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Erläuterung von Cinema RAW Light

Mit dem neuen Canon Cinema RAW Light-Format wird die Dateigröße verringert, ohne Abstriche bei der Bildqualität machen zu müssen. © Canon

Das Filmen in RAW bietet Ihnen mehr Optionen in der Nachbearbeitung, aber das Dateiformat war anspruchsvoll – jedenfalls war das bisher so. Professionelle Fotografen genießen seit Langem die Vorteile des RAW-Workflows, aber für Filmemacher, die sich zur Aufzeichnung im RAW-Format entschieden, war es nicht ganz so einfach. Zwar sorgt RAW für optimale Kontrolle über die Bildqualität und ermöglicht kreative und technische Entscheidungen in der Nachbearbeitung, doch diese Flexibilität hat ihren Preis: eine große Dateigröße. Die Speicher- und Übertragungsanforderungen von 4K RAW, sowohl am Drehort als auch im Schneideraum, sind erheblich.

Das neue Cinema RAW Light-Format von Canon schafft Abhilfe durch eine erhebliche Reduzierung der Dateigröße, ohne Abstriche bei Bildqualität, Farbkorrektur und Kompositions-Spielraum. Das neue RAW-Format der Canon EOS C200 ermöglicht Filmemachern die Realisierung des breitesten Dynamikumfangs des Kamerasensors in einer Datei, die etwa ein Drittel bis ein Fünftel der Größe einer standardmäßigen Cinema RAW-Datei hat.

Diese bahnbrechende Neuerung ermöglicht die interne 4K-Aufzeichnung auf einer High-Speed CFast™ 2.0-Karte. Bei der C200 sind dies ca. 15 Minuten bei 12-Bit- oder 10-Bit-DCI-4K bei 1 Gbit/s auf einer 128-GB-Karte. Dabei ist zu berücksichtigen, dass nur CFast™ 2.0-Karten, die VPG-130 unterstützen, für die Verwendung mit Cinema RAW Light empfohlen werden. Auf unserer Support-Seite finden Sie Empfehlungen für Karten.

Vorteile von Cinema RAW Light

Canon Log wurde speziell für einen erweiterten Dynamikumfang von 800 % konzipiert und verringert Detailverluste in den dunkelsten und hellsten Bereichen des Bildes. Es liefert eine vielseitige Grundlage für die Farbkorrektur, doch Cinema RAW Light bietet mehr Optionen in der Nachbearbeitung. Wie bei Cinema RAW Light handelt es sich bei Log-Aufnahmen zunächst um RAW-Sensordaten. Bei der Erfassung werden jedoch die Gammakurve und Bearbeitungsparameter hinzugefügt. Bei Cinema RAW Light-Dateien (.CRM) ist das nicht der Fall. Tatsächlich handelt es sich gar nicht um eine Filmdatei, sondern um einen Container für alle RAW-Sensordaten. Dieser muss mit Software entpackt und bearbeitet werden und die Bayer-Muster müssen aufgelöst werden. Danach können die Dateien in einer Auswahl von Formaten in die gängigsten Nachbearbeitungspakete exportiert werden.

Da die Verarbeitung einer Cinema RAW Light-Datei jedoch nicht in der Kamera, sondern per Software abgeschlossen werden muss, können einige Parameter lange nach der Aufnahme des Filmmaterials angepasst werden. Zum Beispiel können Helligkeit, Weißabgleich und Schärfe in der Canon Cinema RAW Development Software abgestimmt werden. Auch können der exportierten Datei ein anderer Farbraum und ein anderes Gamma-Profil als zum Zeitpunkt der Aufnahme zugewiesen werden. Dazu kann z. B. Log 2 (mit kompatibler Software) angewendet werden, um die maximalen 15 Blendenstufen des erweiterten Dynamikumfangs zu erreichen.

The Jaguar F-PACE is parked alongside a lake, with half the frame showing the Canon Log version, and the other, the graded one.
Das Cinema RAW Light-Format erstellt Dateien mit ca. 1/3 bis 1/5 der Größe von Cinema RAW-Dateien, die von Kameras wie der Canon EOS C700 produziert werden. Seine Bearbeitungsmöglichkeiten sind jedoch beeindruckend. © Canon

Die riesige Menge an Informationen, die in Cinema RAW Light erfasst wird, ist ein klarer Vorteil gegenüber stark komprimierten Formaten. 4K-Aufnahmen mit einer Bit-Tiefe von 10/12 Bit bei 1 Gbit/s erzeugen datenintensive Dateien, die qualitativ hochwertige Ergebnisse auch nach erheblicher Nachbearbeitung bereitstellen. Mit Cinema RAW Light können Sie das Erscheinungsbild von RAW-Dateien bei einem Bruchteil ihrer Größe erzielen. So wird der RAW-Workflow besser zugänglich als je zuvor.

