hat nicht nur da jede Menge verrückte Sachen gesehen. Drews Karriere war eine eklektische Mischung aus schlaflosen Reisen, Backstage-Pässen und vielen weiteren wirklich erstaunlichen Geschichten.

Wir plauderten mit Drew Ressler (der sich als „Rukes“ einen Namen gemacht hat) über seine beneidenswerte Arbeit und seine Höhen und Tiefen bei den Shootings von den Festivals auf der ganzen Welt. Und natürlich auch darüber, warum man mit dem Handy auf Festivals keine guten Aufnahmen machen kann.

Fangen wir mal ganz einfach an: Wie bist du in die Musikerszene und die Fotografie von den Festivals rein gerutscht? Wann war dir klar, dass du damit Karriere machen willst?

Ich fing Ende 2004 damit an. Zur Musik kam ich Ende der 90er Jahre und dann bekam ich 2004 meine erste Canon zum Geburtstag. Es war eine ganz unkomplizierte PowerShot G3. Ich war damals ein Fan vom DJ BT, mein Freund Lainie machte für ihn den Manager und lud mich zu seinem nächsten Gig in NYC ein. Ich hatte natürlich meine Kamera dabei, um die Veranstaltung für andere Fans von BT zu dokumentieren.

Von da an habe ich öfter auf den Events fotografiert und bin kurz danach nach LA gezogen. Ich kaufte mir eine Canon EOS 20D und dachte darüber nach, in meiner Freizeit in den Clubs zu fotografieren. Dann habe ich beim Avalon angefangen, weil dort jede Woche ein DJ war, den ich gut fand!

Ich wusste, dass meine Karriere im Avalon starten würde. Dort machte ich an jedem Wochenende genauso viel Geld, wie ich ansonsten in der ganzen Woche in meinem langweiligen Job in der Videospielindustrie verdient habe. Ich bin das Risiko eingegangen, habe die Videospielindustrie verlassen und begann, mich zu 100 % auf die Fotografie zu konzentrieren.

Ich weiß, dass du in der Videospielindustrie gearbeitet hast. Jetzt bist du ein professioneller Fotograf. Das sind zwei Branchen, in die eine Menge Leute gerne reinkommen würden – was ist dein Geheimnis?

Die Videospielindustrie zwar ein einziges Durcheinander. Ich begann in der Qualitätskontrolle – das ist in der Regel der Eingang zur Branche. Ich habe in New York eine eindrucksvolle Karriere aufgebaut und als ich nach LA gezogen bin, haben sich fast alle Auftraggeber überhaupt nicht mehr um mein Talent gekümmert. Das hat mich schwer geärgert.

Umgekehrt war das Fotografieren und das Lernen des Umgangs mit der Kamera für ein gutes Foto sehr lustig. Als ich anfing, hatten nur wenige Leute DSLRs – die Musiker und Clubs waren sehr erpicht darauf, einen Fotografen mit gutem Equipment für die Bilder von ihren Events zu finden. Es war eine gute Zeit im Vergleich zu heute, wo jeder eine DSLR hat.

Als jemand, der einen großen Teil des Tages (und der Nacht) mit den Musikern auf Parties abhängt – wie bleibst du an der Sache dran?

Ich passe einfach auf mich auf, ich rauche nicht, ich trinke nicht und nehme auch keine Drogen. Also lasse ich die Musiker in meinem Sinne für mich feiern und ich konzentriere mich nur auf die Fotos. Meine Mentalität ist, erstaunliche Bilder von einem Event zu machen – und darauf konzentriere ich mich bei den Aufnahmen. Ich muss mindestens ein erstaunliches Foto von jedem Konzert machen und ich höre nicht auf, bis ich es habe. Mein Job hat immer höchste Priorität – dafür werde ich gebucht.

Was sind einige deiner Lieblingsfestivals und Events auf der ganzen Welt?

Es gibt so viele, da fällt die Auswahl schwer. Ich liebe „Holy Ship“, das ist eine wirklich lustige Zeit auf einem Kreuzfahrtschiff rund um Miami und den Bahamas mit einem Haufen guter Freunde. Ultra hat immer mehr und mehr erstaunliche internationale Festivals. Ich bin sehr glücklich, ständig für Bilder um die Welt zu reisen, besonders wenn wir im September in Japan sind – da bin ich eigentlich am liebsten. Stereosonic war ein großartiges Festival in Australien, ich hoffe, dass jemand die Lücke von der „tour around Australia for a week“ füllt – damit ging ja immer die Saison los. Ich liebe auch das „Djakarta Warehouse Project“. Das ist immer eine tolle Produktion mit starken Fans.

