Nigerianische Migranten weinen und umarmen sich in einem Auffanglager für Flüchtlinge und Migranten in Surman, Libyen, im August 2016. Hunderte von Frauen halten sich hier unter gefährlichen Bedingungen auf – die meisten von ihnen haben versucht, in Schmugglerbooten über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Fotograf Daniel Etter erreichte mit seinem Bild „Die libysche Migrantenfalle“ den dritten Platz in der Kategorie „Contemporary Issues Singles“ beim WPPh-Wettbewerb 2017. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Objektiv Canon EF 24-70mm f/4L IS USM. © Daniel Etter

Schrumpfende Verlagsbudgets, der steigende Wettbewerb und das Misstrauen gegenüber der Presse sind nur einige der Faktoren, die die Zukunft des Fotojournalismus bedrohen. Aber die Fotografie hält sich hartnäckig, und Technologie gestattet Fotografen mehr kreative Freiheit als je zuvor. Die Welt ist gierig nach visuellen Geschichten, aber wird der Fotojournalismus überleben?

Christian Ziegler’s

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Für den berühmte Fotojournalisten Sir Don McCullin hat sich die Landschaft seit den Tagen, in denen Dutzende von gedruckten Seiten speziell für seine Fotoberichte reserviert wurden, unwiderruflich verändert. Er deklarierte sogar: „Der Fotojournalismus ist vom Aussterben bedroht. Junge Menschen werden dazu ermutigt, sich dem Fotojournalismus zu widmen, es gibt aber keine Plattform dafür. Zeitungen und Zeitschriften sind mehr an Fotos von den Wohlhabenden, den Glamourösen und den Prominenten interessiert. Sie wollen keine leidenden Menschen in ihren Zeitungen haben. Das spielt kein Geld für die Eigentümer ein. Der Fotojournalismus ist nicht vom Weg abgekommen, aber er wurde zur Seite gedrängt. So ist es bequemer.“

Wir haben mit Fotojournalisten und Meinungsführern aus der gesamten Branche über den aktuellen Zustand gesprochen und sie gefragt, wie sie die Zukunft des Fotojournalismus im digitalen Zeitalter einschätzen.

 
Larry Towell

Über Larry Towell

Towell ist freiberuflicher Fotograf für Magnum Photos. Er hat über den Krieg und seine Auswirkungen auf Zivilisten in Palästina, Vietnam, Afghanistan und darüber hinaus sowie über die Auswirkungen des Hurrikans Katrina in den USA berichtet. Seine Projekte haben zahlreiche Auszeichnungen gewonnen, darunter als „World Press Photo of the Year“.

Larry Towell

„Ich würde sagen, dass es schon immer zu viele Fotografen auf der Welt gab, aber nie zu viele gute. Doch auch für diejenigen unter uns, die sich mit sozial anspruchsvollen Themen befassen, ist es schwer, ein Publikum zu finden. Ich glaube, das liegt teilweise daran, dass es zu viele Ablenkungen gibt.“

„Ich habe nicht entschieden, Fotograf zu werden. Es ist einfach so passiert. Ich wollte Geschichtenerzähler werden, und ich wollte mich mit Menschenrechtsverstößen befassen und Reporter werden. Die Tatsache, dass niemand zuhört, bedeutet nicht, dass man aufhören sollte. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall.“ Die Tatsache, dass niemand zuhört, bedeutet, dass man sich mehr anstrengen muss und nie aufhören darf.

„Die Prominentenkultur ist eine Krankheit. Berühmt werden zu wollen ist eine psychische Erkrankung, die wir nicht als solche erkennen. Und jetzt wird sie immer mehr zur Epidemie, bei der selbst die Fotografen Prominente statt Journalisten sein sollen. Natürlich ist das gefährlich.“

A young blonde boy in military uniform stands in a field of long grass, adjusting his hat.
Dieser in Südafrika nach dem Ende der Apartheid im Jahr 1994 geborene Junge musste erfahren, dass Rassismus im Land nicht leicht auszumerzen ist. Aus der Serie „Afrikanisches Blut“ der Fotografin Ilvy Njiokiktjien, die den zweiten Platz in der Kategorie „Contemporary Issues Singles“ beim WPPh-Wettbewerb 2012 gewann. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark II mit einem 40-mm-Objektiv. © Ilvy Njiokiktjien
Ilvy Njiokiktjien

