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Wes Andersons „Isle of Dogs – Ataris Reise“ – aufgenommen mit der Canon EOS-1D X

Wes Andersons neuer Stop-Motion-Film „Isle of Dogs – Ataris Reise“ wurde mit 80 Canon EOS-1D X aufgenommen. © Ray Lewis, mit freundlicher Genehmigung von Fox Searchlight Pictures.

Der neue Stop-Motion-Film „Isle of Dogs – Ataris Reise“ von Wes Anderson wurde bereits jetzt von den Kritikern für seine durch das japanische Kino inspirierte Atmosphäre hoch gelobt. Dies ist nicht zuletzt der kreativen Vision des Kameramanns Tristan Oliver zu verdanken, der entschied, den gesamten Film mit der Canon EOS-1D X aufzunehmen.

Da er bereits an Wes Andersons „Der fantastische Mr. Fox“ gearbeitet hatte (sowie an anderen erfolgreichen Stop-Motion-Filmen wie „ParaNorman“ und „Chicken Run – Hennen rennen“), war Oliver bestens gerüstet, um diese futuristische Geschichte über eine Gruppe von verbannten Hunden auf einer japanischen Müllinsel zum Leben zu erwecken. Aber die Arbeit für den Regisseur bedeutete eine einzigartige Herausforderung für das Kamerateam.

Wes Anderson möchte, dass seine Animationen wie seine Filme mit echten Schauspielern aussehen. Diese werden mit „Superweitwinkelobjektiven“ gefilmt, so Oliver. Da die Puppen und Landschaft in einem Stop-Motion-Film viel kleiner sind als menschliche Akteure – oder sogar echte Hunde –, müssen sie sich viel näher an der Kamera befinden als bei einem Live-Action-Film. Das macht es schwierig, die Schärfentiefe zu erreichen, die sonst von Weitwinkelaufnahmen erwartet wird.

Christian Ziegler’s

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„Bei Nahaufnahmen hat man keinen Schauspieler, der zwei Meter von der Kamera entfernt steht, sondern eine Puppe, die vielleicht nur 15 cm entfernt ist. Das bedeutet, dass man mit minimalem Fokus oder sogar im Makrobereich eines Objektivs arbeiten muss. Wenn ich eine Puppe direkt vor dem Mindestpunkt des Objektivs habe, bin ich bei 1:16 oder 1:22. Dann liegt der volle Fokus vielleicht nur in einem Bereich von der Nase bis zum Ohr, während der Rest unscharf ist“, erklärt Oliver.

Seine Lösung bestand darin, die Puppe und den Vordergrund vor einem Green Screen aufzunehmen und dann die Puppe zu entfernen und den Hintergrund separat neu zu filmen. Anschließend fügte er die beiden Aufnahmen zusammen, was die ohnehin schon schwindelerregende Anzahl an Bildern (24 Einzelbilder pro Sekunde) für einen abendfüllenden Stop-Motion-Film verdoppelte.

„Wir verwenden das Objektiv gelegentlich in einem viel größeren Abstand, um eine bessere Schärfentiefe zu erreichen, da die Puppe weiter vom Objektiv entfernt ist. Dann gehen wir digital rein, da die hohe Auflösung der Canon EOS-1D X es uns gestattet“, sagt Oliver.

Stop-Motion-Aufnahmen mit der Canon EOS-1D X

Man könnte vielleicht erwarten, dass ein Stop-Motion-Film mit Kinokameras gedreht wird, aber für „Isle of Dogs – Ataris Reise“ war die Canon EOS-1D X eine ideale Wahl.

