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„Es geht nicht nur um Verwundete, Tote, Zerstörung“: Wenn Motive zu Geschichtenerzählern werden

Ein verstecktes Schwimmbad im Flüchtlingslager Ain al-Hilweh, Libanon, aufgenommen 2019 von einem Teilnehmer am Canon-ICRC-Projekt „Unfiltered“ im Lager. © Ahmed el Sabeh

Das Herzstück der Fotografie ist das Geschichtenerzählen. Allzu oft sehen wir jedoch nur die Perspektive außenstehender Beobachter. Diese Situation war der Auslöser für eine Zusammenarbeit zwischen Canon und dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (International Committee of the Red Cross, ICRC) im Rahmen von „Unfiltered“ – einem Projekt, das Menschen in konfliktbetroffenen Gebieten die Werkzeuge und Schulungen zur Verfügung stellt, um ihre eigenen Geschichten über das Medium der Fotografie zu erzählen.

„Unsere Unternehmensphilosophie spornt uns dazu an, die Gesellschaft, in der wir leben und arbeiten, zu unterstützen und unsere Werkzeuge, Geräte und unser Wissen zu nutzen, um die Fähigkeiten und die Leidenschaft der jüngeren Generationen zu fördern“, so Yuichi Ishizuka, President und CEO von Canon Europe, Middle East and Africa bei seiner Einführungsrede zur Podiumsdiskussion des Projekts auf dem Festival des Fotojournalismus Visa pour l'Image 2019.

Yuichi Ishizuka, President and CEO of Canon Europe, Middle East and Africa, introduces the panel discussion about the project at the festival of photojournalism Visa pour l'Image 2019.
Yuichi Ishizuka, President und CEO von Canon Europe, Middle East and Africa, moderierte die Einführung zur Podiumsdiskussion beim Festival des Fotojournalismus Visa pour l'Image 2019.
A panel sit on a stage in discussion, beneath a picture of girls in hijabs holding Canon cameras.
Canon und das ICRC veranstalteten beim Visa pour l'Image 2019 eine Podiumsdiskussion zu ihrem Gemeinschaftsprojekt „Unfiltered“, das jungen Menschen an konfliktbetroffenen Orten Fotografieschulungen bereitstellt. Zu den Rednern gehörten (von links nach rechts) Emma Hope, Fabrizio Carboni, Anush Babajanyan, Patrick Baz, Ayda El-Ghoul, Daniel Obeid, Daniels Dolmetscherin und Kathryn Cook-Pellegrin.

Die Diskussionsrunde unter der Leitung von Kathryn Cook-Pellegrin, Head of Photography beim ICRC, untersuchte die Bedeutung und Herausforderungen des sozialen Projekts „Unfiltered“. Bei diesem Projekt wurden professionelle Fotografen entsendet, um verletzlichen jungen Menschen, die an Orten wie dem Flüchtlingslager Ain al-Hilweh im Libanon und der Al-Rajaa-Mädchenschule in Ramadi im Irak leben, als Mentoren zur Seite zu stehen.

Patrick Baz, Fotograf und Gründer des Beirut Centre of Photography, hat die jungen Menschen im Libanon betreut und beschrieb die Herausforderungen beim Fotografieren im Flüchtlingslager – einem der überfülltesten Lager der Welt, in dem es an Verbrechen nicht mangelt. Er erzählte dem Visa-Publikum, dass es den meisten Motiven unangenehm war, fotografiert zu werden. Einige von ihnen begegneten den Fotografen mit Misstrauen und sogar Aggression. Trotz dieser Herausforderungen hielten die jungen Fotografen durch, um die Geschichte ihres täglichen Lebens dort zu erzählen.

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Daniel Obeid, einer der Programmteilnehmer, der im Flüchtlingslager Ain al-Hilweh im Libanon lebt, sagte: „Es war mir und der Gruppe sehr wichtig, Fotos von Ain al-Hilweh aufzunehmen, da wir das wahre Leben der Menschen dort zeigen wollten. Für andere Menschen ist es schwierig zu zeigen, wie wir wirklich leben. Denn wenn ein Fotograf von außerhalb nach Ain al-Hilweh kommt, wird er die Dinge anders betrachten. Wir wollten Ain al-Hilweh aus unserer eigenen Perspektive zeigen.“

Die Teilnehmer nahmen einige ihrer Fotos auch außerhalb von Ain al-Hilweh auf. Für einige von ihnen war es das erste Mal, dass sie das Lagers verließen, was ihnen Selbstvertrauen und neue Fähigkeiten vermittelte und authentische Einblicke bot.

