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Martin Parrs Strandleben durch ein Teleobjektiv: das Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM

An overhead shot of people sunbathing on colourful towels at a black sand beach. Taken by Martin Parr on a Canon EF 70-300mm f/4.5-5.6L IS USM lens.
Magnum Photos-Mitglied Martin Parr findet regelmäßig Inspiration für seine Dokumentararbeit an Stränden. Diese Überkopf-Aufnahme von Sonnenbadenden an einem Strand in Sorrento, Italien, stammt aus seiner Serie „Beach Therapy“. Parr ist bekannt dafür, dass er seine Motive aus nächster Nähe mit Weitwinkel- oder Makroobjektiven aufnimmt. Diese Serie entstand mit einem Canon Teleobjektiv. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III (mittlerweile ersetzt durch das Nachfolgemodell Canon EOS 5D Mark IV) mit einem Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM Objektiv bei 200 mm, Verschlusszeit 1/400 Sek., Blende 1:8 und ISO 640. © Martin Parr/Magnum Photos

Strände boten Martin Parr während seiner gesamten Karriere eine reichhaltige Quelle für Material. Seine Bilder zeigen Menschen beim Sonnenbaden, Schlafen, Lesen, Sport und Essen in mit Handtüchern, Liegestühlen und Strandkörben gesäumten Umgebungen. Strände sind Orte, an denen die Menschen nicht nur ihren Körper, sondern auch die Eigenheiten ihres Verhaltens offen zeigen.

Für Parr, einen der weltweit beliebtesten und bekanntesten Dokumentarfotografen, sind Strände auch der Ort, an dem er mit neuen Geräten und Techniken experimentieren kann. Diese Tradition reicht bis zu den Anfängen seiner Karriere zurück. Zu Beginn der 1970er Jahre fotografierte er einige seiner ersten Schwarz-Weiß-Bilder an Stränden. Seine späteren Techniken wie die Verwendung von Weitwinkelobjektiven, Farbfilm und Blitz oder von Makroobjektiven und Ringblitzgeräten testete er alle zunächst an Stränden.

Kein Wunder also, dass der Magnum Photos-Fotograf sofort einige Strände aufsuchte, um mit dem Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM Objektiv zu experimentieren. Dort fand er Gefallen an den neuen kreativen Möglichkeiten, die ihm die Flexibilität und komprimierte Perspektive des Objektivs eröffneten. Dank des 4-Stufen-Bildstabilisators des Objektivs konnte er mit der Kamera auch ohne Stativ scharfe Bilder aufnehmen.

Tens of bodyboarders wait in the shallows for the surf on a beach. Taken by Martin Parr with a Canon EF 70-300mm f/4.5-5.6L IS USM lens.
Parr sagt, dass er das Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM Objektiv bei seiner maximalen Reichweite von 300 mm bevorzugt, da er so Details sehen kann, die er mit dem bloßen Auge nicht erkennt. Bei diesem 300-mm-Bild warten Bodyboarder im flachen Wasser von St. Ives in Cornwall, Großbritannien, auf die Brandung. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark IV mit einem Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM Objektiv bei 300 mm, Verschlusszeit 1/1000 Sek., Blende 1:11 und ISO 320. © Martin Parr/Magnum Photos
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Unter dem Titel „Beach Therapy“ (2019) hat Parr vor kurzem eine Reihe von Arbeiten veröffentlicht, die ausschließlich mit diesem Teleobjektiv entstanden sind. Die meisten Bilder wurden in seiner Heimat Großbritannien aufgenommen, einige stammen jedoch auch von Stränden in anderen Ländern wie Indien, Argentinien und Spanien.

Wir haben uns mit Parr bei der Martin Parr Foundation in Bristol, Großbritannien, getroffen und sprachen mit ihm über die Gründe seiner Faszination für Strände, die Motivation für seine Arbeit und die Art und Weise, wie er mit einem Teleobjektiv Bilder erstellen konnte, die sich stark von seinen früheren Arbeiten unterscheiden.

Du hast erzählt, dass deine Eltern nie Urlaub am Strand mit dir gemacht haben, als du Kind warst. Hat das zu deiner Faszination für Strände geführt?

„Ich schätze schon. Es hat auf jeden Fall dazu beigetragen. Meine Eltern waren begeisterte Vogelbeobachter, daher bestand die einzige Küste, die ich als Kind zu sehen bekam, hauptsächlich aus Sumpfgebieten, wo wir nach Waldsängern und Wattvögeln Ausschau hielten. Dort gab es weder Spielautomaten noch andere Strandgänger. Und von dem, was mir in jungen Jahren entgangen ist, kann ich als Erwachsener nicht genug bekommen. Es ist ein Thema, das mich in meiner 50-jährigen Karriere fast durchgehend begleitet hat. Und das wird sich auch nicht mehr ändern. Das Tolle ist, dass ich, wenn die Strände hier [in Großbritannien] im Winter leer sind, nach Lateinamerika oder Australien gehen und die Strandaktivitäten in der südlichen Hemisphäre betrachten kann.“


Dein Projekt heißt „Beach Therapy“. Empfindest du es als therapeutisch, Fotos an den Stränden aufzunehmen?

