Wenn du deine Porträtfotografie auf die nächste Stufe heben möchtest, brauchst du weder umfangreiche Beleuchtung noch ein Gefolge aus Assistenten.
Der in Paris ansässige Fotograf und künstlerische Leiter Samuel Sarfati erinnert sich, dass er seine Karriere mit nur einer Lichtquelle begann: der Sonne. Bis heute verwendet er mit Vorliebe natürliches Licht für seine dynamischen Porträts.
„Als ich mit der Modefotografie begann, machte ich viele Aufnahmen im Freien“, sagt er. „Ich hatte keine Wahl. Ich hatte einfach kein Budget, um mir Blitz- und Dauerlichtgeräte oder sowas zu leihen.“
Um ein gutes Bild zu erhalten, fügt er hinzu, musste er einfach „den richtigen Zeitpunkt, die richtige Location und das richtige Modell“ finden.
Bei natürlichem Licht kann man schnell arbeiten und kreative, stimmungsvolle Bilder erschaffen. Mit ein wenig Know-how und einigen einfachen Hilfsmitteln kann man das Licht formen, den Kontrast kontrollieren und Schatten verfeinern, um genau den gewünschten Look zu erhalten.
„Ich liebe Outdoor-Aufnahmen, da ich dort Architektur in meine Bilder einbauen kann“, erzählt Samuel. „Dabei muss ich herausfinden, was sich mit dem verfügbaren Umgebungslicht erreichen lässt. Über die Jahre habe ich gelernt, das natürliche Licht mit verschiedenen Hilfsmitteln zu verändern, zum Beispiel mit Diffusoren, Reflektoren und einer negativen Füllung. Aus einer einzelnen Lichtquelle lassen sich so ganz eigene Lichteffekte erschaffen.“
Porträtfotografie bei natürlichem Licht: So machst du im Freien dynamische Bilder
Die Auswahl der Location ist einer der wichtigsten Teile im kreativen Prozess von Samuel Safarti. „Das verändert alles“, sagt er. Hier offenbart ein Hausdach in London einen kleinen Ausblick auf die Metropole, ergänzt vom maßgeschneiderten Look des Models.
Eine windige Location gibt Outdoor-Porträts eine ganz eigene Energie, da sie Haare und Kleidung in Bewegung bringt. Von Starkregen abgesehen, macht Samuel Aufnahmen bei jedem Wetter. „Ich denke, es kommt auf die Vorbereitung an, und man braucht ein wenig Glück“, sagt er.
Porträtaufnahmen bei natürlichem Licht planen
Samuel beginnt seinen Workflow für Porträts bei natürlichem Licht häufig mit einem Moodboard. Die Stimmung untermauert jede seiner Entscheidungen. „Sie entsteht durch das Licht, Form und Silhouette der Kleidung oder durch das Setting im Hintergrund.“
Wenn er an einem Tag etwas Freizeit hat, liest er die Leitartikel auf Websites und durchkämmt die sozialen Medien nach frischen Ideen. „Davon ausgehend versuche ich, ein Moodboard zusammenzustellen. Zunächst lege ich fest, wie das Modell aussehen soll, und entwickle dann eine bestimmte Stimmung oder Botschaft, die ich dem Kunden näherbringen kann – ob stark, minimalistisch oder ästhetisch.“
Für Samuel ist die Location ebenso wichtig, wie die Kleidung und der Look des Models. „Dadurch kann sich deine ganze Fotografie grundlegend ändern“, sagt er. „Das gleiche Model, in der gleichen Kleidung, mit der gleichen Beleuchtung, ergibt in einer Haussmannschen Straße und in einer ganz modernen Straße zwei völlig verschiedene Bilder.“
Neben Google Maps muss man auf der Suche nach neuen Orten oft kräftig in die Pedale treten. „Bei Aufnahmen in Paris bin ich praktisch die ganze Zeit auf dem Fahrrad und fotografiere verschiedene Gebäude und Straßen“, erklärt Samuel. Wenn einem Kunden ein bestimmter Look vorschwebt, kann er sich seine Fotoalben ansehen und passende Locations vorschlagen.
„Wenn ich etwas weiter reisen muss, sehe ich mir die Location immer zuerst in Google Maps an. Dann versuche ich, ein oder zwei Tage vorher am Set anzukommen, um mich persönlich mit dem Setup vertraut zu machen.“ Samuel verfolgt den Lauf der Sonne in einer App, um die optimale Tageszeit für die Aufnahmen zu bestimmen.
Besitzt du eine Canon Ausrüstung?
Bei einem Outdoor-Shooting ist man dem Wetter ausgeliefert – insbesondere auf dem Dach. Da muss man laut Samuel positiv bleiben, und darauf achten, seine Backdrops und das Zubehör für die Beleuchtung gut zu befestigen.
Positiv bleiben bei schlechtem Wetter
Eine der Herausforderungen bei der Outdoor-Porträtfotografie ist es, dass man sich das Wetter an dem Tag nicht aussuchen kann. Samuel hat gelernt, auch bei wenig idealen Bedingungen positiv zu bleiben.
