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Rob Mundays Hologramme: die Verschmelzung von Kunst und Wissenschaft

Naturalium 3, Teil einer Serie. Munday lässt sich inspirieren von „den immer merkwürdigeren Erkenntnissen der Quantenphysik, die u. a. behaupten, dass sämtliche Materie aus reiner Energie besteht und das ganze Universum ein Hologramm ist.“ Aufgenommen mit einer Canon 5D Mark II mit Canon EF 100mm f/2.8 USM Macro Objektiv und Canon EF 180mm f/3.5L USM Macro Objektiv. © Rob Munday/mit freundlicher Genehmigung von The Little Black Gallery

Rob Munday ging 1981 an einer Fotogalerie in London vorbei. Ein Lichtschein fiel ihm ins Auge. In der Galerie sah er eines der ersten echten Hologramme, das je hergestellt wurde. „Ich habe mich sofort verliebt“, sagt Rob. „Mir wurde bewusst, dass die Holografie die perfekte Verschmelzung von Wissenschaft und Kunst war. Ab diesem Moment wusste ist, dass ich den Rest meines Lebens Hologramme erschaffen würde.“

Rob erlange 1983 einen BA (Hons) in wissenschaftlicher und technischer Grafik und trat dann eine Stelle bei den Holografie-Pionieren und Künstlern Edwina Orr und David Traynor in einem der ersten Holografie-Studios Großbritanniens an. Er half, die Holografie-Fakultät des The Royal College of Art zu gründen – weltweit die erste ihrer Art –, bevor er die Universität verließ und sich darauf konzentrierte, sein eigenes Holografie-Studio ins Leben zu rufen.

Seitdem hat er sich zum weltweit führenden Holografie-Künstler der Welt entwickelt und seinen eigenen Platz zwischen Kunst und Wissenschaft gefunden. Zu Mundays Motiven zählen zahlreiche Persönlichkeiten von Karl Lagerfeld bis Liam Gallagher. Im Jahr 2003 war er an der Erstellung des ersten offiziellen Holografie-Porträts der Königin von England beteiligt. Ein Jahrzehnt später gelang ihm eine weitere Weltneuheit: ein holografisches Miniaturporträt aus 24-karätigem Gold, womit er ein brandneues Porträtmedium erfand.

In letzter Zeit, so Munday, wird nahezu jede Art von 3D-Bild als Hologramm bezeichnet, sodass er begonnen hat, den Begriff „echtes Hologramm“ zu verwenden. Dies beschreibt ein Foto eines Lichtfelds oder Überlagerungsmusters (anstelle eines durch eine Linse geformten Bilds), das, bei der richtigen Beleuchtung, ein mit bloßem Auge erkennbares 3D-Bild erzeugt. Ein Foto kann nur eine begrenzte Menge Informationen erfassen. Echte Holografie „erfasst und reproduziert alle Eigenschaften des Lichts, das von der Realität abgegeben wird“. Hier erfahren Sie vom Meister selbst mehr über dieses einzigartige Medium.

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2016 wurde Munday beauftragt, ein großformatiges 3D-Porträt von Angelina Jolie für die Markteinführung eines neuen Parfüms aufzunehmen. Er arbeitete mit Fotograf Willy Camden zusammen, der sich um die Beleuchtung und Retusche kümmerte. Aufgenommen mit einer Canon 5D Mark II mit Canon EF 70-200mm f.2.8L USM Objektiv. Angelina Jolie für Guerlain. Bild: Rob Munday mit Willy Camden © Anton & Partners/Guerlain
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Munday nahm 2015 ein Porträt des Modezars Karl Lagerfeld für das Magazin AnOther und Chanel auf. Es wurde in der Ausgabe zum 15. Jubiläum des Magazins abgedruckt, und Chanel überreichte Lagerfeld selbst eine großformatige Kopie des Bilds. Aufgenommen mit einer Canon 5D Mark II mit einer Canon EF 24-105 f/4L IS USM Objektiv. © Rob Munday/Karl Lagerfeld

Wo arbeiten Sie und an welche Art von Routine halten Sie sich?