„Meiner Meinung nach ist Fotografie im Allgemeinen eine therapeutische Aktivität. Ich habe diesen Wunsch, die Welt zu erkunden, um auszudrücken, was ich als gut und schlecht betrachte. Mit Großbritannien verbindet mich eine Hassliebe, und das Tolle an der Fotografie ist, dass man diese Zwiespältigkeit ziemlich effektiv ausdrücken und beide Seiten gleichzeitig sprechen lassen kann. Aus diesem Grund halte ich es für einen therapeutischen Prozess. Als ich darüber nachdachte, welche Rolle die Küste in meiner Karriere gespielt hat und wie ich den Strand als experimentelles Labor genutzt habe, schien mir ‚Beach Therapy‘ der perfekte Titel zu sein.“

An out-of-focus seagull dominates the foreground with people in raincoats walking along a sandy beach behind. Taken by Martin Parr with a Canon EF 70-300mm f/4.5-5.6L IS USM lens.
Laut Parr konnte er dank des Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM Objektivs bei Aufnahmen wie dieser einer Möwe auf der Isle of Thanet in Kent, England, mit scharfen und unscharfen Vordergründen experimentieren. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM Objektiv bei 135 mm, Verschlusszeit 1/500 Sek., Blende 1:9 und ISO 400. © Martin Parr/Magnum Photos

Warum hast du dich entschieden, dieses Projekt mit einem Teleobjektiv zu fotografieren?

„Dieses Objektiv wird in der Kunst- und Dokumentarfotografie überhaupt nicht verwendet. [Die Verwendung eines anderen Objektivs] ist eine gute Methode, um frischen Wind in das Genre zu bringen. Ich war gespannt darauf, was ein Teleobjektiv leisten kann, und genau darum ging es mir in dieser fünfjährigen Aufnahmephase. Also habe ich mir ein Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM zugelegt. Es ist ziemlich teuer, aber die Schärfe ist überwältigend. In meiner Ausstellung [Only Human, 2019] in der National Portrait Gallery haben wir ein Bild aus Mar del Plata in Argentinien auf etwa vier Meter vergrößert, und die Qualität war erstaunlich. Ich konnte es gar nicht glauben. Ich habe noch nie eine schärfere Datei von einem ähnlichen DSLR-Bild mit 35 mm gesehen.“


Warum hast du dich für dieses Objektiv entschieden?

„Ich dachte, 300 mm sei lang genug, und das war es auch. Im Grunde ist es das perfekte Objektiv. Die 70-mm-Brennweite ist ein guter Ausgangspunkt, und die 300-mm-Einstellung bringt unglaubliche Details hervor. Tatsächlich kann man am Ende des Objektivbereichs Dinge sehen, die man mit dem bloßen Auge nicht erkennen kann.“

Four older people paddle in calm seas marked off with buoys. Taken by Martin Parr with a Canon EF 70-300mm f/4.5-5.6L IS USM lens.
Parrs Serie „Beach Therapy“ nimmt Menschen in Strandlandschaften von nah und fern ins Visier, wie bei diesem Foto von älteren Strandgängern am Meer in Benidorm, Spanien. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM Objektiv bei 104 mm, Verschlusszeit 1/500 Sek., Blende 1:9 und ISO 100. © Martin Parr/Magnum Photos
A crowded pebble beach scene, with a woman's foot in the foreground, taken by Martin Parr.

Martin Parr über seinen unverwechselbaren Stil und seine Vision

Der Magnum-Fotograf spricht über die Techniken, mit denen er seine persönliche Sicht der Welt ausdrückt.

Welche Kameragehäuse hast du für deine Strandserie verwendet und warum?

„Ich habe die Canon EOS 5D Mark III und Canon EOS 5D Mark IV verwendet. Die EOS 5D Mark IV ist eine wesentliche Verbesserung gegenüber der Mark III und ein echtes Arbeitstier: Sie ist benutzerfreundlich, intuitiv und liefert eine hochwertige Datei.“


Was gefällt dir an der Strandfotografie besonders?

„Mir gefällt die Vorstellung, dass die Menschen dort sie selbst sind. Ich mag die Tatsache, dass man beispielsweise von einer Klippe nach unten schauen und überblicken kann, was vor sich geht. Ein weiterer wichtiger Faktor [bei der Strandfotografie] ist das Fotografieren von Kindern. Als ich in den 1980er Jahren ‚The Last Resort‘ fotografierte, war das nicht wirklich ein Problem. Jetzt verständlicherweise schon. Es war für mich der perfekte Zeitpunkt, ein Teleobjektiv zu verwenden, da so niemand weiß, dass er fotografiert wird. Das war also ein glücklicher Zufall.“

A photograph, taken through the branches of a tree, of people in winter clothes walking on a sandy beach. Taken by Martin Parr with a Canon EF 70-300mm f/4.5-5.6L IS USM lens.
Nach Möglichkeit bezieht Parr Pflanzen in seine Bilder ein, da sie „der Situation etwas von ihrer Seltsamkeit nehmen können“. Dieses durch Bäume aufgenommene Bild von Spaziergängern am Strand entstand in Tenby, Wales. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5DS R mit einem Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM Objektiv bei 146 mm, Verschlusszeit 1/800 Sek., Blende 1:11 und ISO 500. © Martin Parr/Magnum Photos

Du baust oft unscharfe Pflanzen im Vordergrund deiner Strandbilder ein. Warum?

