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Sensibilisierung durch Kunst: Das WaterAid-Projekt von Aïda Muluneh

A woman in a red dress and holding a blue umbrella walks through shallow water dragging a chain of jerry cans behind her.
Die äthiopische Fotografin Aïda Muluneh wurde beauftragt, eine Fotokollektion zu schaffen, bei der die Thematik der Wasserknappheit im Mittelpunkt steht. Diese Aufnahme mit dem Namen „The Shackles of Limitations“ (Die Fesseln der Knappheit) zeigt die Ironie hinter der Tatsache, dass Äthiopien zwar über große Grundwasserreserven verfügt, aber aufgrund fehlender Anlagen nur begrenzten Zugang zu sauberem Trinkwasser hat. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III (mittlerweile ersetzt durch die Canon EOS 5D Mark IV) mit einem Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM Objektiv (mittlerweile ersetzt durch das Canon EF 70-200mm f/2.8L IS III USM) bei 102 mm, Verschlusszeit 1/125 Sek., Blende 1:14 und ISO 100. © Aïda Muluneh

Im Jahr 2018 haben WaterAid und die H&M Foundation die äthiopische Fotografin und Künstlerin Aïda Muluneh beauftragt, Fotografien zum Thema Wasserknappheit und die Auswirkungen auf Frauen in Afrika anzufertigen. Muluneh ist zwar auch Fotojournalistin, aber für dieses Projekt schaffte die Canon Botschafterin fiktive Szenen, um neue Zielgruppen anzusprechen.

„Ich glaube, WaterAid war interessiert an mir, weil ich eine ausstellende Künstlerin bin, die diese Werke an verschiedenen Orten ausstellt“, sagt sie. „Ich wollte das Projekt nicht fotojournalistisch aufarbeiten, weil ich denke, dass die Leute für diese Art von Bilder blind geworden sind.“

Mit theatralischer Inszenierung, Körperbemalung und wallenden Kleidern in Blau und Rot vermitteln die Bilder auf einzigartige Art und Weise das Thema. Gleichzeitig werden jedoch gängige Klischees vermieden, die Hilfsorganisationen und Medien so häufig nutzen, um Afrika zu repräsentieren.

A woman sits on a black-and-white striped carpet with a red sheet billowing around her shoulders. The moon is partially visible in the sky behind her.
Dies war Mulunehs letzte Aufnahme für dieses Projekt: Star Shine, Moon Glow (Leuchtende Sterne, scheinender Mond). „Es geht darum, wie ein Teil unseres Seins als Frau zu einem Hindernis für unsere Selbstbestimmung wurde“, sagt sie. „Der Mond repräsentiert den Menstruationszyklus, die roten Flügel das Leben und das Blut. Ein Flügel und der Mond wurden nachträglich hinzugefügt.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM Objektiv bei 88 mm, Verschlusszeit 1/125 Sek., Blende 1:16 und ISO 100. © Aïda Muluneh
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Welche Herangehensweise hast du bei der Anfrage von WaterAid gewählt?

„Es passiert wirklich selten, dass ich Aufträge annehme, da wähle ich mit Bedacht. Aber WaterAid hat mir absolute künstlerische Freiheit gelassen. Das war ein wirklich positives Erlebnis für mich. Ich habe WaterAid gebeten, mir Informationen über die Probleme im Zusammenhang mit der Wassersicherheit zu beschaffen, insbesondere in Äthiopien. Den Menschen in der westlichen Welt ist oft nicht klar, dass Wasser sich auf jeden Bereich des Lebens auswirkt. Ich habe festgestellt, dass ein mangelnder Zugang zu Wasser nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Bildung der Frauen negativ beeinflusst. Während ihrer Menstruation gehen Mädchen beispielsweise nicht zur Schule, weil die entsprechenden Einrichtungen fehlen. Mit jedem Bild wollte ich ein anderes Thema ansprechen.“
Two women in red dresses and wearing blue headscarves stand either side of a set of blue steps with a black-and-white striped structure on it.
Die Struktur auf dem Foto „Steps“ (Stufen) zeigt eine Toilette, deren rote Tür zu hoch angebracht ist, was den fehlenden Zugang symbolisiert. Aïda und ihr Team brachten die Hälfte der Stufen zum Shooting mit und replizierten den Rest in der Nachbearbeitung digital. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM Objektiv bei 125 mm, Verschlusszeit 1/125 Sek., Blende 1:14 und ISO 100. © Aïda Muluneh
A woman in a long blue dress stands on a rock with a chain of jerry cans behind her. Another woman in a red dress sits on the side of the rock.
Diese Aufnahme mit dem Namen „Way to Tomorrow“ (Der Weg zum nächsten Morgen) ist eine Hommage an Frauen, insbesondere in ländlichen Gebieten, die die Last des Wassertransports für ihre gesamte Familie tragen. „Die Frau links hält ein Seil mit aufgereihten Wasserkanistern in der Hand. Die andere Frau trägt eine Insera, einen traditionellen Lehmtopf zum Transport von Wasser“, erklärt Muluneh. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM Objektiv bei 105 mm, Verschlusszeit 1/125 Sek., Blende 1:10 und ISO 100. © Aïda Muluneh

