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Die Gewinner des Ian Parry Stipendiums 2020: eine Anerkennung für die besten Jungtalente im Fotojournalismus

Lerne die Gewinner des Ian Parry Stipendiums 2020 kennen und erfahre, wie sie sich mit ihrer Arbeit abheben konnten.
Eine Reihe von US Marines mit weißen Mützen von hinten auf dem Times Square.

Bei seinem Projekt behandelte Yuki Iwamura, Fotograf und Gewinner des Sunday Times Award for Achievement, den Nationalstolz der Amerikaner, wie in diesem Foto von Mitgliedern des US Marine Corps, die sich während der Fleet Week zu einem Fotoshooting auf dem Times Square versammelt hatten. „Ich stamme aus in einer ländlichen Region in Japan, wo Patriotismus nicht sehr verbreitet ist. Daher war es für mich interessant zu beobachten, wie sehr manche Menschen für ihr Land brennen“, so Iwamura. „Das geht aber nicht allen Amerikanern so. Das Land ist sehr geteilt.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark IV mit einem Canon EF 35mm f/1.4L USM (mittlerweile ersetzt durch das Nachfolgemodell Canon EF 35mm f/1.4L II USM), Verschlusszeit 1/320 Sek., Blende 1:8 und ISO 100. © Yuki Iwamura

Die Gewinner des diesjährigen Ian Perry Stipendiums stehen fest. Die Auszeichnung würdigt eine Gruppe angehender Fotojournalisten, die bisher unerzählte Geschichten beleuchten, von den Auswirkungen des Anstiegs des Durchschnittsalters der japanischen Bevölkerung bis zu den Schwierigkeiten von Arbeiterfamilien in Großbritannien.

Der renommierte Preis feiert in diesem Jahr sein 30. Jubiläum. Er wurde im Gedenken an Ian Parry ins Leben gerufen – ein Fotojournalist, der 1989 im Alter von nur 24 Jahren während eines Auftrags für die Sunday Times über die Rumänische Revolution einen tragischen Tod fand.

Das damit verbundene Stipendium soll die besten aufstrebenden Fotojournalisten der ganzen Welt unterstützen, die unter 24 Jahre alt sind oder in Vollzeit Fotografie studieren. Die Gewinner erhalten jeweils 3.500 GBP für ein selbst gewähltes Projekt sowie eine Leihausrüstung von Canon Europe. Die diesjährigen Gewinner haben sich gegenüber 300 Bewerbern aus 40 Ländern durchgesetzt. Ihre Preise werden sie im Rahmen einer virtuellen Zeremonie im November 2020 von Schirmherr Sir Don McCullin entgegennehmen.

Und das sind die Gewinner: Der japanische Fotojournalist Yuki Iwamura erhielt den Sunday Times Award for Achievement, die in London lebende Capella Buncher erhielt den Canon Award for Potential und die Dokumentarfotografin Stefanie Silber aus Deutschland erhielt einen Special Award für ihre bewegende Arbeit über die Trauer nach einer Totgeburt. Daniel Harvey Gonzalez und Ingmar Nolting erhielten jeweils einen Highly Commended Award und Subhrajit Sen einen Commended Award. In der Jury saß neben anderen führenden Persönlichkeiten aus der Fotobranche auch Canon Botschafter Brent Stirton.

Ursprünglich verließ Yuki Iwamura 2015 seine Heimat Japan, um in den USA Soziologie zu studieren. Stattdessen hat er kürzlich seinen Abschluss in Dokumentation und visuellem Journalismus am International Center of Photography in New York gemacht. Sein preisgekröntes Portfolio umfasste Bilder aus seiner laufenden Serie „American Pride“, die sich mit Patriotismus und Extremismus unter der Regierung von Donald Trump befasst.

„Ich bin in einer ländlichen Region in Japan aufgewachsen. Patriotismus sieht man da nur selten. In den USA ist er hingegen allgegenwärtig“, so Iwamura. „Die Flagge ist einfach überall. In manchen Schulen wird jeden Tag die Nationalhymne gesungen, was in Japan völlig undenkbar wäre. Das fand ich sehr interessant.“ Im Rahmen seiner Serie hat Iwamura Unterstützer des zweiten Verfassungszusatzes (das Recht auf das Tragen von Waffen) sowie Rechtsextreme bei der Teilnahme an Kundgebungen und Veranstaltungen in den gesamten USA von Detroit bis Washington DC dokumentiert.