„Ich setze Pflanzen oft ein. Wenn ich fotografiere und viele Pflanzen sehe, beziehe ich sie ein. Ich stelle sie scharf oder auch nicht. Das ist für mich einfach eine natürliche Neigung. Sie können der Situation etwas von ihrer Seltsamkeit nehmen. Mit dem Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM Objektiv lässt sich die Beziehung zwischen der Pflanzenwelt und dem Strandgeschehen fantastisch darstellen. Man darf nicht vergessen: ich erschaffe Fiktion aus Realität, also ist es meine Aufgabe, die Bilder unverwechselbar und anders aussehen zu lassen und ihnen meinen eigenen Stempel und Standpunkt aufzudrücken. Ich halte immer nach Möglichkeiten dazu Ausschau.“


Wenn du also ein Motiv ausgewählt hast, musst du nur noch auf den richtigen Moment warten?

„Genau. Bei dem Eiscreme-Warteschlangenbild [unten] haben ich beispielsweise ca. 30 Aufnahmen gemacht, während ich auf die richtige Länge der Warteschlange, die richtigen Leute an der Ecke und am Rand gewartet habe. Ich habe eine Idee und warte darauf, dass sie sich von selbst erfüllt. Dann warte ich auf die kleinen Details, d. h. wie die Leute dreinblicken, statt nur das allgemeine Gefühl abzubilden. Manchmal warte ich buchstäblich darauf, dass die Leute einen bestimmten Bereich betreten. Manchmal passiert es einfach nicht, weil am Strand nicht genug los ist. Daher ziehe ich am liebsten an Sonn- und Feiertagen los, wenn das Wetter gut ist und mehr Menschen unterwegs sind.“

A small queue of beachgoers wait in line at an ice cream van parked in the middle of an empty beach. Taken by Martin Parr with a Canon EF 70-300mm f/4.5-5.6L IS USM lens.
Parr erzählt, wie er mehrere Aufnahmen machte, bevor ihm dieses faszinierende Bild von Strandgängern gelang, die in Tenby, Wales, für ein Eis anstehen. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark IV mit einem Canon EF 70-300mm f/4-5.6L IS USM Objektiv bei 300 mm, Verschlusszeit 1/640 Sek., Blende 1:9 und ISO 200. © Martin Parr/Magnum Photos

Welche weiteren Vorteile bietet dir die Aufnahme von Stränden mit einem Teleobjektiv?

„Im Allgemeinen sind die meisten Aufnahmen mit Weitwinkel- oder Standardobjektiven relativ scharf. Das Tolle an Teleobjektiven ist, dass sie einige Objekte unscharf wirken lassen. Ich habe mit unscharfen und scharfen Vordergründen experimentiert und die Beziehung zwischen scharfen und unscharfen Objekten betrachtet. Das mache ich nicht bei jedem Bild, aber es ist ein Thema, das mir viel Spaß macht: zu testen, wie Dinge aussehen, wenn sie nicht fokussiert sind“.

„Die Komprimierung ist ebenfalls interessant. Sie wirkt fast künstlich. Aber sie ist ein Teil der Fotografie und Teil dessen, was ich entdecken und in die Bilder integrieren möchte. Das Tolle an diesem Projekt ist die Begeisterung, die man erzeugt, wenn man Neues entdeckt und neue Dinge entstehen.“

Verfasst von David Clark


Martin Parrs Ausrüstung

Die Ausrüstung, die Profis für ihre Fotos verwenden

A Canon EF 70-300mm f/4.5-5.6L IS USM lens.

Kameras

Canon EOS 5D Mark IV

Der 30,4-Megapixel-Sensor der EOS 5D Mark IV erfüllt die höchsten Standards an Bildqualität und liefert sehr detailreiche Bilder in extrem hellen und dunklen Umgebungen. „Es ist benutzerfreundlich, intuitiv und liefert eine hochwertige Datei“, so Parr.

Canon EOS 5DS R

Speziell für ultimative Bildqualität konzipiert, bietet die Kamera 50,6 Megapixel Auflösung und einen Tiefpass-Aufhebungsfilter für eine erhöhte Schärfeleistung des Sensors. Parr nutzt sie „wegen der größeren Dateigröße für Aufträge wie Werbeaufnahmen“.

Objektiv

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