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So erstellst du eine Präsentation: Einblicke aus der Branche

Der Einstieg in eine Karriere als Fotograf kann schwierig sein. Diese sieben Tipps von Experten können dabei helfen, dass deine Präsentation gelingt und du den Job bekommst.
Drei junge Pfadfinder und ein älterer Pfadfinderführer stehen am Rand einer Landstraße und warten.

Das Bild mit dem Titel „Waiting for the Next Task“ wurde von Reportage-, Porträt- und Dokumentarfotograf Stephan Lucka im Rahmen seines Projekts „Das Gefühl, das nur wir kennen“ aufgenommen. ,Es dokumentiert die anhaltende Popularität und Anziehungskraft der Pfadfinderbewegung in Deutschland, die 260.000 junge Mitglieder zählt. Stephan hat vor Kurzem erfolgreich das Canon Student Development Programme 2020 abgeschlossen. Rückblickend sagt er über die Erfahrung: „Ich erhielt sehr wertvolle Tipps für die Bearbeitung eines meiner Projekte von meinem Mentor, Daniel Etter. Dadurch ist mein Portfolio noch ausdrucksstärker geworden, was mir bei meinen Bewerbungen geholfen hat.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark II (inzwischen ersetzt durch das Nachfolgemodell Canon EOS 5D Mark IV) mit einem Canon EF 40mm f/2.8 STM Objektiv mit einer Verschlusszeit von 1/800 Sek., Blende 1:7,1 und ISO 400. © Stephan Lucka

Nachdem Lady Gaga 2019 den Oscar für den besten Song gewann, sagte sie in ihrer Rede: „Wenn du einen Traum hast, kämpfe dafür. Leidenschaft ist eine Disziplin. Und es geht nicht darum, wie oft du abgelehnt wirst … Es geht darum, wie oft du wieder aufstehst und den Mut hast, weiterzumachen.“

Das gilt für den Erfolg als Sängerin und Schauspielerin genauso wie für eine Karriere in der Welt der Fotografie. Den Fuß in die Tür zu bekommen und sich in dieser hart umkämpften Branche zu etablieren, kann eine große Herausforderung sein. Dennoch kannst du deine Chancen auf einen Auftrag auf verschiedene Arten erhöhen.

Während eines Gesprächs im Rahmen des Canon Student Development Programme 2021 gaben erfahrene Vertreter der Branche wertvolle Tipps, wie man sich um Aufträge bemüht. Die Gremiumsmitglieder hinter „How To Get Hired as a Photographer: Insights from the Industry“ waren Canon Botschafterin und Fotojournalistin Gulshan Khan; der leitende Fotoredakteur und Fotograf der dänischen Zeitung Politiken, Thomas Borberg; Global Editor bei Reuters Pictures, Rickey Rogers; und Head of Photography bei The Guardian, Fiona Shields.

Basierend auf ihren eigenen Erfahrungen und langjährigen Karrieren vermittelten die Experten wertvolle Einblicke darüber, wie du aus der Menge an Wettbewerbern hervorstechen kannst und eine einprägsame Präsentation erstellst, die dir hilft, einen Job zu landen.

Fiona Shields, Head of Photography bei The Guardian.

Fiona Shields ist Head of Photography bei der Zeitung The Guardian, wo sie täglich ca. 250 E-Mails erhält. „Wir suchen nach Fotografen, die Initiative zeigen und sich gut präsentieren können“, sagt sie.

Rickey Rogers, Global Editor bei Reuters Pictures.

„Die meisten unserer fest angestellten Fotografen haben als Freiberufler bei uns angefangen“, so Rickey Rogers von Reuters Pictures.

1. Bewirb dich für Portfoliobewertungen und nimm an Wettbewerben teil

Khan, Fotojournalistin aus Südafrika, wohnhaft in Johannesburg, hält es für besonders wichtig, dass die eigene Arbeit gesehen wird, wenn du dich das erste Mal auf einen Job bewirbst. „Was mir wirklich geholfen hat, waren Portfoliobewertungen“, sagte sie. „Bewirb dich für Portfoliobewertungen und Stipendien, wie die der Open Society Foundations, Everyday Africa und Women Photograph.“

Shields, die zuvor als Bildredakteurin, Mentorin und Jurymitglied bei verschiedenen Fotowettbewerben tätig war, meinte: „Ich bewerte ständig PortfoIios, und es ist eine tolle Möglichkeit, neue Talente zu entdecken. Hab keine Angst, an Wettbewerben teilzunehmen, denn oft sind die Jurymitglieder wirklich vielfältig und kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen.

„Du triffst Fotoredakteure für Nachrichtenmagazine, aber auch Kuratoren für Ausstellungen und Museen, es ist also auch das Tor zu Kunstwelt.“

2. Erwecke die Aufmerksamkeit des Redakteurs

Bildredakteure werden täglich mit E-Mails überhäuft. Wenn du also einem bestimmten Redakteur oder einer Publikation eine E-Mail sendest, sind die Betreffzeile und der erste Absatz das A und O. Deine ersten Worte entscheiden über Erfolg oder Misserfolg deiner Präsentation.

