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Frauen aus der Filmbranche im Rampenlicht

Lerne drei Wegbereiterinnen der nächsten Generation von Filmemacherinnen kennen.
Regisseurin Ashleigh Jadee steht hinter ihrer Kamera, während eine Gruppe von Männern sie bei der Arbeit beobachtet.

Regisseurin Ashleigh Jadee hat sich auf Mode- und Musik-Shootings spezialisiert. Sie hofft, dass andere angehende Filmemacherinnen ihren Erfolg sehen und dadurch den Mut schöpfen, sich selbst in die Branche vorzuwagen. © Rackz Media

Studien zeigen, dass Frauen in der Filmbranche immer noch deutlich unterrepräsentiert sind. Nur 20 % aller Regisseure, Autoren, Produzenten, Produktionsleiter, Editoren und Kameraleute, die in den USA an den wichtigsten 100 Filmen des Jahres gearbeitet hatten, waren Frauen. Es liegt auf der Hand, dass sich die Branche noch deutlich ins Zeug legen muss, um Frauen in ihren Reihen willkommen zu heißen. Dennoch gibt es Fortschritte.

2018 riefen The Photography Show & The Video Show die Kampagne „Women Who Photo & Film“ ins Leben, um die Aufmerksamkeit für die Arbeit von Fotografinnen und Filmemacherinnen zu erhöhen. In diesem Jahr fand die Show als virtuelles Event statt, an dem 21 Botschafterinnen teilnahmen.

Carys Kaiser hat in ihrer Karriere fast jeden Job der Branche bekleidet, von der Tonaufnahme bis zur selbst filmenden PD. Seit mehr als 17 Jahren arbeitet sie schon an TV-Produktionen in Großbritannien und hat sich 2015 ein zweites Standbein als Drohnenfotografin geschaffen.

Heather Hughes verlor im Alter von drei Jahren ihr Gehör, aber das hat sie nicht davon abgehalten, eine Karriere als Videofilmerin zu beginnen und Reise-, Unternehmens- und Social-Videos sowie Hochzeiten zu filmen.

Regisseurin Ashleigh Jadee begann ihren Weg als Fotografin, bevor sie sich schließlich den Bereichen Videografie, Produktion und Regie zuwandte. Ihre Spezialität sind Videos für die Musik- und Modebranche, darunter für Künstler wie Skepta, Wiley und Wretch 32.

Hier berichten die drei britischen Profis von ihren Erfahrungen als Frauen in der Filmbranche und geben Tipps für alle, die in ihre Fußstapfen treten möchten.

Filmemacherin Heather Hughes steht vor einem ländlichen Hintergrund und lächelt in die Kamera.

Filmemacherin Heather Hughes berichtet, dass es ihr zu Beginn ihrer Karriere schwer gefallen ist, Fuß zu fassen. „Ich glaube, ich habe viele Fehler gemacht. Aber dann plötzlich haben sich alle Puzzleteile zusammengefügt und ich dachte: ‚Oh, ja, genau das will ich ausdrücken, und genau so werde ich es machen.‘“

Wie ist dir der Durchbruch in der Filmbranche gelungen?

Kaiser begann als Visagistin, erkannte jedoch schnell, dass sie lieber mit Kameras arbeiten wollte. „Ich habe die Kameraleute – durchweg Männer – und Regisseure – auch durchweg Männer – beobachtet und dachte mir: ‚Das will ich auch machen!‘“ Schließlich lernte sie eine Filmemacherin am Set kennen, die ihr die Branche näher brachte und sie dazu inspirierte, den nächsten Schritt zu wagen.

Hughes hatte 18 Jahre lang für einen Verlag als Projektmanagerin gearbeitet, als sie die Kündigung erhielt. „Ich hatte gesehen, dass es am City Lit College in London einen Kurs für erzählerische Filmkunst gab“, sagt sie. „Ich habe für den Kurs einen dreiminütigen Comedy-Sketch gedreht. Ich glaube, ich habe als einzige meinen Film tatsächlich fertiggestellt, und alle haben gelacht, als sie ihn gesehen haben.“ Hughes begleitete eine Freundin als Videofilmerin bei einen Hochzeitsdreh und entschloss sich dann, das Filmen zu ihrem Beruf zu machen.

„Als ich etwa 20 Jahre alt war, legte ich mir eine Canon Kamera zu“, sagt Jadee, die früher mit einer Canon EOS 60D fotografierte (mittlerweile ersetzt durch das Nachfolgemodell Canon EOS 90D). „Ich begann, mit der Videofunktion herumzuspielen, weil die Kamera halt beides konnte. Dann fing ich an, meine Freunde beim Freestylen zu filmen.“

Jadee drehte eine Dokumentation über die Entstehung eines Albums für einen Freund, machte dann einen kurzen Abstecher in die Produktion und kehrte schließlich wieder hinter die Kamera zurück, um ein Musikvideo für einen Freund zu drehen. Das führte zu ihrem ersten Auftrag als Regisseurin von Universal Records.

