Tipps und Techniken für bessere Kameraschwenks

Beherrsche die Technik des Kameraschwenks in der Fotografie und vermittele damit in deinen Bildern ein Gefühl von Bewegung.
Eine Person fährt in extremer Schräglage auf einem Geländemotorrad, mit einem Kameraschwenk fotografiert. © Richard Walch

Vom Einfrieren der Bewegung sich schnell bewegender Motive vor dynamischem Hintergrund bis hin zum Hinzufügen eines Gefühls der Bewegung bei langsameren Motiven – mit der Schwenktechnik bringst du Bewegung und Dramatik in deine Aufnahmen.

Du kannst die Schwenktechnik mit jeder Kamera verwenden, um deinen Fotos eine zusätzliche Aussage zu verleihen. Es müssen dabei auch keine Motive mit hoher Geschwindigkeit aufgenommen werden. Die Schwenktechnik kann auch verwendet werden, um relativ langsamen Motiven ein Gefühl von Bewegung zu verleihen, da die Bewegungsunschärfe den Anschein erweckt, dass sie sich viel schneller bewegen als in Wirklichkeit.

1. Was ist das Schwenken in der Fotografie?

Eine kreative Technik zur Darstellung von Bewegungen in einem Foto ist der Schwenk. Wenn du eine kurze Belichtungszeit verwendest, um ein sich schnell bewegendes Motiv in der Bewegung einzufrieren, könnte dem Bild etwas von der Dramatik des Moments fehlen. Das Motiv sieht wie eine Statue aus. Wenn du jedoch eine längere Belichtungszeit verwendest und die Kamera mit der gleichen Geschwindigkeit wie das Motiv bewegst (oder schwenkst), wird das sich bewegende Motiv auf dem Foto scharf abgebildet, während der Hintergrund und alle statischen Objekte in eine weiche Unschärfe getaucht werden.

Schwenken vermittelt nicht nur ein Gefühl von Geschwindigkeit, es hilft auch dabei, eine schärfere Aufnahme vom sich bewegenden Motiv zu machen und die Aufmerksamkeit des Betrachters darauf zu lenken. Per Schwenk lassen sich auch unschöne Hintergründe verdecken. Was auch immer deine Absicht ist: Ein guter Schwenk ist nicht einfach. Und das Geheimnis hinter einem beeindruckenden Schwenk ist Übung. Schwenken erfordert eine gute Kontrolle über die Kamera, weshalb kein Weg an praktischer Übung vorbeiführt.

Bahnsportarten aller Art sind gute Motive, um das Schwenken zu üben, denn sie ermöglichen viele Versuche, deine Fähigkeiten zu verfeinern, während die Läufer, Pferde, Dirt-Bikes oder Rennwagen ihre Runden drehen. Zu Hause bieten im Garten spielende Kinder oder Haustiere ideale Gelegenheiten, um zu versuchen, Motive in Bewegung zu fotografieren.

2. Einstellungen für Aufnahmen mit Schwenk

Ein Pelikan fliegt über einen See, wobei der Hintergrund durch den Kameraschwenk unscharf ist.

Durch die Kombination einer längeren Belichtungszeit mit einer schwenkenden Bewegung der Kamera, die das Motiv verfolgt, kannst du Schwenks in der Wildlife-Fotografie einsetzen, um scharfe Bilder von Vögeln oder anderen Tieren in Aktion aufzunehmen, die ein Gefühl der Bewegung vermitteln. Aufgenommen mit einer Canon EOS-1D X Mark III bei 1/15 Sek., F32 und ISO 100. (C) Ellie Rothnie Canon Ambassador.

Wähle die Blendenautomatik (Tv) oder den Manuellen Modus (M) und dann die Belichtungszeit.

Die richtige Belichtungszeit hängt von einer Anzahl von Faktoren ab: wie schnell sich das Motiv bewegt, die Entfernung zwischen dir und dem Motiv, das Objektiv, das du verwendest und wie stark der von dir gewünschte Unschärfe-Effekt sein soll. Beginne mit einer Belichtungszeit von 1/60 Sek. und verlängere sie dann, wenn du bei der Durchführung des Schwenks sicherer wirst. Probiere 1/30 Sek. oder länger für mehr Unschärfe, 1/125 Sek. für weniger. Vergiss nicht, den Bildstabilisator am Objektiv auszuschalten (es sei denn, du arbeitest mit einem Objektiv dessen Bildstabilisator die Schwenk-Funktion unterstützt – Modus-2 –, die dann aktiviert sein muss). In diesem Modus korrigiert das IS-System vertikale Verwacklungen, aber nicht die horizontale Bewegung der Kamera, während du die Aktion verfolgst.

Bei manchen Motiven ist eine kürzere Belichtungszeit erforderlich, um zu verhindern, dass sie völlig unscharf werden. Ein Rennwagen wird möglicherweise eine kürzere Belichtungszeit brauchen als ein Fahrradfahrer. Mit einer Belichtungszeit von 1/200 oder 1/400 Sek. kannst du immer noch viel Unschärfe aufnehmen, wenn sich das Motiv schnell bewegt und es dir gelingt, es zu verfolgen, während es sich bewegt.

Wenn du im manuellen Modus fotografierst, muss auch die Blende angepasst werden, um eine gute Belichtung zu erhalten. Mit der Blendenautomatik (Tv) macht das deine Kamera von selbst.

