A close-up of table tennis player Rhikesh Taucoory with the ball appearing to hover just in front of his face. Photo by Mark Kolbe.

SPORTFOTOGRAFIE

Derselbe Sport aus verschiedenen Perspektiven: So wird man bei der Sportfotografie kreativ

Du liebst Sport, bist aber nicht sicher, wie man ihn auf einzigartige und spaßige Weise im Bild festhält? Mit ein wenig Übung lernst du, kreative Aufnahmen zu machen, die dabei helfen, die schönsten Momente eines Spiels noch einmal zu erleben.

Hier teilen fünf professionelle Sportfotografen kreative Techniken und Tipps, die sie über Jahre hinweg bei Spielen und Turnieren auf der ganzen Welt gelernt haben. Egal, ob du mit der Canon EOS 90D oder Canon EOS-1D X Mark II fotografierst, die Grundlagen der Fotografie sind identisch. Erfahre hier, wie sich ein Knockout-Schlag perfekt einfrieren lässt, wie man die Begeisterung der Fans festhalten kann und wie entscheidend Zoom und Bildausschnitt sind. Dieser Leitfaden für Einsteiger zeigt die Tipps und Tricks der Profis.

1. Mit dem Zoom zu einzigartigen Bildern

Getty Images-Fotograf Mark Kolbe hat dieses Bild mit dem Tischtennisball aufgenommen, der scheinbar über dem Kopf eines Spielers schwebt. Er erzählt uns die Geschichte hinter seiner Aufnahme: „Ich habe diese Aufnahme für Getty Images gemacht, als ich zum ersten Mal Tischtennis fotografiert habe. Ich wusste, dass Bilder von den Spielern beim Aufschlag immer beliebt sind, also suchte ich nach Sportlern mit einer ungewöhnlichen Aufschlagtechnik.

„Ich konzentrierte mich auf die rote Wand des Veranstaltungsortes und dann fiel mir Rhikesh Taucoory aus Mauritius auf – nicht nur wegen seiner Aufschlagtechnik, sondern auch weil die starke Deckenbeleuchtung auf seinen Kopf schien. Das Match war schon fortgeschritten und ich hatte nicht viel Zeit, um das Bild einzufangen, das ich mir vorgestellt hatte. Ich nahm eine 400mm-Festbrennweite, weil ich wusste, dass mir die Vergrößerung im Idealfall erlauben würde, den Aufschlag und die intensive Konzentration am besten festzuhalten. Ich nahm den Ball direkt über seinem Kopf auf, mit beiden Augen darauf fixiert, um den Eindruck eines regungslosen Schwebezustands zu erwecken. Dies war ein weiterer Grund, warum ich das Bild mit dem 400mm-Objektiv aufgenommen habe: Ich wollte seinen Kopf und den Ball vom roten Hintergrund isolieren. Der Spielraum für Fehler ist nicht groß, wenn man so fotografiert, aber ich blieb einfach dran und beim achten und letzten Aufschlag befanden sich Ball, Augen und Aufschlag in einer Linie – das war der perfekte Moment."

Marks Ratschlag für die Nachahmung seines eigenartigen Bildausschnitts lautet: „Wenn man zoomt, sollte man sich auf die Action konzentrieren und so weit wie möglich vorausplanen. Dann sollte man für den perfekten Moment bereit sein! Oft besteht bei Zoomobjektiven die Versuchung, hinein- und wieder herauszuzoomen – immer wieder – und dann passt im entscheidenden Moment die Schärfe nicht. Man hat eine größere Chance, den Moment festzuhalten, wenn man etwas Geduld hat: Zuerst die Brennweite festlegen – und dann auf das Bild warten, das man sich erhofft hat.“

Wenn ähnliche Ergebnissen mit einer Canon EOS 90D haben willst, solltest du das Canon EF 70-300mm f/4-5.6 IS II USM Objektiv verwenden. Bei vollem Zoom kannst du an der Seitenlinie sitzen und dennoch unglaubliche Details erkennen, und der 32,5-Megapixel-APS-C-Sensor der Canon EOS 90D lässt dich dank der scheinbar längeren Telereichweite noch näher an das Geschehen heran.

2. Einfrieren wichtiger Momente

Die Fotojournalistin Elizabeth Kreutz hat das Bild von den Boxern mitten im Kampf mit ihrer Canon aufgenommen. Sie sagt, dass man das Einfrieren der Action im richtigen Moment als eine nützliche Lernaufgabe betrachten sollte. „Bei dieser Aufnahme von Manny Pacquiao und Timothy Bradley Jr. nahm ich das Canon EF 70-200mm f/2.8L IS III USM Objektiv, um nah ran zu kommen und das Drama und die Wucht des harten Schlages einzufangen. Ich liebe das Timing dieses Bildes: die Verbindung aus Schlag, der Grimasse auf Mannys Gesicht, die Muskelkontraktionen und der Schweiß, der von beiden Kämpfern fliegt – und der Scheinwerfer, der zwischen ihnen leuchtet.“

Um solche Bewegungen einzufrieren, hält es Elizabeth für wichtig, „jederzeit bereit zu sein“. Sie erklärt, dass auch die vorherige Einstellung Ihrer Kamera auf Reihenaufnahmen geholfen hat: „Die Blendenautomatik mit Zeitvorwahl und eine Belichtungszeit von weniger als 1/1.000 Sekunde wählen. Die Kamera sollte auch bei den Reihenaufnahmen auf die maximale Bildrate eingestellt werden.“ Die Canon EOS 90D kann bis zu 10 Bilder pro Sekunde machen, man hat also eine gute Chance auf das optimale Bild.