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Filmemacherin Carys Kaiser filmt einen Mann beim Bügeln auf einem Set, das einer Küche nachempfunden ist.

„Manchmal kann ich es selbst kaum glauben“, sagt sie. „Ich werde regelrecht verwöhnt mit all diesen Chancen. Aber dann schaue ich zurück und höre meine Freunde sagen: ‚Stell dein Licht nicht unter den Scheffel. Du hast hart gearbeitet, um es hierher zu schaffen.‘“ © Joolze Dymond

Wo findest du deine Inspiration?

„Ich schaue mir alles Mögliche an“, sagt Kaiser. „Wenn ich einen kreativen Film drehe, stammt meine Inspiration vielleicht aus einem YouTube-Video, dass ich vor drei oder vier Jahren gesehen habe, oder aus Büchern, Zeitschriften oder einer Fernsehsendung.“

Auch die anderen Botschafterinnen von „Women Who Photo & Film“ sind für sie eine Quelle der Inspiration. „Jede Frau, die zu ihrer ganz eigenen Fotografie- oder Filmreise aufbricht, ist an sich schon inspirierend“, sagt sie.

Hughes bezieht ihre Ideen aus TV und Kino. „Ich liebe Sendungen wie Firefly“, sagt sie und bezieht sich dabei auf eine beliebte Science-Fiction-Serie. „Tatsächlich lasse ich mich auch stark von der Theorie hinter dem Fernsehen inspirieren, indem ich mir ansehe, wie dort gefilmt wird und welche Stimmung damit erzeugt wird.“

Wie Hughes liebt auch Jadee alte Filme und Musikvideos. „Ich nehme eine Szene oder einen bemerkenswerten Teil davon und verarbeite sie in meine Arbeit“, sagt sie. „Wenn die Geschichte im Vordergrund steht, greife ich auf meine persönlichen Erfahrungen zurück.“

Regisseurin Ashleigh Jadee geht die Straße entlang und trägt dabei ihre Kamera.

Jadee nimmt Einsteigerinnen online unter ihre Fittiche und hilft ihnen, Kontakte in der Branche zu knüpfen. „Das ist so ein tolles Gefühl“, sagt sie. „Genauso habe ich mich gefühlt, als ich das erste Mal ein Set verließ. Ich habe erkannt, wie viel ich inzwischen weiß. Manchmal vergisst man einfach, wie weit man schon gekommen ist.“ © Rackz Media

Regisseurin Ashleigh Jadee lächelt in die Kamera und formt mit den Fingern ein OK-Zeichen, während ihre Kamera im Bild zu sehen ist.

Jadee ist davon überzeugt, dass Kampagnen wie „Women Who Photo & Film“ wichtig sind, um auf das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern in der Branche aufmerksam zu machen. © Rackz Media

Was hältst du von der Kampagne „Women Who Photo & Film“?

„Die Kampagne beleuchtet die vielen unterschiedlichen Erfahrungen von Frauen“. sagt Kaiser. „Sie zeigt, dass Frauen nicht nur Hochzeiten filmen, sondern einfach alles.“

„Ich habe The Photography Show seit ihrer Entstehung besucht“, sagt Hughes. „Ich fand die Show immer sehr inspirierend, da ich zu Beginn meiner Karriere nicht so richtig wusste, in welche Fotografie- oder Videorichtung ich gehen wollte.“

Jadee findet Initiativen wie diese sehr wichtig, weil die Branche immer noch von Männern dominiert wird. „Ich glaube, dass wir immer und überall eine gerechte Vertretung brauchen, egal ob als ethnische Gruppe, Geschlecht oder in Bezug auf andere Aspekte. Wenn die Leute jemanden in einer Position sehen, die sie selbst gerne hätten, kann es sie dazu inspirieren, ihre Selbstzweifel abzulegen und den ersten Schritt auf dem Weg zu ihrem Ziel zu machen.“

A woman stands on a hill overlooking a valley ringed with mountains. She is operating a camera on a tripod

Frauen im Filmgeschäft: Einstieg in die Filmbranche

Führende Filmemacherinnen verraten, wie ihnen der Durchbruch in der Filmbranche gelungen ist, und geben Ratschläge für Frauen, die in ihre Fußstapfen treten möchten.

Sind dir selbst in der Filmbranche Vorurteile aufgrund deines Geschlechts begegnet?

Als Kaiser ihre Fühler in die Drohnenarbeit ausstreckte, wurde sie zunächst nicht ernst genommen. „Man sagte mir: ‚Das ist zu kompliziert. Das ist nichts für dich.‘ Da wurde mir klar, dass tatsächlich alle Berufe, in denen in arbeite, von Männern dominiert werden: Fotografie, Videografie, Film, Montage, Drohnenflug.“

„Aber ich glaube, dass sich das Blatt langsam wendet. Ich habe es nicht darauf angelegt, ein Vorbild für Frauen zu sein. Das ist einfach so passiert. Aber wenn ich so irgendjemanden, ob Mann oder Frau, dazu inspiriert habe, eine Drohne zu steuern, freut mich das.“

„Besonders im Bereich TV ist die Branche sehr männlich ausgerichtet“, sagt Hughes. „Ich nutze eine Broadcast-Kamera, die ich mir zum Teil besorgt habe, damit ich mit den Männern mitreden konnte. Manche Männer werfen mit technischen Begriffen um sich, was einige Frauen einschüchtert.“

Ein mit einer hoch fliegenden Drohne aufgenommenes Bild einer Frau, die auf dem Boden liegt und einen regenbogenfarbenen Regenschirm in den Händen hält.

