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Den Erdtrabanten im Visier: 8 Tipps für die Mondfotografie

A supermoon visible over Three Fingers Rock in Shropshire.
Andrew Fusek Peters‘ Bild eines Supermonds hinter dem Three Fingers Rock in Shropshire, Großbritannien, schaffte es auf die Titelseite der Times. „Das war reiner Zufall. Ich hatte keine Ahnung, dass der Mond das bewerkstelligen würde. Aber ich habe schnell reagiert. Das Spannendste war, nach Hause zurückzukehren und zu realisieren, dass das Bild nicht zugeschnitten war und ich es nur geringfügig nachbearbeiten musste“, sagt er. Aufgenommen mit einer Canon EOS 7D Mark II mit einem Canon EF 500mm f/4L IS II USM Objektiv und einem Canon Extender EF 2x III, Verschlusszeit 1/60 Sek., Blende 1:8 und ISO 800. © Andrew Fusek Peters

Ob er sich als orange leuchtender Ball direkt am Horizont oder als sanfte Silhouette einer silbernen Sichel über einer Stadt zeigt – der Mond ist das hellste und größte Objekt am Nachthimmel, das Fotografen schon seit langem in seinen Bann zieht. Nach einem Vollmond oder Phänomenen wie einem Erntemond, blauen Mond, Blutmond oder einer Mondfinsternis werden die sozialen Medien regelrecht mit Aufnahmen überschwemmt. Bei den meisten davon handelt es sich um Nahaufnahmen des Monds selbst. Wer jedoch auf der Suche nach einer größeren kreativen Herausforderung ist, kann sich von Andrew Fusek Peters‘ Tipps und Techniken für die Mondfotografie inspirieren lassen.

Der britische Fotograf, dessen Arbeiten regelmäßig in nationalen Zeitungen und Zeitschriften zu sehen sind, bevorzugt es, den Mond in eine breitere Szene zu integrieren, um eine Geschichte zu erzählen. „Ich halte immer nach einem interessanten Vordergrund Ausschau, um den Mond in einer Landschaft oder über einem Gebäude zu zeigen“, erklärt er.

Sein Ansatz ist so ausgefeilt, dass manche fälschlicherweise vermuten, er würde mehrere Bilder übereinander legen. Tatsächlich fängt er jedoch jedes Element eines Bilds in der Kamera im RAW-Format ein. Aber das kommt nicht von ungefähr. Sein Prozess erfordert eine umfassende Planung, die richtige Ausrüstung und das nötige Wissen, um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Hier verrät Peters seine Tipps, wie dir das ganze Jahr über überraschende und originelle Bilder des Monds gelingen.

A full moon behind the radar station and telephone mast on Titterstone Clee Hill in Shropshire.
Versuche, den Kontext mit einem interessanten Vordergrund einzufangen, wie bei dieser Aufnahme des Monds hinter einer Radarstation und einem Telefonmasten auf dem Titterstone Clee Hill in Shropshire, Großbritannien. „Ich konnte sehen, wie der Mond hinter dem Turm aufging, wurde mir aber erst bei der Bearbeitung bewusst, dass die grauen, runden Schüsseln am Masten und die Oberfläche des Monds ein perfektes Zusammenspiel ergaben“, so Peters. Aufgenommen mit einer Canon EOS 7D Mark II mit einem Canon EF 500mm f/4L IS II USM Objektiv, Verschlusszeit 1/500 Sek., Blende 1:4 und ISO 320. © Andrew Fusek Peters
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1. Begib dich an den richtigen Ort

Der erste Schritt besteht darin, zu wissen, wann und wo der Mond aufgehen wird. Früher erforderte das zahlreiche, komplizierte Berechnungen. Heutzutage kann dir jedoch Software diese unliebsame Arbeit abnehmen. Peters nutzt „The Photographer's Ephemeris 3D“ – ein Tool zur Lichtvisualisierung für Outdoor- und Landschaftsfotografen. „Damit kannst du innerhalb einer Linie von 50 Metern planen, wo du sein willst, und sehen, wann der Mond aufgehen und wohinter er sich verstecken wird“, erklärt er.

2. Wähle den richtigen Zeitpunkt

Man könnte meinen, dass man den Mond am besten fotografieren sollte, wenn er voll ist. Peters betont jedoch, dass das nicht immer der Fall ist. „Ziehe ein paar Tage vor Vollmond los“, rät er. „So musst du nicht nur mit Umrissen arbeiten, sondern kannst das Licht auf der Landschaft nutzen.“ Ein Beispiel dafür ist seine Aufnahme des Clun Castle in Shropshire (siehe unten). „Wie du siehst, ist der Mond auf diesem Foto nur zu drei Vierteln voll. Er geht gerade auf, und meine Kamera konnte zahlreiche Details in der Landschaft einfangen“, erklärt er.

