Tipps zur Nachtfotografie

Nachtszenen mit Ihrer EOS

Legen Sie Ihre Kamera am Ende des Tages nicht weg. Die Nacht bietet zahlreiche Möglichkeiten für weitere Aufnahmen.
In diesem Tutorial werden einige nützliche Verfahren und Funktionen dazu behandelt.

  • Winterlandschaften
  • Porträt
  • Stadtlandschaften
  • Nachtaufnahmen
  • Einsatz von Filtern
  • In Schwarzweiß „sehen“
  • Aufnahmen im JPEG- und RAW-Format

Night-Shops-Lights

© Yasen Tsonev

Verwacklung

Es ist wahrscheinlich jedem klar, aber der erste Unterschied, den Sie bemerken werden, sind die schlechteren Lichtverhältnisse. Sie können den Digitalsensor der Kamera lichtempfindlicher machen, indem Sie den ISO-Wert erhöhen. Sie können die Aufnahmen auch mit einer weiten Blendenöffnung machen, damit mehr Licht den Sensor erreicht. Wahrscheinlich müssen Sie aber auch lange Verschlusszeiten verwenden, um die richtige Belichtung zu erreichen.

Das Problem bei längeren Verschlusszeiten ist die Verwacklung. Wenn Sie die Kamera in den Händen halten, können Sie leichte Verwacklungen nicht verhindern. Bei längeren Verschlusszeiten werden Verwacklungen zwar nicht gesteigert, können aber sehr viel häufiger vorkommen. Bei einer längeren Brennweite werden die Auswirkungen von Verwacklungen ebenfalls erhöht. Daher sollten Sie bei Nachtaufnahmen ein Objektiv mit einer kurzen Brennweite, wie 18 mm oder 24 mm, verwenden.

Stative

So sehr Sie auch versuchen, still zu halten, Sie schwanken immer etwas zur Seite oder nach vorne oder hinten. Ein stabiles Stativ auf festem Untergrund ermöglicht Belichtungszeiten von mehreren Minuten ohne jegliche Verwacklung.

Das Hauptrisiko der Bewegung einer Kamera auf einem Stativ ist der Moment, in dem Sie den Auslöser drücken, um die Belichtung zu starten. Wenn Sie die Kamera berühren, kann es zu einer leichten Verwacklung kommen. Diese legt sich manchmal erst nach einer oder zwei Sekunden und kann Belichtungen, die einige Sekunden oder länger dauern, beeinträchtigen.

Um dies zu vermeiden, können Sie den integrierten Selbstauslöser Ihrer EOS verwenden. Dabei können sich alle Bewegungen, die beim Drücken des Auslösers entstehen, zunächst legen, bevor die Belichtung erfolgt. Die Verzögerung von zwei Sekunden ist ideal, wenn Sie statische Motive mit Ihrer Kamera auf einem Stativ fotografieren.

image alt sample

Hoffnungsschimmer, © Marco Lieberwirth 2010, Canon EOS 400D

Fernauslöser

Wenn Sie ein sich bewegendes Motiv fotografieren und den Auslöser zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt betätigen müssen, können Sie einen Canon Fernauslöser verwenden. Der Auslöser verfügt über ein kurzes Kabel mit einem Stecker, der an den Fernanschluss der Kamera angeschlossen wird. Am anderen Ende des Kabels befindet sich eine kleine Einheit mit einer Taste. Wenn Sie die Taste drücken, wird der Auslöser betätigt, ohne dass die Kamera bewegt wird.

Night-Lion-2

Löwe in der Nacht, © Pierre Morlon 2010, Canon EOS 400D

Spiegelverriegelung

Zahlreiche EOS-Kameras bieten eine Funktion zur Spiegelverriegelung, die mit einer Individualfunktion festgelegt wird. Der Reflexspiegel in der Kamera reflektiert Licht nach oben zum Sucher. Zu Beginn der Belichtung schwenkt der Spiegel nach oben, um das Licht an den Sensor an der Rückseite der Kamera zu leiten. Es kann allerdings zu kleinen Vibrationen in der Kamera kommen, wenn der Spiegel bei seiner schnellen Bewegung die Schaumdämpfer trifft.

Bei der Spiegelverriegelung wird der Spiegel durch einmaliges Drücken des Auslösers angehoben. Dann können Sie eine oder zwei Sekunden warten, bis die Vibrationen abgeklungen sind, bevor Sie den Auslöser erneut drücken, um die Aufnahme zu starten.

Wechsel zu Manuell

Bei Nachtaufnahmen kann sich die genaue Belichtung schwierig gestalten. Dies liegt einerseits daran, dass es oft große Dunkelbereiche in der Szene gibt, und andererseits daran, dass unterschiedliche Belichtungseinstellungen gleich gute Ergebnisse liefern können.

Nehmen Sie zunächst ein Foto mit der empfohlenen Belichtung auf. Dann können Sie einen der Belichtungswerte (normalerweise die Verschlusszeit) anpassen und ein anderes Foto aufnehmen, um zu prüfen, ob das Bild dadurch verbessert wurde. In nur wenigen Aufnahmen sollten Sie ein geeignetes Bild erhalten. Belassen Sie es aber nicht dabei. Experimentieren Sie weiter mit anderen Belichtungseinstellungen, und prüfen Sie, ob es auch andere schöne Ergebnisse gibt.