Wenn es um die Fokussierung geht, zieht es Elizabeth vor, die volle Kontrolle zu behalten: „Ich benutze die Einzelpunktmessung und ändere ihn während des Kampfes manuell, um Schärfe und Bildkomposition nach meiner Vorstellung zu erhalten. Das erfordert etwas Übung, besonders bei einem schnellen Boxkampf“, sagt sie. Wenn man sich nicht auf den Einzelfeld-AF verlassen möchte, bietet sich die intelligente Technologie zur Erkennung und Nachführung der Schärfe (Intelligent Tracking and Recognition – iTR) an, die bei einigen Canon Kameras und der Canon EOS 90D verfügbar ist: Auf das Motiv fokussieren und die Schärfe wird automatisch nachgeführt – egal wohin es sich im Bild bewegt. Das ist eine große Hilfe für die Sportfotografie.

3. Mit Bewegungsunschärfe kreativ werden

Canon Ambassador Tom Jenkins ist Sportfotograf für die Zeitungen „The Guardian“ und „The Observer“ in Großbritannien. Er empfiehlt, mit der Bewegungsunschärfe zu experimentieren, um ein Gefühl von Geschwindigkeit und der Hektik zu vermitteln – wie auf seinem Foto oben. „Ich habe diese Aufnahme von der Vorrunde der 1.500-Meter-Läufe der Herren für den Guardian gemacht“, sagt er. „Dieses Rennen war eigentlich unspektakulär, also entschied ich mich, mit langen Belichtungszeiten und der Kombination mehrerer unterschiedlich belichteter Aufnahmen zu experimentieren. Ich versuchte, die Bewegung der Läufer zu veranschaulichen und kreativ zu werden mit den Farben der Hemden, Shorts, den Schuhen sowie den Anzeigetafeln im Stadion. Ich bekam die Aufnahme, die ich wollte, nach ein paar Versuchen mit unterschiedlicher Aufnahmeposition und Belichtungszeit, und ich schwenkte die Kamera mit den Läufern mit, als sie vorbei liefen. Dieses Bild besteht eigentlich aus zwei Einzelbildern, die in der Kamera kombiniert wurden, wobei ich zwischen den Aufnahmen schnell herauszoomte.

„Wann immer ich die Chance habe, so zu experimentieren, zehre ich immer von dem, was ich gelernt habe: Was richtig gut gelaufen ist und was überhaupt nicht geklappt hat. Ich versuche, dieses Wissen zu speichern, in der Hoffnung, dass es eines Tages eine andere Sportart geben könnte, bei der ich die gleiche Technik anwenden kann.“

Toms Ratschlag lautet: „Experimentiere mit deiner eigenen Kamera mit Belichtungszeiten, Zoom und Schwenken. Ich habe eine Canon PowerShot G7 X Mark II – die ist einfach ideal zum Schwenken mit langen Belichtungszeiten. Meiner Meinung nach funktionieren Schwenkaufnehmen am besten, wenn Sie parallel zur Aktion erfolgen – also den eigenen Standort überdenken und ob es einen besseren Ort für die Aufnahme gibt.“

4. Aus unerwarteter Position fotografieren

Der Pressefotograf Brite Marc ist leitender Sportfotograf bei einer der größten Tageszeitungen in Großbritannien, der Times. Er ist auch ein Canon Ambassador, der seine Canon Ausrüstung gerne an strategisch interessanten Orten aufbaut, um verschiedene Perspektiven zu erhalten, wie z.B. von diesem Pferderennen. „Ich habe diese spezielle Aufnahme mit einer ferngesteuerten Kamera aus ca. 18 Metern Entfernung gemacht. Ich positionierte die Kamera mit einem Sender unter den Absperrungen und stellte sicher, dass ich den Zieldurchlauf im Bildausschnitt hatte. Als ich das Pferd am Ziel sah, machte ich Reihenaufnahmen mit 12 Bildern pro Sekunde, um die beste Chance zu haben, den optimalen Moment einzufangen. Zum Glück für mich ist das Siegerpferd innen aufgetaucht, also ist es im Bild größer, während das zweitplatzierte Pferd in der Mitte viel kleiner erscheint.