A waxing gibbous moon high in the sky behind the ruins of Clun Castle in Shropshire.
Der Mond über Clun Castle in Shropshire, Großbritannien. „Das Bild entstand im November, weshalb es diesen tollen, gelben Farbton ausstrahlt“, erklärt Peters. „Man kann den Herbst praktisch spüren. Ich liebe einfach die Kombination aus der Ruine und dem Mond. Bei dem Anblick dachte ich: ‚Es muss nicht immer ein großer Mond sein. Manchmal kann man auch ein wenig künstlerischer an die Sache herangehen‘.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS 6D Mark II mit einem Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6L IS II USM Objektiv, Verschlusszeit 1/80 Sek., Blende 1:9 und ISO 100. © Andrew Fusek Peters

3. Reagiere schnell

Ganz gleich, wie akribisch du geplant hast, musst du beim tatsächlichen Shooting in der Lage sein, schnell zu denken und zu reagieren, sagt Peters. „Der Mond ist wie ein Lebewesen – wie ein Wildtier“, erklärt er. „Man muss sein Verhalten kennen. Er ist extrem schüchtern und taucht generell nie dann auf, wenn du es erwartest. Eine kleine Wolke, und schon ist dein Foto ruiniert.“

Peters‘ Bild des Supermonds aus dem Jahr 2016, das es auf den Titel der Times geschafft hat (siehe Hauptbild), wäre fast nicht zustande gekommen. Das Wetter war ihm nicht wohl gesonnen, daher brach er sein Shooting ab und machte sich auf den Heimweg. „Als ich Richtung Church Stretton in Shropshire fuhr, sah ich plötzlich, wie sich die Wolken lichteten“, sagt er. „Der Mond lauerte fast direkt hinter einem Vulkanfelsen namens ‚Three Fingers Rock‘, den ich damals nicht einmal kannte. Und ich dachte nur: ‚Oh, mein Gott!‘“

„Mir war klar, dass ich mit meiner Canon EOS 7D Mark II, einem Canon EF 500mm f/4L IS II USM Objektiv und einem Canon Extender 2x III, der mir 1600 mm bot, so nah wie nur irgendwie möglich herankommen musste. Ich zweckentfremdete eine Hecke als Stativ und fotografierte drei Bilder hintereinander. Da ich meinen Fokuspunkt kannte – es empfiehlt sich, eine Führungslinie zu suchen, statt einfach den Mond in der Mitte des Bilds zu platzieren – war gleich das erste Bild ein Treffer.“

4. Achte auf atmosphärische Störungen

Bei seinem Supermond-Bild für die Times hat Peters eine wichtige Lektion gelernt. „Als das Foto herauskam, war der Mond ganz gewellt und leicht verschwommen“, erinnert er sich. „Und ich dachte: ‚Das liegt daran, dass ich so ein schlechter Fotograf bin.‘ Aber dann sagte mir jemand: ‚Nein, das liegt daran, dass es kurz nach Mondaufgang viel mehr Luftverschmutzung in der Atmosphäre gibt, durch die du erst hindurchsehen musst. Darum erscheint der Mond gewellt.‘ Wenn der Mond hoch am Himmel steht, liegt weniger Atmosphäre zwischen dir und ihm, weshalb er dann scharf wirkt.“

A silhouette of a thrush sitting on a branch in front of the blurred moon.
„Diese Aufnahme entstand im Januar bei Sonnenuntergang um ca. 18 Uhr in meinem Garten“, erinnert sich Peters. „Ich bin auf das Dach unseres Wintergartens geklettert und hatte das Glück, dass der Vogel nicht vor mir geflüchtet ist. Man sieht den Mond hinter den Flügelspitzen und dem Schnabel des Vogels hervorblitzen. Das ist eines der besten Fotos, das ich je aufgenommen habe.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark IV mit einem Canon EF 500mm f/4L IS II USM Objektiv, Verschlusszeit 1/640 Sek., Blende 1:8 und ISO 1600. © Andrew Fusek Peters

5. Verwende kein Stativ

Während Stative für die Sternenfotografie entscheidend sind, solltest du dich beim Mond für Aufnahmen aus der freien Hand entscheiden, sagt Peters. „Das Problem bei einem Stativ ist, dass der Mond möglicherweise nicht genau da auftaucht, wo du ihn haben willst“, erklärt er. „Du musst sehr schnell reagieren und die Position wechseln können, um den Mond genau an der gewünschten Position im Bild zu platzieren – genau wie bei einem weit entfernten Sonnenuntergang über Bergen. Dir bleibt nicht viel Zeit, da das Licht, das du einfangen willst, das letzte Licht des Tages ist: die Abenddämmerung. Um dein Bild also zu bekommen, musst du handgeführt aufnehmen.“

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6. Passe die Belichtung nach dem Mond an

