Southern_Hymettus

Der Fotograf Jeff Vanderpool

Jeff_Vanderpool_Porträt

©Joanna Vasdeki

Das andere Athen.

Die Tatsache ist, dass wenn man etwas oft genug gesehen hat, man schließlich aufhört, es überhaupt zu sehen. Wir vergessen schnell, unser Umfeld zu schätzen, wenn es uns übermäßig vertraut ist. Der Fotograf Jeff Vanderpool wurde in Athen geboren und hat einen großen Teil seiner beruflichen Karriere der Erfassung der Stadt gewidmet. Für sein Projekt „Sea of City“ hat Jeff allerdings sein Objektiv von den allzu vertrauten Denkmälern abgewandt und auf die oft übersehenen Berge rund um die Stadt gerichtet.

Wir unterhielten uns mit Jeff über das Entdecken einer neuen Seite der Stadt.

Was war das Ziel, als du mit diesem Projekt begonnen hast?

Athen liegt in einem Talkessel, umgeben von Bergen und Meer. In Griechenland wird es oft als das „Lekanopedio“ oder Talkesselgebiet bezeichnet. An vielen Orten gibt es eine sehr scharf gezogene Grenze, an der die Stadt plötzlich aufhört, weil ein Berg im Weg ist und ihre Ausdehnung verhindert. Durch das Leben in der Stadt hat man ein deutliches Bild von diesen Bergen als Kulisse an der Stadtgrenze vor Augen – aber nicht viel Vorstellung über ihren Inhalt und Charakter.

Gerade in der aktuell etwas unglücklichen Zeit wird die natürliche Umgebung oft übersehen. Während diese Berge eine große Erholung von der Stadt ermöglichen, sind Feuer, die Entwicklung und der Müll eine echte Bedrohung für sie. Ich glaube, es war mein Ziel, die Aufmerksamkeit auf ihre Existenz zu lenken und die Tatsache, dass sie so ein kostbarer Teil der Stadt sind – wie jedes andere ihrer kulturellen Denkmäler.

Du wurdest in Athen geboren. Warum hast du dich entschlossen, dieses Projekt jetzt zu starten?

Ich habe meine Kindheit in Athen verbracht, aber erst vor fünf Jahren entschieden, hier dauerhaft zu leben. Das gab mir die Möglichkeit, die griechische Landschaft, die mich eigentlich schon immer fasziniert hat, noch intensiver zu betrachten.

Northern_Hymettus

©Jeff Vanderpool

Du hast nur eine Handvoll Bilder für diese Serie ausgewählt, was macht diese Bilder für dich so herausragend?

Es gibt vier Berge rund um die Stadt und ich habe zwei bis drei Bilder von jedem Berg ausgewählt. In diesen Bildern kann man oft sich gegenüber liegende Aussichtspunkte von den Bergen von einer Seite der Stadt zur anderen erkennen. Ich habe versucht, eine Auswahl zu treffen, die die Serie so gut wie möglich als Ganzes zeigt.

Gibt es ein Bild, das wahrlich erfasst, worum es bei dem Projekt geht?

Das ist schwer zu sagen, aber vielleicht würde ich das Bild Nr. 3 aus der Central Hymettus Serie vorschlagen. Die Steine ​​im Vordergrund sind Teil einer groben Schotterpiste in der Nähe des Gipfels vom Hymerttus im Osten von Athen. Diese Art von gezackten Felsen ist sehr charakteristisch für die Schotterpisten in der Region rund um Athen.

Für mich dokumentiert dieses Foto die innige Verbindung zwischen der Stadt und ihrer Umgebung. Man sieht sowohl die natürliche als auch die durch den Menschen entstandene Veränderung. Und da der überwiegenden Teil der Stadt Athen aus Felsen gebaut wurde, die in diesen Bergen abgebaut wurden, fand ich dort auch eine schöne Verbindung zu diesem Material.

Einige der Bilder zeichnen eine ziemlich trostlose Ansicht von Athen, die mit den Teilen der Stadt in Kontrast steht, die viele Leute kennen. Warum war es so wichtig für dich, diese alternative Sicht von der Stadt zu zeigen?

