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Vorbereitung eines perfekten Fotografie-Portfolios

Was ist das Erfolgsrezept, wenn du dein Portfolio einem Redakteur präsentierst? Drei Experten geben wertvolle Tipps für Fotografie-Studenten.
Ein Schwarzweißbild von zwei riesigen religiösen Statuen auf einem Hügel. Um sie herum sind Leute versammelt, die sie berühren.

Ein Foto des ghanaischen Fotografen Nipah Dennis aus seinem Projekt „Coming to Maria“, welches die jährliche christliche Pilgerwanderung zur Grotte „Unserer Lieben Frau von Lourdes“ in Ghana zeigt. Dennis war einer der 230 Studierenden, die beim Canon Student Development Programm 2020 teilnehmen durften. Seine Mentorin war Magdalena Herrera, Kamerafrau für Geo Frankreich. Aufgenommen mit einer Canon EOS 6D (mittlerweile ersetzt durch die Canon EOS 6D Mark II) mit einem Canon EF 24mm f/1.4L II USM Objektiv mit einer Verschlusszeit von 1/40 Sek., Blende 1:3,2 und ISO 8000. © Nipah Dennis

Eine erfolgreiche Portfolio-Bewertung kann dich auf die nächste Stufe der Karriereleiter bringen. Da dir wenig Überzeugungszeit zur Verfügung steht, benötigst du ein Portfolio, das tadellos gestaltet ist und mit echter Leidenschaft vorgestellt wird, um sich von der Masse abzuheben.
„Wenn du jemanden erzählst, was dir deine Arbeit wirklich bedeutet, ist es eine intensive Erfahrung“, meint Andrea Kurland, Chefredakteurin bei Huck Magazine. „Deshalb erzählen wir diese Geschichten, denn sie bedeuten uns alles. Sei verletzlich, natürlich und lasse es aus deinem Herzen kommen. Das werden sich die Redakteure für immer merken.“
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Im jährlichen Canon Student Development Programm werden wertvolle Ratschläge für die Präsentation von Portfolios gegeben. 2020 durften sich 230 Studierende aus 30 Experten (bestehend aus Fotoredakteuren, Fotografen und Kuratoren) ihren Mentor auswählen. Zu den Mentoren gehörten: Andrea Kurland, Magdalena Herrera (Kamerafrau für Geo Frankreich) und Travis Hodges, zu dessen Kunden Time Out, The Big Issue und Cancer Research zählen. Hier geben alle drei, wichtige Tipps für die Erstellung eines perfekten Portfolios.

Du musst stets wahrgenommen werden

„Ich erhoffe mir etwas von einem Gespräch und andersherum erhofft sich derjenige etwas, dem ich meine Arbeit vorstelle“, erklärt Hodges. Wenn du dich mit einem Redakteur triffst, der zum Beispiel nur Berichterstattungen in Auftrag gibt, solltest du ihm keine kommerziellen Fotografien vorlegen – Orientiere dein Portfolio immer an der Situation.

„Wenn du deine Arbeit bei einem Wettbewerb präsentierst, bei dem Redakteure tausende von Bildern sehen, ist es sehr wichtig, dass das erste Bild sehr aussagekräftig ist und ihr Interesse weckt“, rät Herrera. „Wenn du aber dein Portfolio einem Redakteur einer bestimmten Publikation präsentierst, muss dieses auch relevant sein. Du kannst einige aussagekräftige Bilder als Grundlage haben, aber ändere dein Portfolio abhängig davon, wen du mit deiner Arbeit ansprechen möchtest und zu welchem Zweck.“

„Wenn du zum Beispiel dein Portfolio Geo oder National Geographic präsentierst, solltest du die Geographie darlegen. Diese Magazine konzentrieren sich schließlich darauf, wie Menschen Orte verändern oder wie Orte Menschen verändern. Wenn du allerdings Marie Claire deine Arbeit präsentierst, brauchst du eine andere Vorgehensweise. Du solltest dein Portfolio zum Beispiel mit einem Porträt beginnen oder einer Situation, in der Frauen stark beteiligt sind.“
Eine Hand liegt auf einem Tisch, auf dem sich Fotodrucke befinden.

Das Canon Student Development Programm bietet jungen Teilnehmern die Möglichkeit, ihr Portfolio von führenden Branchenexperten bewerten zu lassen. © Paul Hackett

Stelle sicher, dass dein Portfolio professionell aussieht

Herrera sagt, dass sich die meisten Redakteure derzeit die Portfolios auf Laptops oder Tablets ansehen. Einige Fotografen haben aber gerne noch ein gedrucktes Portfolio zur Hand, wenn dieses von bestimmten Redakteuren oder bei Wettbewerben verlangt wird. Das Portfolio von Hodges ist hervorragend auf hochwertigem A3-Papier gedruckt. Das Portfolio ist gebunden, weshalb die Bilder nicht in Plastikhüllen aufbewahrt werden, denn dadurch „verlieren die Bilder an Schönheit“.

Wenn du ein gedrucktes Portfolio präsentierst, solltest du auch deinen Laptop oder dein Tablet mitnehmen. So kannst du dem Begutachter, falls er von einem bestimmten Projekt in deinem Portfolio beeindruckt sein sollte, noch mehr von deiner Arbeit zeigen.
Ein älteres Paar sitzt auf einem roten Sofa und schenkt sich etwas aus einem verzierten Teeservice ein.

