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Traumjob: Ein Tag im Leben eines Fotografen bei der Rugby-WM

George Kruis of England wins a lineout during the England v Tonga match at Rugby World Cup 2019™.
George Kruis aus England gewinnt beim Rugby World Cup 2019™ im Spiel der Gruppe C zwischen England und Tonga im Sapporo Dome den Line-out (die Gasse). Aufgenommen mit einer Canon EOS-1D X Mark II mit einem Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM Objektiv, Verschlusszeit 1/2000 Sek., Blende 1:3,2 und ISO 3200. © Dave Rogers/World Rugby über Getty Images

Sportfotograf Dave Rogers fotografierte 1980 seine erste Rugby-Tour in Südafrika. Seitdem hat sich sehr viel verändert – nicht zuletzt die Technologie. Damals eilte er nach dem Spiel los, um seine Filme in der Badewanne eines abgedunkelten Hotelzimmers zu entwickeln.

„Ich habe sie auf einem Vergrößerungsgerät ausgedruckt und sie zur Post gebracht, wo sie auf einem Gerät in der Größe eines Autos an das Kabel- und Drahtlos-Büro in London geschickt wurden“, erinnert sich der Fotograf von Getty Images aus Großbritannien. „Mein Chef fuhr damals alle Zeitungsbüros in der Fleet Street ab, um die Ausdrucke zu verteilen.“

Doch auch nach mehr als 40 Jahren als Sportfotograf, während derer er sich auf Rugby spezialisiert hat, nimmt Rogers Leidenschaft für das Spiel weiterhin zu. „Man muss sich voll und ganz der Arbeit widmen, weil sie kaum soziale Aspekte umfasst“, sagt er. „Jedes Spiel ist anders. Es gefällt mir, immer schnell reagieren zu müssen.“ Wir haben uns mit ihm getroffen, nachdem er gerade das Eröffnungsspiel des Rugby World Cup 2019™ zwischen England und Tonga dokumentiert hatte, um herauszufinden, wie ein typischer Arbeitstag aussieht.

Dave Rogers carrying his Canon camera with telephoto lens on a tripod in Sapporo Dome Stadium at Rugby World Cup 2019™.
Dave Rogers vor Ort im Sapporo Dome Stadium beim Rugby World Cup 2019™. © Dave Rogers/World Rugby über Getty Images

8:00 Uhr: „Ich stehe auf und frühstücke im Hotel mit einigen Journalistenfreunden. Ich hatte gestern Abend bereits meine Ausrüstung zusammengestellt, die Akkus aufgeladen usw., damit ich am Morgen bereit bin. Als ich mit der Fotografie begann, gab mir mein Freund Barry Newcombe vom Sunday Express zwei Ratschläge. Erstens: Gehe immer zum Frühstück, da du möglicherweise den ganzen Tag über nichts mehr in den Magen bekommst. Zudem ist das eine gute Gelegenheit, herauszufinden, was los ist. Und zweitens: Packe deine Sachen immer am Vorabend. Diesen Rat habe ich seitdem immer befolgt.“

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12:30 Uhr: „Der Anstoß ist erst am Abend, also mache ich auf Tourist und besuche den Sapporo TV Tower, um ein paar Fotos aufzunehmen. Danach gönne ich mir einen Kaffee, bevor ich zum Hotel zurückfahre, um meine Ausrüstung zu holen. In meiner Kameratasche habe ich drei Canon EOS-1D X Mark II Kameragehäuse. Ein Grund ist, damit ich im Fall der Fälle ein Ersatzgerät habe, aber es liegt auch daran, dass ich so für jedes meiner Objektive – ein Canon EF 400mm f/2.8L IS III USM, ein Canon EF 70-200mm f/2.8L IS III USM und ein Canon EF 16-35mm f/2.8L III USM – ein anderes Gehäuse habe. Ich habe keine Zeit, die Objektive zu wechseln, weil alles so schnell geschieht.“

„Den Großteil des Spiels über verwende ich das 400-mm-Objektiv, oft mit einem 1.4x Extender, um es noch länger zu machen. Ich verwende das 70-200-mm-Objektiv für die Versuchslinie und das Zoomobjektiv für allgemeine Aufnahmen des Stadions. Und wenn die Spieler durchdrehen und direkt vor mir jubeln, habe ich das 16-35-mm-Weitwinkelobjektiv.“