Über Ilvy Njiokiktjien

Canon Botschafterin Njiokiktjien ist eine unabhängige niederländisch Nachrichten- und Dokumentarfotografin, die aktuelle Ereignisse und soziale Themen auf der ganzen Welt für gemeinnützige Organisationen und wichtige globale Herausgeber behandelt hat. Sie gewann einen Canon AFJ Award und einen World Press Photo Multimedia Award.

Ilvy Njiokiktjien

„Die Aufträge haben sich geändert. Man wird nicht mehr unbedingt monatelang irgendwo hingeschickt, um an einem Projekt zu arbeiten. Wenn man an langfristigen Projekten arbeiten möchte, muss man nun im Allgemeine auch selbst Geld investieren.

„Wenn Don McCullins Bilder es in die Zeitungen schafften, waren seine Bilder die Nachrichten. Wenn ich jetzt z. B. ein Bild bei Nelson Mandelas Beerdigung aufnehme, sind da noch 300 weitere Fotografen. Es gibt so viele Bilder, dass man einfach kein unverwechselbares Bild mehr aufnehmen kann. Da hat sich viel geändert. Man ist nicht der oder die Einzige, die Fotos aufnimmt. Da sind die Kollegen, aber auch Menschen mit Telefonen.“

„Ich glaube nicht, dass ein einzelnes Bild je seine Aussagekraft verlieren wird. Für mich sind einzelne Bilder unglaublich stark. Ich kann mir ein einzelnes Bild ansehen und es niemals vergessen. Aber es gibt neue Arten, Geschichten zu erzählen – mit Telefonen, mit interaktiven Online-Erfahrungen und mit virtueller Realität. Es ist daher wichtig, zu erkennen, was zur Geschichte passt.“

Fires burn beside a large apartment building, while people hold riot-style shields in front of themselves.
Nicht identifizierte Scharfschützen eröffnen das Feuer auf Demonstranten, als sich diese am 20. Februar 2014 der Instituska-Straße in Kiew, Ukraine nähern. Das Bild stammt aus der Serie „Letzte Schlacht auf dem Maidan“ von Jérôme Sessini, die den zweiten Platz in der Kategorie „Spot News Stories“ des WPPh-Wettbewerbs 2015 gewann. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark II mit einem Objektiv Canon EF 40mm f/2.8 STM. © Jérôme Sessini
Jérôme Sessini

Über Jérôme Sessini

Canon Botschafter Jérôme Sessini hat einige der wichtigsten Nachrichtenthemen der vergangenen 20 Jahre dokumentiert und Bilder in Konfliktgebieten wie dem Kosovo, Syrien und der Ukraine aufgenommen.

Jérôme Sessini

„Ich glaube, dass wir jetzt freier als früher sind. Erstens aufgrund der Technologie und zweitens, weil junge Fotografen und ich selbst uns nicht mehr so sehr um die Zeitungen kümmern wie früher. Wir haben uns von den Zeitungen gelöst, damit wir unsere Geschichten so erzählen können, wie wir es wollen.

Eine der Gefahren besteht jetzt darin, dass Fotografen Ziele im Konflikt sind. Und ich habe das Gefühl, dass ich meine Arbeit nicht richtig erledigen kann, wenn ich Angst habe.“

„Ich glaube voll und ganz an die Geschichten. Es war mir immer wichtiger, eine Geschichte zu erzählen, als ein einzelnes Bild zu erhalten. Ich versuche nicht, Erklärungen mit Fotografie zu geben, da sie einem nicht alles sagen kann. Sie kann Emotionen übersetzen, und ich glaube mehr an Emotionen als an Vernunft. Ich möchte nicht diktieren, wie etwas ist. Ich möchte, dass mein Publikum zunächst etwas fühlt und dann hoffentlich Fragen stellt. Die Antworten muss es selbst finden.“