Was bedeuten die Farben, Kostüme und Requisiten, die du verwendet hast?

„Die Betrachter bemerken immer zuerst die Farbe in meinen Werken. Dabei gibt es jedoch viele verschiedene Ebenen: Die für Äthiopier sofort erkennbaren kulturellen Referenzen können die Vorstellungskraft anderer Menschen möglicherweise auf ganz andere Weise anregen. Zu Beginn habe ich mit Primärfarben gearbeitet, weil ich deren Intensität liebe. Zwischenzeitlich habe ich festgestellt, dass dies die Farben der äthiopischen orthodoxen Kirche sind, mit der ich aufgewachsen bin – das ist also ein unterbewusster Einfluss.

„Der gelbe Kanister, der einem auf fast jedem meiner Bilder begegnet, ist ein Symbol für den Wassertransport in Afrika. Überall – selbst mitten im Nirgendwo – sieht man Frauen (niemals Männer), die gelbe Kanister tragen. Auch Körperbemalung kommt bei meinen Kunstwerken häufig zum Einsatz. Es fasziniert mich, dass man ihr in verschiedensten Kulturen auf der ganzen Welt begegnet, die in keinerlei historischem Zusammenhang miteinander stehen. Bei den Kostümen habe ich mich von den Kleidungsstilen alter äthiopischer Porträts aus den 30er und 40er Jahren inspirieren lassen: Perfekte Afros und wallende Capes – die Frauen sehen so majestätisch aus.“

A woman in a blue dress sits on a red bench in the desert wearing a mask made from a jerry can. Another woman stands in the background.
Dieses Bild mit dem Namen „The Sorrows We Bear“ (Die Last, die wir ertragen) enthält viele Symbole rund um die Auswirkungen von schmutzigem Wasser auf die Gesundheit. „Das rote Bett erinnert an die Tragen, die zur Behandlung und zum Transport von Kranken in ländlichen Gebieten verwendet werden“, erklärt Muluneh. „Die Maske, die aus einem Kanister gefertigt wurde, steht für die Krankheiten, die durch das Trinken von verschmutztem Wasser verursacht werden.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM Objektiv bei 70 mm, Verschlusszeit 1/125 Sek., Blende 1:10 und ISO 100. © Aïda Muluneh
Two women in blue dresses with flowing trains stand in a desert landscape.
Mit der Aufnahme „Distant Echos of Dreams“ (Träume in weiter Ferne) legt Muluneh den Fokus auf die Langeweile beim Transport von Wasser über große Entfernungen und die Träume von einer besseren Zukunft, auf die Frauen für sich selbst und ihre Kinder hoffen. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM Objektiv bei 120 mm, Verschlusszeit 1/125 Sek., Blende 1:11 und ISO 100. © Aïda Muluneh

Welche Herausforderungen gab es bezüglich des Standorts?