14:30 Uhr: „Ich verlasse das Hotel, um am Hauptbahnhof von Sapporo den Zug zum Sapporo Dome zu nehmen. Ich möchte früh dort sein, etwa vier Stunden vor Anpfiff. Die Zugfahrt dauert etwa 25 Minuten. Während der Fahrt versuche ich herauszufinden, wie ich zum Stadion komme. Alles ist ziemlich gut organisiert, es sind nur 300 bis 400 Meter zu Fuß vom Bahnhof zum Stadion, aber ich bin gerne vorbereitet.“

15:00 Uhr: „Ich komme im Stadion an und gehe durch die Sicherheitskontrolle. Das geht ziemlich schnell, weil noch nicht so viel los ist und ich früh dran bin. Bei der Pressestelle hole ich mein Spielticket ab, womit ich Zugang zum Spielfeld erhalte. Ich habe einen Upgrade-Pass, der mir Zutritt zu allen Bereichen gewährt. Dann teste ich alle Leitungen – überall im Fotografenraum und auf dem Spielfeld befinden sich Ethernet-Kabel, sodass man seine Bilder sofort ins Büro senden kann.“

Manu Tuilagi of England is tackled by two Tonga players during the Rugby World Cup 2019™.
Manu Tuilagi aus England wird beim Rugby World Cup 2019™ im Spiel der Gruppe C zwischen England und Tonga im Sapporo Dome von zwei Spielern aus Tonga angegriffen. Aufgenommen mit einer Canon EOS-1D X Mark II mit einem Canon EF 400mm f/2.8L IS III USM Objektiv und 1.4x Extender, Verschlusszeit 1/1600 Sek., Blende 1:4 und ISO 4000. © Dave Rogers/World Rugby über Getty Images

17:00 Uhr: „Ich bin einer der offiziellen RFU-Fotografen und offizieller World Rugby™-Fotograf. Daher muss ich vor dem Eintreffen des englischen Teams, also ca. 90 Minuten vor dem Anpfiff, einige Aufnahmen des Ankleideraums machen. Man muss vorsichtig sein, was man dabei zeigt, da die Teampläne an der Wand hängen. Ich fotografiere die hängenden Trikots, Programme, Wasserflaschen und vieles mehr. Die Teams verwenden sie für Websites.“

„Wenn ich reingehe, sind nur der Zeugwart, der die Trikots auslegt, und die Physiotherapeuten da. Sie haben die Musik voll aufgedreht – sie wissen, zu welchen Klängen die Spieler gerne einmarschieren. Diesmal waren es die Klassiker der 80er Jahre von John Farnham und ähnlichen Interpreten, also kannte ich alle Lieder. Oft sind es moderne Dinge wie Rap, für die ich etwas zu alt bin.“

South Africa rugby player Bryan Habana dives to score a try, with a Samoa player grabbing his leg. Photo by Hannah Peters.

Die unverzichtbare Fotoausrüstung für den Rugby World Cup™

Drei der besten Sportfotografen von Getty Images – Hannah Peters, Cameron Spencer und Mark Kolbe – enthüllen ihre Ausrüstung für Aufnahmen beim Rugby.

17:50 Uhr: „Ich mache Fotos von den Mannschaften, während sie ankommen und vom Bus zur Umkleide gehen. Dabei versuche ich, etwas Kreatives zu bekommen, z. B. ein Bild mit dem Rugby World Cup 2019™-Logo im Hintergrund. Ich kann keinen Blitz verwenden, sondern muss mit dem arbeiten, was da ist, aber glücklicherweise gibt es eine TV-Lampe. Ich verwende mein Canon EF 16-35mm f/2.8L III USM, um die Spieler aufzunehmen und die Atmosphäre in den Fotos festzuhalten, da die Öffentlichkeit das normalerweise nicht zu Gesicht bekommt. Das 16-35-mm-Objektiv ist bei schlechten Lichtverhältnissen, die in Stadien unweigerlich herrschen, wirklich effektiv, aber man muss darauf achten, keine zu weite Öffnung zu wählen, da die Körper sonst verzerrt wirken.“