Eigenschaften von Cinema RAW Light:

  • Kompaktes und leichtes Format (4K 4096 x 2160 aktive Pixel/Bitrate 1 Gbit/s)
  • 10/12 Bit RAW (4K/24, 25, 30P 12 Bit; 4K/50 oder 60P 10 Bit)
  • Um 15 Blendenstufen erweiterbarer Dynamikumfang nach der Entwicklung in Canon RAW Development oder anderer kompatibler Software.
  • Präzise Farbtonreproduktion
  • Ermöglicht die natürliche Farbdarstellung der Kamera

Workflows für Cinema RAW Light

Obwohl Cinema RAW Light-Dateien in Cinema RAW Development verarbeitet werden können, hat Canon in Zusammenarbeit mit seinen Partnern sichergestellt, dass das Format von einer Reihe verbreiteter nichtlinearer Bearbeitungssysteme (NLEs) nativ unterstützt wird. Native RAW-Unterstützung ermöglicht die Anzeige, Bearbeitung und Farbkorrektur von CRM-Dateien in der Software, ohne eine temporäre Datei erstellen zu müssen. Dies spart sowohl Zeit als auch Speicherplatz. Zum Beispiel können mit Cinema RAW Light aufgenommene Videoclips direkt in Blackmagic Designs DaVinci Resolve14 Software sowie Final Cut Pro X 10.4 von Apple Inc (unter Verwendung des Canon RAW-Plugins für Final Cut Pro X) und Media Composer von Avid Technology (unter Verwendung des Canon RAW-Plugins für Avid Media Access) übertragen werden. Mit der Einführung von EDIUS Pro 9 im November 2017 hat Grass Valley auch die Möglichkeit zum Decodieren von CRM-Dateien in seiner 4K-HDR-Bearbeitungssoftware bereitgestellt.

Canon Log presets are shown on the back of the screen, ensuring a wider dynamic range is available in post-production.
Canon Log 3-Voreinstellungen wenden eine logarithmische Gammakurve auf das Bild an, das heißt, ein Bild enthält mehr Tonwertinformationen, die Sie in der Nachbearbeitung nutzen können, um einen größeren Dynamikumfang zu erzielen. © Canon

Canon Log Gamma

Zusätzlich zur Aufzeichnung in Cinema RAW Light nimmt die C200 auch 4K UHD (4:2:0 8 Bit bei 150 Mbit/s) und Full-HD in MP4 auf. Eine MP4-Datei ist komprimierter als CRM und kann daher einfach auf kostengünstigen SD-Karten gespeichert werden, die in zahllosen Geschäften zum Verkauf stehen. Die Vielseitigkeit des MP4-Formats wird erweitert, wenn Canon Log in der Kamera angewendet wird; die resultierenden Aufnahmen weisen geringen Kontrast und geringe Sättigung auf, enthalten jedoch mehr Tonwertinformationen, die in der Nachbearbeitung genutzt werden können, um einen größeren Dynamikumfang zu erzielen.

Derzeit gibt es drei Canon Log-Gammakurven, die jeweils einen unterschiedlichen Grad der Dynamikumfangerweiterung bieten. Auf der C200 können sowohl das ursprüngliche Canon Log als auch das neueste Canon Log 3 in der Kamera angewendet werden. Canon Log 3 bietet die günstigste Mischung aus Dynamikumfang und Farbkorrektur sowie eine ähnliche Schattendarstellung wie das ursprüngliche Canon Log, aber 13 Blendenstufen Dynamikumfang.

Obwohl die C200 Canon Log 2 nicht direkt aufzeichnet, kann es angewendet werden, wenn eine Cinema RAW Light-Datei mit kompatibler Software bearbeitet wird. Canon Log 2 ist anspruchsvoller, wenn es um Belichtung und Farbkorrektur geht, aber es stellt einen maximalen Dynamikumfang von 15 Blendenstufen in der Ausgabedatei zur Verfügung.

Die C200 umfasst außerdem eine „Wide DR“-Einstellung, mit einem auf 12 Blendenstufen erweiterten Dynamikumfang, ohne die Notwendigkeit einer Farbkorrektur.

