LANDSCHAFTSFOTOGRAFIE

Bewegung mit Langzeitbelichtung einfangen: Tipps vom Gewinner der Redline Challenge

Piotr Skrzypiec ist der Gewinner der Redline Challenge 2021 „Light in the Dark“. Er erklärt, wie du deine Landschaftsaufnahmen durch schöne Lichtspuren dynamischer gestalten kannst.
Canon Camera
Piotr Skrzypiec ist tagsüber Fremdenführer und nachts Lichtspuren-Fotograf. Er nutzt sein Wissen über schöne Orte und die Technik der Langzeitbelichtung, um atemberaubende Landschaftsaufnahmen in Slowenien und darüber hinaus zu machen. Es ist daher nicht überraschend, dass er zum Gewinner der ersten Canon Redline Challenge gekürt wurde.

Der Fotowettbewerb zielte darauf ab, die Fähigkeiten von Amateurfotografen unter dem Motto „Light in the Dark“ herauszufordern. Drei von Piotrs Bildern kamen in die engere Auswahl, und seine stimmungsvolle Aufnahme eines nebelumhüllten Viadukts wurde zum Gesamtsieger gekürt.

Piotr verwendete eine längere Belichtungszeit, um die scharfen Scheinwerfer der fahrenden Autos in gewundene Farbschlieren zu verwandeln. Unter Langzeitbelichtung versteht man Aufnahmen mit langen Belichtungszeiten, die von Sekunden bis zu Stunden reichen können und dazu führen, dass sich bewegende Objekte unscharf abgebildet werden. Die Technik erfordert keine speziellen Kameras oder Objektive, und die Ergebnisse können beeindruckend sein. Lange Belichtungszeiten dienen nicht nur der Bewegungsunschärfe. Sie maximieren auch das in die Kamera einfallende Licht, so dass der ISO-Wert reduziert werden kann, was die Bildqualität verbessert.

Hier zeigt Piotr noch einmal die Orte seiner anderen Aufnahmen und gibt Tipps, wie man ähnliche Lichtspur-Fotos machen kann.

1. Nicht bei Nacht fotografieren

Nächtliche Lichtspuren auf einer Straße, die sich einen verschneiten, bewaldeten Hang hinauf zu einer Ansammlung von weißen Gebäuden mit grauen Dächern windet.

Piotr sagt, dass es relativ einfach ist, Lichtspuren zu fotografieren. „Man braucht nur eine normale Kameraausrüstung, ein Stativ und einen guten Standort“, sagt er. „Es ist nicht kompliziert, diese Art von Bildern zu machen, und das Ergebnis, das auf dem LCD zu sehen ist, ist immer fantastisch. Manchmal musst du die Bilder gar nicht bearbeiten, weil sie so wie sie sind schon toll aussehen.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark IV mit einem Canon EF 16-35mm f/2.8 L USM Objektiv (mittlerweile ersetzt durch das Nachfolgemodell Canon EF 16-35mm f/2.8 L III USM) bei 18mm, 25 Sek., F11 und ISO 1.000. © Piotr Skrzypiec

Die Dämmerung ist ein weitaus besserer Zeitpunkt als die Nacht, um Lichtspuren zu fotografieren. Der Himmel ist dann zwar dunkel, enthält aber immer noch genügend Farben, um das Bild interessant zu machen. Wenn er durchgängig schwarz ist, kann die Aufnahme „bleiern“ wirken. Beginne daher mit der Aufnahme, wenn noch genügend Umgebungslicht vorhanden ist, um Gebäude, Hügel und andere Teile der Landschaft zu erfassen. „Es geht um diese 20 Minuten am Ende der ,blauen Stunde‘“, sagt Piotr. „Später sind die Schatten zu dunkel und die Lichter zu hell, um eine ausgewogene Aufnahme zu erhalten.“

2. Recherche ist wichtig

Lichtspuren auf einer herzförmig verlaufenden Straße, mit goldenen und roten Linien von den Scheinwerfern und Rücklichtern

