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Canon EOS C700 FF: Erste Eindrücke von einer beim Sundance Film Festival ausgezeichneten Kamerafrau

Dreharbeiten am Kurzfilm „A Dishful of Dollars“ mit der Canon EOS C700 FF. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM Objektiv. © Ron Batzdorff

Die in den USA lebende Kamerafrau Nancy Schreiber erhielt bereits zweimal den Preis für die beste Kamera beim Sundance Film Festival und arbeitete an über 100 Projekten, darunter die Serien „The Family“ (ABC), „The Comeback“ (HBO) und „Better Things“ (FX). 2017 wurde sie als erste Frau mit dem President's Award der American Society of Cinematographers ausgezeichnet. Kürzlich hatte sie als erste Kamerafrau die Gelegenheit, die neue Vollbildkamera EOS C700 FF von Canon bei Dreharbeiten zu benutzen.

Schreiber wurde von Canon beauftragt, den Kurzfilm „A Dishful of Dollars“ mit einer Länge von dreieinhalb Minuten zu drehen und dabei die Canon EOS C700 FF einer Vielzahl von Herausforderungen zu unterziehen, darunter Aufnahmen mit kontrastreichen Szenen, Actionszenen bei geringem Licht und viele verschiedenen Hauttönen. Der Film spielt in einem Boxclub im Keller und auf den Straßen eines Industriegebiets in Los Angeles. Er demonstriert die cineastische Wirkung, die der Vollformatsensor der Videokamera bietet, sowie seine breiten Tonabstufungen und die erweiterte Farbtechnik. Hier spricht Schreiber über ihre Erfahrungen beim Filmen mit dem neuen Kraftpaket für Kameraleute von Canon.

Welche Vorgaben hatten Sie für „A Dishful of Dollars“?

„Regisseur Nigel Dick hatte sowohl eine umfassende Shotlist als auch ein Storyboard, die wir abarbeiten mussten, da er wollte, dass der Film einer Handlung folgt. Es war mehr als nur ein Kameratest. Er wollte, dass die beiden Hauptfiguren eine echte emotionale Verbindung haben. Im Film geht es um ein Duell, das im Boxclub beginnt und als Motorradrennen fortgesetzt wird, bei dem während der Fahrt Münzen auf einen Teller geworfen werden. Die Hauptfiguren sind befreundet, sie fordern sich gegenseitig heraus. Es war sehr wichtig, einen sinnvollen Handlungsstrang zu haben, anstatt nur die Eigenschaften der Kamera zu demonstrieren. Wir mussten also all diese Aufnahmen hinbekommen, was uns auch gelang, aber wir hatten nur zwei Tage Zeit, was nicht viel Spielraum für eine Wiederholung der Aufnahmen zuließ.“



Welche Merkmale der neuen Videokamera haben Sie am meisten begeistert?

„Da Kameras mit Vollformatsensor derzeit in aller Munde sind, habe ich mich darauf gefreut, mit einer Vollformat-Videokamera von Canon arbeiten zu dürfen. Ich war aufgeregt, anamorphotische Objektive und kugelförmige Objektive testen zu können, die einen großen Sensor abdecken. Anamorphote mochte ich schon immer. Wir können damit dem Zuschauer genau das zeigen, was wir ihm zeigen wollen. Anamorphotische Objektive in Kombination mit dem Vollformatsensor waren daher einfach fantastisch.

Am zweiten Tag der Dreharbeiten haben wir für die Außenaufnahmen während des Motorradrennens verschiedene Anamorphote benutzt. Am ersten Tag im Innenraum des Boxclubs setzten wir viele nichtanamorphotische Objektive ein, die den Sensor abdecken, darunter das neue 200-mm-Cine-Objektiv von Canon mit Festbrennweite, das Canon CN-E20mm T1.5 L F.“

The camera crew at work in front of a large mural of a boxer landing a right cross on an opponent. Director Nigel Dick is seated behind a Canon EOS C700 FF, and cinematographer Nancy Schreiber stands to his left.
Regisseur Nigel Dick (hinter der Canon EOS C700 FF Kamera) und Kamerafrau Nancy Schreiber (zu seiner Linken) am Drehort im Boxclub. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM Objektiv. © Ron Batzdorff
A camera operator with a Canon EOS C700 FF on a Steadicam films a boxer using one of several punching bags in a boxing gym.
Aufnahmen im Boxclub mit der Canon EOS C700 FF auf einer Steadicam. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM Objektiv. © Ron Batzdorff

Was halten Sie von der Ergonomie der Canon EOS C700 FF?