Als Modus wählst du Reihenaufnahmen. Damit hast du eine größere Chance, den richtigen Moment zu erwischen und zudem verringert sich die Gefahr von Verwacklungsunschärfe beim Druck auf den Auslöser.

3. Planung und Fokussierung deiner Schwenks

Eine Tennisspielerin beim Aufschlag mit Schwenktechnik fotografiert.

Sport ist ein ideales Motiv, um die Schwenktechnik zu üben, egal ob das Motiv auf einer Tennisplatz läuft oder um einen Rundkurs fährt. Aufgenommen mit einer Canon EOS R1 und einem Canon RF 24-70mm F2.8 L IS USM Objektiv bei 1/20 Sek., F14 und ISO 100. © Alisha Lovrich

Ein Radfahrer auf einer Stadtstraße mit einem Backsteingebäude und einem Fußgänger im Hintergrund, der durch den Kameraschwenk unscharf ist.

Wenn du die Schwenktechnik beherrschst, kannst du auch in alltäglichen Szenen beeindruckende Ergebnisse erzielen, indem sich ein scharfes Motiv scheinbar mit hoher Geschwindigkeit bewegt. Aufgenommen mit einer Canon PowerShot G1 X Mark III bei 15mm, 1/20 Sek., F10 und ISO 100.

Der Hintergrund soll unscharf sein, darum sind einzelne kleinere Elemente dort in deinem Bild nicht so wichtig. Dennoch sind die Farben im Hintergrund wichtig, da diese den Rahmen für dein Motiv bilden. Suche einen Hintergrund, der möglichst mit dem Motiv kontrastiert, damit es sich abhebt, und der auch gut aussieht, wenn er verwischt dargestellt wird. Ein paar Probeläufe ohne das Motiv werden schnell zeigen, ob sich der Hintergrund eignet. Horizontale Linien, wie z.B. ein Zaun oder der Rand einer Straße, geben dem Bild Struktur und vermitteln ein besseres Gefühl von Geschwindigkeit. Wenn du bei wenig Licht fotografierst, verleihen unscharfe Lichter im Hintergrund deinen Bildern echte Dramatik. Außerdem heben kontrastierende Farben dein Motiv gut hervor, wenn der Hintergrund nicht ganz so stark verschwommen ist.

Um zu verhindern, dass deine Kamera während des Schwenks neu fokussiert, verwende den Autofokus deiner Kamera im Modus AI Servo AF, um das Motiv zu verfolgen. Je nachdem, wie weit du vom Geschehen entfernt bist, musst du ein wenig experimentieren, um festzustellen, ob der Einzelfeld-AF oder der Zonen-AF bessere Ergebnisse liefert.

4. Die Schwenktechnik verbessern

Ein Flugzeug startet in der Abenddämmerung, der Flughafen im Hintergrund ist durch Kameraschwenks verschwommen.

Die Schwenktechnik fängt die Atmosphäre einer pulsierenden Stadt ein und vermittelt einen lebendigen Eindruck von Menschen und Fahrzeugen in rasanter Bewegung – eine Bereicherung für Ihre Reiseerinnerungen. Aufgenommen mit einer Canon EOS R3 bei 1/15 Sek., f/32 und ISO 100.

  1. Stelle dich in Richtung zum gewählten Hintergrund und mit schulterbreit auseinander stehenden Füßen auf, um eine gute Stabilität zu gewährleisten. Nur der obere Teil deines Körpers sollte sich während des Schwenks bewegen, drehe dich also aus der Hüfte heraus, um der Aktion zu folgen.
  2. Wenn du Reihenaufnahmen machst, drücke den Auslöser schon bevor das Motiv den gewünschten Punkt erreicht, und mache so lange Aufnahmen, bis das Motiv den Punkt passiert hat.
  3. Verfolge das Motiv mit der Kamera mit einer ruhigen Bewegung – aber nicht nur, wenn du dabei auf den Auslöser drückst. Verfolge es vor, während und nach der Aufnahme und bleibe dabei mit der Kamera so stabil wie möglich – so reduzierst du versehentliche Kamerawackler nach oben oder unten. Viele finden es einfacher, hierbei durch den Sucher der Kamera zu sehen (sofern deine Kamera einen hat), als das LC-Display zu benutzen.

Zum Schwenken benötigt man einige Übung, also nicht wundern, wenn die ersten Versuche nicht so gut gelingen. Zum Üben machst du so viele Aufnahmen wie möglich und analysierst dann, warum einige besser als die anderen geworden sind. Ist es z.B. die falsche Belichtungszeit oder ist das Motiv zu unscharf? Dann wendest du das Gelernte auf deine nächsten Fotos an. Beginne bei den ersten Fotos mit einer kürzeren Belichtungszeit und verlängere sie dann schrittweise bei den nächsten Aufnahmen. Das machst du so lange, bis du die optimale Belichtungszeit für die spezifische Situation gefunden hast. Mit etwas Übung wirst du von vornherein die richtige Belichtungszeit einschätzen können, und musst diese dann nur noch fein abstimmen.

Wenn dein Motiv perfekt im Fokus ist und der Hintergrund in eine gleichmäßige, weiche Unschärfe getaucht ist, hast du alles richtig gemacht. Das Schwenken macht großen Spaß, und die Chancen stehen gut, dass du noch weitere Versuche unternimmst!

Sobald du die Technik des Schwenks bei Tageslicht beherrschst, kannst du auch bei Nacht kreativ werden und Lichtspuren in deine Schwenkaufnahme integrieren.


Verfasst von Marcus Hawkins

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