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Im Schatten des Silicon Valley: Laura Morton über die Dokumentation der zwei Seiten des technologischen Traums

Im Mittelpunkt des Projekts „University Avenue“ von Laura Morton, der Trägerin des Canon Female Fotojournalist Award 2018, stehen zwei benachbarte Gemeinden in der Bay Area von Kalifornien. Zuerst hatte Morton vor, die Unterschiede in den Vordergrund zu rücken, doch dann entdeckte sie mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede. Aufgenommen mit einer Canon EOS R mit einem Canon RF 35mm F1.8 MACRO IS STM Objektiv, Verschlusszeit 1/320 Sek., Blende 1:9 und ISO 100. © Laura Morton

Palo Alto und East Palo Alto sind zwei US-Städte mit fast identischen Namen, die in der Bay Area von Kalifornien direkt nebeneinander liegen. Was sie jedoch unterscheidet, ist eine gewaltige Wohlstandsschere. Laut offiziellen Statistiken beträgt das Pro-Kopf-Einkommen in Palo Alto 82.576 US-Dollar, in East Palo Alto jedoch nur 22.068 US-Dollar. Das Projekt „University Avenue“ der Gewinnerin des Canon Female Fotojournalist Award 2018, Laura Morton, erhielt seinen Namen von einer Straße, die durch beide Städte führt.

Zu Beginn hatte Morton vor, in den Vordergrund dieses Projekts die Unterschiede zu rücken, doch sie entdeckte mehr Ähnlichkeiten als erwartet zwischen der Region, die Mark Zuckerberg sein Zuhause nennt, und ihrem weniger wohlhabenden Nachbarn. So wurde „University Avenue“ zu einer Dokumentation der Art und Weise, wie wir unser Leben im Allgemeinen leben, d. h. wie wir arbeiten, wie wir spielen, wie wir beten, wie wir eine Gemeinschaft aufbauen.

„Beide Städte werden auf unterschiedliche Weise von den Technologiegiganten um sie herum eingequetscht“, sagt sie. „Mir wurde klar, dass es interessanter wäre, ähnliche Aspekte des Alltags zu fotografieren, die wirtschaftliche und kulturelle Unterschiede überwinden, und mich auf die Gemeinsamkeiten zwischen den Menschen zu konzentrieren.“

Three women talk at a garage sale in front of a large house. Photo by Laura Morton.
Die Einwohner von Palo Alto sind im Allgemeinen viel wohlhabender als ihre östlichen Nachbarn, aber nicht jeder in Palo Alto ist ein Milliardär. Hier veranstalten Anne Butler (Mitte) und ihre Freundin Alice Jacob (links) im Mai 2019 gemeinsam einen Flohmarkt im Annes Haus im Viertel Crescent Park. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 28mm f/1.8 USM Objektiv, Verschlusszeit 1/800 Sek., Blende 1:5,6 und ISO 160. © Laura Morton
A woman and her daughter look at clothes at a garage sale in the garden of a smaller home. Photo by Laura Morton.
Obwohl es in East Palo Alto Armut gibt, gehören die meisten Einwohner der Mittelschicht oder unteren Mittelschicht an. Hier kauft Sandra Martinez im Juni 2019 mit ihrer Tochter auf einem Flohmarkt vor dem Haus der Familie Jimenez ein. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III (abgelöst durch die Canon EOS 5D Mark IV) mit einem Canon EF 28mm f/1.8 USM Objektiv, Verschlusszeit 1/800 Sek., Blende 1:4,5 und ISO 125. © Laura Morton

Gewinnerin des Canon Female Photojournalist Award 2018

Die erste Begegnung mit der Technologiebranche in Palo Alto hatte die Dokumentarfotografin Laura Morton aus San Francisco bei der Dokumentation des von der Magnum Foundation finanzierten Projekts „Wild West Tech“, das den Zustrom junger Leute zeigte, die im Silicon Valley ihren Techniktraum verfolgten – eine Art moderner „Goldrausch“.

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Nach der Verleihung des Canon Female Photojournalist Award bei der Visa pour l'Image 2018 in Perpignan, Frankreich, konnte Morton dieses neue, aber damit zusammenhängende Projekt verfolgen. Die Auszeichnung, die jährlich an „eine herausragende Fotografin in Anerkennung ihres Beitrags zum Fotojournalismus“ verliehen wird, umfasst ein Stipendium in Höhe von 8.000 € zur Unterstützung eines Projekts, das im Folgejahr beim Festival „Visa pour l'Image“ ausgestellt wird.