„Das Problem mit einer Kinokamera ist der Preis. Wenn wir so viele gekauft hätten, wie wir brauchten, hätte uns das in den Ruin getrieben. Stattdessen haben wir verschiedene DSLRs eingehend getestet und uns dann für die Canon EOS-1D X entschieden.“

A man adjusts dog puppets on a set, with a camera hanging down from above.
Animatoren positionieren die Puppen mit einer unglaublichen Sorgfalt auf dem Set. Zuerst werden die Puppen aufgenommen, dann die Elemente im Vordergrund vor einem Green Screen und schließlich der Hintergrund. © Ray Lewis, mit freundlicher Genehmigung von Fox Searchlight Pictures.

Bei diesem Vorgang musste die DSLR-Kamera einige schwierige Prüfungen bestehen. Die Animatoren, die die Puppen in einem Stop-Motion-Film bewegen, nutzen den Live-View-Modus der Kamera, um sicherzustellen, dass sich die Puppen an der richtigen Stelle befinden. Die Kamera muss also aushalten können, dass der Live-View-Bildschirm ständig aktiv ist – was viele andere DSLRs, die vom Team getestet wurden, an ihre Grenze brachte.

„Bei den Kameras, die wir bis zu diesem Zeitpunkt benutzt hatten, neigte der Chip dazu zu überhitzen, wenn sie zu lange in Betrieb waren. Wir mussten sie mithilfe von Lüftern kühlen. Dagegen war die EOS-1D X eine deutliche Verbesserung“, so Oliver.

An einem kalten Morgen sieht das Bild mitunter ganz anders aus als an einem heißen Nachmittag.

Eine weitere Herausforderung war die Umgebungstemperatur. „An einem kalten Morgen sieht das Bild mitunter ganz anders aus als an einem heißen Nachmittag. Natürlich wollten wir gleichmäßige Bilder. In der Vergangenheit warteten wir oft stundenlang, bis die Kamera die richtige Temperatur hatte, um eine gute Aufnahme zu bekommen. Aber der Chip in der Canon EOS-1D X war trotz der Temperaturschwankungen superstabil, und auch der ständige Einsatz im Live-View-Modus verursachte keine Probleme mit der Kamera. Das war der Grund, aus dem wir sie ausgewählt haben. Sie ist extrem solide, was für uns sehr wichtig ist.“

Two dog puppets on a work bench are lit from above, with cameras pointed at them.
Das Kamerateam benötigte Kameras, um eine gleichmäßige Atmosphäre bei unterschiedlichen Umweltbedingungen zu erreichen, weshalb die Canon EOS-1D X eine ideale Wahl war. © Ray Lewis, mit freundlicher Genehmigung von Fox Searchlight Pictures.

Während des Drehs von „Isle of Dogs – Ataris Reise“ beaufsichtigte Oliver sage und schreibe 80 Canon EOS-1D X Gehäuse. „Wir nahmen an 44 Sets gleichzeitig auf, was bedeutete, dass wir zu jeder Zeit 44 Kameras im Studio benötigten. Wir hatten jedoch insgesamt etwa 80 Kameras, weil sie makellos bleiben mussten“, sagt er.

Da Stop-Motion-Filme aus mehreren Einzelbildern bestehen, die in schneller Abfolge gezeigt werden, kann ein winziger Staubfleck auf einem Objektiv zu einem Chaos führen und viele Stunden Nachbearbeitung in einem ohnehin schon langwierigen Prozess bedeuten. Die Kamera bewegt sich innerhalb einer Szene, sodass ein Stück Schmutz sich quer über das Bild und möglicherweise sogar über das Gesicht eines Charakters ziehen kann. [Daher ließen wir viele] Kameras nach jeder Aufnahme einen Reinigungsprozess durchlaufen, um sicherzustellen, dass sie so sauber wie nur möglich sind“, erklärt Oliver.