Kaiser arbeitet an einem Buch mit Drohnenfotos mit dem Titel „A Girl From Above“. Ihr Interesse an der Fotografie mit Drohnen hat sie dazu bewegt, sich auf dieses Genre zu spezialisieren. Inzwischen zählt sie zu den führenden Drohnenpilotinnen des Landes. © Carys Kaiser

Was ist in deiner Kameratasche?

Hughes verwendet für ihre Filmarbeiten eine Canon XF705. „Das ist eine solide Videokamera“, sagt sie. „Wenn ich Interviews filme, verwendet ich die Canon XF705. Der Autofokus ist unglaublich. Es ist, als hätte man das Studio immer dabei – einfach makellos.“

Bei ihren bisherigen TV-Aufträgen hat Kaiser die Canon EOS C300 Mark III und Canon EOS C500 Mark II verwendet. „Der Farbraum dieser Geräte ist den TV-Kameras anderer Hersteller weit voraus“, sagt sie. „Mit Canon sehen einfach alle Hauttöne toll aus.“

Welchen Rat würdest du Frauen geben, die gerade erst in die Filmbranche einsteigen oder von der Fotografie dorthin wechseln möchten?

Kaiser, die in ihrer Karriere sowohl als Fotografin als auch als Videofilmerin tätig war, appelliert an alle, an sich selbst zu glauben. „Wenn man die Komposition bei Einzelbildern hinkriegt, dann kann man es auch bei Videos. Lerne die Regeln, und beginne dann, sie zu brechen, um deinen eigenen Stil zu finden.“

Gerade zu Beginn lassen viele junge Filmemacher und Filmemacherinnen sich auf unbezahlte Aufträge ein, um sich einen Namen zu machen und Kontakte in der Branche zu knüpfen, aber Kaiser mahnt zur Vorsicht. „Verkaufe dich nicht unter Wert. Ich habe das lange selbst getan, aber dann begonnen, den gerechten Lohn für meine Arbeit zu fordern. Jetzt fühle ich mich nicht nur besser, sondern meine Kunden wissen mich mehr zu schätzen.“

Hughes rät Neueinsteigerinnen, nicht aufzugeben. „Mir war nicht bewusst, wie viele Hochs und Tiefs ich erleben würde und wie schwierig es sein würde, die richtigen Beziehungen aufzubauen. Man muss sich ein ganz schön dickes Fell zulegen. Aber höre einfach auf deine Stimme und vergiss nie, was du tun möchtest.“

Jadees Rat für Brancheneinsteigerinnen lautet, sich ein Netzwerk aufzubauen, Leute zu treffen und am eigenen Selbstbewusstsein zu arbeiten. „Beziehungen sind das A und O“, sagt sie. „Ich war immer sehr schüchtern und hatte kein Selbstvertrauen, was mich daran hinderte, einfach loszuziehen.“

Angehenden Regisseurinnen rät sie, sich um ihre persönliche Entwicklung zu kümmern. „Du musst eine gute Menschenkenntnis besitzen und wissen, wie man sich am Set verhält, da alle Augen auf dich gerichtet sind. Konzentriere dich neben bezahlten Aufträgen auch auf Herzensprojekte, da du so zeigen kannst, was für eine Regisseurin in dir steckt.“

Was war das bisherige Highlight deiner Karriere?

„Ich freue mich auf jeden meiner Aufträge“, sagt Kaiser. „Kürzlich habe ich mit Heather Small, Alexandra Burke und David Grant an ‚Songs of Praise – Gospel Singer of the Year‘ gearbeitet, aber heute war ein ebenso spannender Tag, weil ich einen Mann auf einem Hügel mit einem Bügeleisen filmen durfte. Ich habe einfach den besten Job der Welt. Das ist mein Highlight.“

„Mein Highlight ist das Gemeinschaftsgefühl, das mich mit anderen Filmemacherinnen verbindet“, sagt Hughes. „Ich habe meine Community gefunden. Sie macht Spaß, und die Menschen sind einfach liebenswert.“

„Definitiv ein Highlight waren für mich die digitalen Homestorys für die Weihnachtskampagne von H&M 2018, bei denen ich Regie führen durfte“, sagt Jadee. „Es war einfach verrückt, weil meine Arbeit in meinem Einkaufscenter in Westfield und auf den riesigen Anzeigetafeln an der Oxford Street zu sehen war. Ein weiteres Highlight war mein erstes Videoshooting, da ich dabei zu der Erkenntnis kam, dass ich dieses Gefühl jeden Tag bei der Arbeit erleben möchte.“

Verfasst von Tamzin Wilks


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