Haben Sie schon einmal voller Staunen in die Sterne geblickt und sich vorgestellt, in einer Rakete zum Mond zu fliegen? Wenn ja, dann befinden Sie sich in bester Gesellschaft. „Ich bin seit meiner Kindheit ein absoluter Weltraum-Fan“, gesteht der Canon-Botschafter Paolo Verzone. „Ich habe alle Space-Shuttle-Missionen im Fernsehen verfolgt.“ Doch der kleine Paolo hätte sich niemals vorstellen können, dass er eines Tages einen Blick hinter die Kulissen einer Mission werfen würde, die die Fantasie der ganzen Welt beflügelt hat.
Aber solche unglaublichen Projekte entstehen nicht einfach aus dem Nichts. Für Paolo und seinen langjährigen Kollegen, den Filmemacher Massimo Nicolaci, bedeutete es, ihrer Leidenschaft zu folgen und – nun ja – darauf zu warten, dass die Sterne günstig stehen. „Im Jahr 2020 waren wir im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts auf Spitzbergen in Norwegen tätig – Archäologie, Paläontologie“, erklärt er. „Beides hat zwar mit der Weltraumforschung zu tun, aber wir hatten noch nie über ein Weltraumprojekt nachgedacht, bis wir von der Artemis-Mission der NASA gelesen haben.“
Wer es noch nicht kennt: Artemis ist ein spannendes, ehrgeiziges und langfristig angelegtes Projekt, mit dem zum ersten Mal seit dem „Weltraumrennen“ der 1960er Jahre wieder Menschen auf den Mond gebracht werden sollen. Letztendlich ist das Ziel die Errichtung eines permanenten Basislagers auf dem Mond – kein leichtes Unterfangen, das eine unglaubliche Kombination aus neuen Technologien und hochqualifizierten Astronaut:innen erfordert, die zugleich Wissenschaftler:innen und Ingenieur:innen sind. Und falls Ihr denkt, das sei das Coolste, was man jemals in Fotos und Filmen festhalten könnte – Paolo und Massimo waren Euch da schon weit voraus. „Ich bin auf meinem Stuhl herumgesprungen!“, erinnert sich Paolo. „Ich habe damals immer gesagt, dass in fünf oder sechs Jahren alle Augen auf Artemis gerichtet sein werden – und ich hatte recht.“ Also habe ich mich voll ins Zeug gelegt, Zeitschriften angerufen, ihnen E-Mails geschrieben und sie aufgefordert, sich diese Gelegenehit nicht entgehen zu lassen.
© Paolo Verzone für Gallerie D’Italia
© Paolo Verzone für Gallerie D’Italia
Doch damals, im Jahr 2020, konnten die meisten seine Begeisterung nicht nachvollziehen. Also gingen Paolo und Massimo davon aus, dass sie die Idee Stück für Stück vorantreiben müssten – ein kleines Projekt nach dem anderen –, bis der Moment käme, in dem sich alles zusammenfügen würde. Als erste reagierte das Magazin GEO Deutschland, das sie beauftragte, die Rolle der European Space Agency (ESA) beim Bau einer Komponente des Artemis-Moduls zu dokumentieren, nämlich des Europäischen Servicemoduls für Orion – dem Hauptraumschiff, das die Astronaut:innen befördern soll. „Dann wurde ich von Gallerie D’Italia in Turin kontaktiert, einem Museum, das ausschließlich Werke ausstellt, die es selbst in Auftrag gegeben hat.“ Sie fragten mich: „Haben Sie ein wirklich sehr ehrgeiziges Projekt?“ Und so kam es, dass sie mitmachten – zwar ging es in erster Linie darum, die Arbeit der ESA zu dokumentieren, doch für Paolo und Massimo standen vor allem die Menschen im Mittelpunkt, die hinter der Faszination des Weltraums stehen.
