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In die Dunkelheit: Brent Stirton über das Fotografieren von Blinden auf der ganzen Welt

Im Ashram der Vivekananda-Mission, einem Internat in Westbengalen (Indien), nimmt Stirton fünf blinde Albino-Schüler auf. Die Schule lehrt lebensnotwendige Fertigkeiten für blinde Kinder aus armen Verhältnissen und gibt ihnen damit eine Alternative zum Betteln auf der Straße. Aufgenommen am 25. September 2013 mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM Objektiv. © Brent Stirton

Im Jahr 2014 traf der Fotojournalist und Canon Botschafter Brent Stirton in Westbengalen, Indien, die oben dargestellte Gruppe von blasshäutigen Freunden in zusammenpassenden rosa Hemden. Sie leiden unter Albinismus, einer angeborenen Erkrankung, die die Pigmentproduktion beeinflusst und häufig Probleme mit dem Augenlicht verursacht. „Sie haben wahrscheinlich nur 5 % ihrer Sehkraft und sind damit rechtlich blind, können aber Formen erkennen“, sagt Stirton. „Albinismus macht Menschen anfällig für Hautkrebs und führt letztendlich zu Blindheit – eine doppelte Tragödie.“

Das Bild wurde im Ashram der Vivekananda-Mission aufgenommen, das über eine Augenklinik und eine Blindenschule verfügt – eine von wenigen in Indien. Das Bild ist nur ein Teil einer viel breiteren Sammlung von Arbeiten mit dem Titel „State of Blindness“, von denen Stirton den Großteil im Auftrag von National Geographic aufgenommen hat.

A young boy stands in a dim room in the shadows, holding the wall with one hand and his eye with the other.
Der siebenjährige Bharat Mallik stammt aus einer verarmten bengalischen Familie in Indien und leidet unter Grauem Star. Hier wartet er im Ashram der Vivekananda-Mission auf seine Untersuchung. Das Krankenhaus behandelt Arme für wenig Geld oder kostenlos. Aufgenommen am 17. September 2014 mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 35mm f/1.4L USM Objektiv. © Brent Stirton/Getty Images

„Ich habe in den vergangenen Jahren Blindheit auf verschiedene Weise fotografiert. Im Jahr 2013 ging ich nach Indien und verbrachte Zeit mit zwei blinden Schwestern, Anita und Sonia Singh, als sie sich einer Operation unterzogen, die beiden Mädchen ein gewisses Maß an Sehkraft wiedergab. Dann kam National Geographic auf mich zu und sagte, dass sie an einer Story über die Behandlung von Blindheit arbeiten und den aktuellen Stand der Technologie und die Fortschritte der Medizin beschreiben.“

Diese Story führte ihn um die ganze Welt, von Namibia bis Peru und zurück nach Indien. Obwohl er die neuesten medizinischen Verfahren wie Stammzellentherapien und in Augen eingesetzte externe Sensoren kennenlernte, erkannte Stirton, dass die rudimentären Verfahren oft die größte Wirkung haben.

„Es gibt über 40 Millionen Blinde auf der Welt – und die meisten von ihnen müssten nicht blind sein“, sagt Stirton. „Grüner Star, Grauer Star, Bindehautentzündungen, Verletzungen und viele andere Augenbeschwerden können behandelt werden, wenn man sie frühzeitig erkennt. Im Westen haben wir Zugang zu zuverlässiger Behandlung von Augenkrankheiten. Aber ein Großteil der Welt hat das nicht – manche Menschen können sich nicht nur die Operation nicht leisten, sondern nicht einmal das Busticket, um ins Krankenhaus zu gelangen. Es muss sich schrecklich anfühlen, wenn sich die eigene Welt plötzlich verdunkelt oder das Kind oder der Lebenspartner seine Sehkraft verliert, ohne dass man etwas dagegen tun kann.“

