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China in Farbe: Bruno Barbey über die Dokumentation der Entwicklung einer globalen Supermacht über 45 Jahre

A statue of Mao Zedong covered in scaffolding with two construction workers standing on top.
Der erfahrene Magnum-Fotograf Bruno Barbey fotografierte China zum ersten Mal vor 46 Jahren, noch während der Herrschaft des Großen Vorsitzenden Mao Zedong. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III (mittlerweile ersetzt durch das Nachfolgemodell Canon EOS 5D Mark IV) mit einem Canon EF70-200mm f/.4L IS USM Objektiv mit 200 mm, Verschlusszeit 1/250 Sek., Blende 1:6 und ISO 320. © Bruno Barbey/Magnum Photos

In den letzten 45 Jahren hat sich China von einem großen, aber unterentwickelten Land zu einer der weltweit führenden industriellen Supermächte gewandelt. Während dieser Zeit hat der erfahrene Magnum-Fotograf Bruno Barbey ein einzigartiges Werk geschaffen, das die massiven Veränderungen des Landes dokumentiert.

China ist nur eines der vielen Motive, die Barbey in seiner langen Karriere fotografiert hat. Als Fotojournalist hat er über Nachrichten aus aller Welt berichtet, darunter Kriege und Konflikte in Nigeria, Vietnam, Bangladesch, Kambodscha, Nordirland und im Irak. Darüber hinaus hat er das Leben in zahlreichen Ländern wie Marokko, Brasilien, Türkei, Nigeria und Italien dokumentiert. Er hat über 30 Bücher veröffentlicht und weltweit mehr als 80 Ausstellungen seiner Werke ausgerichtet.

China faszinierte ihn jedoch am meisten, weshalb er oft dahin zurückgekehrt ist. Diese Arbeit hat zu zwei kürzlich erschienenen Büchern über das Land hervorgebracht: „China: From Mao to Modernity“ (2015) und „The Color of China“ (2019).

Barbeys Werk fand beim Publikum großen Anklang – nicht zuletzt auch in China selbst. Vor kurzem inszenierte er eine große Ausstellung seiner Fotografien des Landes im Chinesischen Kunstmuseum in Peking, die in nur 10 Tagen von 80.000 Besuchern angesehen wurde.

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Was hat Barbey so lange nach China gezogen? „Ich mag Länder, die einen kulturellen und historischen Hintergrund haben, und China ist besonders faszinierend, weil es auf eine 6.000-jährige Geschichte zurückblickt“, sagt er. „Das kulturelle Erbe ist wirklich schier unglaublich. Doch was für mich wirklich interessant war, ist, in jedem Jahrzehnt zu sehen, wie schnell sich das Land entwickelt und verändert hat, vor allem seit den 1990er Jahren. Ich mag auch die Chinesen – sie sind unkompliziert, etwas laut, aber voller Begeisterung.“

Er fotografierte das Land erstmals 1973, als es sich noch in der als Kulturrevolution bezeichneten Zeit und unter der Führung von Mao Zedong befand. Bei einem Blick auf diese ersten Bilder werden nun die Veränderungen im Leben der Chinesen deutlich. „Auf den ersten Bildern, die ich in den 70er Jahren aufgenommen habe, waren die Menschen alle in Blau oder Grau gekleidet“, erinnert sich Barbey. „Sie trugen alle den gleichen Arbeiteranzug. Heute geben junge Leute, die es sich leisten können, viel Geld für ihre Kleidung aus. Sie sind sehr schick und elegant. Das ist ein Riesenunterschied.

Als ich 1980 die Stadt Chengdu besuchte, gab es keinen internationalen Flughafen. Es gab nur wenige Autos und fast jeder war mit dem Fahrrad unterwegs. Heute gibt es viele Staus – und auch viel Verschmutzung.“ Zudem wurden die Städte architektonisch umgestaltet. „Ich erinnere mich an meinen Aufenthalt in Pudong in Shanghai, wo ich Reisfelder fotografierte“, fährt Barbey fort. „An derselben Stelle stehen jetzt die ganzen Wolkenkratzer. Die Architektur ist heute unglaublich, mit erstaunlichen Gebäuden, die von berühmten Architekten aus der ganzen Welt entworfen wurden und einfach überwältigend sind.“

Old buildings being torn down, leaving piles of rubble in the foreground, with cranes and skyscrapers visible in the background.
In diesem Bild vom Abbruch eines alten Viertels vor dem Hintergrund der futuristischen Pudong New Area fängt Barbey die architektonische Umgestaltung Shanghais ein. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark II mit einer Verschlusszeit von 1/200 Sek., Blende 1:11 und ISO 250. © Bruno Barbey/Magnum Photos
A person with an orange umbrella sitting on the tarmac of a yellow box junction.
Im Laufe der Jahrzehnte hat Barbey enorme soziale und politische Veränderungen dokumentiert. Hier wird ein Foto eines auf einer Straßenkreuzung in Hongkong sitzenden Demonstranten zu einer fast abstrakten Farbkomposition. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark II mit einer Verschlusszeit von 1/250 Sek., Blende 1:10 und ISO 400. © Bruno Barbey/Magnum Photos