„Ich wollte meine Aufnahmen in Äthiopien machen, weil es dort wirklich fantastische Orte gibt. Ich entschied mich für die Region Afar, denn dort hatte ich früher bereits ein Musikvideo für den malischen Musiker Fatoumata Diawara gedreht. Meine größte Sorge galt meiner Ausrüstung: Mit 45 bis 48 °C wird es in Afar sehr heiß. Wir mussten also spätestens 4.30 Uhr morgens fertig für die Aufnahmen sein. Afar ist außerdem sehr weit entfernt von anderen Gebieten. Wir mussten also gut organisiert sein. Die brennende Sonne und der heiße Wüstenwind machen es einem körperlich nicht gerade leicht, aber visuell ist es der Traum eines jeden Fotografen.“

Two elderly Chinese cormorant fishermen sit in their boats in near darkness. One has a cormorant sitting on his shoulder.

Eine aussterbende Tradition mit der EOS 5D Mark IV im Bild festhalten

Canon Botschafter Joel Santos fotografiert die letzten noch verbliebenen traditionellen Kormoran-Fischer in China bei schwierigen Lichtverhältnissen.

Warum hast du dich für die Canon EOS 5D Mark III und Mark IV entschieden?

„Im Juni 2018 habe ich mit einer Canon EOS 5D Mark III die erste Kollektion für WaterAid aufgenommen und habe jetzt für die neuen Aufnahmen das Nachfolger-Modell Canon EOS 5D Mark IV verwendet. Beide Kameras haben mich überzeugt. An der Canon EOS 5D Mark IV schätze ich besonders, dass man ein quadratisches [1:1] Seitenverhältnis einstellen kann – bei den ersten Aufnahmen haben wir einen Teil des Bildschirms abgeklebt, um ein solches Format hinzubekommen.

„Ich mache gerne 90 % der Arbeit mit der Kamera – nur kreative Effekte füge ich nachträglich hinzu, wie z. B. die Verdoppelung einer Figur im Rahmen oder Make-up-Retusche. Mir ist wirklich wichtig, dass meine Kamera genau das erfasst, was ich fotografiere, ganz ohne Verzerrungen. Die Farbwiedergabe und der Farbausgleich der Canon EOS 5D Mark IV sind großartig. Ich habe bereits mit anderen Kameras gearbeitet und keine hat solche Ergebnisse wie die von Canon erzielt. Sie eignet sich wirklich wunderbar für die Arbeit. Die Akkus halten lange, die Objektive sind gut und sie ist zuverlässig, robust und erfüllt alle meine Anforderungen. Das ist besonders auf meinen Reisen wichtig – nicht nur bei Kunstfotografie, sondern auch beim Fotojournalismus.“

A woman in a red dress and holding a blue umbrella stands in shallow water holding a white jug. Another woman crouches behind her, filling her water jug.
„Burden of the Day“ (Die Last des Tages) ist inspiriert davon, wie sich Frauen an den Wasserstellen treffen und austauschen, einander helfen und Freundschaften schließen. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM Objektiv bei 155 mm, Verschlusszeit 1/125 Sek., Blende 1:14 und ISO 100. © Aïda Muluneh

Welche Überlegungen geht dir bei einer Aufnahme wie dieser durch den Kopf?

„Ich habe ein Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM Objektiv verwendet, weil die Qualität des Glases und die Ergebnisse mich überzeugt haben. Die meisten meiner Aufnahmen zeigen keine Schatten, und ebne meine Bilder gerne so weit wie möglich. Dieses Objektiv sorgt dafür, dass alles gestochen scharf und kristallklar erkennbar ist. Normalerweise fotografiere ich mit dem Licht, das mir gerade zur Verfügung steht. Aber vor wenigen Jahren bekam ich Stroboskope, wodurch die Qualität des Objektivs noch einmal stärker zum Vorschein kam. Außerdem bin ich eine Fotografin, die sehr viel ausdruckt. Daher weiß ich die Farbtreue dieses Objektivs zu schätzen. Ich möchte, dass genau die Rot- und Blautöne, die ich sehe, so exakt wie möglich repliziert werden, wenn ich große Bilder ausstelle.“

Wie viel des Kreativprozesses ist geplant und wie viel geschieht spontan?

