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Straßenfotografie im Gegenlicht:
die Geschichte, die Technik, die Ausrüstung

A black-and-white image from Kim Ludbrook's Contre-Jour retrospective of bathers in silhouette at Sea Point swimming pool in Cape Town, South Africa.
Dieses Foto von Canon Botschafter Kim Ludbrook wurde am Sea Point-Pool in Kapstadt, Südafrika, aufgenommen und ist das Titelbild seiner Retrospektive zur Gegenlichtfotografie. „Es verkörpert alles, was ich mit dieser Arbeit bezwecken wollte, nämlich den Zuschauer in die Mittelwelt oder Traumwelt zu entführen“, sagt er. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III (mittlerweile ersetzt durch das Nachfolgemodell Canon EOS 5D Mark IV) mit einem Canon EF 50mm f/1.4 USM Objektiv, Verschlusszeit 1/8000 Sek., Blende 1:4,5 und ISO 100. © EPA/Kim Ludbrook

Manchmal wirft ein Bild mehr Fragen auf, als es beantwortet. Wo ist das Bild entstanden? Ist das das Meer oder ein Pool? Wer sind die Gestalten im Bild? Ihre Silhouetten geben keine Hinweise darauf, wie die Personen aussehen oder wer sie sind. Dieses Geheimnis ist fesselnd ...

Tatsächlich handelt es sich bei den auf dem Bild abgebildeten Menschen um Badegäste am öffentlichen Pool in Kapstadt, aufgenommen vom südafrikanischen Fotojournalisten und Canon Botschafter Kim Ludbrook für sein faszinierendes Projekt „Contre-Jour“, das im letzten Jahr in der FotoZA Gallery ausgestellt wurde.

Als Regional Chief Photographer für die Region Afrika bei der European Pressphoto Agency (EPA) hat Ludbrook in den letzten 15 Jahren über wichtige Ereignisse berichtet – von Nelson Mandelas Beerdigung und Barack Obamas Amtseinführung bis hin zu internationalen Sportwettkämpfen. Vor vier Jahren, nachdem ihm aufgefallen war, wie gerne er Motive mit Gegenlicht aufnimmt, entwickelte er das Konzept für seine Fotoserie. Die Gegenlichttechnik, auch bekannt als „Contre-Jour“ (Französisch für „gegen das Tageslicht“), stammt aus Malerei und zeichnet sich durch starke Kontraste aus.

A black-and-white image from Kim Ludbrook's Contre-Jour retrospective of revellers at the AfrikaBurn festival silhouetted against a large inflatable tent.
Ludbrook hat während der Arbeit an anderen Projekten viele Gegenlichtfotos aufgenommen. „Ich habe gerade das alljährliche AfrikaBurn-Festival im Tankwa Karoo-Nationalpark in Südafrika fotografiert, als ich dieses riesige aufblasbare Zelt mitten in der Wüste sah“, sagt Ludbrook. „Mir fiel auf, dass die hinter dem Zelt stehende Sonne von hinten beleuchtete Gegenlichtbilder erzeugte.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 40mm f/2.8 STM Objektiv, Verschlusszeit 1/3200 Sek., Blende 1:5,6 und ISO 50. © EPA/Kim Ludbrook
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„Was mir an Gegenlicht so gefällt, ist, dass Lichter und Schatten und nichts dazwischen erzeugt werden“, sagt Ludbrook. „So beseitigt es alle Details in den Bildern, um diese Traumlandschaften zu kreieren, in denen man Menschen nicht mehr erkennen kann.“ Er beschreibt diese Szenen als eine Art „Mittelwelt“ – ein meditativer Raum, der fernab des Alltags liegt und wo alles möglich ist.

In seinem Archiv fand er eine Vielzahl von Bildern, bei denen er seine Kamera direkt auf die Lichtquelle gerichtet hatte. Einige davon waren bis zu 15 Jahre alt. Zunächst setzte er diesen Stil aus rein pragmatischen Gründen ein. „Ein Fotoredakteur in einer großen Nachrichtenagentur sieht täglich Tausende von Bildern. Bei der ersten Interaktion mit diesen Bildern wirken sie so groß wie ein Miniaturbild. Gegenlichtbilder heben sich dabei von der Masse ab.“ Da die Technik so auffällig ist, wirken sie nach Ludbrooks Meinung besser als Einzelbilder. Im Rahmen eines Foto-Essays würden sie den anderen Bildern die Schau stehlen. Ludbrook fand etwa 150 Bilder in seinem Archiv, von denen er schließlich 35 auswählte. Danach zog er los, um einige weitere zu fotografieren.