Durch die Verleihung des Stipendiums genoss Morton finanzielle Freiheit. „Dank der Auszeichnung konnte ich die täglichen Aufgaben aussetzen, die ich normalerweise erledigen müsste, um meine Rechnungen zu bezahlen. Zeit zum Arbeiten ist für Dokumentarfotografen ein Geschenk. Auch wenn ich in der Gegend lebe, ist Palo Alto immer noch eine 120 km lange Hin- und Rückfahrt von meinem Zuhause in San Francisco entfernt. Das Preisgeld hat mir geholfen, die Benzinkosten zu bezahlen – ich habe bei diesem Projekt mehr als 8.000 km mit dem Auto zurückgelegt!“

Mortons Ausrüstung umfasst die Canon EOS R mit einem Canon RF 35mm F1.8 MACRO IS STM Objektiv. „Im Allgemeinen bevorzuge ich die Arbeit mit einer Kamera und einem festen 35-mm-Objektiv. Für die EOS R habe ich mich hauptsächlich wegen ihrer geringen Größe entschieden. Sie sieht nicht wie eine professionelle Kamera aus, weshalb meine Motive weniger nervös sind“, erklärt sie. „Außerdem bin ich viel zwischen Palo Alto und East Palo Alto hin und her spaziert, sodass eine kleinere Ausrüstung ein echter Segen für meinen Rücken war.“

Three cheerleaders do high kicks in the middle of a street. Photo by Laura Morton.
Die Stanford Cheerleading Squad probt vor ihrem Auftritt während der 97. jährlichen May Fete Parade auf der University Avenue. Die Aufnahme dieser Großveranstaltung in Palo Alto und die Feierlichkeiten zum Cinco de Mayo in East Palo Alto haben Morton dazu inspiriert, ihre Bilder paarweise aufzunehmen. Aufgenommen mit einer Canon EOS R mit einem Canon RF 35mm F1.8 MACRO IS STM Objektiv, Verschlusszeit 1/1250 Sek., Blende 1:5,6 und ISO 200. © Laura Morton
Four dancers in traditional Mexican dress perform in the middle of a street. Photo by Laura Morton.
Tänzer bei der 34. jährlichen Cinco de Mayo Parade in East Palo Alto. Aufgenommen mit einer Canon EOS R mit einem Canon RF 35 mm F1.8 MACRO IS STM Objektiv, Verschlusszeit 1/1000 Sek., Blende 1:5,6 und ISO 160. © Laura Morton

Morton begann im letzten Winter mit der Arbeit am Projekt. Normalerweise startet sie mit einer umfassenden Recherche zu ihrem Thema, aber dieses Mal stand ihr nicht viel Literatur zur Verfügung. „Ich habe viel Zeit damit verbracht, durch die Stadt zu gehen, beide Städte zu erkunden und mit den Menschen zu sprechen. Es hat mir sehr geholfen, an Gemeindeveranstaltungen teilzunehmen und Orte aufzusuchen, an denen sich in der Gemeinde aktive Menschen versammeln, wie z. B. Stadtratssitzungen und Kirchen. Ich gehe gerne mit so viel Hintergrundwissen wie möglich an einen Ort, lasse ich mich dann aber von den Leuten, die ich treffe, zur Story führen.“

„Der Vorteil eines Stipendiums besteht darin, dass man sich Zeit lassen, recherchieren und bei Bedarf die Richtung des Projekts ändern kann. Ich arbeite lieber auf diese Weise, weil sich so tiefere und subtile Geschichten entwickeln können“, sagt Morton.

Six siblings pose for a portrait against a bare wall in a sparsely-furnished room. Photo by Anush Babajanyan.

Bekanntgabe der Gewinnerin des Canon Female Photojournalist Award 2019

Die armenische Fotografin Anush Babajanyan wurde zur Gewinnerin des 19. Canon Female Fotojournalist Award ernannt.

„Als ich mich mit Leuten unterhielt, die nicht aus East Palo Alto kommen, bekam ich oft Aussagen wie ‚Oh, es ist prima, dass East Palo Alto jetzt aufgewertet wird‘ zu hören. Durch Aussagen wie diese wurde mir klar, dass ich mich darauf konzentrieren sollte, den Ort als die sozial und kulturell einzigartige Gemeinde zu zeigen, die sie ist.“

„Ich fand es sehr wichtig, dies nicht zu einer Geschichte über Reich gegen Arm zu machen und East Palo Alto nicht einfach nur als arme Stadt darzustellen“, fügt sie hinzu. „Klar, gibt es Armut in East Palo Alto, aber die meisten Einwohner sind Familien aus der Mittelschicht und unteren Mittelschicht.“ Ebenso ist nicht jeder in Palo Alto Milliardär, „insbesondere Senioren, die schon seit langer Zeit dort leben. Wenn sie ein Zuhause besitzen, sind sie vielleicht auf dem Papier wohlhabend, aber ein Verkauf ihres Heims würde bedeuten, dass sie ihre Gemeinden verlassen müssen. Das Gleiche gilt in East Palo Alto, wo der geschätzte durchschnittliche Immobilienwert fast eine Million Dollar beträgt.“

Es dauerte mehrere Monate, bis Morton tatsächlich mit den Aufnahmen begann. „Winter und Frühling gehörten zu den regenreichsten Perioden in der Geschichte Nordkaliforniens, bis Mai regnete es fast jeden Tag“, erinnert sie sich. „Als der Regen endlich aufhörte, war es, als ob in beiden Städten alle aus dem Winterschlaf erwachten, und die Straßen waren wieder voller Leben. Und ab da kamen die Dinge erst richtig ins Rollen.“