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Iwamura möchte sein Preisgeld von 3.500 GBP nutzen, um ein völlig anderes Projekt auf die Beine zu stellen. Inspiriert durch den Verlust seines Großvaters hat Iwamura sich zum Ziel gesetzt, das Altwerden und Sterben in seiner Heimatstadt Nagano, Japan, zu untersuchen, die die höchste Lebenserwartung weltweit aufweist. „Ich bin umgeben von älteren Mitmenschen aufgewachsen“, erinnert er sich. Er plant, Patienten, Verwandte und Mitarbeiter des einzigen Hospiz in Nagano zu fotografieren, in dem sein Großvater die letzten Monate seines Lebens verbracht hat, möchte aber auch betrachten, wie sich die Alterung allgemein auf die Stadt auswirkt.

Das Stipendium hilft Iwamura nicht nur, den Flug aus den USA zu bezahlen, sondern bietet ihm auch den nötigen Freiraum, um dem Projekt gerecht zu werden. „Es dauert lange Zeit, bis sich ein solches Projekt entwickelt, aber in meinen Augen ist es sehr wichtig, langfristige persönliche Aufgaben wie diese zu verfolgen“, sagt er. „Für mich als Fotograf wird das eine ganz neue Erfahrung, da sich die Arbeit in derartigen Umgebungen stark von gewöhnlichen Aufträgen unterscheidet. Es geht dabei nicht darum, Fotos von Ereignissen aufzunehmen, sondern zuzuhören und zu warten, mit Leuten zu sprechen, zu recherchieren und die gesamte Geschichte in Erfahrung zu bringen.“

Iwamura freut sich bereits darauf, die Vollformat-Systemkamera Canon EOS R5 ausleihen zu dürfen. Insbesondere bei Szenen mit wenig Licht, wie sensiblen Momenten im Hospiz, werden ihm die Low-Light-Eigenschaften der Kamera gegenüber seiner bisherigen Ausrüstung einen schärferen Fokus und weniger sichtbares Bildrauschen bieten.

Ein junger Mann liegt in einem unordentlichen Zimmer auf einem Bett, während farbige Lichter von einem Projektor den Raum erhellen.

Capella Bunchers jüngerer Bruder Danny, der unter einer psychischen Erkrankung leidet, in seinem Zimmer in London, Großbritannien, im Frühjahr 2020. „Es war für mich ein echter Augenöffner, meine Familie mit etwas Abstand durch die Kamera zu betrachten“, sagt Buncher. „Gleichzeitig konnten auch sie so Dinge sehen, die sie dringend angehen müssen. Auf uns alle hatte das eine fast schon therapeutische Wirkung.“ Aus der Serie „And the Livin' is Easy“. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III (mittlerweile ersetzt durch das Nachfolgemodell Canon EOS 5D Mark IV) mit einem Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM Objektiv, Verschlusszeit 1/140 Sek., Blende 1:2,8 und ISO 8000. © Capella Buncher

Ein Babysarg im Grab, umgeben von Zweigen und Blumen.

Fotografin Stefanie Silber erhielt einen Special Award für ihre bewegende Arbeit über die Trauer nach einer Totgeburt. Das Foto zeigt das Grab des Babys Janne-Lilli, die in der 22. Schwangerschaftswoche der Mutter starb. Ihre Familie hielt ein Begräbnis für sie in Hamburg ab. Aus der Serie „Laute Stille“. © Stefanie Silber

Vor 2019 hatte Capella Buncher eine Karriere in der Fotografie gar nicht in Betracht gezogen. Nachdem sie ihren Abschluss in englischer Literatur von der University of Bristol in der Tasche hatte, arbeitete sie in der Verwaltung des britischen National Health Service und war sich nicht wirklich sicher, welchen Weg sie in ihrem Leben einschlagen sollte. „Als Akademikerin aus einer Arbeitsfamilie kommt eine kreative Karriere eigentlich nicht in Frage“, sagt sie. „Deine Eltern werden versuchen, dich zu einem bodenständigeren Beruf zu bewegen. Ich war also fertig mit der Uni und dachte: ‚Und was mache ich jetzt?‘“

Über das gemeinnützige Programm „Create Jobs“ ergatterte Buncher einen Platz in einem Kurs über visuelles Geschichtenerzählen von Magnum Photos. Die Fotografie bot ihr die Möglichkeit, ihre Identität als Arbeiterkind neu zu entdecken, nachdem sie drei Jahre lang an der Universität von Wohlhabenden umgeben war. Zu diesem Zweck brachte sie ihre eigene Familie vor die Linse.