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„Ich war begeistert von der Canon EOS C700 FF, da sie eine wirklich ergonomische Film- und Fernsehkamera ist. Einige Cine-Kameras sind für meinen Körper zu schwer, sodass ich keine Freihandaufnahmen damit machen kann. Aber diese ist unglaublich leicht. Sie verfügt über ein echtes OLED-Okular, und die Kamera passte auf meine Schulter und war dennoch gut ausbalanciert. Bei vielen anderen Digitalkameras ist das nicht der Fall. Ich begann meine Laufbahn mit Filmkameras, und obwohl diese schwer waren, waren sie gut ausbalanciert.

Auch die Art und Weise, wie die Menüs angeordnet sind, ist intuitiv. Alle zuweisbaren Tasten befinden sich direkt an der Seite der Kamera. Am Tag der Außenaufnahmen hatten wir viele verschiedene Setups und standen unter großem Zeitdruck. Da war es sehr hilfreich, schnell eine Taste drücken zu können, die dem Waveform-Monitor zugewiesen war. Ich nutze auch gerne Falschfarben, wenn ich nicht viel Zeit für eine Messung habe, und diese Funktion war leicht aufzurufen.

Mir gefiel sehr gut, dass ich mit der Kamera schnell zwischen Steadicam und Dolly wechseln konnte. Es gab nicht so viele Klammern, die man erst lösen musste. In der Vergangenheit mussten wir bei der Planung eines Aufnahmetags 20 Minuten für den Wechsel von der Steadicam zu konventionellen Aufnahmen einplanen und haben daher oft alle Steadicam-Aufnahmen zusammengefasst. Mit der Canon EOS C700 FF war das nicht erforderlich. Die Kamera ließ sich ganz einfach und schnell zwischen beiden Modi hin- und herwechseln.“

Sie haben mit 5,9K aufgenommen. Wie war das?

„Ja, wir haben in RAW bei 5,9K auf einem Codex Capture Drive aufgenommen. Der Film sollte in 4K gezeigt werden, sodass wir bei einigen Frames den Ausschnitt vergrößern konnten. Als Kamerafrau muss ich jedoch darauf hinweisen, dass es mir nicht sonderlich gefällt, Aufnahmen einfach nach Belieben nachbearbeiten zu können, statt echte Nahaufnahmen zu machen. Wir hatten eine Aufnahme der Boxerin, bei der wir den Ausschnitt mit Supervised Framing vergrößerten, und ich war beeindruckt. Es gab kein Bildrauschen, und auch der Kontrast und die Farbe blieben ordentlich.

„Größere Pixel sollen ja einen besseren Dynamikumfang bieten. Aber ich habe keinen Vergleich gemacht, da wir echte Szenen gefilmt haben. Ich freue mich darauf, bald einen umfassenderen Kameratest durchzuführen.

Natürlich wurde der Film für das Internet abwärts skaliert und sieht auch in HD noch ziemlich gut aus. Viele Leute werden ihn also nie in 4K oder 6K zu sehen bekommen, sondern nur online in HD, aber er macht dann trotzdem noch einen tollen Eindruck.“

A camera operator with a Canon EOS C700 FF films two motorcycles as they move away down a wide, empty street.
Aufnahme der Motorradsequenz am zweiten Tag. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM Objektiv. © Ron Batzdorff

Erzählen Sie uns, wie es war, diese sehr kontrastreichen, dunklen Szenen im Keller aufzunehmen.

„Wir filmten im Boxring mit einigen 2K-Xenon-Lichtern, die diese schönen Lichtsäulen erzeugten, als wir ein wenig Nebel hinzufügten, bei acht Stufen über der Belichtung. Ich richtete sehr wenig Licht auf die Schauspieler, hauptsächlich reflektiertes Licht von den Xenon-Lichtern mit gelegentlichen Füllern, damit ich ihre Augen sehen konnte. Ich war beeindruckt, dass die Kamera mit einem so starken Stufenunterschied klarkam. Der Dynamikumfang war wirklich beeindruckend. In Bezug auf die Farbwiedergabe hatten wir drei verschiedene Hauttöne, die bei der Farbkorrektur ganz einfach reproduziert werden konnten.“



Bei den Außenaufnahmen haben Sie zudem sehr leuchtende Farben verwendet.

„Wir hatten speziell ausgewählte Kleidung und Motorräder in einem extrem gesättigten Farbton und machten uns Sorgen, ob die Farbsättigung da mithalten kann. Der Trend geht heute eher zu gedeckten Erdtönen, aber dennoch gibt es auch viele Kostümfilme und auch einige in unserer Zeit spielende Filme, bei denen gesättigte Farben gefragt sind. Es traten z. B. keine Farbsäume beim Rot der Kleidung und des Motorrads auf, was bei der Farbe Rot sonst oft vorkommt. Wir sind bei den Farben wirklich an die Grenzen gegangen und waren beeindruckt, wie gut die Canon EOS C700 FF der echten Sättigung nahe kam.“



Worin bestand die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten?