Der Verkehr ist ein wesentlicher Bestandteil – darum sei im Zweifelsfall bereit, selbst dafür zu sorgen. „Wenn man auf der Autobahn unterwegs ist, ist es klar, dass regelmäßig Autos vorbeikommen. Das ist bei dieser besonderen herzförmig verlaufenden Straße jedoch nicht der Fall. Als ich 2014 diese Straße fotografierte, wartete ich zwei Stunden lang und betete, dass ein Auto kommt. Darum habe ich für diese Aufnahme meine Frau gebeten, mit unserem Auto die Straße entlang zu fahren!“ Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark IV und einem Canon EF 24-105mm f/4 L IS USM Objektiv (mittlerweile ersetzt durch das Nachfolgemodell Canon EF 24-105mm f/4 L IS II USM) bei 50mm, 30 Sek., F8 und ISO 800. © Piotr Skrzypiec

Es mag offensichtlich klingen, aber man sollte sich vergewissern, dass die gewählte Straße zur Jahreszeit, in der sie fotografiert werden soll, auch sichtbar ist. Im Winter könnte eine Szene vielversprechend aussehen, aber im Sommer könnten Bäume die beste Sicht versperren.

„Es ist immer gut, einen erhöhten Standort für die Aufnahmen zu finden, von dem aus man die Straße gut sehen kann“, empfiehlt Piotr. „Vor ein paar Jahren kehrte ich mitten im Sommer an diesen Ort zurück. Obwohl man die Herzform der Straße nachts aufgrund der Spuren erkennen konnte, war sie wegen der Weinberge nur schwer zu sehen. Seitdem wurden viele Verbesserungen vorgenommen. Es gibt eine neue Plattform für Fotografen, die Platz für mindestens 10 Stative bietet. Und sie haben auch die Weinreben im Vordergrund zurückgeschnitten, so dass die schöne Form der Straße besser sichtbar ist.“

3. Die Bildkomposition planen

Lichtspuren auf einer kurvenreichen Bergstraße im Abendlicht, deutlich sichtbar weit in die Ferne verlaufend.

Sicherheit hat Priorität, wenn es darum geht, im Dunkeln an einer Straße zu fotografieren. „Trage eine Warnweste an und benutze eine Taschenlampe, damit du gut sichtbar bist“, sagt Piotr. „Kein Bild ist es wert, sich zu verletzen, also stelle sicher, dass dein Stativ sicher steht, besonders wenn du von einer Brücke oder einer anderen erhöhten Stelle aus fotografierst.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark IV und einem Canon EF 16-35mm f/2.8 L USM Objektiv bei 24mm, 562 Sek., F9 und ISO 200.

Auch wenn die Aufnahmen bei einbrechender Dunkelheit gemacht werden, sollte man sich schon bei Tageslicht vorbereiten, damit man genügend Zeit für die Bildkomposition hat. „Wenn man ein gutes Bild machen will, muss man sich Gedanken über den Hintergrund und den Vordergrund machen und darüber, wie man diese Bereiche ausfüllt“, rät Piotr.

„Es ist auch eine gute Idee, den Verkehrsweg als eine Führungslinie zu betrachten, die das Auge vom Vordergrund zum Hintergrund führt. Die beste Gelegenheit dazu ist, wenn man das Glück hat, eine S-förmige Straße zu finden, die sich durch die Szene schlängelt, zum Beispiel zu einer Kirche oder einem Berg oder einem ähnlich offensichtlichen Brennpunkt.“

4. Auf scharfe Bilder achten

Ein kleiner Junge fotografiert mit einer Canon Kamera auf einem Stativ einen Weinberg von einem erhöhten Aussichtspunkt aus.

