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Maciek Nabrdalik über die Erkundung von Tschernobyl mit der EOS R

Eine ehemalige Bewohnerin Tschernobyls kehrt zurück. Canon Botschafter Maciek Nabrdalik hat über mehr als ein Jahrzehnt eine Beziehung zu Tschernobyl und seinen Bewohnern aufgebaut. Aufgenommen mit einer Canon EOS R mit einem Canon RF 35mm f/1.8 IS Macro STM Objektiv. © Maciek Nabrdalik

Tag für Tag ging Canon Botschafter Maciek Nabrdalik in dasselbe Café am Rand der Sperrzone von Tschernobyl. Der polnische Dokumentarfotograf und ausgebildete Barista hatte der Besitzerin gezeigt, wie sie mit ihrer abgenutzten Kaffeemaschine einen schmackhafteren Kaffee brühen kann. Als er eines Tages mit der Kamera über der Schulter und der Kaffeetasse in der Hand vor dem Laden stand, kam er mit einem örtlichen Totengräber ins Gespräch.

Der sah Nabrdaliks Kamera und fragte ihn, warum er nicht drauflos knipste wie die anderen Touristen, die in Scharen mit dem Bus kommen, um den Schauplatz einer der schlimmsten nuklearen Katastrophen der Welt zu fotografieren. Diese Touristen, so der Totengräber, behandeln den Ort wie einen Safaripark und die Einheimischen wie sterbende Tiere. Nabrdalik erzählte dem Totengräber, dass er Fotograf sei, kein Tourist, und dass es nicht seine Art sei, Menschen ohne ihre Erlaubnis zu fotografieren.

Nabrdalik hatte die Art von Bildern gesehen, von denen der Totengräber gesprochen hatte. Er hatte Dokumentarfilme über die Explosion am vierten Reaktor gesehen, die das Dach des Kernkraftwerks wegschleuderte und 400 Mal mehr Strahlung freisetzte als die Atombombe auf Hiroshima. Er wusste, dass die Katastrophe im April 1986 Tausende von Menschen zwang, ihre Heimat zu verlassen, dass die Umgebung als „Sperrzone“ bekannt wurde und dass die Stadt auch heute noch einer der radioaktivsten Orte der Welt ist.

A group of former Chernobyl residents.
Für viele der Menschen, die früher dort gelebt haben, ist und bleibt Tschernobyl ein wichtiger Ort. Nabrdalik sagt, dass er Bilder niemals stellt oder erneut aufnimmt: „Ich verbringe Zeit mit Menschen. Ich lasse das Leben einfach weiterlaufen.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS R mit einem Canon RF 35mm f/1.8 IS Macro STM Objektiv. © Maciek Nabrdalik
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Der Totengräber lud Nabrdalik ein, am nächsten Tag einer Bestattung beizuwohnen. Für Nabrdalik war dies der Beginn einer Beziehung zu Tschernobyl und seinen Bewohnern, die mehr als ein Jahrzehnt dauern und ein Projekt hervorbringen würde, das ihm half, eine sehr persönliche Angst zu überwinden.

Nabrdalik war sechs Jahre alt, als die Katastrophe in Tschernobyl passierte. Seine Mutter und Großmutter hatten Angst vor der Strahlung, die sich über große Teile Europas ausbreitete. Er war das einzige Kind in seiner Kindergartenklasse, das keine Milch trinken durfte, weil seine Mutter fürchtete, sie könne verseucht sein.

„Diese Angst vor einer unsichtbaren Gefahr“, so Nabrdalik, „begleitete mich den Großteil meiner Jugend bis ins Erwachsenenalter hinein. Als ich die Gelegenheit hatte, Tschernobyl zu besuchen und mich der Gefahr zu stellen, zögerte ich nicht. Ich ging dorthin, um herauszufinden, wovor ich Angst hatte.“

An eerie cityscape vista, seen through grimy glass.
Leere und gruselige Industriegebiete von Tschernobyl. Nabrdalik hat Tschernobyl bereits 14 Mal besucht, und vor kurzem nahm er die Canon EOS R Systemkamera mit Vollbildsensor zum Fotografieren mit. Aufgenommen mit einer Canon EOS R mit einem Canon RF 35mm f/1.8 IS Macro STM Objektiv. © Maciek Nabrdalik