„Die meisten Fotografen durchlaufen einen Prozess. Sie beginnen mit einer Idee, bauen diese aus und entscheiden letztendlich, wie sie sie fotografieren wollen. Bei mir war dieser ganze Prozess jedoch viel organischer“, erklärt er. Die meisten Bilder entstanden während der Arbeit an Aufträgen, jedoch nicht unbedingt für den Auftrag. Das Poolbild wurde beispielsweise bei einem Nachmittagsspaziergang aufgenommen, nach einem Mountainbike-Rennen, bei dem er fotografiert hatte. Einige weitere stammen vom AfrikaBurn, dem Burning Man-Festival Südafrikas, das jährlich im Tankwa Karoo-Nationalpark stattfindet.

A black-and-white image from Kim Ludbrook's Contre-Jour retrospective of a young man performing a backflip silhouetted against the waters of Lake Kivu in DR Congo. Taken by Kim Ludbrook.
Die untergehende Sonne verleiht diesem Bild ein faszinierendes Licht. „Ich war im Kongo unterwegs, um ein Foto-Essay über die riesigen Flüchtlingslager in der Nähe von Goma anzufertigen. Auf dem Weg zurück zum Hotel bemerkte ich eine Gruppe von Jungs, die vom Pier aus Rückwärtssaltos in den Kiwusee machten“, sagt Ludbrook. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark II mit einem Canon EF 24mm f/1.4L II USM Objektiv, Verschlusszeit 1/500 Sek., Blende 1:5,6 und ISO 200. © EPA/Kim Ludbrook

Auffällige Street-Fotografie

Getreu seinen Wurzeln als Fotojournalist sind keine von Ludbrooks Fotos gestellt. Er zieht los, wenn das Licht am intensivsten ist. d. h. eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang oder eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang. „In Europa findet man das härteste Licht im Herbst oder Winter. Wenn man also zu diesen Jahreszeiten fotografiert, ist es einfacher, diesen radikalen Unterschied zu erzielen. Zwischen den Highlights und den Lowlights liegen ganze sieben Stufen.“ Er spaziert durch die Gegend, bis er ein Hintergrundelement findet, das ihm ins Auge fällt, wie das neonfarbene Herz, das zwischen Palmen am Camps Bay Beach in Kapstadt aufgehängt war.

„Sobald das Licht an der richtigen Stelle ist, warte ich, bis sich die Motive durch das Bild bewegen, und nehme dann vielleicht 15 oder 20 Bilder auf“, sagt er. „Ich lege meine Belichtung manuell fest. Die Canon EOS 5D Mark IV ist aber so genau, dass man sie auch im Zeitautomatikmodus (bei 1:2,8 oder vielleicht 1:4,5) verwenden kann. Dabei wählt die Kamera die Belichtung, erzeugt aber dennoch schöne Silhouetten.“

A black-and-white image from Kim Ludbrook's Contre-Jour retrospective of a neon heart strung up above figures in silhouette at Camps Bay Beach in Cape Town.
„Dieses zwischen Palmen am Camps Bay Beach in Kapstadt aufgehängte Herz hatte meine Aufmerksamkeit erregt. Da wusste ich, dass ich es im Hintergrund haben wollte“, sagt Ludbrook. „Am Ende stand ich auf der Straße und wurde fast umgefahren, als ich versuchte, die Komposition richtig hinzukriegen.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 40mm f/2.8 STM Objektiv, Verschlusszeit 1/4000 Sek., Blende 1:5,6 und ISO 100. © EPA/Kim Ludbrook

Ludbrooks bevorzugtes Objektiv ist das Canon EF 40mm f/2.8 STM, das er als „Geheimwaffe in seinem Canon Arsenal“ bezeichnet. Da es diskret, schnell und leise ist, eignet es sich perfekt für die Arbeit auf der Straße. „Ich kenne eine ganze Menge von Top-Fotojournalisten aus Südafrika, die dieses 40-mm-Objektiv ins Herz geschlossen haben. In Kombination mit einer Canon EOS 5D entsteht eine so kompakte Lösung, dass viele Menschen nicht einmal bemerken, dass man eine Kamera dabeihat. Sie ist dann wie eine Kompaktkamera im Maxiformat. Das Objektiv bietet aber auch warme Eigenschaften, die perfekt zu dem Licht passen, das wir hier in Afrika haben.“

