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„Die Auszeichnung hat alles verändert“ – lerne die Empfängerinnen des Canon Female Fotojournalistin Grant kennen

Canon Female Photojournalist Grant recipients Anush Babajanyan and Laura Morton at the 2019 Visa pour l'Image festival in Perpignan, France.
Laura Morton, Siegerin des Canon Female Fotojournalist Grant 2018, gratuliert beim Festival „Visa Pour l'Image Festival“ 2019 in Perpignan (Frankreich) der diesjährigen Empfängerin des Stipendiums Canon Female Fotojournalist Grant 2019, Anush Babajanyan (rechts). © Mazen Saggar

Im September wird beim jährlichen Festival „Visa Pour l'Image“ der 20. Canon Female Fotojournalist Grant verliehen. Das mit 8.000 € dotierte Stipendium wird einer „herausragenden Fotografin für ihren Beitrag zum Fotojournalismus“ verliehen und soll entweder den Abschluss eines bestehenden Projekts unterstützen oder die Umsetzung eines neuen Projekts erleichtern, das dann im darauf folgenden Jahr beim Festival ausgestellt wird.

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Für die Empfängerinnen kann das Stipendium das Leben verändern, sowohl aufgrund der nicht unbedeutenden finanziellen Unterstützung als auch durch die Aufmerksamkeit, die der Arbeit der Fotografin dadurch zuteil wird. So haben gleich mehrere frühere Empfängerinnen später World Press Photo Awards und Pulitzer-Preise erhalten. Andere wurden zu Markenbotschafterinnen und arbeiten nun mit führenden internationalen Zeitschriften zusammen.

Um das 20. Jubiläum des Stipendiums zu feiern und die Bewerbungsphase für 2020 einzuläuten, verraten sechs ehemalige Empfängerinnen, was die Auszeichnung für sie bedeutete, und geben Ratschläge für die nächste Generation von Teilnehmerinnen.

Canon Female Photojournalist Grant recipient 2001, Magali Delporte.

Magali Delporte (2001)

Magali Delporte begann ihre Karriere Ende der 90er und gewann 1999 den „Young Photographer of the Year Award“ der Zeitung „The Independent“. Für den Independent arbeitet sie noch immer und darüber hinaus für die Times und das französische Ministerium für Nationale Bildung und Kultur.

Bedeutsame Geschichten bebildern

„Ich hatte keine Zeit zu überlegen, ob ich an diesem Wettbewerb teilnehmen sollte, da ich erst zwei Tage vor Bewerbungsschluss von meinem Bildredakteur davon erfahren habe“, erinnert sich Magali Delporte, die erste Empfängerin des Stipendiums im Jahr 2001 mit ihrem Projekt „Unseen: Sport Without Sight“, das die Leistungen von behinderten Sportlern ins Bild brachte.

„Ich weiß noch, wie ich mir DIN-A3-Kopien aus der Times machte und meine Bewerbung bei meiner Rückkehr aus Frankreich auf der Fähre verfasste“, sagt sie. „Ich habe meine Bewerbung am letzten Tag eingereicht.“

Mit diesem ersten Stipendium konnte die französischen Fotojournalistin fünf Sportprojekte finanzieren. Seitdem wurden ihre Arbeiten in The Financial Times, Le Monde und Le Figaro veröffentlicht.

„Wenn du ein Projekt auf eigene Faust durchführen willst, solltest du dich um Stipendien und Preise bewerben“, sagt sie. „Das Stipendium bringt nicht nur finanzielle Hilfe, sondern verschafft dir auch mehr Aufmerksamkeit, damit deine Geschichten veröffentlicht werden. Schließlich wollen wir alle nicht, dass unsere Arbeiten auf einer Festplatte versauern.“

Canon Female Photojournalist Grant recipient Catalina Martin-Chico at the 2017 Visa pour l'Image festival in Perpignan, France.
2017 gewann die französisch-spanische Fotojournalistin Catalina Martin-Chico den Canon Female Fotojournalistin Grant für ihre Dokumentation des kolumbianischen Babybooms in Friedenzeiten. © Mazen Saggar
Canon Female Photojournalist Grant recipient 2017, Catalina Martin-Chico.

Catalina Martin-Chico (2017)

Catalina Martin-Chico dokumentiert seit 2007 das Leben im Jemen und Nahen Osten. 2011 gewann sie für ihre Arbeiten über die Proteste im Jemen den „Humanitarian Visa d'or Award“ des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (ICRC).

Glück beim neunten Mal

Im Gegensatz zu Delporte, die gleich auf Anhieb gewannen, bewies die französisch-spanische Fotojournalistin Catalina Martin-Chico, dass Beharrlichkeit sich auszahlt: 2017 erhielt sie bei ihrem neunten Versuch das Stipendium für ihre Bilder des Babybooms unter ehemaligen FARC-Rebellinnen in Kolumbien.