„Ich beginne meine Arbeit genau wie ein Regisseur: Mit Figuren, Kostümen und einem Storyboard. Aber der Zauber der Kreativität lässt sich nicht wissenschaftlich berechnen – es ist wie eine spirituelle Offenbarung. Manchmal skizziere ich alle Aufnahmen vorher, gehe alles bis ins kleinste Detail durch – und am Ende funktioniert überhaupt nicht. Dann müssen wir vor Ort alles anders machen. Man kann den Blick eines Modells nicht planen. Ich suche in jedem Blick das gewisse Etwas. Und alle am Set freuen sich, wenn wir die Aufnahme im Kasten haben.“

A woman wearing face paint and a red dress sits in front of a complex pattern of water pipes and disconnected taps.
In diesem Bild namens „Access“ (Zugang) stellen die Leitungen das städtische Wassernetz dar. Die Wasserhähne sind nicht angeschlossen. „Einige Gebiete in Addis Abeba haben wochenlang keinen Zugang zu sauberem Wasser“, so Muluneh. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM Objektiv bei 70 mm, Verschlusszeit 1/125 Sek., Blende 1:14 und ISO 100. © Aïda Muluneh

Was sollen die Betrachter aus dieser Serie und aus deiner Arbeit mitnehmen?

„Ich bin in einer Phase meiner Karriere angelangt, in der ich mit meiner Arbeit etwas bewirken möchte. Ich habe erkannt, dass Kunst aufrütteln kann. Ich finde es interessant, dass Menschen aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen völlig unterschiedlich auf meine Arbeit reagieren. In Äthiopien gibt es Barbiere oder Reiseveranstalter, die sich meine Bilder aus dem Internet ausdrucken und in ihren Schaufenstern präsentieren. Natürlich kontaktieren wir sie und sagen ihnen, dass das ethisch nicht vertretbar ist. Aber dennoch fasziniert es mich, dass sie Schönheit in meiner Arbeit gefunden haben und sich dazu entschieden haben, kein Promi-Portrait, sondern eines meiner Bilder zu verwenden.

„Ich bin froh, dass meine Arbeit von der breiten Öffentlichkeit gesehen wird. Ich denke, Kunst sollte jeden ansprechen, unabhängig von Gesellschaftsschicht oder Wohnort. Ich möchte nicht die Welt retten. Ich möchte nur meinen Beitrag für mein Land und meinen Kontinent leisten. Ich habe gesehen, wie einseitig journalistische Darstellungen von Afrika sein können, die historische Komplexitäten oder die Schwierigkeiten des alltäglichen Lebens hier vollkommen außen vor lassen. Meine Perspektive ist eine andere – und es ist wichtig, so viele Perspektiven wie möglich zu bieten.“

Verfasser Rachel Segal Hamilton


Aïda Mulunehs Ausrüstung

Die Ausrüstung, die Profis für ihre Fotos verwenden

Canon Ambassador Aïda Muluneh looks through the lens of a Canon EOS 5D Mark IV on a tripod.

Kamera

Canon EOS 5D Mark IV

Egal was du aufnimmst – du erhältst durchgehend professionelle Leistung und kompromisslose Bildqualität. „Die Farbwiedergabe und der Farbausgleich sind großartig, sie eignet sich wirklich wunderbar für die Arbeit“, so Muluneh. „Die Akkus halten lange, die Objektive sind gut und sie ist zuverlässig, robust und erfüllt alle meine Anforderungen.“

Objektiv

Canon EF 70-200mm f/2.8L IS III USM

Der Nachfolger des Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II Objektivs, das Muluneh sehr gerne verwendet. „Ich bin eine Fotografin, die sehr viel ausdruckt. Daher weiß ich die Farbtreue dieses Objektivs zu schätzen“, sagt sie.

Zubehör

Canon Speedlite 430EX III-RT

Das leistungsstarke, vielseitige und kompakte Speedlite Blitzgerät für neue Wege in der Ausleuchtung. Die Auslösung per Funk-Fernsteuerung macht den Einsatz als entfesseltes Blitzgerät ganz einfach und eröffnet neue und kreative Möglichkeiten in der Fotografie. „Ich bin ein großer Fan dieses kleinen Wunders“, so Muluneh. „Es verfügt über großartige Funktionen und kann auf unterschiedlichste kreative Weise verwendet werden, nicht nur einfach als an der Kamera befestigter Blitz.“

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