In Bezug auf die Einstellungen „solltest du immer an die Grenzen deiner Kamera gehen“, rät Peters. „Du musst daher auf die Highlights achten. Hier erweist sich der elektronische Sucher als echte Hilfe. Überlege dir genau, wie du die Belichtung wählst. Insbesondere bei Aufnahmen während der Abenddämmerung, bei denen die Landschaft noch ein wenig in Licht getaucht ist, solltest du als Faustregel die Belichtung nach dem Mond anpassen, nicht nach der Landschaft. Wenn du nach der Landschaft belichtest, erscheint der Mond überbelichtet.“

„Dein Ziel ist natürlich, den ISO-Wert so gering wie möglich zu halten, aber auch das Bild in den Kasten zu bekommen“, fügt er hinzu. „Wenn du also mit einer etwas kürzeren Verschlusszeit fotografieren musst, beispielsweise, weil du ein langes Objektiv verwendest, dann ist das eben so.“

An aeroplane is silhouetted against the surface of a full moon in the dark night sky.
Peters freut sich schon darauf, die spiegellosen Systemkameras der nächsten Generation von Canon auszuprobieren. Hier ein Beispielbild von Canon, das mit dem neuen Canon RF 800mm F11 IS STM Objektiv aufgenommen wurde. Es bietet einen optischen Bildstabilisator mit 4 Stufen in einer kompakten, leichten Bauweise, sodass es sich perfekt für handgeführte Mondaufnahmen eignet. Aufgenommen mit einer Canon EOS R mit einer Verschlusszeit von 1/800 Sek., Blende 1:11,0 und ISO 1250.

7. Nutze die richtige Ausrüstung

Wenn du die Belichtung nach dem Mond ausrichtest, hängt der Grad an Details in der Landschaft zum Teil von der Qualität deiner Kamera und deines Objektivs ab. „Mit meiner Canon EOS 7D Mark II kann ich darauf vertrauen, dass ich keine Probleme mit dem Fokus haben werde. Und wenn noch etwas Licht auf der Landschaft liegt, kann ich damit zahlreiche Details in den Schatten wiederherstellen“, so Peters.

Die neue spiegellosen Systemkameras von Canon, die Canon EOS R5 und Canon EOS R6, die in Kürze auf den Markt kommen werden, bieten erstklassige Low-Light-Eigenschaften. Peters freut sich schon darauf, diese neuen Kameras auszuprobieren. „Es wird spannend, herauszufinden, was die EOS R5 und die EOS R6 leisten können“, sagt er. „Ich interessiere mich besonders für die EOS R6, da sie mit dem gleichen Sensor wie die Canon EOS-1D X Mark III ausgestattet ist, was sie für mich sehr attraktiv macht.“

Was die Objektive angeht, verwendet Peters bis dahin das Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6L IS II USM und das Canon EF 500mm f/4L IS II USM mit dem Canon Extender 2x III. Dank ihrer starken Vergrößerung und extremen Genauigkeit sind diese Objektive perfekt für seine Fotografie geeignet. „Wenn man einen großen Mond aufnehmen will“, erklärt er, „braucht man auch ein großes Objektiv.“

8. Investiere Zeit in die Nachbearbeitung

All die Details des Monds und der Landschaft im RAW-Format einzufangen, ist nur ein Teil der Aufgabe, betont Peters. Danach ist eine umfassende Nachbearbeitung erforderlich. „Auch wenn du die Belichtung richtig gewählt hast, wird der Mond ziemlich überbelichtet aussehen“, erklärt er. „Du musst also auf die Highlights, weißen Stellen und Schatten achten und Radial-Filter [die lokale Anpassungen ermöglichen] verwenden, um zahlreiche Details herauszuarbeiten. Und natürlich will auch der Vordergrund bearbeitet werden. Neben den Schatten solltest du möglicherweise auch mehrere Gradationsfilter anwenden.“

Er fügt hinzu: „Man tut einfach alles, was man kann, um die RAW-Datei fantastisch zu machen. Wie Ansel Adams einst sagte: ‚Das Negativ sind die Noten, und der Druck ist die Aufführung.‘ Das gilt auch in der Mondfotografie für deine RAW-Datei und die bearbeiteten Dateien.“

Verfasst von David Clark


Die Ausrüstung von Peters

Die Ausrüstung, die Profis für ihre Fotos verwenden

Photographer Andrew Fusek Peters.

Kameras

Canon EOS 7D Mark II

Genau richtig für alle, die Geschwindigkeit lieben. Gehöre zu den ersten, die das Außergewöhnliche einfangen, und halte die Momente fest, die andere Fotografen verpassen.

Canon EOS 6D Mark II

Ob du ambitionierte Projekte realisieren oder den Schritt in die professionelle Fotografie wagen willst – die EOS 6D Mark II gibt dir alles was du brauchst, um spannende neue Wege einzuschlagen.

Canon EOS-1D X Mark III

Das Nachfolgemodell der Canon EOS-1D X, das Peters verwendet, ist das ultimative Werkzeug mit erstklassigen Low-Light-Eigenschaften, Deep-Learning-AF und 5,5K RAW-Video.

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