„Die Stipendium hat vieles verändert“, erzählt sie. „Es brachte enorme Aufmerksamkeit – nicht nur für mich, sondern auch für eine Geschichte, die viele Zeitschriften nicht veröffentlichen wollten. Zu Beginn nutzte ich mein eigenes Geld, was natürlich nicht reichte. Um die Geschichte nach dem Konflikt zu erzählen, musste ich dorthin zurückkehren. Das Stipendium gab mir die Möglichkeit, genau das zu tun.“

Martin-Chico empfiehlt, eine „klare und genaue“ Bewerbung zu verfassen: „Gehe tief in dich hinein, und vermittle, dass du diese Geschichte unbedingt erzählen willst, dann wirst du überzeugend sein. Du musst nicht viel schreiben, aber du musst erklären, warum genau diese Geschichte wichtig ist.“

Sie hat die Erfahrung gemacht, dass man sie nach ihrer Auszeichnung als Canon Female Photojournalist des Jahres in einem anderen Licht betrachtete. „Ich konnte mir dadurch in der Branche mehr Respekt verschaffen. Frauen brauchen diese Aufmerksamkeit für ihre starken Arbeiten. Solche Wettbewerbe sind eine gute Gelegenheit, genau das zu tun.“

Nach ihrer Rückkehr nach Kolumbien mit ihrer Canon EOS 5D Mark III und Canon EOS 5D Mark IV belegte Martin-Chico bei den World Press Photo Awards 2019 den zweiten Platz in der Kategorie „Contemporary Issues“, und eines ihrer Bilder wurde für das World Press Photo of the Year nominiert.

Canon Female Photojournalist Grant recipient 2005, Claudia Guadarrama.

Claudia Guadarrama (2005)

Die in Mexiko-Stadt lebende Dokumentarfotografin Claudia Guadarrama konzentriert sich in der Regel auf politische und soziale Probleme in Lateinamerika und hat ihre Bilder bereits in The New Yorker, TIME, Le Monde und The Guardian veröffentlicht.

Persönliche und professionelle Unterstützung

Claudia Guadarrama erhielt 2005 das Stipendium für ihr langfristiges Projekt „Before the Limit“, das Flüchtlinge dokumentiert, die in der Hoffnung, die USA zu erreichen, Mittelamerika und Mexiko durchqueren.

Neben der praktischen Unterstützung durch das Stipendium freute sie sich sehr über die Anerkennung, die ihr zuteil wurde.

„Ich war und bin immer noch sehr dankbar, dass ich dieses Stipendium erhalten habe“, sagt sie. „Es war eine großartige persönliche und berufliche Unterstützung, vor allem, da ich in einem Land arbeite, in dem deutliche Geschlechtervorurteile und eine gewalttätige und sexistische Kultur vorherrschen, sowie in einer Branche, in der Frauen mit mangelnder Gleichstellung der Geschlechter und dem Fehlen von Möglichkeiten zu kämpfen haben.“

Canon Female Photojournalist Grant recipient 2019, Anush Babajanyan.

Anush Babajanyan (2019)

Anush Babajanyan konzentriert sich auf soziale Themen rund um Frauen, Minderheiten, die Umwelt und die Folgen des Konflikts im Südkaukasus. Sie arbeitet mit UNICEF zusammen, und ihre Fotos waren in der New York Times und der Washington Post zu sehen.

Auch die jüngste Empfängerin Anush Babajanyan freut sich über die Unterstützung, die ihr durch das Stipendium gewährt wird. Als Mitglied von VII Photo fotografiert die armenische Fotografin Geschichten rund um den Südkaukasus mit einer Canon EOS 5D Mark IV mit Canon EF 24mm f/1.4L II USM, Canon EF 35mm f/1.4L II USM und Canon EF 50mm f/1.2L USM Objektiven. Sie ermuntert auch andere dazu, sich zu bewerben, selbst wenn sie ängstlich sind.

„Die Anerkennung hat mich berührt, aber der wichtigste Aspekt war die Unterstützung“, sagt Babajanyan. „Die Freiheit, weiterarbeiten zu können, ist alles, was eine Geschichtenerzählerin wirklich braucht. Es ist eine fantastische Chance, und es dauert nicht lange, sich zu bewerben. Wirf einfach deine Zweifel über Bord, und reiche deine beste Arbeit ein.“