„Astronaut:innen durchlaufen eine fünfzehnjährige Ausbildung, aber wer bildet sie eigentlich aus?“ Hinter allen stehen jeweils 500 Menschen – Geolog:innen, Wissenschaftler:innen, Ingenieur:innen …“ erklärt Paolo. „Und die Maschinen, die Robotik, die Technologien?“ Wer baut diese? Alle arbeiten zusammen, um dieses Projekt zu verwirklichen, und es ist einfach wunderschön.“ Massimo fügt hinzu: „Und diese Menschen glauben daran, dass der nächste Schritt der Evolution darin besteht, im Weltraum, auf dem Mond, auf dem Mars zu leben. „Man hat wirklich das Gefühl, dass sie Geschichte schreiben, und wir sind mit dabei, um diese magische Seite zu zeigen.“
Doch ein Besuch auf den Lofoten, einer Inselgruppe im Norden von Norwegen, eröffnete mir eine völlig unerwartete Perspektive auf diese Welt. „Dort gibt es ein 500 Quadratmeter großes Gelände – eine geheimnisvolle Landschaft, die dem Mondboden auf der Erde so nahe wie möglich kommt. Hier werden Astronaut:innen in Geologie geschult“, erklärt Paolo. „Wir fragten, wo wir sie treffen sollten“, erinnert sich Massimo. „Und sie haben Koordinaten geschickt.“ Wir fuhren so nah wie möglich heran, dann mussten wir zu Fuß weitergehen und ESA-Mitarbeitende finden – „diese mussten als Mitarbeitende der European Space Agency gekleidet sein!“
© Paolo Verzone für Gallerie D’Italia
© Paolo Verzone für Gallerie D’Italia
Die beiden sind zwar durchaus an abgelegene und schwierige Bedingungen gewöhnt, doch eine nachgebildete Mondoberfläche birgt Herausforderungen, die man nur als jenseitig bezeichnen kann. Es gab zum Beispiel Mondstaub. „Es heißt regolith“, erklärt Paolo. „Wir mussten unsere Kameras mit Plastikklebeband abdecken, sonst wäre Mondstaub hineingekommen.“ Das bedeutete, dass wir weder die Einstellungen ändern noch durch den Sucher schauen konnten. Aber genau das ist das Magische daran, denn man muss sich vorantasten – seinem sechsten Sinn folgen – und hoffen, dass es etwas sehr Interessantes zu entdecken gibt, wenn man von der Mondoberfläche zurückkehrt …“
Gleichzeitig flogen sie quer durch Europa zu verschiedenen Technologiezentren der ESA, um vor Ort bei der Entwicklung unterschiedlichster Robotersysteme für die Weltraumforschung (einschließlich der berühmten Mondrover) dabei zu sein und zu beobachten, wie die Menschen mit den Maschinen interagierten. Für Paolo und Massimo war es entscheidend, die Astronaut:innen uninszeniert bei ihrer tatsächlichen Arbeit zu zeigen und einen Eindruck davon zu vermitteln, wer sie wirklich sind. „Es waren die bescheidensten Menschen, die ich je in meinem Leben getroffen habe“, sagt Paolo. „Sie konzentrieren sich nur auf eine einzige Aufgabe – wenn sie mit Dir sprechen, bist Du für sie das ganze Universum – und sie bewegen sich langsam, hetzen nicht und rennen niemals.“
Das weiß er deshalb so genau, weil er selbst hinter der Kamera stand, als die inzwischen weltberühmten Bilder der Besatzung der Artemis II entstanden. „Wir waren in Norwegen, um die ESA-Astronaut:innen zu fotografieren, als das Time Magazine anfragte, ob ich in 48 Stunden nach Houston kommen könnte, um mit ihnen ein 45-minütiges Fotoshooting zu machen. Und ich sagte: „Ja, natürlich!“ „Später meldeten sich so viele Leute bei mir und meinten: ‚Jetzt verstehen wir, was Du gemacht hast!‘“
Was sie uns gegeben haben (und weiterhin geben werden – denn sie sind bereits tief in Artemis III involviert), war ein echter Blick hinter den Bühnenvorhang, nur dass man mehr sieht als nur Akteure, die darauf warten, aufzutreten. Es ist ein einmaliger Einblick in die Ausbildung von Astronaut:innen und ein Blick in eine Welt, eine Zukunft und eine Lebenseinstellung, die völlig fernab von allem liegen, was die meisten von uns jemals erleben werden. Das ist in so vielerlei Hinsicht umwerfend, sogar für Paolo und Massimo. „Die Wissenschaftler:innen sprechen nicht über Herkunft oder Geschlecht; sie haben das große Ganze im Blick.“ „Wir sind Homo sapiens“, sagt Paolo. „Und ein Ingenieur der ESA sagte mir, dass sie einen 800-Jahres-Plan haben, um den Homo sapiens in die nächste Dimension zu bringen.“
Weitere Geschichten
-
Satellitensicht: Die Erde betrachtet durch ein Canon-Objektiv.
500 Kilometer über uns befinden sich in einer niedrigen Erdumlaufbahn drei Canon-Mikrosatelliten. Seit 2017 haben sie unglaubliche Bilder von der Erde und dem Weltraum aufgenommen.
-
So sieht ein elektromagnetischer Durchbruch aus
Unsere Forschungs- und Entwicklungsgenies haben wieder einmal Wellen geschlagen – aber diesmal Terahertz-Wellen. Und die sind ein echter Game-Changer.
-
Ein Drache, ein Falke und der Ursprung des Universums
Die japanische Raumfahrtbehörde analysiert mithilfe der ANELVA-Technologie von Canon im Rahmen ihrer Hayabusa2-Mission Proben des Asteroiden „Ryugu“.
-
Leuchtende Gesichter: Das nicht ganz so geheime Geheimnis des Handy-Displays.
Wenn wir das vertraute Leuchten unseres Handy-Displays betrachten, können wir uns schlecht vorstellen, dass es viel mit unserem Drucker oder unserer Kamera gemeinsam hat. Hier erfahren Sie, warum das so ist.