Museum of Islamic Art

Museum für Islamische Kunst, © Rhandy Pelaez 2010, Canon EOS 550D

Aufnahmen mit Langzeitbelichtung

Sie können Belichtungszeiten von bis zu 30 Sekunden auf Ihrer EOS einstellen. Mit dem Modus [Bulb] (Langzeit) (B) können Sie sehr viel längere Belichtungszeiten verwenden. Die Einstellung des Modus „B“ variiert abhängig vom Modell. Die genauen Einrichtungsdetails finden Sie in Ihrer Bedienungsanleitung.

Wenn Sie den Auslöser im Modus „B“ gedrückt halten, öffnet sich die Blende und bleibt so lange geöffnet, bis Sie den Auslöser wieder loslassen. Mit einem Fernauslöser können Sie die Blende offen halten, ohne den Auslöser bei der langen Belichtung gedrückt halten zu müssen.

Bei der Spiegelverriegelung wird der Spiegel durch einmaliges Drücken des Auslösers angehoben. Dann können Sie eine oder zwei Sekunden warten, bis die Vibrationen abgeklungen sind, bevor Sie den Auslöser erneut drücken, um die Aufnahme zu starten.

Rauschreduzierung

Bei langen Belichtungszeiten kann das „Bildrauschen“ erhöht werden. Dabei wird das Bild unklarer, und Details gehen verloren. Alle aktuellen EOS-Kameras verfügen über eine Funktion zur Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung, die im Einstellungsmenü der Kamera aktiviert werden kann.

Aurora and birches Norway

Aurora and birches Norway, © Stein Nilsen

Die Kamera entfernt nun einen Großteil des Bildrauschens, während sie das Bild in die Speicherkarte schreibt. Dies nimmt allerdings so viel Zeit wie die tatsächliche Belichtung in Anspruch. Bei einer Belichtungszeit von zwei Minuten dauert es also noch einmal zwei Minuten, bis das Bild auf dem Display angezeigt wird. Während dieser Zeit können Sie kein weiteres Bild aufnehmen.

RAW-Aufnahmen werden bei Nachtaufnahmen empfohlen, da Sie dabei mehr Anpassungsmöglichkeiten für das Bild mit der Software Digital Photo Professional (DPP) von Canon erhalten als bei JPEG-Qualitätsdateien. Außerdem können Sie damit die Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtung ausschalten und die Rauschreduzierung in DPP anwenden.

Motive

Nachdem Sie sich nun mit den Verfahren vertraut gemacht haben, müssen Sie Ihre Beleuchtung und Ihre Motive auswählen.

Der kurze Dämmerungszeitraum direkt nach Sonnenuntergang kann äußerst effektiv sein. Der Himmel am Horizont ist noch immer hell, obwohl die Sonne nicht mehr sichtbar ist. Wenn die Sonne niedrig am Himmel steht, entsteht ein sehr viel wärmeres Licht als bei hohem Sonnenstand. Daher sehen sie so oft wunderschöne Farben in der Dämmerung. Ähnliche Effekte sind auch bei Tagesanbruch sichtbar. Wenn das Motiv also nicht in der richtigen Position ist, um die Dämmerung auszunutzen, sollten Sie früh aufstehen und prüfen, ob sich die Aufnahme mit der Sonne auf der anderen Seite besser gestaltet.

In Städten werden Lichter häufig zum Motiv. Experimentieren Sie mit Fotos von Leuchtreklamen, festlichen Beleuchtungen und angestrahlten Gebäuden. Machen Sie diese Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungseinstellungen, um alle möglichen Ergebnisse zu prüfen. Wenn Sie die Aufnahmen direkt nach einem Regenschauer machen, werden die Ergebnisse noch interessanter, da die Lichter sich in nassen Straßen und Pfützen widerspiegeln.

Auch Feuerwerke eignen sich hervorragend als Motive. Standardmäßig würden Sie dabei eine lange Verschlusszeit einstellen, um die Lichtspuren und Explosionen zu erfassen. Stellen Sie die Kamera auf den manuellen Modus (M) ein, und wählen Sie eine Blende zwischen 1:8 und 1:16 sowie eine Verschlusszeit zwischen 5 und 10 Sekunden. Die Verschlusszeit hängt hauptsächlich davon ab, wie häufig das Feuerwerk explodiert.

Auch wenn der Autofokus mit der Kamera möglich ist, kann sich dieser in der Dunkelheit schwer tun. Daher sollten Sie das Objektiv auf den manuellen Fokus (MF) einstellen und auf ein Objekt fokussieren, das genauso weit weg ist wie das Feuerwerk.

Night-Fireworks

Feuerwerk, © Maciej Blum 2010, Canon EOS 350D

Erfahren Sie mehr

In diesem Tutorial haben Sie hoffentlich einen informativen Überblick darüber erhalten, wie Sie Nachtaufnahmen machen und welche Arten von Motiven Sie aufnehmen können. Weitere Inspirationen finden Sie im Canon Professional Network (CPN), in dem Sie umfassende Informationsressourcen erhalten. Lesen Sie z. B. über Alessandro Della Bellas Leidenschaft für Nachtaufnahmen der Berge in seinem Heimatland, der Schweiz.

Informiert bleiben

Demnächst: Die Welt ohne Sucher sehen

Den Newsletter abonnieren