Three cheerleaders do high kicks in the middle of a street. Photo by Laura Morton.
Ein Bild aus Laura Mortons Projekt University Avenue, das die Stanford Cheerleading Squad bei der Probe für die 97. jährlichen May Fete Parade zeigt. Aufgenommen mit einer Canon EOS R mit einem Canon RF 35mm F1.8 MACRO IS STM Objektiv, Verschlusszeit 1/1250 Sek., Blende 1:5,6 und ISO 200. © Laura Morton
Four dancers in traditional Mexican dress perform in the middle of a street. Photo by Laura Morton.
Tänzer bei der 34. jährlichen Cinco de Mayo Parade im benachbarten East Palo Alto. Trotz der Wohlstandsschere zwischen den angrenzenden Gemeinden entdeckte Morton, dass die Bewohner viel gemeinsam hatten. Aufgenommen mit einer Canon EOS R mit einem Canon RF 35 mm F1.8 MACRO IS STM Objektiv, Verschlusszeit 1/1000 Sek., Blende 1:5,6 und ISO 160. © Laura Morton
Canon Female Photojournalist Grant recipient 2018, Laura Morton. Photo by Didier Cameau.

Laura Morton (2018)

Die in San Francisco lebende Dokumentarfotografin Laura Morton konzentriert sich auf die Themen Wirtschaft und Wohlstand. Ihre Bilder wurden bereits in verschiedenen Zeitschriften abgedruckt, darunter National Geographic, Marie Claire, Newsweek, The Wall Street Journal und The New York Times.

Ein entscheidender Moment

Im Gegensatz zu vielen anderen Empfängerinnen nutzte die amerikanische Dokumentarfotografin und Gewinnerin des Jahres 2018 Laura Morton das Stipendium, um eine neue Geschichte zu erzählen. Ihr Projekt University Avenue erkundete zwei benachbarte Gemeinden in der kalifornischen Bay Area, die durch eine gewaltige Wohlstandsschere voneinander getrennt sind.

„Die Idee dazu hatte ich schon eine Weile, aber ich wusste, dass es ein kompliziertes Projekt ist, das lange dauern würde“, berichtet Morton, die einen Großteil von University Avenue mit einer Canon EOS R mit einem Canon RF 35mm F1.8 MACRO IS STM Objektiv fotografierte. „Das Stipendium gab mir die finanzielle Unabhängigkeit, um mir diese Zeit zu nehmen. Zeit zum Arbeiten ist für Dokumentarfotografen ein Geschenk, und ein Stipendium erlaubt dir, tiefere und subtilere Geschichten zu entwickeln.“

„Für die Bewerbung musst du entscheiden, was an deiner Stimme und deiner Geschichte einzigartig ist. Das ist nicht einfach, aber einzigartige Ideen können dich weit bringen.“

Canon Female Photojournalist Grant recipient 2007, Axelle de Russé. Photo by Leila Minano.

Axelle de Russé (2007)

Axelle de Russé ist eine freiberufliche Fotojournalistin aus Frankreich. 2014 untersuchte sie den Alltag von Opfern sexueller Gewalt in der französischen Armee. Seit 2016 dokumentiert sie die Folgen der globalen Erwärmung in der Arktis.

Axelle de Russé wurde 2007 für ihre Fotogeschichte über Konkubinen in China als Canon Female Photojournalist ausgezeichnet, was sich als zentraler Moment in ihrer Karriere herausstellte.

„Für mich bedeutete das Stipendium enormem Druck, war aber auch sehr lehrreich“, sagt sie. „Es war der Auslöser, der den Grundstein für meine Karriere legte. Jede Geschichte, die ich heute produziere, basiert auf den Schritten und Initiativen, die ich damals unternommen habe. Ich habe gelernt, wie man eine Geschichte aufbaut.“

„Dieses Stipendium wird für mich immer etwas Besonderes sein. Es hat mich vorangebracht und mich zum Weitermachen motiviert. Es gab mir das Selbstvertrauen, um die Fotografin zu werden, die ich heute bin.“

Die bisherigen Empfängerinnen ...

2019 Anush Babajanyan

2018 Laura Morton

2017 Catalina Martin-Chico

2016 Darcy Padilla

2015 Anastasia Rudenko

2014 Viviane Dalles

2013 Mary F. Calvert

2012 Sarah Caron

2011 Ilvy Njiokiktjien

2010 Martina Bacigalupo

2009 Justyna Mielnikiewicz

2008 Brenda Ann Kenneally

2007 Axelle de Russé

2006 Véronique de Viguerie

2005 Claudia Guadarrama

2004 Kristen Ashburn

2003 Ami Vitale

2002 Sophia Evans

2001 Magali Delporte

Verfasst von Natalie Denton


Der Canon Female Fotojournalist Grant 2020 steht Fotojournalistinnen aus aller Welt offen, die über soziale, wirtschaftliche, politische oder kulturelle Themen berichten. Die Teilnahme ist kostenlos, und Fotos können vom 8. März bis 31. Mai 2020 eingereicht werden.

Die neuesten Nachrichten zum Visa Pour l'Image findest du auf unserer Veranstaltungsseite.

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