Die Landschaft und die Denkmäler der Stadt Athen werden seit Jahrhunderten von Künstlern und Fotografen dargestellt. (In der Tat ist ein großer Teil meiner beruflichen Arbeit diesem gewidmet!) Durch diese historischen Bilder erhalten wir eine Vorstellung von den Veränderungen der Landschaft und der Stadt im Verlauf der Jahre. Es ist schwierig, wenn man bedenkt, wie man sich einem Thema nähern soll, das schon so ausgiebig dargestellt wurde. Deshalb beschloss ich, einige von den eher unbekannten Elementen der athenischen Landschaft zu zeigen. Ich sehe in jeder Stelle, die ich fotografiert habe, ihre eigene, unbeschwerte Schönheit. Die Verwüstung oder Einsamkeit dieser Orte ist in gewisser Weise das, was die vielen Mönche und Nonnen dort in den Klöstern auf Bergen suchen!

Was glaubst du, sollen die Leute beim Betrachten dieser Bilder mitnehmen?

Wir haben oft das Gefühl, dass wir einen Ort kennen – auch wenn wir nur einen sehr kleinen Teil davon erlebt haben. Ich möchte den Menschen das Gefühl geben, dass diese Stadt große Dimensionen hat – was vielleicht auch allen anderen Städten und der Art und Weise, wie wir sie erleben, einen großen Wert verleihen kann.

Hat das Projekt deine Sichtweise auf die Stadt, in der du aufgewachsen bist, verändert? Wenn ja, wie sieht diese aus?

Absolut. Jedes Mal, wenn man etwas intensiv beobachtet, ändert sich die Art der Wahrnehmung. Ich habe niemals die Weite und Vielfalt der Naturlandschaft, die Athen unmittelbar umgibt, voll schätzen gelernt. Und aus der Ferne wirkt die Stadt so ruhig. Man verliert den Bezug zum pulsierenden Leben auf der Straße. Die Stadt wirkt daher wie ein weiteres topographisches Merkmal – ähnlich wie die Berge auf mich einmal von der Stadt aus gewirkt haben.

Mount_Parnitha

©Jeff Vanderpool

Was kommt als Nächstes?

Ich setze meine Arbeit über Athen fort – konzentriere mich aber jetzt auf die Stadt selbst. Die moderne Stadt ist sehr organisch gebaut. Obwohl es mal ursprünglich einen festen Plan gab, als die Stadt im 19. Jahrhundert saniert wurde, überwiegten lokale Interessen und der Großteil des Plans wurde nicht umgesetzt. Das Ergebnis ist die Stadt, wie sie heute ist. An der Oberfläche sehr chaotisch, anarchisch und für viele Menschen unattraktiv. Ich möchte eine neue ästhetische Bewertung der Stadt anbieten – eine, die in ihrem gegenwärtigen Zustand Potenzial und nicht Verzweiflung sieht.

Welche Tipps hast du für das Erzählen von visuellen Geschichten?

Die besten Geschichten sind die, die uns persönlich in irgendeiner Weise berühren. Es stellt eine visuelle Verbindung dar, was die Arbeit für mich noch interessanter macht.

Welche Ausrüstung verwendest du?

Ich benutze ein EOS 5DS R Gehäuse. Dann habe ich noch verschiedene Objektive – darunter das Canon EF 24-105mm f/4L Zoom und das ältere 24mm TSE. Ich arbeite auch mit vielen alten manuellen Mittelformat-Objektiven mit einem Tilt-Shift-Adapter.

Die Sea of City Serie wird ab Oktober 2017 im Central European House of Photography in Bratislava ausgestellt.

Mount_Parnitha_The_Ancient_Fortress_of_Fili

©Jeff Vanderpool


Jeffs Kameratasche

Kameras

Canon EOS 5DS R

Objektive

Canon EF 24-105mm f/4L IS II USM



Rechte am Interview: Verfasst von Daniel O’Hara