Two teenage girls lie asleep in beds touching each other, with hospital tubes in their noses.
Das „Uppgivenhetssyndrom“ oder „Resignationssyndrom“ tritt nach aktuellen Erkenntnissen nur in Schweden und nur bei Flüchtlingen auf. Die Patienten scheinen ihren Lebenswillen verloren zu haben. Djeneta ist seit zweieinhalb Jahren bettlägerig und reagiert nicht mehr, ihre Schwester Ibadeta seit mehr als sechs Monaten. Magnus Wennmans Bild ist für eine Auszeichnung in der Kategorie „People Singles“ des WPPh-Wettbewerbs 2018 nominiert. Aufgenommen mit einer Canon EOS-1D X Mark II mit einem Tilt- und Shift-Objektiv Canon TS-E 45mm f/2.8. © Magnus Wennman
Magnus Wennman

Über Magnus Wennman

Canon Botschafter Magnus Wennman begann seine Karriere als Fotojournalist bereits im Alter von 17 Jahren bei einer lokalen schwedischen Zeitung. Heute ist er festangestellter Fotograf bei Skandinaviens größter Tageszeitung, Aftonbladet, und hat vier World Press Photo Awards gewonnen.

Magnus Wennman

„Als ich begann, war die Pressefotografie ein ziemlich traditioneller Beruf. Heute ist sie jedoch ganz anders. Es geht nicht mehr um die Technik, sondern darum, Geschichten zu erzählen, und es gibt unbegrenzte Möglichkeiten, um Geschichten zu erzählen. Wer als Fotograf gewohnt ist, im Zeitungsbüro zu sitzen und zu warten, bis einem Jobs in den Schoß fallen, muss umdenken. Wenn man aber mit Geschichten arbeitet, hat man meiner Meinung eine rosige Zukunft vor sich.“

„Es gibt nicht mehr viele Aufträge ausschließlich für feste Mitarbeiter. Fotojournalismus wird immer demokratischer: Jeder kann es machen, nicht nur Personen, die bei einer Zeitung arbeiten.“

„Heute kann man zudem frei wählen, ob man eine visuelle Geschichte, ein Video, eine Audiodatei oder eine schriftliche Geschichte festhalten möchte. Die neue Generation von Fotojournalisten arbeitet auf völlig andere Art und Weise als die alten Fotojournalisten. Sie kennen die Möglichkeiten der Zusammenarbeit über soziale Medien und sind nicht nur auf Einzelbilder festgefahren. Überall kann man sehen, dass visuelle Geschichten immer wichtiger werden. Wenn man gut darin ist, wird man auch überleben.“

A jockey flies over a mass of branches, with a brown horse ducking below her and other horses' tails entering the frame.
Tom Jenkins nahm diesen actionreichen Moment auf, in dem Jockey Nina Carberry von ihrem Pferd Sir Des Champs fiel. Er gewann den ersten Preis in der Kategorie „Sports“ des WPPh-Wettbewerbs 2017. Aufgenommen mit einer Canon EOS-1D X mit einem Objektiv Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM. © Tom Jenkins
Tom Jenkins

Über Tom Jenkins

Canon Botschafter Tom Jenkins reist durch die Welt und berichtet über Sportveranstaltungen für die britischen Zeitungen The Guardian und Observer. Er ist ein gefeierter Fotograf, der für seine Aufnahmen mitreißender Geschichten rund um das Spielfeld sowie des Sports selbst bekannt ist.

Tom Jenkins

„Der Fotojournalismus hat im Moment etwas Atemnot, würde ich sagen. Technologie und das digitale Zeitalter sind wie ein Erdbeben für den Fotojournalismus. Jeder hat ein Telefon, jeder nimmt Bilder auf, jeder betrachtet sich heute als Fotograf. Das führte zu einem gewaltigen Wandel im Fotojournalismus.“

„Da die Märkte heute absolut mit Bildern überflutet werden, sind Preise in den Keller gegangen. Was man heute für ein Bild online bezahlt bekommt, ist sehr gering. Zeitungen haben jetzt Zugriff auf Fotos von so vielen verschiedenen Bereichen. Das hat sich deutlich auf die Art und Weise ausgewirkt, wie sie Fotografen beschäftigen und einsetzen. Es gibt weniger festangestellte Fotografen, und ihre Bezahlung sinkt, besonders im redaktionellen Bereich und in der Sportfotografie.“ 