Aufnahme jedes einzelnen Bilds

Oliver arbeitete zwei Jahre und drei Monate an „Isle of Dogs – Ataris Reise“. Bevor die Aufnahmen zu einem Stop-Motion-Film beginnen, wird ein aufwändiges Storyboard erstellt. Dieses bildet die Grundlage für eine zeichentrickartige Version, die so genannte „Animatic“. So erhalten die Macher des Films ein Gefühl dafür, wie die Charaktere aussehen werden, wenn sie sich bewegen, und können Änderungen vornehmen, beispielsweise wenn ein Kind im Vergleich zu einem Hund zu klein ist. Erst dann werden Puppen mit beweglichen Gliedmaßen, wechselbaren Mündern und speziell genähten Kostümen hergestellt.

Im Anschluss wird der komplette Dialog aufgezeichnet, und die Animatoren bewegen die Puppen, um perfekte Lippensynchronität für den Kameramann zu erreichen. „Wenn der Charakter z. B. ‚Hallo‘ sagt, was ca. sechs Bilder erfordert, wissen die Animatoren genau, wo das H beginnt und über wie viele Bilder es dauert“, sagt Oliver.

A puppet woman is positioned in a set resembling a TV studio.
Bis zu 44 Szenen wurden gleichzeitig an verschiedenen Sets gefilmt, wobei jedes eine unterschiedliche Beleuchtung erforderte. © Valerie Sadoun, mit freundlicher Genehmigung von Fox Searchlight Pictures.

Oliver überwacht auch die Beleuchtung auf allen Sets, an denen gleichzeitig gefilmt wird. Vor der Aufnahme erstellt er eine Übersicht darüber, wie die Beleuchtung an allen Punkten während des gesamten Films aussehen muss. Seine Entscheidungen hängen von einer Reihe von Faktoren ab. „Welche Tageszeit soll in der Szene sein? Welche Farbe hat das Licht? Gibt es gruselige Spezialeffekte? Welche Emotionen sollen in dieser Szene geweckt werden?“

Die Aufnahme beginnt in der Regel, wenn die Sets und Puppen bereit sind. Sobald also eine Puppe aus der Werkstatt kommt, wird sie direkt ans Set gebracht, und das Team legt los. „Die Szenen werden die ganze Zeit in willkürlicher Reihenfolge gedreht. Dabei nicht den Überblick zu verlieren, ist eigentlich der größte Teil der Arbeit. Es ist eine Erleichterung, wenn man manchmal nur ein paar Lichter am Set aufstellen muss“, sagt er.

„Ich beleuchte 15 Sets persönlich. Es ist für mich schlicht nicht möglich, alle 50 [Sets, an denen ein einem Tag gefilmt wird,] zu beleuchten, daher habe ich zwei oder drei Jungs, die die Beleuchtung nach meinen Anweisungen einrichten. Ich schaue mir aber jedes Bild auf jedem Gerät an und überwache jeden Beleuchtungstest, da ich sicherstellen muss, dass der Film wie aus einer Hand aussieht – nämlich aus meiner.“

Puppet people watch TV. A Canon EOS-1D X camera and film set equipment is visible behind and to the sides.
Sobald eine Puppe fertig war, wurde sie zum Set gebracht, damit das Team die Szenen mit ihr aufnehmen konnte. © Ray Lewis, mit freundlicher Genehmigung von Fox Searchlight Pictures.

Anfänge im Stop-Motion-Bereich und Zusammenarbeit mit Wes Anderson

Der Beginn von Olivers Karriere im Stop-Motion-Bereich im Jahr 2005 war purer Zufall. „Ich war mehrere Jahre an der Filmschule gewesen und kannte einige Leute bei Aardman (den Schöpfern von Wallace und Gromit). Ich rief sie an, um mir einige Lichter zu borgen. Aardman bestand damals nur aus drei Männern, einer Frau und einem Hund. Sie waren unglaublich locker drauf und sagten: ‚Ach übrigens, was machst du nächste Woche?‘ ‚Nichts‘, antwortete ich, und sie fragten: ‚Möchtest du vielleicht vorbeikommen und einen Werbeclip drehen?‘ Damals konnte man in der Werbung viel Geld machen, und sie waren eine kleine Gruppe von Leuten mit einer Menge toller Ideen, die versuchten, spannende Dinge auf die Beine zu stellen. So stieg ich als blutiger Anfänger ein, und sie boten mir immer wieder Aufträge an. Drei Jahre später drehte ich ‚Wallace & Gromit – Die Techno-Hose‘.“