„Es war wirklich wichtig, die Personen, die von dieser Instabilität betroffen sind, als Akteure zu zeigen“, so Fabrizio Carboni, Regional Director für den Nahen und Mittleren Osten des ICRC, über die humanitäre Seite des Projekts. „Sehr oft nehmen Außenstehende Bilder auf und fertigen Berichte an, und manchmal projizieren wir ein passives Bild auf die Menschen, die in Konflikt- und Gewaltsituationen leben – aber sie haben ein Leben. Sie haben glückliche Momente und traurige Momente, und es geht nicht nur um Verwundete, Tote, Zerstörung.“

Photos in the Unfiltered exhibition at Visa pour l'Image 2019.
Die von den Projektteilnehmern aufgenommenen Fotos wurden am Canon Stand auf dem Visa pour l'Image 2019 gezeigt.
A project participant's image, showing a man sitting in semi-darkness watching television, to illustrate the boredom experienced within the camp.
„Langeweile tritt eigentlich bei den meisten der jungen Generation hier im Lager auf“, so Ahmed el Sabeh, einer der Projektteilnehmer, der dieses Problem in seinem Bild aus dem Flüchtlingslager Ain al-Hilweh im Libanon 2019 eingefangen hat. © Ahmed el Sabeh
Photo editor Thomas Borberg being filmed.

Wie wichtig ist Video für zukünftige Fotojournalisten?

Wie denken die Fotojournalisten der nächsten Generation angesichts der wachsenden Nachfrage nach Videos über ihre kreativen Einsatz- und Aufnahmefähigkeiten?

Die Zukunft von „Unfiltered“

Auf die Frage, wie die Zukunft des Projekts „Unfiltered“ aussieht, antwortete Ayda El-Ghoul, Leiterin des ICRC-Büros im palästinensischen Flüchtlingslager Ain al-Hilweh im Libanon: „Einer unserer Schwerpunkte ist die Belastbarkeit der Gemeinschaft. Und bei diesem Projekt mit Canon geht es darum, den Mitgliedern der Gemeinschaft Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie eine Rolle innerhalb der Gemeinschaft spielen können.“ Sie erklärte, dass die Fotografen in Ain al-Hilweh nun jüngere Menschen in ihrer Gemeinschaft schulen und dabei ihr Wissen und ihre Fähigkeiten weitergeben.
A child playing in an alleyway during summer where it can be dangerous with low-hanging electrical wires. Photographed by a refugee living in the camp in Lebanon.
„Im Sommer spielen Kinder in den Gassen. Wenn jemand [von oben] Wasser ausschüttet oder die Drähte zu tief hängen, könnten Kinder einen Stromschlag bekommen und sterben“, so Fatima el Mosleh über ihr Zuhause im Flüchtlingslager Ain al-Hilweh im Libanon, 2019. © Fatima el Mosleh
Photographer Daniel Obeid speaking to the panel.
Daniel Obeid sprach über seine Erfahrungen als Teilnehmer am Projekt „Unfiltered“ und über seine Hoffnungen für die Zukunft.

Für Daniel und die anderen Fotografen, die in Ain al-Hilweh leben, besteht der nächste Schritt darin, ihre Bilder einem breiteren Publikum zu präsentieren. Dazu möchten er und seine Gruppe ein Instagram-Konto eröffnen.

„Natürlich ist der Prozess sehr wichtig, d. h. die Bereitstellung von Geräten, hochwertigen Schulungen und qualifizierten Ausbildern“, so Emma Hope, EMEA Sustainability Manager bei Canon Europe, „aber dass letztendlich über Ergebnis gesprochen wird und die Geschichte der jungen Person die Aufmerksamkeit erhält – das ist der wahre Erfolg. Canon bringt das einfach nur auf den Weg.“

Alle Canon Geschichten findest du auf der Seite zum Visa pour l'Image.

Verfasst von Ella Taylor & Cecilie Harris


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