Piotr nahm seinen Sohn Jurek mit auf den Dreisiebner Hof, wo er ihm erklärte, wie wichtig ein stabiles Stativ ist. Ohne Übung führt das Halten einer Kamera bei einer längeren Belichtungszeit zu einem unscharfen Bild. Mit dem Zwei-Sekunden-Timer, wie ihn Piotr verwendet, wird ein Verwackeln der Kamera beim Drücken des Auslösers vermieden. Du kannst aber auch einen Fernauslöser verwenden, z.B. die Canon Infrarot Fernbedienung RC-6, den Canon Fernauslöser RS-60E3, die Canon Kabellose Fernbedienung BR-E1 oder die Canon Camera Connect App.

Um sicherzustellen, dass die unbewegten Teile im Bild auch bei der endgültigen Aufnahme scharf bleiben, muss die Kamera auf einem Stativ montiert und darf während der Belichtung nicht berührt werden. „Ich benutze einfach den Selbstauslöser der Kamera mit 2 Sekunden Vorlauf“, verrät Piotr. „Ich überprüfe also die Bildkomposition, drücke den Auslöser und zwei Sekunden später beginnt die Belichtung.“

Die spiegellosen und DSLR-Kameras von Canon bieten eine Selbstauslöser-Funktion. Piotr verwendet auch die Spiegelarretierung, wenn er mit DSLR-Kameras fotografiert, die über diese Funktion verfügen. Einmal aktiviert, verriegelt sie den Spiegel und verzögert den Beginn der Belichtung, wodurch die Gefahr verringert wird, dass Vibrationen innerhalb der Kamera das Bild unscharf machen. „Mit einer spiegellosen Kamera hat man dieses Problem nicht“, sagt Piotr, „denn es gibt keinen Spiegel!“

5. Noch länger fotografieren

Eine Nahaufnahme von Lichtspuren auf einer herzförmig gebogenen Straße, auf der ein rot verklinkertes Gebäude und der umliegende Weinberg deutlich zu erkennen sind.

„Auf dieser speziellen herzförmig gebogenen Straße braucht man eine Belichtungszeit von mindestens 30 Sekunden“, sagt Piotr. „Das liegt daran, dass man 30 Sekunden braucht, um die Strecke zu fahren – vorausgesetzt, man ist kein Formel-1-Fahrer! Für deine eigenen Lichtspurfotos messe die Zeit, die ein Fahrzeug benötigt, um die Strecke auf deiner gewählten Straße zu befahren, und lege dann diese Zeit als Belichtungszeit fest. Stelle dann die Blende und den ISO-Wert ein, bis die richtige Helligkeit erreicht ist. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark IV und einem Canon EF 24-105mm f/4 L IS USM Objektiv bei 88mm, 30 Sek., F9 und ISO 1.000. © Piotr Skrzypiec

Die Möglichkeit zur Einstellung der Belichtungszeit ist von wesentlicher Bedeutung. Alle EOS-Kameras – von der Canon EOS 4000D bis zur Canon EOS 5D Mark IV – ermöglichen die Wahl einer Belichtungszeit von bis zu 30 Sekunden. Im Modus Blendenautomatik (Tv) kann man eine genaue Belichtungszeit (Verschlusszeit) vorwählen, zu der dann die Kamera automatisch die Blende anpasst. Man kann dann den ISO-Wert je nach Motiv einstellen.

Beim Fotografieren im Manuellen Modus (M) kann man auch die Blende steuern, um die perfekte Schärfe zu erreichen. Die spiegellosen Vollformatkameras von Canon, wie z. B. die Canon EOS RP, verfügen über den Modus Flexible Automatik (Fv), mit dem sich die Einstellungen noch weiter manuell anpassen lassen. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um einen vollautomatischen Modus, bei dem du jederzeit die Kontrolle über Belichtungszeit, Blende und/oder ISO-Wert übernehmen kannst.

Für Belichtungszeiten, die länger als 30 Sekunden dauern, muss der Modus Langzeitbelichtung (B) verwendet werden. Einige EOS Kameras verfügen über den Modus Langzeitbelichtung (B) auf dem Moduswahlrad, bei anderen muss der Manuellen Modus (M) gewählt werden, um über die 30-Sekunden-Grenze hinauszugehen.