Farbaufnahmen

Andere Magnum-Fotografen fotografierten das Land in früheren Jahrzehnten, darunter Robert Capa, Henri Cartier-Bresson und Marc Riboud, allerdings nur in Schwarz-Weiß. Obwohl Anfang der 1970er Jahre Schwarz-Weiß in der Dokumentarfotografie noch dominierte, wollte Barbey von Anfang an in Farbe fotografieren.

Er erklärt, dass Schwarz-Weiß aus ästhetischen und praktischen Gründen vorherrschend war. „Damals war die Farbwiedergabe selbst in den bekanntesten Zeitschriften mangelhaft“, so Barbey. „Früher habe ich viel mit National Geographic gearbeitet, und wenn ich mir diese Artikel heute ansehe, sehe ich, dass sie nicht so gut gedruckt sind. Aber von Farbe war ich schon immer fasziniert, vielleicht weil ich in Marokko, einem Land des Lichts und der Farbe, geboren wurde. Los ging es für mich Mitte der 1960er Jahre, als ich von der Zeitschrift Vogue nach Brasilien geschickt wurde und einige hundert Farbfilme mitnahm. Von da an habe ich die Farbfotografie ernst genommen. Mit den neuesten Digitalkameras in Farbe aufzunehmen, bereitet mir besonders Freude. Und Zeitschriften werden mittlerweile sehr gut gedruckt.“

An example of modern architecture in China, Shanghai's Expo Axis lit up with pink light in geometric lines.
Mehr von Chinas beeindruckender neuer Architektur, in diesem Fall Shanghais Expo-Achse bei Nacht, aufgenommen dank der Low-Light-Eigenschaften von Barbeys Canon Ausrüstung. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark II mit einer Verschlusszeit von 1/80 Sek., Blende 1:4 und ISO 1000. © Bruno Barbey/Magnum Photos
A shot taken looking down inside the New Century Global Mall in Chengdu, showing escalators lit up with blue lights.
Die schwindelerregende Größe der New Century Global Mall in Chengdu. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF24-70mm f/2.8L II USM Objektiv mit 42 mm, Verschlusszeit 1/60 Sek., Blende 1:5 und ISO 800. © Bruno Barbey/Magnum Photos
Members of the Church of the Last Testament stand in white robes in front of snow-covered trees. Photo by Jonas Bendiksen.

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Im Laufe seiner langen Karriere hat Barbey viele verschiedene Kameras ausprobiert, arbeitet aber schon seit vielen Jahren mit Canon. Aktuell benutzt er die Canon EOS 5D Mark III (mittlerweile ersetzt durch die Canon EOS 5D Mark IV). „Ich nehme gerne digital auf. Es ist ein fantastisches Werkzeug“, sagt er. „Für Fotografen meiner Generation ist es einfach faszinierend, welche kreativen Möglichkeiten wir dank digitaler Technologie haben.

„Bei sehr schwachem Licht kann ich ohne Blitz arbeiten, was früher unmöglich war. Ich mache auch gerne Straßenaufnahmen, die man sehr schnell, ohne Zeit zum Fokussieren, machen muss. Die Geschwindigkeit des Autofokus macht es jetzt so einfach. Man muss nicht über Technik nachdenken. Alles wird von der Kamera gelöst.“

Barbey ist es wichtig, dass seine Ausrüstung nicht viel wiegt. Das „perfekte Objektiv“ für seine Art von Arbeit ist das Canon EF24-70mm f/2.8L II USM. „Ich verwende manchmal ein Canon EF70-200 mm f/4L IS USM, das mir gefällt, weil es klein und leicht ist“, sagt er. „Ich habe auch ein Tilt-und-Shift-Objektiv, ein Canon TS-E24mm f/3.5L II, denn bei der Aufnahme von Architektur möchte ich, dass alles perfekt ist und ohne konvergierende Vertikalen.“

In der Praxis

Barbeys praktischer Ansatz besteht darin, einen bestimmten Ort zu wählen und einfach darauf zu warten, dass etwas passiert, das er fotografieren möchte. Ein beliebter Ort ist Shanghai mit Blick über den Huangpu-Fluss in Richtung Stadt, wo an den Wochenenden viel los ist. Beim Fotografieren behält er gerne Vorder- und Hintergrund im Blick, sodass er verschiedene Elemente in einer Szene gegenüberstellen kann. Das Wichtigste ist für ihn jedoch, dass den Menschen nicht bewusst ist, dass sie fotografiert werden.