„Die arme Bevölkerung Großbritanniens wird sowohl in der Unterhaltungsbrache als auch in den Medien völlig falsch dargestellt, aber auch ihre Wahrnehmung in der Gesellschaft ist verzerrt“, sagt sie. „Ich wollte die andere Seite darstellen – die Wahrheit.“

Wie der Canon Female Photojournalist Grant das Leben verändert

Sechs Dokumentarfotografinnen erzählen, warum der Canon Female Photojournalist Grant einen entscheidenden Moment in ihrer Karriere darstellte.

Ein Mann sitzt in einem Sessel, eine Hand am Mund und in der anderen eine Pfeife, mit sichtbaren Tätowierungen auf den Armen.

Es ist Bunchers Vater, nachdem er einen Zug aus seiner Pfeife genommen hat. „Besonders zu Anfang“, so Buncher, „hat mich meine Familie nicht sonderlich beachtet, was genau das war, was ich wollte. Es gab jedoch Momente, in denen ich mich noch einmal vergewissern musste, dass sie immer noch mit dem Projekt einverstanden waren, weil es entlarvend ist, obwohl nichts davon gestellt war.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM Objektiv mit einer Verschlusszeit von 1/30 Sek., Blende 1:2,8 und ISO 1000. © Capella Buncher

Ein Mann und eine Frau halten den winzigen Fuß eines totgeborenen Kinds in der Hand, der in Tinte getaucht wurde, um einen Abdruck auf einem Blatt Papier zu machen.

In einem erschütternden, aber fast schon abstrakten Bild nehmen Janne-Lillis Eltern einen Fußabdruck ihrer totgeborenen Tochter. Hamburg, Deutschland, November 2017. Aus der Serie „Laute Stille“. © Stefanie Silber

Buncher hat sich noch nicht genau entschieden, welche Kamera von Canon sie ausleihen möchte, freut sich aber schon darauf, mit einer Ausrüstung zu arbeiten, die ihr Einblicke in intime Momente gewährt. „Früher habe ich eine sehr große und laute Kamera verwendet, bei der sich meine Motive nur allzu bewusst waren, dass ein Objektiv auf sie gerichtet ist“, erklärt sie. „Ich wünsche mir daher etwas Kompaktes, Kleines und Leises ohne Verschlussgeräusche, wie vielleicht die Canon EOS RP.“

Im Rahmen ihres Preises wird Buncher von Jon Jones unter die Fittiche genommen, seines Zeichens Fotojournalist und Photo Director von Tortoise Media. Für sie ist dieser Teil ebenso willkommen wie der finanzielle Aspekt, da sie, wie sie betont, viel von „den Einblicken, der Unterstützung und der Weisheit“ ihres Mentors lernen kann. Sie plant, ihr Projekt über ihre eigene Familie hinaus auszuweiten. „Meine Familie repräsentiert natürlich nicht die gesamte Arbeiterklasse Großbritanniens. Jede Familie ist anders. Ich möchte ein deutlich vielseitigeres und komplexeres Bild der Arbeiterklasse und armen Bevölkerung in ganz Großbritannien zeichnen, da es mir sehr wichtig ist, die Geschichte umfassend und nachvollziehbar zu gestalten. Derzeit bin ich noch dabei, meine Ideen genauer zu formulieren.“

Die Auszeichnung könnte ihr Leben gänzlich auf den Kopf stellen, fügt sie hinzu. „Ich habe eigentlich immer pessimistisch in die Zukunft geblickt, aber jetzt habe ich das Gefühl, dass ich doch meinen Lebensunterhalt mit etwas verdienen kann, das ich liebe, und die Dinge erreichen kann, die ich erreichen möchte. Die Leute sagen einem immer wieder, dass man alles werden könne, aber das ist nicht so einfach, und nicht jeder hat die gleichen Chancen.“

Verfasst von Rachel Segal Hamilton


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