DJs Haare wehen im Wind

© Drew Ressler

Du fotografierst überwiegend auf Konzerten und Festivals – die Lichtsituation muss doch da der reinste Albtraum sein. Gibt es überhaupt einfache und narrensichere Tricks, um dort gute Bilder zu machen?

Wenn man die Möglichkeiten der Kamera und des Objektivs kennt, ist das schon mal sehr hilfreich. Ich achte auf Änderungen der Lichtstimmungen – manchmal wechselt die Szene und die Stroboskope richten sich auf das Publikum. Solche Momente halte ich dann fest. Mn muss die manuellen Einstellmöglichkeiten beherrschen. Wenn mit LEDs ausgeleuchtet wird, sorgt eine bestimmte Belichtungszeit dafür, dass die LED-Felder komplett und nicht nur teilweise hell leuchten.

Wenn es richtig dunkel wird, wechsele ich das Objektiv. Dann nehme ich das EF 35mm f/1.4L II USM oder das EF 85mm f/1.2L II USM.

Natürlich muss auch die Kamera sehr lichtempfindlich sein. Ich liebe die EOS-1D X Mark II und selbst bei vollständiger Dunkelheit brauche nicht mehr als 3.200 ISO – natürlich plane ich das alles etwas und halte die Kamera dabei ruhig. Die Shows von heute sind viel größer und man muss nicht ständig am Auslöser hängen.

Nimmst du eine „Checkliste“ mit ins Konzert, um die entsprechenden Bilder zu machen? Oder siehst du auch so, wie sich die Sache entwickelt?

Ich arbeite nach gewissen Regeln: Weitwinkel-Aufnahme ins Publikum aus der Perspektive hinter dem DJ; Weitwinkel-Aufnahme von der Fassade der Location; Nahaufnahme vom DJ aus erhöhter Position und ein Porträt vom DJ am Equipment. Was ich danach mache, hängt vom Verlauf der Veranstaltung ab. Manchmal gibt es einen hoch gelegenen Standort vor der Location, manchmal kann ich im Zuschauerraum auf eine hoch gelegene Tribüne – und manchmal kann ich mich auf der Bühne zwischen den Stativen der Scheinwerfer durch quetschen und eine gute Nahaufnahme vom DJ machen.

Oft hängt das aber auch von der Musik ab und wie der DJ gerade drauf ist. Wie oft konzentrierst du dich auf den DJ? Ziehen die öfter so eine „haltet die brennenden Feuerzeuge über dem Kopf“ Nummer durch?

Das braucht schon so seine Zeit, bis man dafür ein Gespür entwickelt hat – das macht es dann aber einfacher. Diese geballte Menge an Information ist mitunter verwirrend. Als ich mit Zedd auf Tour war und danach mit einem anderen DJ auf den Festivals fotografiert habe, habe ich das gemerkt. Man muss die Stücke neu lernen und sich auf andere Lichteffekte einstellen.

Einige Leute denken, du machst den besten Job der Welt. Für Geld um die Welt zur Musik der besten DJs zu reisen, um dort Fotos zu machen – das ist schon was ganz besonderes. Das geht wahrscheinlich auch an die Substanz. Gibt es weitere Nachteile, von denen die Leute nichts wissen?

Es gibt einige Nachteile. Die vielen Reisen bringen den Schlafrhythmus komplett durcheinander. Man ist ständig müde. Dann hat man sich gerade an die eine Zeitzone gewöhnt und muss schon wieder woanders hin. Mit den Terminen der DJs ist es auch nicht einfach. Manchmal geht es nach dem Act mitten in der Nacht mit dem Flieger weiter zur nächsten Location. Schlaflose Nächte sind die Regel. Ein Jahr lang war ich 6 Wochen am Stück unterwegs – durch 8 Länder und 4 Kontinente – danach war ich ziemlich fertig. Nach so einer Tour brauche ich erst mal eine gewisse Zeit, um wieder runter zu kommen.

Bei den Festivals ist die Security der größte Stressfaktor. Selbst wenn du alle Pässe, Armbänder und Genehmigungen dabei hast – es tauchen immer wieder irgendwelche ahnungslosen Typen von der Security auf und wollen dir bei der Arbeit einen Strich durch die Rechnung machen. Manchmal fängt die Security an, mich über die 15-Minuten-Regel* aufzuklären – obwohl ich davon ausgenommen bin. Für mich ist jede Minute wichtig. Auf jeder Bühne läuft für mich der Countdown – wenn ich während dieser Zeit mit der Security verhandeln muss, geht das von meiner Zeit ab und ich verpasse gute Gelegenheiten.