Olivers Zusammenarbeit mit mit Wes Anderson begann mit „Der fantastische Mr. Fox“, der 2009 herauskam. „Ich hatte mich tatsächlich schon an den Produzenten gewendet, bevor ich Wes kannte. Bis dahin hatte ich komischerweise noch nichts von seinen Arbeiten mitbekommen. Aber ich hatte gehört, dass sie eine Stop-Motion-Produktion in London planten, also suchte ich den Produzenten auf und gab ihm mein Portfolio, das er dann Wes zeigte.“

Anderson nutzt „unkonventionelle“ Methoden, um seine unverwechselbare und kompromisslose Vision zu kommunizieren, erklärt Oliver: „Ich glaube, er hält sich gerne körperlich weit vom Animationsvorgang entfernt, da er sich nicht besonders dafür interessiert, ob er schwierig ist oder nicht. Er möchte einfach sagen ‚Ich will, dass Du das und das machst‘, und erwartet, dass man dann selbst eine Lösung dafür findet.

Privat geht er mit den Leuten aus, isst mit ihnen zu Abend und spricht über alle möglichen Dinge. Aber bei der Arbeit ist er irgendwo anders, und wir sind hier. Wir schicken ihm Sachen, und er schickt uns Kommentare“, erläutert Oliver. „Er vertraut darauf, dass ich tue, was er will, und das ist für uns beide sehr wichtig. Ich bin sein visuelles Auffangnetz.“

A person holds a miniature model of a Canon camera, finishing it off with a pen.
Ein Assistent verleiht einer Canon Kamera in Puppengröße den letzten Schliff. Präzision und ein außerordentliches Auge fürs Detail gehören zu den Schlüsselfähigkeiten, die Kameraleute im Stop-Motion-Bereich mitbringen müssen. © Valerie Sadoun, mit freundlicher Genehmigung von Fox Searchlight Pictures.

Oliver ist überzeugt, dass es Chancen für ambitionierte Stop-Motion-Fotografen in der Branche gibt – zumindest teilweise, weil er glaubt, dass es nur fünf Leute gibt, die tun, was er tut. Und er sieht die Zukunft des Stop-Motion-Films optimistisch. „Ich glaube, diese Branche ist derzeit so stabil wie eh und je. Aardman ist immer noch da und produziert Spielfilme. Laika [die Animationsstudios hinter „Coraline“, „ParaNorman“ und „Die Boxtrolls“] mischen jetzt auch mit, was die Stop-Motion-Branche richtig auf Trab bringt. Dieses Studio kann zwei Filme auf einmal drehen und hat, glaube ich, in den letzten acht Jahren so viele Filme abgeliefert, wie Aardman in den letzten 20 Jahren zusammen – es ist riesig.“

Wie bei jeder Art von Fotografie braucht ein guter Stop-Motion-Fotograf sowohl praktische Erfahrung als auch eine kreative Vision. „Um deine angeborene Kunstfertigkeit in die Tat umzusetzen, benötigst du ein enormes technisches Wissen. Wenn man nicht weiß, wie die Kamera funktioniert und welche physikalischen Eigenschaften die Objektive haben, die man verwendet, hat man einfach keinen Zugang zur vollen Bandbreite“, sagt er.

„Es dreht sich alles darum, was man sieht. Es geht nicht immer darum, die Dinge richtig darzustellen – sondern darum, sie schön aussehen zu lassen.“


Weitere Informationen zum neuesten Modell der Canon EOS-1D X Serie finden Sie auf der Produktseite zur Canon EOS-1D X Mark II.

Verfasst von Kathrine Anker


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