Nabrdalik hatte schon immer Interesse an der Fotografie, studierte an der Universität aber stattdessen Informatik. Er besuchte im Rahmen eines Austauschprogramms die USA, wo er in einem Schwimmbad in New Jersey jobbte. Sein britischer Vorgesetzter dort, Jack Wright, war ein ehemaliger Herausgeber von Zeitschriften, also zeigte Nabrdalik ihm seine Arbeiten. Als Wright von einer britischen Zeitung beauftragt wurde, eine Geschichte über New York nach dem 11. September zu schreiben, gab er Nabrdalik die Chance, die Fotos für den Artikel aufzunehmen, obwohl Nabrdalik gar keine Kamera hatte. „Jack sagte, er würde den Auftrag übernehmen, aber nur mit einem Fotografen, mit dem er schon eine Weile zusammenarbeitete. Er sagte [der Zeitung]. dass meine Digitalkamera bei einem anderen Job kaputtgegangen wäre, was eine glatte Lüge war. Ich hatte noch nie zuvor einen Auftrag gehabt.“

Als er wieder in Polen war, nahm Nabrdalik eine Stelle bei einer Tageszeitung an. Nach ein paar Jahren gewann er einen Preis für das Bild des ehemaligen Premierministers, der nach einer Wahlniederlage 2005 in einer Limousine weggebracht wurde. Es brachte ihm einen „großen Batzen Geld“ ein, den er klug investierte – in einen Workshop bei der Fotoagentur VII.

Nach dem Workshop verließ er die Zeitung, um Freiberufler zu werden, mit Betonung auf „frei“. Er wollte sich auf Projekte konzentrieren, die ihm etwas bedeuteten. Er fotografierte den zweiten polnischen „Miss Trans“-Schönheitswettbewerb und veröffentlichte später ein Buch über homosexuelle Gemeinschaften in Polen. Er dokumentierte das Leben junger Portugiesen, die in andere Länder auswanderten. Und 2013 präsentierte er in seinem ersten Buch „The Irreversible“ Bilder und Geschichten von Holocaust-Überlebenden auf der ganzen Welt. Nabrdalik machte sich einen Namen als einer der weltweit führenden Dokumentarfotografen. Heute lebt er in Warschau und ist vollständiges Mitglied von VII.

Schmieden von Beziehungen

A woman in a headscarf standing in a gateway.
Einen Tag pro Jahr können die ehemaligen Einwohner zurückkehren. Nabrdalik stellte fest, dass er mit der vollkommen geräuschlosen Blende der Canon EOS R intime Momente leichter festhalten und mit seinen Motiven eine ungezwungenere Stimmung erzielen kann. Aufgenommen mit einer Canon EOS R mit einem Canon RF 35mm f/1.8 IS Macro STM Objektiv. © Maciek Nabrdalik
A close-up shows a man in a mine, wearing a headtorch. It is dark apart from the lamp light, so you can just make out his features.

Low-Light-Möglichkeiten der Canon EOS R im Test

Fotojournalist Daniel Etter fotografierte mit dem spiegellosen Vollformatsystem Canon EOS R die düsteren, archaischen Bedingungen in rumänischen Kohlebergwerken.

Nabrdalik hat Tschernobyl bisher 14 Mal besucht. Er verkaufte kleinere Storys an Zeitschriften, insbesondere an den Jahrestagen der Katastrophe, finanzierte die Reisen aber aus eigener Tasche. Entlang des Stacheldrahtzauns besuchte er die Städte und Dörfer rund um die Sperrzone. Auf einer Seite des Zauns wurden die Menschen zu Opfern erklärt, auf der anderen Seite nicht, sodass sie nicht dieselbe Entschädigung erhielten. Die Katastrophe hatte auch soziale Folgen, da das Kraftwerk der Hauptarbeitgeber der Region war. Der Großteil der männlichen Bevölkerung auf beiden Seiten des Zauns stand danach ohne Arbeit und ohne Lebensinhalt da.