The rear of the Jaguar F-PACE during a shoot using the Canon EOS C200. Half the frame shows the Canon Log version, and the other, the graded one.
Cinema RAW Light eignete sich perfekt für die komplexen Anforderungen des Werbespots für den neuen Jaguar F-Pace SUV, einschließlich Green Screen, Composite VFX und HDR-Finishing. © Canon

In der Praxis

Regisseur Brett Danton zählte zu den ersten Filmemachern, die Cinema RAW Light verwendeten, und zwar während der Aufnahme dieses Werbesports für den Jaguar F-PACE SUV in Neuseeland mit Vorserienmodellen der C200.

Der Produktionsplan sah Wechsel zwischen mehreren Drehorten innerhalb kurzer Zeit vor. Daher zählten eine mobile Ausrüstung und einfache Datenverarbeitung zu den Prioritäten. Für diese Kombination sind die großen Datenmengen und die kleinere Größe der RAW-Dateien von Cinema RAW Light perfekt geeignet. Die Möglichkeit, mit der kompakten C200 RAW intern auf CFast™ 2.0-Karten aufzuzeichnen, lieferte die Bildqualität und Flexibilität, die Brett Danton und sein Team benötigten, während MP4-Proxydateien die Offline-Bearbeitung vor Ort und die Rückwandlung in RAW nach der Rückkehr nach Großbritannien ermöglichten.

Die Aufzeichnung erfolgte unter verschiedensten Wetterbedingungen, wobei wichtig war, dass die Farben des Fahrzeugs von Aufnahme zu Aufnahme korrekt wiedergegeben wurden. Durch den großen Dynamikumfang und die präzise Reproduktion von Cinema RAW Light konnte die Kontinuität zwischen Szenen in der prallen Sonne, bei Regen, Schnee und Nebel sichergestellt werden. Weitere Anforderungen waren Green Screen und Composite VFX sowie HDR-Finishing. All dies wurde vom breiten Farbspektrum und der Bit-Tiefe von Cinema RAW Light unterstützt.

Die erste Szene des Werbespots ist ein gutes Beispiel für die Vorteile von Cinema RAW Light. Die Kombination des Sonnenuntergangs mit hohem Kontrast und des VFX-Hirsches erforderte sowohl einen umfassenden Dynamikumfang als auch eine detaillierte Datei, um eine Verschlechterung der Bildqualität zu vermeiden. Cinema RAW Light bot beides, sodass Brett Danton im Schneideraum bequem entscheiden konnte, ob Canon Log 2 oder Canon Log 3 mehr Schattendetails lieferte.

A lakeside scene during the making of the new Jaguar F-PACE advert shot in Cinema RAW Light on the Canon EOS C200.
Vorher: zeigt, wie Cinema RAW Light die Gebirgslandschaft für den Jaguar F-Pace-Werbespot erfasst. © Canon
A CGI stag stands alongside a lake surrounded by mountains in a still from the new Jaguar F-PACE commercial.
Nachher: die gleiche Aufnahme nach dem Hinzufügen eines Hirsches mit VFX und HDR-Finishing. © Canon

Das Filmen des dunklen Innenraums des Autos und des hellen, schneebedeckten Hintergrunds in einer einzigen Aufnahme stellte eine Herausforderung an den Dynamikumfang dar. Brett Danton erklärt, dass sein Kolorist für eine Szene wie diese in der Regel einen Farbabgleich in zwei Durchgängen benötigt – einen für den Innen- und einen für den Außenbereich – um diesen dann in Flame, der Software für visuelle 3D-Effekte, zu bearbeiten. Bei der Aufnahme mit Cinema RAW Light erhalten Sie die Möglichkeit, die RAW-Sensordaten zu bearbeiten, um die Helligkeit zu optimieren und den Dynamikumfang der Ausgabedatei vor der Farbkorrektur zu erweitern, sodass alles in einem einzigen Durchgang erfolgen kann.

Natürlich ist RAW nicht in jeder Situation erforderlich, und auch der zusätzliche Verarbeitungsaufwand für Canon Log ist eventuell zu hoch, wenn die Priorität Ihres Kunden bei einer schnellen Abwicklung liegt. Aber wenn es um Bildqualität geht und HDR- und VFX-Workflows erforderlich sind, bietet Cinema RAW Light die perfekte Grundlage.


Weitere Informationen über die Canon EOS C200 mit Cinema RAW Light finden Sie auf den entsprechenden Produktseiten.

Verfasst von Marcus Hawkins