„Das war wahrscheinlich die Motorradszene. Wir filmten auf einem Grip-Trix-Wagen, einem der schnellsten Elektrowagen seiner Art. Wir bewegten ihn horizontal, während die Motorräder von rechts nach links fuhren. Das war schwierig, da Motorräder sehr schnell sind. Es war also eine Herausforderung, die Motorräder im Bild zu halten, während wir uns an den im Vordergrund fahrenden Autos vorbeibewegten. Tatsächlich waren wir beeindruckt, dass nur wenig Bildflackern auftrat. Unsere Stuntfrau machte einen Wheelie, und wir hatten nur drei Versuche, um das einzufangen. Dann mussten wir weitermachen, da die Zeit drängte. Bei zwei dieser Versuche stieg das Motorrad nicht richtig auf den Hinterreifen, aber als es endlich klappte, hatten wir die Aufnahme im Kasten. Ein weiterer Versuch war zeitlich leider nicht drin, aber den brauchten wir zum Glück auch nicht.“

A Canon EOS C700 FF camera seen from the left side on the boxing gym set.
Die neue Canon EOS C700 FF Kamera am Set. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM Objektiv. © Ron Batzdorff

Wie haben Sie die Zeitlupenszene aufgenommen?

„Wir haben mit 60 Bildern pro Sekunde und 120 Bildern pro Sekunde aufgenommen und mussten die Auflösung dann verringern, da die Kamera keine Zeitlupenaufnahmen in 5,9K ermöglicht. Wir waren jedoch sehr zufrieden, dass wir dabei keinen Qualitätsverlust feststellen konnten. Es war einfach, die Zeitlupenaufnahmen in den Rest einzufügen. Die Bilder passten prima dazu. Das Bildrauschen ist möglicherweise etwas stärker, aber das ist bei allen Kameras so, da Aufnahmen in Zeitlupe über eine gewisse Textur verfügen.“



Konnten Sie die integrierten Filter mit 10 Stufen nutzen?

„Ich habe diese Funktion bei den Außenaufnahmen verwendet, da die Kamera so schnell ist und ich einen konstanten ISO-Wert von 800 beibehalten wollte, um die beste Kameraleistung in Bezug auf Schlaglicht und Schatten zu erreichen. Integrierte ND-Filter sind nützlich, um Farbänderungen zu vermeiden, die bei bestimmten Glasfiltern auftreten können.“

A female and a male boxer, dressed in motorcycle jackets and the male carrying a motorcycle helmet, run through a boxing gym as they are filmed by a camera operator with a Canon EOS C700 FF on a dolly on rails.
Beim Filmen ohne Stativ, mit Steadicam oder auf einem Dolly, bewies die Canon EOS C700 FF ihre Vielseitigkeit. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM Objektiv. © Ron Batzdorff

Haben Sie die HDR-Ausgabe am Set überwacht?

„Nein, wir haben die Aufnahmen mit den wunderbaren Canon 4K-Monitoren überwacht. Bei HDR-Aufnahmen braucht man einfach ein völlig separates Grading. Wir Kameraleute halten große Bereiche des Bildes gerne bewusst dunkel, und HDR zeigt Details in den Schatten, die wir nicht unbedingt zeigen wollen. Wir müssen daher eine Korrektur durchführen, um sicherzustellen, dass dunkle Bereiche auch dunkel bleiben. Natürlich erzeugt HDR einen höheren Dynamikumfang im Spitzenbereich, was auch wünschenswert ist. Manchmal möchte man Dinge aber auch verschwinden lassen. Daher haben wir die HDR-Ausgabe am Set nicht überwacht. Nachdem ich die erste Farbkorrektur durchgeführt hatte, haben wir dann einen HDR-Monitor von Canon genutzt.“



Werden Sie die Canon EOS C700 FF erneut verwenden?

„Ich werde bestimmt versuchen, sie wieder zu verwenden, wie sicher auch viele meiner Kollegen. Das ist definitiv Canons bislang beste Kinokamera. Viele meiner Freunde besitzen eine Canon EOS C300 Mark II, die in der Dokumentarfilmwelt einfach allgegenwärtig ist, aber ich glaube, dass die Canon EOS C700 FF eine echte Alternative für Profis ist, die in 4K aufnehmen müssen, auch in der Film- und Fernsehbranche. Ich glaube, Canon hat gute Chancen, diesen Bereich zu erobern.“

Verfasst von Kathrine Anker


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