„Das Besondere an diesem Schuss ist auch, dass das Pferd auf halbem Weg ist; das Licht ist gut, so dass man die Muskeln des Pferdes und das Gesicht des Jockeys sehen kann; außerdem trägt der Jockey auf dem Siegerpferd ein Trikot in strahlendem Orange – wenn das in Schwarz gewesen wäre, wäre es vielleicht nicht so auffällig. Und natürlich gibt es auch das offizielle Gewinnerfoto.“

Um Marc nachzuahmen, kannst du deine Kamera positionieren und fernbedienen, indem du die Canon Camera Connect App auf dem Smartphone installierst (wenn deine Kamera integriertes WLAN hat) – oder eine drahtlose Fernbedienung verwenden. Alternativ kannst du auch das klappbare Display deiner Kamera (falls vorhanden) verwenden, um aus ungewöhnlichen Orten oder Blickwinkeln zu fotografieren. „Vermeide das Offensichtliche“, sagt Marc. „Halte dich von den üblichen Standards fern, die man überall sieht. Gehe dort einen Schritt zurück, wo alle anderen Fotografen meinen, stehen zu müssen.“

„Wenn man Kinder beim Fußballspielen fotografiert, stellst du dich am besten hinter den schlammigen Torraum, in dem das Kind in einer Pfütze steht , bereit für den kommenden Stürmer – es geht darum, eine Situation zu betrachten und das Ungewöhnliche darin zu finden.“

5. Die Umgebung einbeziehen, um eine neue Dimension zu schaffen

Canon Ambassador und Sportfotograf Andrey Golovanov sagt, dass die Umgebung einiger Sportereignisse deinen Fotos eine zusätzliche Ebene des Interesses verleihen kann. „Ich habe mich entschieden, den Moscow Marathon 2014 für mich selbst zu fotografieren, nachdem ich zwei Jahre zuvor für die Porträts von den Läufern angestellt war“, sagt er. „Deshalb kannte ich alle Feinheiten und die besten Orte, um entlang der Strecke zu fotografieren: die Stadt Moskau und den Kreml. Der erste Ort, den ich gewählt habe, war die Stadt Moskau, mit seinem Hintergrund aus Wolkenkratzern. Dort fand ich die perfekte Pfütze auf dem Asphalt, die einen der Türme des Kremls spiegelt und könnte dabei gleichzeitig die Füße der Läufer einfangen. Ich denke, diese Aufnahme ist spektakulär, und sie wurde beim Sportfolio Festival in Frankreich mit dem ersten Platz in der Kategorie ,Ungewöhnlich‘ ausgezeichnet.

„Mein Rat für Anfänger ist, eigene Fähigkeiten zu verbessern, indem man interessante Kompositionen bei lokalen Veranstaltungen festhält, die einfacher zu besuchen sind, anstatt gleich zur Weltmeisterschaft zu reisen. Marathons sind ein großartiger Sport zum Fotografieren, da sie normalerweise für jedermann zugänglich sind. Die meisten Orte bieten das ganze Jahr über eine Art Langstreckenrennen an, und es gibt viel Zeit und Gelegenheit, mit Ihrer Technik zu spielen und sie zu perfektionieren.

„Betrachte die Umgebung, in der du fotografierst und stelle dir eine kreative Möglichkeit vor, die Geschichte visuell zu erzählen. Wenn sich das Display der Kamera beispielsweise schwenken lässt, versuche Aufnahmen aus ungewöhnlichen Perspektiven – z.B. über die Köpfe der Menge hinweg, durch die Menge oder auf dem Bürgersteig liegend. Die Einbeziehung von Reflexionen, wie diese Pfütze, ist ein weiterer großartiger Trick. Achte auf stilles Wasser oder glänzende Fenster, sei es bei Autos oder Gebäuden – selbst mit Sonnenbrillen kann das gut funktionieren. Dann ist es nur ein Fall von mehr Übung, umso besser die Fotos.“

Verfasser: Natalie Denton

Ähnliche Artikel
A Canadian player tackles an Irish player in a rugby match. Photo by Richard Heathcote.

SPORTFOTOGRAFIE

7 einfache Möglichkeiten für bessere Sportaufnahmen

Entdecke die Kameraeinstellungen, Modi und Funktionen, mit denen du noch bessere Sportaufnahmen machst.

Sports photographer Dave Rogers stands next to rugby player Martin Johnson on the pitch.

SPORTFOTOGRAFIE

So gewinnst du mit deinen Sportaufnahmen

Der Top-Sportfotograf Dave Rogers verrät seine zehn besten Tipps, mit denen du deine Sportfotografie noch besser machst.

A snowboarder walks through the snow with his snowboard under his arm, away from the camera.

DRAUSSEN

Tipps und Tricks für bessere Aufnahmen im Winterurlaub

Der professionelle Sportfotograf Richard Walch verrät seine Expertentipps für eine brillante Winterfotografie – von der Wahl der Kamera bis hin zu den besten Einstellungen.

Verwandte Produkte

Ähnliche Artikel



„Inspiration“ ist die ideale Quelle für nützliche Fotografie-Tipps, Kaufberatung und ausführliche Interviews – hier gibt es alle nötigen Informationen, um die beste Kamera oder den besten Drucker zu finden und deine nächste kreative Idee zu verwirklichen.

Zurück zu allen Tipps & Techniken