6. Die Belichtung einstellen

Natürlich ist eine relativ lange Belichtungszeit erforderlich, damit sich die Lichter des Autos als lange Spuren durch das Bild schlängeln, aber die genaue Zeit variiert je nach Motiv. Piotr erklärt: „Es hängt alles von der Art der Straße und der Verkehrsdichte ab. Auf einer Autobahn braucht man in der Regel keine 30 Sekunden Belichtungszeit, weil dort viele Autos unterwegs sind und es viele Lichtspuren gibt. Es gibt jedoch einige ruhigere Stellen, an denen nur eine sehr lange Belichtung funktioniert.

„Ich versuche immer, mit Blende F8 oder F11 zu arbeiten. Eine größere Blendenöffnung als F8 ist in der Regel nicht sinnvoll, da dann Bereiche in der Aufnahme unscharf werden können. Wenn du den ISO-Wert auf etwa ISO 800 erhöhen musst, ist das kein Problem. Wenn das Bild ein wenig verrauscht ist, kann man das bei der Bildbearbeitung korrigieren. Bei den neuesten Kameras, wie der Canon EOS R5, die ich als Preis erhalten habe, ist ISO 800 absolut normal, und ich kann bei dieser Einstellung keinerlei Bildrauschen erkennen.“ Der ISO-Bereich der EOS R5 reicht von ISO 100 bis 51.200. ISO 800 ist also hier eine relativ niedrige Empfindlichkeit, die bei wenig Licht eine hervorragende Bildqualität liefert.

7. Die richtige Ausrüstung verwenden

Lichtspuren auf einer zweispurigen Straße, rot in der einen Richtung, weiß-gold in der anderen, die durch kahle Winterbäume unter einer schneebedeckten Bergkette bei Nacht führt.

Ein häufiges Problem sind Unterbrechungen in den Lichtspuren, wo Autos angehalten haben oder nicht die gesamte Strecke auf der Straße gefahren sind. „Das kann man mit einer längeren Belichtung beheben“, sagt Piotr. „Wenn 30 Sekunden nicht ausreichen, wählst du am besten den Modus Langzeitbelichtung (B) und benutzt einen Fernauslöser, um den Verschluss so lange wie nötig geöffnet zu halten.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark IV und einem Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6 L IS USM bei 100mm, 30 Sek., F10 und ISO 100. © Piotr Skrzypiec

Man muss kein Profi-Objektiv der L-Serie verwenden, um professionell aussehende Lichtspurenaufnahmen zu machen. Ein kompaktes, leichtes Objektiv wie das Canon RF 24-105mm F4-7.1 IS STM oder das RF 35mm F1.8 Macro IS STM ist einfacher zu transportieren und liefert dennoch scharfe, detailreiche Bilder.

„Um ein scharfes Bild zu erhalten, benötigt man in der Regel eine relativ kleine Blendenöffnung, also nicht unbedingt ein Objektiv mit einer besonders hohen Lichtstärke wie 1:1,8 oder 1:2,8“, sagt Piotr. „Ich verwende immer Zoom-Objektive, da sie mehr Möglichkeiten für den Bildausschnitt bieten, aber eigentlich ist die Wahl des Objektivs nicht so wichtig wie andere Aspekte, z.B. die Verwendung eines Stativs und das Verkehrsaufkommen. Es muss nur scharf sein, das ist alles!“

So sieht es also aus. Die Aufnahme von Lichtspuren ist eine großartige Möglichkeit, die Kontrolle über die Belichtung zu erlernen und mit der Fotografie etwas festzuhalten, das mit dem bloßen Auge nicht sichtbar ist. Die Anforderungen an die Kameraausrüstung sind recht anspruchslos, aber die Belohnung kann immens sein – frage einfach Piotr!
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Verfasst von Marcus Hawkins

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