„Ich habe ein permanentes Studio in meinem Haus im Südwesten Frankreichs, wo ich sowohl echte Hologramme als auch Lentikularbilder (eine andere Art von gedrucktem Bild mit 3D-Illusion) aufnehme, sowie ein Büro in den fabelhaften Twickenham Film Studios in London. Wenn ich wichtige Aufnahmen in London oder anderswo mache, wie z. B. bei meinem jüngsten Shooting mit Angelina Jolie in Hollywood, miete ich ein praktisches Studio an und bringe meine speziellen Geräte und Kameras mit. In Frankreich hingegen habe ich den Luxus, ganz in Ruhe zu fotografieren. Die Blumen für meine neue Serie habe ich bei mir zu Hause in Frankreich gepflanzt und aufgenommen. Das Leben scheint mir zu kurz für eine Routine, und es gibt einfach viel zu viel zu tun und zu erreichen. Ich bin jetzt 59, aber ich habe das Gefühl, dass ich gerade erst begonnen habe.“

Können Sie uns den Prozess erläutern?

„Lentikularbilder werden mithilfe einer Parallaxenbildabfolge erstellt. Mit anderen Worten: Es wird eine Abfolge von Fotos aus leicht unterschiedlichen Perspektiven rund um ein Motiv oder eine Szene aufgenommen, die anschließend auf einen Computer übertragen und in ein Bild umgewandelt wird, das dann als 3D-Foto ausgelesen werden kann. Der erste Schritt kann mit verschiedenen Methoden erreicht werden. Ich bevorzuge es, eine Kamera computergesteuert an einer linearen Schiene entlang zu bewegen und ca. alle 10 mm ein Bild aufzunehmen. Die Kamera dreht sich dabei, damit sie immer auf die Mitte des Motivs zeigt.“

„2003 entwarf und baute ich das VIP-System (Video Images with Parallax) speziell zur Aufnahme eines Porträts der Königin. Eine herkömmliche Kamera wird auf einer Drehbühne platziert, die wiederum auf einer zwei Meter langen motorisierten linearen Schiene montiert wird. So kann die Kamera reibungslos mit hoher Geschwindigkeit und mit äußerster Genauigkeit über eine Computersteuerung bewegt werden.“

„Das System kann derzeit mit allen Spiegelreflexkameras von Canon kombiniert werden, aber meine aktuelle Kamera ist die Canon EOS-1DX Mark II. Bei 16 Bildern/s ermöglicht die 1DX Mark II die Aufnahme einer Sequenz von 50 RAW- und JPEG-Bildern in nur drei Sekunden. Das ist besonders wichtig für Porträts. Sobald die Bildabfolge aufgenommen wurde, wird sie automatisch auf der Festplatte eines Computers heruntergeladen, und das 3D-Bild wird auf einem großen 3D-Fernseher angezeigt.“

„Die Nachbearbeitung umfasst das Retuschieren und die Korrektur der verschiedenen Verzerrungen in den Parallaxenbildabfolgen mithilfe einer speziellen benutzerdefinierten Software. Sobald die Abfolge verarbeitet wurde, werden die Bilder kombiniert oder verflochten (erneut mithilfe einer speziellen Software), um ein einzelnes Bild zu erstellen, das dann gedruckt wird. Der daraus resultierende Druck wird dann auf der Rückseite einer passenden Lentikularlinse laminiert, um das fertige 3D-Bild zu erzeugen. Es gibt viele Websites, die diesen Prozess weitaus detaillierter beschreiben, als es mir hier möglich ist. Die Technik ist jedoch nicht schwer zu erlernen, sodass man schnell großartige Ergebnisse erzielen kann.“

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Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie ein Lentikularbild entsteht, indem mehrere Bilder aus unterschiedlichen Winkeln aufgenommen werden, um ein 3D-Bild oder eine „Lichtskulptur“ zu erschaffen.