Wenn er Sportveranstaltungen fotografiert, hat er zwei Canon EOS-1D X Mark II-Gehäuse (mittlerweile ersetzt durch das Nachfolgemodell Canon EOS-1D X Mark III) in Kombination mit Canon EF 100-400mm f4.5-5.6 L IS ll USM, Canon EF 70-200 f/4L IS USM (mittlerweile ersetzt durch das Nachfolgemodell Canon EF 70-200mm f/4L IS II USM) und Canon EF 400mm f/2.8L IS III USM Objektiven in seiner Kameratasche dabei. „Im Sport und bei einigen Nachrichtenthemen benötige ich manchmal Zoomobjektive, da meine Bewegungsfreiheit dann oft eingeschränkt ist. Für 99 % meiner Nachrichten- und Feature-Aufträge nutze ich jedoch Objektive mit Festbrennweite“, sagt Ludbrook. „Sie sorgen dafür, dass man sich besser konzentriert und mehr Wert auf die Komposition legt. Außerdem bieten sie eine außergewöhnliche Qualität. Ich verlange meiner Ausrüstung zudem viel ab, und die Objektive der L-Serie sind einfach unverwüstlich – ein weiterer Grund, warum ich sie liebe.“

A black-and-white image from Kim Ludbrook's Contre-Jour retrospective of two figures in silhouette walking through Victoria Falls, Africa.
„Nach einem Auftrag in Sambia zum Thema Malaria ging ich an den fantastischen Viktoriafällen spazieren. Dieses Bild zeigt die enorme Menge Wasser, die auf Besucher herabprasselt, wenn sie dort vorbeigehen.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark II mit einem Canon EF 28mm f/2.8 IS USM Objektiv, Verschlusszeit 1/30 Sek., Blende 1:2,8 und ISO 1600. © EPA/Kim Ludbrook
A ship sails on a misty sea at dawn.

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Ein Ausflug in die Welt der Printmedien

Ludbrook arbeitet tagtäglich mit digitalen Bildern auf einem Bildschirm. Nur selten sieht er seine Bilder als 2D-Ausdrucke, geschweige denn als Fine-Art-Drucke mit hoher Qualität in DIN-A1 und DIN-A0. Abgesehen von der Umwandlung der Dateien in Schwarzweiß hat er die Bilder „kaum“ nachbearbeitet. Bei der Canon EOS 5D ist die Bildqualität so gut, dass ich die Fotos einfach nur etwas scharf stellen und hier und da etwas abwedeln muss.“

Als er seine Karriere in den 1990er Jahren begann, arbeitete er noch mit Kleinbildfilm und einem tragbaren Lichtmesser. Er erinnert sich, dass er Monate mit der falschen Belichtung verschwendet hatte, bevor er den Dreh richtig heraushatte. „Damals betätigte man den Auslöser, und das war’s. Das war das fertige Bild. Die Belichtung musste bis auf eine Drittelstufe genau und die Komposition perfekt sein“, sagt er. „Ich komme aus einer Ära der Fotografie, in der es keinen Spielraum für Fehler gab. Das zeigt sich auch noch heute in meiner Arbeitsweise, obwohl uns jetzt die unglaublichsten Computer zur Verfügung stehen. So nenne ich sie. Das sind nicht mehr nur Kameras, sondern Computer.“

Er bat das Team von Canon um Hilfe, um die Dateien vorzubereiten und mit einem Canon imagePROGRAF PR0-4000 Drucker zu drucken. „Ich bin Fotojournalist und verfüge über die Fähigkeiten, um zu tun, was ich tue. Ich bin aber kein Retuscheur und weiß nicht, wie ich meine Bilder genauso drucken kann, wie sie auf meinem Laptop aussehen. Ich kann daher nur raten, sich an jemanden zu wenden, der sich professionell mit der Nachbearbeitung beschäftigt, sich an eine sehr gute Druckerei – in meinem Fall Canon – zu wenden oder einen Kurs zu machen.“