A woman holds her young child and they gesture and smile. They stand in a field where women behind pick crops.
Sonia, 12, hält ihre Schwester Anita, 5, während eines Regenschauers. Seit sie an Grauem Star erkrankt sind, begleiten ihre Eltern sie überallhin. Mit einer 15-minütigen Operation könnten die Schwestern ihr Augenlicht wiedererlangen, aber die Menschen unterhalb der Armutsgrenze können sich die Behandlung nicht leisten. Aufgenommen in Westbengalen (Indien) am 21. Oktober 2013 mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM Objektiv. © Brent Stirton

Blindheit als soziales Problem machte Stirton erst klar, wie sehr er auf seine eigene Sehkraft angewiesen ist. „Als Fotograf verdiene ich mit meinem Augenlicht meinen Lebensunterhalt. Der Gedanke, es zu verlieren, ist alarmierend – aber meine Sehkraft ist für mich nicht wertvoller als für Sie. Es ist interessant, sich mit dem Gedanken zu konfrontieren, dass man sie verlieren könnte – und wenn Sie das tun, müssen Sie sehen, wie diese Jungs damit zurechtgekommen sind. Es ist ein einziger Triumph des menschlichen Geistes.“

Als Fotograf verdiene ich mit meinem Augenlicht meinen Lebensunterhalt. Der Gedanke, es zu verlieren, ist alarmierend.

A man and woman hold hands as they drag a fishing net in from a lake at sunset.
Mahammad Ali Molla, 60, ist seit 14 Jahren blind. Während er als Landarbeiter tätig war, gelangte Harz in seine Augen. Da er sich die Augenbehandlung nicht leisten konnte, bildete sich ein Hornhautgeschwür und schließlich verlor er ein Auge. Er gab 30.000 Rupien für eine Operation am Kalkutta Medical College aus, aber seine verbleibende Sehkraft konnte nicht gerettet werden. Mahammad wird von seiner Frau Samiran Molla, 55, unterstützt, und ihre Familie lebt von einem mageren Fischereieinkommen. Aufgenommen in Sundarbans, Westbengalen (Indien) im Januar 2016 mit einer Canon EOS 5DS R mit einem Canon EF 2435mm f/1.4L II USM Objektiv. © Brent Stirton/National Geographic Magazine

Im Laufe des Projekts hat Stirton medizinische Fachkräfte kennengelernt, die sich für die Behandlung armer Menschen in ihren Heimatländern einsetzen. „Ich arbeitete mit einer Frau namens Dr. Helena Ndume, einer namibischen Chirurgin. Sie hatte den angolanischen Krieg miterlebt, war aktives Mitglied der Befreiungsbewegung in Ihrem Land und studierte dann Augenchirurgie in Ostdeutschland, weil sie sah, dass ihr Land genau das brauchte“, sagt er.

Stirton traf einen weiteren Augenarzt, Dr. Asim Sil, als er die Singh-Schwestern in Indien begleitete. Seit 1989 haben Dr. Sil und sein Team mobile Augenkliniken in entfernte, verarmte Regionen Indiens gebracht. Er leitet das Krankenhaus in der Vivekananda-Mission. „Er bietet Augenkliniken auf Booten an“, sagt Stirton. „Und wenn er Kinder findet, deren Blindheit nicht behandelt werden kann, versucht er oft, sie an die Schule zu bringen, um ihre Lebensqualität zu verbessern.

In Indien sind die meisten Blinden zu einem Leben als Bettler verdammt – ein eingeschränktes, unschönes Schicksal. Schulen investieren nur selten in blinde Menschen.“