Ćejf, ein Projekt von der Studentin Amina Hodžić aus Bosnien und Herzegowina, war eines der Portfolios, die von Herrera 2020 während des Canon Student Development Programm bewertet wurden. Das Projekt konzentriert sich auf die Tradition des Kaffeetrinkens in Hodžićs Heimatstadt Sarajevo. „Diese Reisegeschichte war eine sehr kohärente Arbeit in Hodžićs Kultur“, meint Herrera. „Sie hat einen hervorragenden Stil.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS 700D (mittlerweile ersetzt durch die Canon EOS 800D) mit einem Canon EF 50mm f/1.8 STM Objektiv mit einer Verschlusszeit von 1/80 Sek., Blende 1:2,8 und ISO 1600. © Amina Hodžić

Deine Bearbeitung sollte nicht zu umfangreich sein

„Stelle deine neueste Arbeit vor, von der du begeistert bist und an der du vielleicht noch arbeitest, denn das könnte das Interesse beim Redakteur wecken“, so Kurland. Das Portfolio sollte nur deine beste Arbeit enthalten und keine Lückenfüller. Zudem solltest du dich für deine Arbeit nicht rechtfertigen. Wenn du dich für ein Bild rechtfertigen musst, sollte es nicht im Portfolio sein. „Mir wurde gesagt, dass sich Menschen ein Portfolio anschauen und sich unabhängig von der Anzahl der Bilder nur das merken, das ihnen nicht gefallen hat“, fügt Hodges hinzu.

Zwischen Vielfältigkeit und Konsistenz sollte ein ausgewogenes Verhältnis bestehen. Kurland erinnert sich an ein Interview mit dem legendären amerikanischen Dokumentarfotografen Alec Soth, bei dem er auf die Frage, was Studenten in ihre Portfolios aufnehmen sollten, Folgendes antwortete: „Er sagte: 'Welches Leben möchtest du führen? Möchtest du ein abwechslungsreiches Leben oder ein einseitiges führen, in dem du aufstehst und jeden Tag das gleiche machst?' Ich finde diese Aussage ist sehr interessant und man sollte sie im Hinterkopf behalten. Aber wenn man sich seine Arbeit und Karriere betrachtet, erkennt man, dass alles, was er macht, Kontinuität hat und Sinn ergibt.“
Two women, both wearing winter clothing, on a foggy hillside, adjusting a Canon camera on a tripod.

Ausrüstung, Kontakte und Karriere: 8 wichtige Fragen

Canon Botschafterin Lucia Griggi verrät ihre besten Ratschläge, wie du dich von der Masse abhebst, deine Karriere aufbaust und dich gegenüber Kunden präsentierst.
„Die Einteilung der Bilder ist wichtig. Es sollte nicht ein Bild gleich nach dem anderen folgen“, sagt Hodges. „Sorge für einen starken Anfang und ein starkes Ende. Und denke daran, dass du nicht alles zeigen kannst. Versuche deine Geschichte auf maximal sechs Seiten zu beschränken.“ Die richtige Anzahl der Bilder im Portfolio hängt von der Arbeit, Dauer der Bewertung und Aufmerksamkeitsspanne des Begutachters ab.

„Beim ersten Treffen sollte die Präsentation nicht mehr als 25 oder 30 Fotos lang sein.“, erklärt Herrera. „Du musst beweisen, dass du deine Bilder bearbeiten kannst. Der Redakteur kann dich immer um mehr Bilder bitten, wenn er diese sehen will.“
Mentoren des Canon Student Development Programm geben jungen Teilnehmern bei einer Gruppen Portfolio-Bewertung Feedback. © Paul Hackett

Von oben aufgenommen: Eine Gruppe an Leuten (die meisten von ihnen sind jung) ist um einen runden Tisch versammelt. Sie betrachten und besprechen eine Reihe Bilder, die auf dem Tisch verteilt sind.

Hole das Beste aus der Bewertung heraus

Plane die Beschreibung deiner Arbeit, und, falls möglich, übe den Vortrag vorher mit Freunden. „Wenn du ein erzählerischer Fotograf bist, führe die Person durch die Geschichte. Bringe das, was dich motiviert hat und was du versucht hast aufzunehmen, zum Leben“, so Kurland. „Du hast die Möglichkeit, du selbst zu sein und dich für deine Arbeit einzusetzen.“

Gib dem Begutachter eine Visitenkarte, damit er dich im weiteren Verlauf kontaktieren kann. Dankesschreiben per E-Mail. „Das Treffen ist der Anfang einer Beziehung“, meint Kurland. „Sei also sympathisch, und melde dich regelmäßig. Sei nach einem Treffen nicht enttäuscht, dass alles nicht sofort funktioniert hat. Der Begutachter kommt womöglich in ein paar Jahren auf dich mit einer Geschichte zurück, die perfekt zu dir passt.“

Herrera stimmt dem zu: „Wenn ein Redakteur Interesse zeigt, schicke ihm danach deine PDF und ein Dankesschreiben. Wir als Redakteure suchen ständig nach Geschichten und ich persönlich behalte alle Werke, die mir gefallen. Redakteure haben ein gutes visuelles Gedächtnis. Manchmal kontaktiere ich Fotografen und biete ihnen einen Auftrag an, zwei Jahren nachdem sie mir ihr Portfolio geschickt haben.“

Verfasst von Rachel Segal Hamilton and David Clark


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