„Vergewissere dich, dass dein Betreff nicht einfach nur ein: ‚Guten Tag‘ enthält“, riet Shields. „Stelle sicher, dass deine Betreffzeile zum Thema deiner Präsentation passt. Mach dir Gedanken über die Aktualität und Relevanz für die Publikation. Halte es kurz und knackig, und bring relevante Details ein.“

Rogers, der in den USA lebt und das Team von Reuters Pictures leitet, sagte: „Weniger ist mehr, wenn es darum geht, sich selbst zu präsentieren, aber du musst eine breites Spektrum deiner Arbeit zeigen.“

Zwei Personen, die sich zueinander lehnen, um auf die Rückseite einer Canon-Kamera zu schauen.

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3. Füge einen aussagekräftigen Lebenslauf bei

Einer der wichtigsten Bestandteile einer erfolgreichen Bewerbung ist ein prägnanter Lebenslauf, der dich und deine bisherigen Arbeiten sowie deinen Mehrwert für die Publikation repräsentiert.

„Du musst einen Lebenslauf beifügen, der dein eventuelles Spezialgebiet beinhaltet, falls du dich beispielsweise auf Unterwasserfotografie spezialisiert hast. Es ist immer hilfreich, zusätzliche Details zu erfahren“, sagte Shields.

Denk unbedingt daran, deine Kontaktdaten, einschließlich deiner Telefonnummer und deines Wohnortes, anzugeben. „Zeige deine veröffentlichten Arbeiten, da Redakteure sehen möchten, ob dein Fotografiestil zu ihren Publikationen passt. Gleichzeitig solltest du auch deine experimentelleren und vielleicht künstlerisch geprägteren Arbeiten präsentieren. So zeigst du, dass du auch originelle Ergebnisse liefern kannst“, fuhr Shields fort.

„Trau dich ruhig, dich so zu zeigen, wie du bist“, fügte Rogers hinzu. „Das Impostor-Syndrom ist weitverbreitet, aber denk daran, authentisch zu sein, und vertraue auf deine Stärken.“

Thomas Borberg, leitender Fotoredakteur und Fotograf bei der Zeitung Politiken.

Thomas Borberg ist leitender Fotoredakteur und Fotograf bei der dänischen Zeitung Politiken, die seinen Angaben zufolge eine „Stehen verboten“-Regel für Fotografen etabliert hat. „Es ist langweilig, wenn alle Politiker auf Bildern stehen. Wir sagen unseren Freiberuflern, dass wir Action brauchen und die Menschen sich bewegen müssen.“

Canon Botschafterin und Fotojournalistin Gulshan Khan.

Fotojournalistin Gulshan Khan empfiehlt neuen Fotografen, sich zusätzlich zu ihren bezahlten Jobs auch immer persönlichen Projekten zu widmen. „Das vermittelt Authentizität und zeigt, wofür du dich interessierst und wie breit gefächert deine Fähigkeiten sind“, sagt sie. © Amr Alfiky

4. Baue deine Präsentation als Pyramide auf

Oftmals muss die Person, vor der du deine Präsentation hältst, so schnell wie möglich genau erkennen, was du anbietest. Um die Sache zu vereinfachen und mühelos zu gestalten, solltest du deine Präsentation in Form einer Pyramide aufbauen.

„Verfasse eine Überschrift, formuliere eine kurze Zusammenfassung [auch geläufig als Standfirst], und erkläre dann genauer, warum deine Präsentation aktuell und von Nutzen ist“, erklärte Shields. „Füge eine PDF-Datei deiner Bilder bei, sodass alle Fotoredakteure sich auf den ersten Blick von der Qualität deiner Arbeit überzeugen können und ein Gefühl dafür bekommen, was sie visuell erwartet, wenn sie dich anheuern.“

5. Wähle deine Bilder mit Blick auf das große Ganze

Bei der Auswahl der Bilder für deine Präsentation solltest du äußerst bedacht vorgehen, um eine möglichst hohe Wirkung zu erzielen. Laut Borberg, Dozent für Fotojournalismus, optimierst du mit dieser Herangehensweise deine Präsentation und ihre Erfolgschancen.

„Ich denke, du musst Fotografie gewissermaßen als eine Art Gericht sehen“, sagt er. „All deine Bilder sind vergleichbar mit Zutaten, von denen du dir die besten herauspickst, sie miteinander vermengst und dann hübsch anrichtest. Serviere sie auf eine Weise, die mich neugierig macht.