18:00 Uhr: „Ich gehe in den Fotografenraum, um diese Bilder an das Getty Images-Büro in London zu schicken. Dort werden sie bearbeitet, mit Titeln versehen und weiterverschickt. Wir senden alles direkt von der Kamera in einen Dropbox-Ordner. Ich habe keine Aufgabenbeschreibung. Ich weiß, wonach sie suchen, also wähle ich aus, was ich senden will – zum Beispiel einen Versuch, einen guten Angriff oder ein Bild des englischen Cheftrainers Eddie Jones. In WhatsApp bleiben wir über Handy stets in Kontakt. Ich teile ihnen mit, was ansteht, damit sie vorbereitet sind.“

18:30 Uhr: „Ungefähr 50 Minuten vor dem Anstoß dürfen wir das Spielfeld betreten, um Bilder vom Aufwärmen, den Fans und allgemeinen Dingen einzufangen. Dann sende ich einige Testfotos nach London, und sie lassen mich wissen, ob sie sie erhalten haben. 45 Minuten vor dem Anstoß wird uns mitgeteilt, auf welcher Seite welches Team spielen wird, damit wir wissen, wo wir uns positionieren müssen. Wir sind ein Team von Getty-Fotografen. Wir haben drei blaue „statische“ Schürzen und eine braune „mobile“ Schürze – das ist meine.“

Dave Rogers on his laptop sending his images to Getty.
Rogers sendet alle Aufnahmen vom Spiel an das Team von Getty Images, das Bildunterschriften verfasst und die Fotos bearbeitet. © Dave Rogers/World Rugby über Getty Images

19:00 Uhr: „Zeit, die Teams beim Einzug zu fotografieren. Ein Fernsehkameramann steht mir im Weg, aber zum Glück bekomme ich genau das, was ich brauche! Es ist ein ziemlich großes Stadion. Es gibt etwa sechs von uns mit mobilen Schürzen verschiedener Agenturen. Das Spielfeld befindet sich auf einer erhöhten Ebene in etwa 4 Meter Höhe. Ich glaube, dass es normalerweise für Baseball verwendet wird. Es ist vollständig überdacht, aber das Gras liegt auf Rollböden. Es wird zum Wachsen ins Sonnenlicht gebracht und dann wieder unter das Dach gefahren, wenn es benötigt wird. Das Wetter ist daher kein Problem ist, was gut ist, da es in Sapporo sehr oft regnet. Das Licht blendet stark, weil die Flutlichter niedrig sind, aber ich war schon am Tag zuvor beim Training da, also wusste ich, was ich mich erwartet. Die Arbeitsbedingungen auf den Rugby-Geländen in Großbritannien sind viel schwieriger, da das dort Flutlicht im Vergleich zu diesen Anlagen wie Glühwürmchen sind.“

19:15 Uhr: „Anstoß. Ich konzentriere mich voll und ganz auf das Spiel. Es ist ein raues Spiel mit einigen gewaltigen Tackles. Ich hatte Glück, dass ich Bilder von allen vier Versuchen bekommen habe, die England erzielt hat. Das ist nicht immer der Fall.“

19:35 Uhr: „Der englische Spieler Billy Vunipola wird mit einem großartigen Tackle von den Füßen gerissen. Es war ein einzigartiger Moment, weil ich das noch nie gesehen hatte – normalerweise ist er es, der andere umwirft. Sein Vater spielte bei der WM 1999 für Tonga gegen England. Ich halte immer Ausschau nach solchen Vorfällen. Ich nehme eine Sequenz von etwa vier Bildern auf und sende sie alle nach Großbritannien.“

Manu Tuilagi of England dives to score his side's first try during the England v Tonga match at Rugby World Cup 2019™.
Manu Tuilagi aus England wirft sich zu Boden, um beim Rugby World Cup 2019™ im Spiel der Gruppe C zwischen England und Tonga im Sapporo Dome im ersten Versuch seines Teams zu punkten. Aufgenommen mit einer Canon EOS-1D X Mark II mit einem Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM Objektiv, Verschlusszeit 1/2000 Sek., Blende 1:3,2 und ISO 3200. © Dave Rogers/World Rugby über Getty Images

19:55 Uhr: „Als der Engländer Manu Tuilagi seinen zweiten Versuch verwandelt, gelingt mir ein schönes Bild seines Jubels. Es wird später in den Zeitungen ‚The Times‘ und ‚The Telegraph‘ in Großbritannien verwendet. Er hatte bereits bei einem Versuch vor mir gepunktet, aber das zweite Bild ist besser, weil er direkt auf mich zu läuft. Die weißen Trikots heben sich wirklich gut vom schwarzen Hintergrund ab.“