Nabrdalik lässt sich von den Menschen und Situationen leiten. Er stellt Bilder niemals und nimmt sie auch nicht erneut auf. „Ich verbringe einfach Zeit mit Menschen. Ich lasse das Leben einfach weiterlaufen. Ich mache mir keine Sorgen, wenn an einem Tag nichts passiert, weil ich weiß, dass ich am nächsten Tag wieder etwas Interessantes finde.“

Die Bewohner in den Dörfern rund um das Werk dürfen jedes Jahr für jeweils einen Tag in die Sperrzone zurückkehren. Sie nutzen diese Gelegenheit, um die Gräber ihrer toten Verwandten zu pflegen und die Ruinen zu besuchen, die sie ihr Zuhause nennen. Nabrdalik war einige Male dabei, wenn die ehemaligen Bewohner ihn in die verlassenen Gebäude führten und die leeren Räume mit ihren Erinnerungen füllten. Sie sprachen über die schönen Gärten, die Früchte, die sie angebaut, und das Vieh, das sie gezüchtet hatten. „Sie beschrieben alles so lebhaft, dass ich die besten Äpfel der Welt, die süßesten Pflaumen und die schönen Kühe, die sie einmal hatten, wirklich sehen konnte. All diese Dinge, die ihnen fehlten.“

Einsatz von Livebildern auf der EOS R

A mustachioed man in safety clothing inside a control room.
Nabrdaliks Fotografien erfassen sowohl die wissenschaftlichen als auch die alltäglichen Aspekte des heutigen Tschernobyl. Aufgenommen mit einer Canon EOS R mit einem Canon RF 35mm f/1.8 IS Macro STM Objektiv. © Maciek Nabrdalik

Nabrdalik verwendet oft Kameras der 5D Reihe von Canon – derzeit die Canon EOS 5D Mark IV – mit drei Objektiven: einem Canon EF 28mm f/2.8 IS USM, einem Canon EF 35mm f/1.4 USM und einem Canon EF 40mm f/2.8 STM. Er mag diese Objektive, weil sie klein, strapazierfähig und vielseitig sind.

Vor kurzem testete er auch die Canon EOS R, die erste Systemkamera mit Vollbildsensor von Canon, mit einem Canon RF 35mm f/1.8 IS Macro STM Objektiv. Verschiedene Funktionen passten perfekt zu seinem Fotografiestil als heimlicher Beobachter, insbesondere der Autofokus mit Augenerkennung, bei dem der Fokus mit einer einfachen Berührung des Bildschirms den Augen des Motivs folgt.

Er verwendet keine künstliche Beleuchtung und nimmt immer im manuellen Modus auf. Seine Einstellungen passt er unterwegs an. Er bevorzugt Aufnahmen im Livebild-Modus, in dem er das Bild in Echtzeit auf dem LC-Display der Kamera beobachten kann. Als hoch gewachsener Mann muss er sich beim Fotografieren von Menschen durchschnittlicher Körpergröße nach vorn beugen und krümmen, um leere Bereiche oben im Bild zu vermeiden. Mit der Livebild-Funktion kann er jedoch bequemer aufnehmen und die Kamera auf Brust- oder Kinnhöhe halten. Der dreh- und schwenkbare Touchscreen der Canon EOS R lässt sich vertikal und horizontal bewegen, sodass er den Bildschirm in jeder Position mühelos einsehen kann.

An interior scene showing plates, bowls a lamp and family photos from the time of the disaster.
Nabrdalik fand es einfacher, Bilder wie dieses im Livebild-Modus auf der Canon EOS R zu komponieren, statt durch einen Sucher. Aufgenommen mit einem Canon RF 35mm f/1.8 IS Macro STM Objektiv. © Maciek Nabrdalik

Livebilder kommen seinen Fotos aber auch in anderer Hinsicht zugute. Er findet, dass er in diesem Modus langsamer vorgehen muss, weshalb seine Arbeiten präziser werden. Er kann die Komposition auf dem Bildschirm deutlicher als durch einen Sucher erkennen, sodass er bei der Nachbearbeitung viel weniger schneiden muss. Die Verwendung von Livebildern sorgt oft auch dafür, dass seine Motive entspannter sind. Für ihn sind Aufnahmen durch den Sucher so, als würde man eine Pistole auf eine Person richten – sie werden stocksteif. Lautlose Aufnahmen helfen auch dabei, die Intimität zu erzielen, die er herstellen möchte.