„Eine E-Mail mit 50 Bildern im Anhang ist ein absolutes No-Go. Eine PDF ist das Maß der Dinge, wenn du dich an einen Redakteur wendest. Stell dir vor, du hättest nur 30 Sekunden oder eine Minute, um deine Kreation zu servieren.“

Eine Frau liegt mit über den Kopf gestreckten Armen auf einem Sofa, die Gesichtsmaske unter dem Kinn. In der Ecke des grauen Raums steht ein Hibiskusbäumchen mit leuchtend orangefarbenen Blüten.

Vom Fotografiestudenten zum Profi: Michele Spataris Weg zum Fotojournalismus

Die Teilnahme am Canon Student Development Programme war ein Wendepunkt im Leben von Michele Spatari. Hier erklärt er, wie er zur Fotografie kam, was er bei dem Programm lernen konnte und wie das seine Karriere gefördert hat.

6. Halte dich stets auf dem Laufenden

„Genau wie unsere Sprache und Technologien verändert sich auch die Fotografie“, so Khan.

Um mit diesen Veränderungen Schritt zu halten, ist es wichtig, sich Ratschläge und Feedback von anderen einzuholen, vor allem von Menschen aus der Fotobranche.

„Wir sind auf die Beziehung zu ehrlichen und aufrichtigen Fotografen angewiesen“, meinte Shields. „Halte dich über aktuelle Technologien auf dem Laufenden, bleib relevant und verstehe, welche Themen unsere Fotografie-Community und die Fotoredakteure aktuell umtreiben. So lernst du, wie du dich verhalten solltest, worauf es wirklich ankommt, und du behältst den Überblick über diese sich stets verändernden Ideologien. Halte dich an die allgemeinen Anweisungen, und sobald du sie drauf hast, geh das Risiko ein.“

Borberg ergänzte Folgendes: „Die Kamera ist ein universeller Schlüssel, mit dem wir Zugang zum Leben der Menschen erhalten, und du musst diesen Schlüssel nutzen, um bedeutsame Geschichten zu erzählen – Geschichten, auf die es ankommt. Nutze deine Neugier, um tolle Ideen und Konzepte auszuarbeiten, und du kannst darauf zählen, dass du mit der Zeit besser wirst.“

In dieser Episode des Canon Podcasts „Shutter Stories“ erhältst du weitere Einblicke von Branchenexperten:

Eine Gruppe Teenager, die nah beieinander ausgelassen im Freien tanzen.

Auf diesem Bild aus der Serie „Das Gefühl, das nur wir kennen“ von Stephan Lucka amüsieren sich junge Pfadfinder. Über sein Projekt, das in die engere Auswahl für den Festival della Fotografia Etica Student Award gezogen wurde, sagt Lucka Folgendes: „Die Pfadfinder formen ihren eigenen soziokulturellen Mikrokosmos, und indem wir darauf schauen, können wir etwas über die Gesellschaft im Allgemeinen lernen. Darüber, wie wir uns gegenseitig behandeln wollen und wie wir gemeinsam leben möchten.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark II mit einem Canon EF 24-70mm f/2.8L USM Objektiv (mittlerweile ersetzt durch das Nachfolgemodell Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM) bei 24 mm mit einer Verschlusszeit von 1/160 Sek., Blende 1:2,8 und ISO 4000. © Stephan Lucka

7. Sei beharrlich und knüpfe neue Kontakte

Stephan Lucka nahm im Jahr 2020 am Canon Student Development Programme teil. Heute ist er als freiberuflicher Fotograf tätig, dessen Arbeiten bereits in der Zeitschrift Stern und auf der Website von Der Spiegel veröffentlicht wurden. Sein Portfolio umfasst außerdem ein laufendes Fotoprojekt mit dem Titel „Das Gefühl, das nur wir kennen“, in dem er die Jugendbewegung der Pfadfinderinnen und Pfadfinder in Deutschland dokumentiert (siehe Bild oben sowie zu Beginn dieses Artikels).

Lucka gab uns außerdem diese Tipps mit auf den Weg: „Versuche, das Bestmögliche aus deinem Portfolio herauszuholen, und es so kurz wie möglich und so lang wie nötig zu machen“. „Sei beharrlich. Manchmal klappt es nicht, aber lass dich davon nicht unterkriegen, und versuche eine Verbindung zu den Menschen aufzubauen. Es geht nicht nur um die Qualität deiner Arbeit, sondern auch um die menschliche Beziehung.“

Die übergeordnete Botschaft ist simpel: Wenn du mit deiner Präsentation einen Job an Land ziehen möchtest, musst du die Aufmerksamkeit des Redakteurs erlangen. Mach klar und deutlich, was du anbietest, vergewissere dich, dass dein Thema relevant ist und zeige deine besten Arbeiten als Beispiele. Es ist nicht so einfach, in einer Branche mit vielen Wettbewerbern Fuß zu fassen, aber wenn du dich an diese Tipps hältst, erhöhst du deine Erfolgschancen.

Verfasst von Ashvin Tiwana


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