„Um seinen Lebensunterhalt damit zu verdienen, muss man neue Wege finden, sich selbst zu finanzieren. Das kann bedeuten, dass man ein paar kommerzielle Aufträge annehmen muss, um einen Monat lang die Flüchtlingskrise fotografieren zu können.“

A man clings to his children and cries. All of them are wearing life jackets, and they stand on a beach beside a rubber dinghy.
Laith Majid, ein irakischer Flüchtling aus Bagdad, bricht in Freudentränen aus, während er seinen Sohn Taha und seine Tochter Nour im Arm hält, als die Familie am 15. August 2015 sicher am Strand der griechischen Insel Kos ankommt. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Objektiv Canon EF 35mm f/1.4L USM. © Daniel Etter
Daniel Etter

Über Daniel Etter

Canon Botschafter Daniel Etter ist ein angesehener Fotograf, Autor und Filmemacher. Seine Arbeiten behandeln soziale Ungerechtigkeit mit einem besonderen Schwerpunkt auf Kinderarbeit, sowie Migration und Flüchtlingsprobleme an den Grenzen Europas und in Konfliktgebieten im Nahen Osten.

Daniel Etter

„Lange Zeit haben viele Menschen behauptet, dass der Fotojournalismus tot sei, und doch gibt es ihn noch immer. Er ist noch am Leben und hält sich – vielleicht nicht ganz so stark wie in den Tagen Don McCullins, aber er ist immer noch relevant. Er hat nicht mehr die Wirkung wie einst und wird sie auch nie wieder haben. Das liegt daran, dass er durch andere Technologien ersetzt oder zumindest ergänzt wurde. Ich glaube, dass Fotografie auch weiterhin eine Rolle spielen wird, aber es gibt bessere Wege, visuelle Geschichten zu erzählen, und das ist für mich in Ordnung so.“

„Die größte Herausforderung, der wir gegenüberstehen, ist der Kampf um unsere Glaubwürdigkeit. Man muss sich nur anschauen, wie fundamentale Fakten heute infrage gestellt werden. In dieser Umgebung zu navigieren und als vertrauenswürdige und zuverlässige Informationsquelle anerkannt zu werden, ist unsere größte Herausforderung. Ich habe noch nicht herausgefunden, wie man die Nachrichten vertrauenswürdiger gestalten kann. Wir können einfach nur gute Arbeit leisten. Das bedeutet, dass wir recherchieren, die richtigen Fragen stellen und versuchen müssen, Ereignisse fair darzustellen.“

Verfasst von Lucy Fulford


Die Kameratasche für Fotojournalismus

Das Kit, das die Profis für ihre Fotos verwenden

A photojournalist crouches beside a man in tribal African dress to take his photograph, while others dressed in traditional tribal clothes clap and dance.

Kamera

Canon EOS 5D Mark IV

Diese Vollformat-DSLR mit 30,4 MP erfasst unglaubliche Details selbst bei extremem Kontrast. Kontinuierliche Aufnahmen mit 7 Bildern/Sek. helfen bei der Jagd nach dem perfekten Moment, während 4K-Video Filmmaterial in hoher Auflösung liefert.

Objektiv

Canon EF 50mm f/1.2L USM

Mit seiner unglaublich hohen Lichtstärke von 1:1,2 und einem Autofokus mit Ultraschallmotor erweist sich dieses ultraschnelle Objektiv als Top-Lösung für den Einsatz bei schlechten Lichtverhältnissen.

Objektiv

Canon EF 24-70mm 1:2,8L II USM

Dieses professionelle Standard-Zoomobjektiv bietet eine hervorragende Bildschärfe und robuste Qualität der L-Serie. Dank der konstanten Blende von f/2.8 können Sie herausragende Fotos selbst bei wenig Licht aufnehmen und die Schärfentiefe mit Leichtigkeit steuern.

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