„Die Verwendung des Bildschirms ist ähnlich wie das Fotografieren mit dem eigenen Telefon. Die Menschen sind damit vertraut. Wenn sie die Augen des Fotografen sehen können, sind sie viel ruhiger. Es ist nicht so aggressiv. Weil sie meine Augen sehen, können sie auch meine Absichten erkennen.“

„Die Kamera hat auch eine Funktion, auf die ich seit Jahren gewartet habe: eine vollkommen geräuschlose Blende. Der Klang des Auslösers verändert häufig die Vertrautheit der Situation. Dank der lautlosen Aufnahme gewöhnen die Motive sich an mich und fangen an, sich zu entspannen.“

A group of men in white safety garb and yellow boots on site in Chernobyl.
Obwohl die Katastrophe in Tschernobyl schon vor 32 Jahren stattfand, müssen immer noch die höchsten Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Nabrdalik fand heraus, dass einige Menschen es angenehmer fanden, wenn er sie über den Bildschirm der Canon EOS R fotografierte, da sie seine Augen sehen konnten. Aufgenommen mit einer Canon EOS R mit einem Canon RF 35mm f/1.8 IS Macro STM Objektiv. © Maciek Nabrdalik

2016 veröffentlichte Nabrdalik „Homesick“, ein Buch über seine Reisen nach Tschernobyl. Der Titel bezieht sich auf das Heimweh der Menschen, die aus ihren Häusern fliehen mussten, aber auch auf die Krankheit, die die Strahlung rund um ihre Häuser verursacht hat. Nabrdalik bemerkte, dass auch er den Ort vermisste. Daher kehrte er nach der Veröffentlichung seines Buches wieder dorthin zurück – zwei Mal.

„Ich habe heute definitiv keine Angst mehr vor der Strahlung. Ich verstehe sie jetzt viel besser. Ich weiß, wie man durch die Sperrzone gehen kann und sich schützt. Mit ist bewusst geworden, dass es nicht die Anwesenheit an diesem Ort war, die mich von meiner Angst geheilt hat, sondern die Menschen, die dort leben.“

Verfasst von Gary Evans


Maciek Nabrdaliks Ausrüstung

Die Ausrüstung, die Profis für ihre Fotos verwenden

Photographer Maciek Nabrdalik wears a Canon DSLR camera over his shoulder and looks up to the sky.

Kameras

Canon EOS R

Eine bahnbrechende Systemkamera mit Vollbildsensor, die neue Maßstäbe setzt. Nabrdalik meint: „Sie hat auch eine Funktion, auf die ich seit Jahren gewartet habe: eine vollkommen geräuschlose Blende.“

Canon EOS 5D Mark IV

Diese Vollformat-DSLR mit 30,4 MP erfasst unglaubliche Details selbst bei extremem Kontrast. „Das ist mein bevorzugtes Werkzeug. Leise, klein und robust – alles gleichzeitig“, so Nabrdalik.

Objektive

Canon EF 28mm 1:2,8 IS USM

Tragbar und erschwinglich: Das EF 28mm f/2.8 IS USM ist ein ideales Allzweck-Weitwinkelobjektiv. „Es ist klein, leicht und preisgünstig. In Kombination mit der EOS 5D Mark IV ist es daher das unaufdringlichste und effizienteste Werkzeug, das ich mir vorstellen kann“, so Nabrdalik.

Canon EF 35mm f/1.4 USM

Ein Standard-Weitwinkelobjektiv, das von Reportagefotografen wegen seiner natürlichen Perspektive, seiner Fähigkeiten bei schlechten Lichtverhältnissen und seiner außergewöhnlichen optischen Leistung sehr geschätzt wird. Nabrdalik sagt: „Ich liebe die Bildqualität, den Kontrast und die geringe Tiefenschärfe dieses Objektivs.“

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