(* Die Zeitspanne, in der ein normaler Fotograf während einer Show einen Künstler auf der Bühne fotografieren darf.)

Du bist jetzt schon eine Zeit lang dabei – was war denn der wichtigste Impuls, der deine Fotografie beeinflusst hat?

Ganz klar der technische Forstschritt. Ich fiebere schon den nächsten vier Jahren entgegen, wenn die nächste Evolution der EOS-1D X kommt und was dann damit alles möglich ist. Auch bei den Objektiven schaue ich genau hin. Vielleicht gibt es ja schon bald das eine Objektiv, das meine beiden aktuellen Objektive ersetzen kann. Die neuen Kameras und Objektive werden immer lichtstärker – das hilft mir bei der Arbeit ganz enorm.

Andererseits bin ich darüber enttäuscht, mit welchen Vorstellungen manche Leute unterwegs sind, die in dieses Geschäft einsteigen wollen.

DSLRs sind ja erschwinglich geworden. Jeder kann sich eine kaufen und dann damit Aufnahmen machen, die den Veranstalter nichts kosten. Ich kenne viele Fotografen, die ihre Flüge und die Hotels aus eigener Tasche bezahlen und so gerade eben kostendeckend arbeiten, wenn die Veranstalter ihnen Geld für ein Bild zahlen. Einige sind sogar kostenlos unterwegs, nur um in der Nähe der DJs sein zu können. Zum Glück arbeite ich mit Veranstaltern und DJs zusammen, die meine Qualität und Professionalität schätzen und mich regelmäßig buchen.

Jetzt ist es aber mittlerweile so, dass die Leute glauben, mit einem Handy in der Hand ein Fotograf zu sein. Vor allem in den Clubs ist das so, wo jede Menge Selfies und Bilder vom Event gemacht werden. Wie schaffst du, dass sich deine Bilder von der Masse abheben?

Ich sehe zum Beispiel das Problem, wenn es um hohe ISO-Werte geht. Einige Leute stellen den Maximalwert ein und fotografieren im Automatik-Modus. Obwohl das überhaupt nicht nötig ist – speziell tagsüber. Ich habe Bilder gesehen, die wurden in Situationen gemacht, wo man rauschfreie Bilder mit 800 bis 1.600 ISO machen kann. Diese Bilder sind dann so unglaublich verrauscht, als wäre gerade Schneetreiben – trotz der aktivierten Rauschfilter.

Mein Ziel war schon immer, Fotos zu machen, die auch in voller Vergrößerung super gut aussehen. Ein aktueller Trend ist, das Foto einfach gut genug für die sozialen Medien zu machen. Wenn es dann vergrößert wird, ist es verschwommen, unscharf und komplett verrauscht. Bei Vergrößerungen kommt es auf die absolute Schärfe an. Man kann bei einem kleinen Bild eventuell noch mit wenig Unschärfe durchkommen – aber wenn ich es vergrößere und es ist nur der Hauch von Unschärfe drin: Gelöscht!

Schwarzweißfoto von einem Bandauftritt

© Drew Ressler

Was machst du denn sonst so gerade? Hast du irgendwas in der Pipeline?

Momentan mache ich viele Bilder. Aber es verlagert sich immer stärker in Richtung Pressefotografie.

Mit http://apparel.rukes.com läuft eine Kooperation. Da mache ich aus einen Bildern von Veranstaltungen Fanbekleidung mit Hoodies, Shirts und Tüchern. Das verkauft sich auf den Veranstaltungen ganz gut. Ich sehe immer mehr Leute, die das tragen. Ich habe sogar beim Ultra Europe in Kroatien Leute mit einem Tank-Top gesehen!

Jedes Jahr gibt es mehr zu tun. Einiges würde ich zwar gerne machen, muss es aber zurück stellen. Ich würde gern mehr in Richtung Rock- und Pop-Kultur machen. Irgendwann möchte ich mal einen Bildband machen. Aber wer weiß, wann ich dazu komme. Vielleicht zum 20-jährigen Jubiläum?

Was war die beste Geschichte, die du rund um die Fotografie erlebt hast?