A black-and-white image from Kim Ludbrook's Contre-Jour retrospective of a ballet dancer silhouetted against the curtain, backstage at Joburg Ballet, South Africa.
Tänzerinnen, die sich auf die letzte Kostümprobe für „Cinderella“ im Civic Theatre in Johannesburg vorbereiten. „Ich habe gute Beziehungen zum Joburg Ballet, weshalb ich ihre letzten Kostümproben fotografieren darf“, sagt Ludbrook. „Ich nehme die klassische Frontansicht auf, aber ich liebe auch Aufnahmen hinter der Bühne, weil man so ungewöhnliche Bilder erhält.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 50mm f/1.4 USM Objektiv, Verschlusszeit 1/640 Sek., Blende 1:1,4 und ISO 3200. © EPA/Kim Ludbrook

Das Wichtigste, was Ludbrook beim Drucken seiner Bilder gelernt hat, war, immer im RAW-Format aufzunehmen. Diese Option gab es zu Beginn seiner Karriere noch nicht. „RAW gibt es aus gutem Grund. Die Bildqualität ist einfach außergewöhnlich. Inzwischen nehme ich immer RAW-Bilder auf einer Speicherkarte und JPEGs auf einer anderen auf.“

Der Kontext seiner Ausstellung brachte Ludbrook dazu, seine Gegenlichtbilder in einem ganz neuen Licht zu sehen. „Sobald sie an einer Galeriewand hingen, veränderte sich ihre Bedeutung“, sagt er. Beim Stöbern in seinem Archiv und der Zusammenstellung der Serie bekam er jedoch auch die Chance, sich ihren ursprünglichen Kontext erneut ins Gedächtnis zu rufen. „Die Arbeit für eine Nachrichtenagentur ist eine intensive Form der Fotografie unter hohem Druck. Damit meine ich nicht einmal die Kriegsberichterstattung, was ich auch schon gemacht habe, sondern einfach die Tatsache, dass man so viele Aufträge nacheinander bearbeitet.“

„Ich habe nicht oft die Gelegenheit, mir meine vergangenen Arbeiten anzusehen. Mir ist daher umso mehr bewusst geworden, wie glücklich ich mich schätzen kann. Es ist ein Privileg, das Menschsein dokumentieren zu dürfen. Ich habe das Beste und das Schlimmste der menschlichen Natur gesehen. Heute, im Jahr 2020, wimmelt es auf der Welt nur so von schnellen Informationen. Daher ist es wichtiger denn je, dass wir echte Fotojournalisten haben, die unsere Aufgabe erledigen. Wir brauchen einen Spiegel für die Welt.“

Verfasst von Rachel Segal Hamilton


Kim Ludbrooks Ausrüstung

Die Ausrüstung, die Profis für ihre Fotos verwenden

The contents of Kim Ludbrrok’s kitbag – three Canon cameras and 4 lenses – laid out on a table.

Kameras

Canon EOS 5D Mark IV

Der 30,4-Megapixel-Sensor der EOS 5D Mark IV liefert selbst bei großer Helligkeit oder Dunkelheit eine enorme Detailvielfalt. „Die beste Kamera, die ich im digitalen Zeitalter verwendet habe“, sagt Ludbrook. „Eine unübertroffene Bildqualität mit einem unzerbrechlichen Design, das den Belastungen meiner Arbeit standhält.“

Canon EOS-1D X Mark III

Der Nachfolger der Canon EOS-1D X Mark II bietet einen Sensor mit 20,1 Megapixel und bis zu 20 Bilder pro Sekunde. Sie ist das ultimative Werkzeug mit erstklassigen Low-Light-Eigenschaften, Deep-Learning-AF und 5,5K RAW-Video.

Objektive

Canon EF 50mm f/1.4 USM

Mit seiner hohen Lichtstärke und dem blitzschnellen AF-System zeigt das kompakte EF 50mm f/1.4 USM Standardobjektiv seine zuverlässige Leistungsfähigkeit auf jedem Gebiet der Fotografie.

Canon EF 40mm f/2.8 STM

Kompaktes Pancake-Objektiv mit hoher Lichtstärke – ideal für Reisen und Alltägliches. „Die Geheimwaffe in meinem Canon Arsenal“, sagt Ludbrook. Das Objektiv hat diese warme Qualität, die perfekt zu dem Licht passt, das wir hier in Afrika haben.“

Canon EF 35mm f/2 IS USM

Dieses 35-mm-Standardobjektiv ist mit einem 4-Stufen-Bildstabilisator und einer hohen Lichtstärke von 1:2 ausgestattet, was es ideal zum Fotografieren bei wenig Licht macht.

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