Five congregants with red neckties stand holding hands at church. Photo by Laura Morton.
Morton hatte bereits die Kirche in East Palo Alto aufgenommen (rechts) und suchte nach einem Spiegelbild, als sie die Kirchgänger der First United Methodist Church beim gemeinsamen Gebet entdeckte. Die roten Krawatten spiegeln den Schal über den Knien der Frau in der Aufnahme aus East Palo Alto wider. Aufgenommen mit einer Canon EOS R mit einem Canon RF 35mm F1.8 MACRO IS STM Objektiv, Verschlusszeit 1/160 Sek., Blende 1:4,0 und ISO 6400. © Laura Morton
Congregants stand holding hands at church – one woman sits with a red shawl across her knees. Photo by Laura Morton.
Kirchgänger, die am Sonntagsdienst der St. John Missionary Baptist Church in East Palo Alto teilnehmen. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III (abgelöst durch die Canon EOS 5D Mark IV) mit einem Canon EF 28mm f/1.8 USM Objektiv, Verschlusszeit 1/200 Sek., Blende 1:2,8 und ISO 6400. © Laura Morton

Nach einem Wochenende, an dem sie die May Fete Parade in Palo Alto am Samstag und die Cinco de Mayo Parade in East Palo Alto fotografiert hatte, entschied sich Morton schon frühzeitig, die Bilder beim Visa 2019 paarweise zu präsentieren. Dies beeinflusste die Art und Weise, wie sie die Orte, Personen und Momente für ihre Aufnahmen auswählte und bearbeitete.

„Ich suchte nach einem Spiegelbild für jedes Foto“, sagt sie. „Sobald ich ein Foto aus einer Stadt hatte, das mir gefiel, habe ich es ausgedruckt und zu Hause an meiner Wand aufgehängt, damit ich es im Hinterkopf behalten und in der anderen Stadt danach suchen konnte. Zum Beispiel hatte ich ein Foto der Kirche in East Palo Alto, das mir sehr gefiel, und als ich zur Kirche von Palo Alto ging, hatte ich dieses Foto vor Augen. Ich sah, wie eine Gruppe auf die gleiche Weise dastand und Hand in Hand in einem Halbkreis betete. Ich fand sogar die gleichen roten Elemente in ihrer Kleidung wieder, also lief ich hin und nahm das Foto auf.“

Die Herausforderung bestand darin, visuell interessante Situationen zu fotografieren. „Dabei handelt es sich nicht um die dramatischsten Orte. Vielmehr behandelt die Story den Alltag in Vorstädten. Ich neige dazu, Projekte zu wählen, die visuell nicht offensichtlich sind. Das gleiche ich aus, indem ich auf den richtigen Moment und die richtigen Bilder warte, bei denen alles zusammenkommt.“ Dazu war eine Menge Straßenfotografie erforderlich, was besonders interessant war, da sie nach eigener Aussage von Natur aus schüchtern ist. „Ich fühle mich viel wohler, wenn ich an einer intimen Situation teilhaben darf, als auf der Straße. Für dieses Projekt war das jedoch notwendig, und nach und nach habe ich mich daran gewöhnt.“

Mittlerweile arbeitet Morton an der nächsten Phase von „Wild West Tech“, bei der sie Startups in den Bereichen Kryptowährung und Robotik beobachtet, aber „University Avenue“ ist noch lange nicht abgeschlossen. „Es gibt ein paar Fotos, die mir sehr gefallen, für die ich aber noch keine Spiegelbilder gefunden habe, obwohl ich weiß, dass sie irgendwo da draußen sind“, sagt sie. „Ich arbeite gern in Kapiteln an langfristigen Projekten. So kann ich mich ein paar Monate ganz damit beschäftigen, ein Kapitel abschließen und dann eine kreative Pause einlegen. Wenn ich zurückkehre, sehe ich die Dinge dann meist mit anderen Augen.“

Verfasst von Rachel Segal Hamilton


Besuche Mortons Ausstellung „University Avenue“ am Canon Stand beim Visa pour l'Image 2019 vom 2. bis 7. September 2019.

Laura Mortons Ausrüstung

Die Ausrüstung, die Profis für ihre Fotos verwenden

Portrait of Laura Morton.

Kameras

Canon EOS R

Ein 30,3-Megapixel-Vollformatsensor mit beeindruckender Detaildarstellung, hoher ISO-Empfindlichkeit und Dual Pixel CMOS AF. „Ich habe mich hauptsächlich wegen ihrer geringen Größe für die EOS R entschieden. Sie sieht nicht wie eine professionelle Kamera aus, weshalb meine Motive weniger nervös sind“, erklärt Morton.

Canon EOS 5D Mark IV

Der 30,4-Megapixel-Sensor der EOS 5D Mark IV erfüllt die höchsten Standards an Bildqualität und liefert sehr detailreiche Bilder in extrem hellen und dunklen Umgebungen.

Objektive

Canon EF 28mm f/1.8 USM

Das EF 28mm f/1.8 USM überzeugt durch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis; die hohe Lichtstärke von 1:1,8 ermöglicht sogar bei wenig Licht Aufnahmen aus freier Hand .

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