Four young men in white t-shirts and white trousers walk beside a road holding hands as a car passes. Some are visibly blind.
Die Blindenschule im Ashram der Vivekananda- Mission ist die anerkannteste Schule für blinde Kinder in Indien, einem Land mit 12 Millionen Blinden. Die Schule kümmert sich um einige der ärmsten blinden Kinder, versorgt sie mit Schulbildung, Berufsausbildung und Werkzeugen zum Überleben nach dem Schulabschluss. Einige Schüler sind heute Anwälte, Geschäftsleute und Lehrer für sehende Schüler. Aufgenommen im Januar 2016 mit einer Canon EOS 5DS R mit einem Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM Objektiv. © Brent Stirton/National Geographic Magazine
A portrait of a smartly dressed older man with corneas that are clouded over with cataracts.
50 Jahre Landarbeit in der namibischen Sonne und Staub zerstörten beide Hornhäute in Gerd Gamanabs Augen. Hier wurde er in einem Blindenlager im Krankenhaus von Omaru in Namibia fotografiert, wo er hofft, dass sein Augenlicht mit einer Operation wiederhergestellt werden kann. Diese Lager werden in ganz Namibia angeboten und richten sich an Menschen, denen keine reguläre Augenbehandlung zur Verfügung steht, meist aufgrund von Armut Bewerber werden geprüft und erhalten lebensverändernde Kataraktoperationen, die in 15 Minuten ihre Sicht erheblich verbessern. Aufgenommen im November 2015 mit einer Canon EOS 5DS R mit einem Canon EF 100mm f/2.8L Macro IS USM Objektiv. © Brent Stirton/National Geographic Magazine

Stirton hat seit 2014 dreimal die Schule besucht und möchte das dieses Jahr wieder tun. Jedes Mal verbringt er vier oder fünf Tage dort, versucht, so unauffällig wie möglich zu sein und das Leben der Menschen zu beobachten und zu dokumentieren, bevor er offizielle Porträts der jungen Menschen aufnimmt. „Ich möchte die Schule nicht stören. Ich bin nur daran interessiert, Bilder aufzunehmen, die still und leise wirksam sind“, erklärt er.

Ein Portrait einer Person aufzunehmen, die nicht sehen kann, ist eine Herausforderung. Wenn das Motiv sein Augenlicht im Laufe der Zeit verloren hat, hat es vielleicht einmal ein Foto gesehen. Wenn es jedoch noch nie sehen konnte, muss Stirton sich noch mehr bemühen, zu erklären, was er tut. „Ich muss den jeweiligen Erfahrungshorizont nutzen“, sagt er.

„Ich benutze oft den Tastsinn zum Erklären. Ich sage: Wenn du deinen Vater oder deine Mutter berührst, weißt du, wer diese Person ist. Eine Kamera ist ein Gerät, das das, was Du ertastest, auf andere Weise ergreift und vermittelt.“

Stirton lernte die Albino-Jungs kennen, während sie heranwuchsen, und schaut mit Vorfreude dem Tag entgegen, an dem sie die Schule verlassen und ein erfülltes Leben und Arbeitsstellen in der indischen Gesellschaft finden. Aber wie fühlen sie sich dabei, fotografiert zu werden? „Sie sind so neugierig auf mich wie ich auf sie. Ich schenke diesen Jungs Aufmerksamkeit, was für sie keine alltägliche Sache ist. Viele blinde Menschen sind daran gewöhnt, ausgegrenzt und nicht beachtet zu werden.“

Verfasst von Rachel Segal Hamilton


Weitere Informationen zum neuesten Modell der Canon 5D-Serie finden Sie auf der Produktseite zur Canon EOS 5D Mark IV.

Ausrüstung von Brent Stirton

Die Ausrüstung, die Profis für ihre Fotos verwenden

Brent Stirton's kitbag

Kamera

Canon EOS 5D Mark IV

Diese Vollformat-DSLR mit 30,4 MP erfasst unglaubliche Details selbst bei extremem Kontrast. Reihenaufnahmen mit 7 Bildern/Sek. helfen dabei, den perfekten Moment abzupassen, während 4K-Video hochauflösendes Filmmaterial liefert.

Objektiv

Canon EF 24-70mm 1:2,8L II USM

Dieses professionelle Standard-Zoomobjektiv bietet eine hervorragende Bildschärfe und robuste Qualität der L-Serie. Dank der konstanten Blende von f/2.8 können Sie herausragende Fotos selbst bei wenig Licht aufnehmen und die Schärfentiefe mit Leichtigkeit steuern.

Objektiv

Canon EF 70-200mm 1:4L USM

Dieses leistungsstarke Telezoom-Objektiv liefert eine hervorragende Bildqualität mit schnellem Autofokus und einer kreisförmigen Blende für eine ansprechende Tiefenunschärfe. Dank seiner kompakten Konstruktion und des geringen Gewichts eignet es sich perfekt für Reisende.

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