„Bei den meisten Bildern, die ich mache, wissen die Personen nicht, dass sie fotografiert werden, oder sie haben es gerade erst bemerkt“, sagt er. „Ich drücke sehr schnell auf den Auslöser. Manchmal, auch jetzt, mache ich Bilder, ohne die Kamera vor mein Auge zu halten, damit ich diskreter sein kann. Wenn man viele Aufnahmen macht, ist die Bearbeitung natürlich ein wichtiger Teil der Bilder. 50 % meiner Arbeit sind die Aufnahmen selbst, 50 % die Nachbearbeitung.

Three pedestrians walking along a Hong Kong street past a brightly coloured poster.
Barbey genießt Tempo und Spontaneität der Straßenfotografie. Er erzählt, dass er gerne einen Ort auswählt und einfach darauf wartet, dass etwas passiert. Einprägsame Bilder erfordern allerdings die perfekte Gegenüberstellung von Vorder- und Hintergrundelementen. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF24-70mm f/2.8L II USM Objektiv mit 61 mm, Verschlusszeit 1/250 Sek., Blende 1:6,3 und ISO 400. © Bruno Barbey/Magnum Photos
A group of women all wearing white performing yoga on a sand dune in the Kubuqi Desert in China's Inner Mongolia Autonomous Region.
Für Barbey ist es wichtig, Menschen zu fotografieren, die natürlich sind und nicht für die Kamera posieren. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark II mit einer Verschlusszeit von 1/160 Sek., Blende 1:20 und ISO 250. © Bruno Barbey/Magnum Photos

„Normalerweise mache ich zuerst die Bilder und bitte danach um Erlaubnis, es sei denn, ich mache ein Porträt und die Person und ich lernen uns erst kennen. Aber wenn man eine natürliche Situation haben möchte und zuerst um Erlaubnis bittet, ist es vorbei. Die Menschen sind dann nicht mehr natürlich, und die Situation wird zerstört. Daher frage ich meistens nie um Erlaubnis.“

Es sei vielleicht überraschend, erzählt Barbey, aber beim Fotografieren von Menschen in China hat er keine schlechten Reaktionen erlebt. „In China oder Japan, oder generell in Asien, ist es kein großes Problem, Menschen zu fotografieren“, findet Barbey. „Vielleicht liegt das daran, dass sie Ausländern gegenüber höflich bleiben. Es ist einfacher, Fotos in Shanghai zu machen, als zum Beispiel in Paris. Wenn du in Paris Fotos machst, triffst du unweigerlich auf jemand, der dir droht, dich zu verklagen. In China ist das kein Problem. Die Chinesen lieben die Fotografie. Es ist großartig, wie motiviert und fasziniert sie davon sind.“

Obwohl er mittlerweile 78 Jahre alt ist, hat Barbey noch lange nicht die Lust am Fotografieren verloren und plant weitere fotografische Reisen nach China und Marokko. „Als Mitglied der französischen Académie des Beaux-Arts bin ich von Freunden und großen Künstlern umgeben. Einige von ihnen sind sehr alt und arbeiten noch immer“, sagt er. „Manche Fotografen arbeiten, bis sie weit über 90 Jahre alt sind. Solange ich noch bester Gesundheit bin, werde ich auch weiter arbeiten. Und ich hoffe, das wird noch ganz lange so sein.“

Verfasser David Clark


Bruno Barbeys Ausrüstung

Die Ausrüstung, die Profis für ihre Fotos verwenden

Magnum photographer Bruno Barbey with a Canon camera on an assignment.

Kamera

Canon EOS 5D Mark IV

Die EOS 5D Mark IV ist eine Vollbild-Spiegelreflexkamera mit 30,4 MP, 61-Punkt-AF und Reihenaufnahmen mit bis zu 7 B/s. „Ich mache gerne Straßenaufnahmen, die man sehr schnell, ohne Zeit zum Fokussieren, machen muss. Die Geschwindigkeit des Autofokus macht es jetzt so einfach.“

Objektiv

Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM

Ein professionelles Standard-Zoomobjektiv, das neben erstklassiger Abbildungsqualität auch eine hohe Lichtstärke von 1:2,8 über den gesamten Zoombereich bietet. Barbey findet, dass es für seine Art von Arbeit das „perfekte Objektiv“ ist.

Canon TS-E 24mm 1:3,5L II

Der unabhängig voneinander rotierende Tilt-und-Shift-Mechanismus dieses Objektivs ermöglicht zahlreiche kreative Einsatzmöglichkeiten. Barbey schildert: „Wenn ich Architektur fotografiere, möchte ich, dass alles perfekt ist und ohne konvergierende Vertikalen.“

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