„Bei diesen Jubelaufnahmen möchte man die Emotionen des Moments zeigen. Ein anderer Fotograf hat mir fast die Sicht versperrt. Manchmal ist es reines Glück – man sieht es oder nicht. Nach einem Moment wie diesem kann ein regelrechter Wettlauf ausbrechen, um das beste Bild zurück nach London zu schicken. Ich kenne die anderen Agenturfotografen, und unter uns herrscht immer eine freundliche Rivalität. Niemand will vom anderen ausgestochen werden!“

21:08 Uhr: „Luke Cowan-Dickie schafft den Durchbruch und punktet. England hatte ein paar Chancen verpasst, also dachte ich irgendwann, dass sie keinen vierten Versuch bekommen würden. Sie haben sich den Bonuspunkt gesichert, und man muss so viele Punkte wie möglich holen, um sich für die nächste Phase des Wettbewerbs zu qualifizieren. Man kann die Erleichterung auf ihren Gesichtern geradezu spüren.“

England players are applauded by Tonga players after their Rugby World Cup 2019™ match.
Die Spieler aus Tonga applaudieren den Engländern nach dem Spiel beim Rugby World Cup 2019™ im Sapporo Dome. Aufgenommen mit einer Canon EOS-1D X Mark II mit einem Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM Objektiv, Verschlusszeit 1/1300 Sek., Blende 1:4,5 und ISO 3200. © Dave Rogers/World Rugby über Getty Images

21:25 Uhr: „Nach dem Spiel mache ich einige Fotos von den Teams beim Handshake, auf der Ehrenrunde, beim Zuwinken der Fans. Nachdem ich die dringendsten Bilder ins Büro geschickt habe, gehe ich in den Fotografenraum, um die Fotos ein zweites Mal durchzusehen und zu senden. Ich lade meine Speicherkarten auf meinen Laptop herunter, gehe alles durch und treffe eine Auswahl, die ich übertragen kann.“

22:45 Uhr: „Ich verlasse das Stadion mit meinen Getty-Kollegen. Wir sind uns nicht sicher, ob wir den Zug rechtzeitig erwischen, und sind alle ziemlich erschöpft, also nehmen wir einfach ein Taxi. Tatsächlich habe ich seit dem Frühstück keine richtige Mahlzeit mehr gehabt. Ich bekomme einen Essensgutschein, aber meist esse ich während des Spiels nichts, da ich mich zu sehr auf die Arbeit konzentrieren muss. Ich habe nur etwas Schokolade und eine Banane als Snack gegessen.“

23:30 Uhr: „Ich komme gerade rechtzeitig am Hotel an, um die letzten 10 Minuten des Spiels meiner Lieblings-Fußballmannschaft, den Wolverhampton Wanderers, im Fernsehen zu erleben. Ich schaue mir das Match auf meinem Telefon an, während ich weitere Bearbeitungen durchführe und meine Tasche packe. Morgen fahre ich in ein anderes Stadion in Kobe.“

2:00 Uhr: „Ich gehe ins Bett, Wenn es ein gutes Spiel war, schlafe ich zufrieden ein. Wenn nicht, bin ich unzufrieden mit mir und grüble darüber nach, warum ich dies oder das nicht getan habe. Das passiert mir auch nach all den Jahren noch, da ich immer gute Arbeit leisten möchte.“

Verfasst von Rachel Segal Hamilton


• Canon ist offizieller Sponsor des Rugby World Cup 2019™ vom 20. September bis zum 2. November in Japan. Sportfotograf Dave Rogers von Getty Images ist offizieller Fotograf beim Turnier.

• TM © Rugby World Cup Limited 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Dave Rogers Ausrüstung

Die Ausrüstung, die Profis für Sportaufnahmen verwenden

Dave Rogers at the side of the pitch looks through a Canon camera.

Kamera

Canon EOS-1D X Mark II

Die professionelle Vorzeige-DSLR-Kamera von Canon bietet einen 20,2-Megapixel-Vollbildsensor, ein 61-Punkt-AF-System, bis zu 14 Bilder/Sek. und einen ISO-Wert von bis zu 409.600.

Objektive

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