Wie viel Planung steckt hinter einem Bild?

„Der Prozess der Erstellung von 3D-Bildern – oder Lichtskulpturen, wie ich sie gerne nenne – unterscheidet sich grundlegend von der 2D-Fotografie, obwohl die Fotografie bei Lentikularbildern einen wesentlichen Teil des Prozesses ausmacht. Er ist nicht so direkt und erfordert eine deutlich umfassendere Planung. Bestimmte Parameter sind vorgegeben, wie z. B. die Entfernung der Kamera zum Motiv und somit die Brennweite des verwendeten Objektivs. Dies kann manchmal die Art der aufgenommenen Bilder und das verwendete Medium einschränken. Lentikularbilder oder echte Holografie geben andererseits vor, wie viel Tiefenschärfe angezeigt werden kann. Auf diese Art erstellte 3D-Bilder sind eigentlich eher Skulpturen als Fotografien. Und wie bei der Erstellung normaler Skulpturen muss auch hier die Dimensionalität des Motivs sorgfältig berücksichtigt werden.“

Was ist der Unterschied zwischen einem Hologramm und einem Lentikularbild?

„Zu diesem Zeitpunkt und obwohl wir bisher über echte Holografie gesprochen haben, muss ich zugeben, dass ich bei meinen neueren Arbeiten keine echte Holografie verwendet habe, auch nicht bei meiner neuen Blumenreihe. Stattdessen habe ich neueste Lentikularbildechniken eingesetzt. Echte Holografie ist ein sehr komplexer und teurer Prozess, und obwohl sie grundlegend die optische Realität reproduzieren kann, ist sie in anderen Bereichen mitunter stark eingeschränkt. Daher haben sich viele echte Holografen in den letzten Jahren Lentikularbildern zugewandt. Da es sich dabei um einen stereofotografischen Vorgang handelt, ist er viel einfacher und billiger. Obwohl Lentikularbilder die Realität nicht so originalgetreu wir echte Hologramme reproduzieren können, sind sie dennoch sehr überzeugend, wenn sie richtig erzeugt wurden.“

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Naturalium 5, Teil einer Serie. Munday lässt sich inspirieren von „den immer merkwürdigeren Erkenntnissen der Quantenphysik, die u. a. behaupten, dass sämtliche Materie aus reiner Energie besteht und das ganze Universum ein Hologramm ist.“ Aufgenommen mit einer Canon 5D Mark II mit Canon EF 180mm f/3.5L USM Makroobjektiv. © Rob Munday/mit freundlicher Genehmigung von The Little Black Gallery
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Naturalium 3, Teil einer Serie. Munday interessiert sich für die metaphysische Natur der Realität. Mit seinen Arbeiten möchte er „das Wesen der Objekte und Entitäten herausarbeiten, sie überlebensgroß porträtieren und als Skulptur mit der reinen Energie des Lichts darstellen.“ Aufgenommen mit einer Canon 5D Mark II mit Canon EF 180mm f/3.5L USM Makroobjektiv. © Rob Munday/mit freundlicher Genehmigung von The Little Black Gallery

Wie erzeugt man 3D-Bilder?

„Die bei Weitem einfachste Methode besteht darin, Lentikularbilder zu erzeugen. Lentikularlinsen bekommt man bei verschiedenen Unternehmen. Eine Abfolge von Bildern lässt sich mit einer einfachen Drehplatte aufnehmen, die der Bewegung einer Kamera um ein Motiv herum entspricht. Platzieren Sie einfach eine Kamera auf einem Stativ, und drehen Sie das Motiv, wobei Sie ungefähr beim jedem Grad ein Bild aufnehmen.“

Weitere Informationen zur EOS-1D X Mark II finden Sie auf der Produktseite.

Verfasst von Gary Evans


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