Es gibt Unmengen von verrückten Bildern mit unglaublichen Geschichten. Eines meiner Lieblingsfotos ist von Stereosonic vor ein paar Jahren, mit Bildern von Tiesto, als er gerade spielte. Er drehte sich zu mir um, weil ich seine Kopfhörer aufsetzen sollte, um den DJ zu mimen. Ich fotografierte aber weiter und die Aufnahme wurde legendär.

Ein anderes Bild zeigt eine riesige Hello Kitty, die durch ein zerbrochenes Glasfenster kommt. Auf einer Tour mit Deadmau5 mit Tommy Lee hatten alle beschlossen, sich als Comic-Helden zu verkleiden. Damit gingen sie dann ins Publikum und machten verrückte Sachen – niemand wusste, wer sie sind. Ich saß hinter der Bühne in einem Anhänger und habe Bilder bearbeitet. Deadmau5 hatte das Hello Kitty Kostüm an und klopfte an die Scheibe. Er hatte wohl etwas zu viel Schwung – das Fenster zersprang und der Superheld streckte seine Faust zu mir rein. Danach haben die Szene ein wenig nachgestellt.

Andere zufällige Dinge finden sich quer über meine Website verstreut. Ich stelle dort Foto-Galerien von den Events ein, damit mich die Leute über die ganze Srecke und über den Tag hinweg verfolgen können. Das hat sich als gute Idee bewährt. Das ist ein weiterer Grund, warum ich irgendwann ein Buch machen möchte – ich habe so viele Geschichten mit so vielen Bildern!

Du hast dir alles selber beigebracht – welchen Rat würdest du anderen geben, die gerade anfangen?

Man muss einen persönlichen Blick für die Fotografie entwickeln. Versuche nicht, andere Fotografen nachzumachen. Konzentriere dich auf deine Arbeit.

Auf keinen Fall kostenlos arbeiten, wenn die Leute erkannt haben, dass du eine gute Arbeit machst. Deine Arbeit ist eine Kunst und Sie verdient, auch dafür bezahlt zu werden.

Zedd bei seinem Auftritt in Echostage

© Drew Ressler

Lieblingsband / Musiker / DJ?

Hybrid, eine DJ-Gruppe aus Großbritannien. Die haben ziemlich viele Songs und Remixe gemacht, ich liebe. Sie sind einer der Gründe, warum ich bei der Tanzmusik angekommen bin. Aus diesen Reihen kamen auch Unterstützer, die mir bei meiner Fotografie unter die Arme gegriffen haben (Mike Truman erwähnte, dass ich ein gutes Auge für die Fotografie hätte, als ich damit anfing).

Die meisten Leute gehen in Nachtclubs und Festivals, um sich dort zu entspannen und zu feiern – aber dort machst du deinen Job. Was machst du zum Entspannen?

Fernsehen / Filme anschauen, Videospiele spielen, ein Buch lesen und mal richtig gutes Essen genießen.

Was ist in deiner Kameratasche besonders wichtig?

Abgesehen von meiner Kamera, den Objektiven und Blitz habe ich immer das in meiner Tasche dabei:

  • Spezielle Ohrstöpsel. Die trage ich eigentlich immer. Es ist extrem wichtig, sein Gehör zu schützen!
  • Aufladbare Hochleistungs-Taschenlampe. Toll für dunkle Festivals und Veranstaltungen (und hilfreich, wenn ich mal den Objektivdeckel fallen lasse!)
  • Verschiedene Reiniger – wie ein Turbinengebläse, Sensortupfer, Reinigungstücher für die Objektive, etc.
  • Mehrere Adapter, ein USB-C-Kartenleser sowie ein einfaches USB-C-Kabel, um meine Kamera direkt anzuschließen.
  • Ein guter Blitzdiffusor – ich benutze den Blitz generell nur für Porträtaufnahmen.
  • Karabiner. Immer hilfreich zum Anbringen von laminierten Ausweisen – auch ohne Halsband.

Die Antworten wurden zur besseren Klarheit überarbeitet.


Drew Resslers Kameratasche

KAMERAS:

Canon EOS-1D X Mark II

OBJEKTIVE + BLITZ:

Canon EF 16-35mm f/2.8L III USM

Canon EF 24-70mm 1:2,8L II USM

Canon EF 85mm 1:1,2L II USM

Canon EF 40mm 1:2,8 STM

Canon EF 35mm 1:1.4L II USM

Canon EF 70-200mm 1:2,8L IS II USM

Canon TS-E 90mm f/2.8 tilt-and-shift

Canon Extender EF 2x III

Canon Speedlite 600EX-RT Blitzgerät



Rechte am Interview: Verfasst von Martin Fleming