„Bei einem Shooting gibt es so viele Dinge, die Stress auslösen können, über die du Kontrolle hast – wie die Modelle, den Zeitplan, das Set und deine Ausrüstung – dass ich mir um das Wetter keinen Kopf mehr mache. Ich kann es sowieso nicht ändern.“
Nur wenn es zu nass ist, rät Samuel dazu, das Shooting vielleicht zu verschieben. „Wenn du Aufnahmen mit natürlichem Licht planst, lerne vorher die Location kennen. Sieh dir den Wetterbericht an und denke darüber nach, wie deine Bilder aussehen sollen. Wenn die Bedingungen gar nicht passen, versuche es lieber an einem anderen Tag.“
Bei grauem Himmel schlägt er aber vor, aus der Situation das Beste zu machen. „Füge einige Reflektoren hinzu. Ein silberner Reflektor liefert dir noch mehr Licht, daraus kann man was machen.“ Auch ein goldener Reflektor verstärkt das Licht, aber mit einem wärmeren Farbton.
Wenn man Porträts bei natürlichem Licht aufnehmen möchte, muss man auf seine Fähigkeiten in der Fotografie vertrauen. „Mein Tipp: Versuche immer positiv zu bleiben“, fügt er hinzu. „Es ist nicht schlimm, wenn es ein wenig regnet – vielleicht hört es ja in zehn Minuten wieder auf. Nutze die Zeit, um das Make-up und die Ausrüstung zu überprüfen, und mach dir Gedanken, wie du dich an die Situation anpassen kannst.“
Ein Schirm mit negativer Füllung nahe dem Model fügt Schatten hinzu und erhöht den Kontrast, wenn der Himmel bedeckt ist. Das kann eine beliebige schwarze Oberfläche sein. Hier hält das Model ein Farbdiagramm in der Hand – füge es zu einer Testaufnahme hinzu, und du kannst den Weißabgleich und die Farben in der Nachbearbeitung genauer anpassen.
„Bei Aufnahmen mit natürlichem Licht reichen ein Diffusor, ein Reflektor und eine negative Füllung vollkommen aus“, meint Samuel. „Und wenn ich manchmal nichts davon dabei habe, suche ich mir einfach die perfekte Straße, den richtigen Winkel, und den Rest mache ich in der Postproduktion. Das gefällt mir besonders an natürlichem Licht.“
Beleuchtungstechniken für Outdoor-Porträts
Ein bewölkter Himmel hat auch Vorteile: Das Licht ist dann weich und diffus, perfekt, wenn du ablenkende Highlights und tiefe Schatten auf dem Gesicht der Person vermeiden möchtest. Ein klarer Himmel und bleichendes Sonnenlicht eignen sich nicht gut für klassische Porträts.
Samuel zufolge sollte man im Sommer ganz früh morgens oder spät am Tag Fotos aufnehmen, da man dann das beste Licht erhält. Wenn Kunden aber auf ein ganztägiges Shooting bestehen, kann man Mittags nicht einfach aufhören.
Um das Problem zu umgehen, sucht er passende Locations aus, an denen er bei Sonnenschein Porträts aufnehmen kann. „Zum Beispiel gibt es in einer kleinen Straße viele Schatten für meine Aufnahmen. Bei Sonnenschein kann ich nicht den ganzen Tag auf einem Hausdach Bilder machen – wenn die Mittagssonne über einem steht, bekommt man „Panda-Augen“ mit starken Schatten. Falls der Kunde nicht genau diese Stimmung haben möchte, versteht sich.“
Bei Aufnahmen in der grellen Mittagssonne muss man sich gut vorbereiten. „Wenn man den ganzen Tag Fotos machen will, braucht man einen Diffusor für weiche Aufnahmen, einen Reflektor, um Schatten zu entfernen, und eine negative Füllung für einen stärkeren Effekt.“
Samuel verwendet ständig Diffusoren. Positioniere sie zwischen der Sonne und dem Modell, und du gibst deinen Porträts einen weniger grellen, schmeichelhafteren Look. Hier ist größer oft besser. Manchmal mietet sich Samuel einen vier Quadratmeter großen Diffusor, um die ganze Szene weich auszuleuchten.
„In einer weichen Szene kann ich mit einer negativen Füllung oder einem silbernen Reflektor einen stärkeren Look voller Kontrast schaffen.“
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung (Juni 2026) ist das Wireless Tethering der zweiten Generation in Capture One exklusiv für Canon Kameras verfügbar. Unterstützt werden sowohl die EOS R5 Mark II als auch die EOS R1, wobei RAW-Dateien kabellos an einen Computer übertragen werden. Das geht mindestens genauso schnell wie über ein Kabel, je nach Netzwerk auch dramatisch schneller. Damit konnte Samuel bei diesem Shooting in London viel freier arbeiten, ohne über die verlegten Kabel zu stolpern, und ohne das stete Risiko, dass die Datenübertragung unter abgenutzten oder beschädigten Kabeln leidet. „Das ist ein Game Changer für Canon und Capture One“, sagt er, „und erleichtert dir die Produktion ganz erheblich.“
Per Wireless Tethering kann Samuel die Aufnahmen der Session ganz einfach allen Beteiligten zeigen. „Ich kann damit alle Bilder überprüfen, ein paar Anpassungen vornehmen und dem Kunden zeigen, wie das Ganze aussehen wird;“ sagt er. „Wenn der Himmel ein wenig überbelichtet aussieht, kann ich Informationen wiederherstellen, und der Kunde macht sich weniger Sorgen.“
Ein Wireless-Workflow für die Porträtfotografie
Samuel verwendet Kameras der Canon EOS R5 Serie, sodass er sich bei den Aufnahmen um den richtigen Fokus keine Gedanken machen muss. Auch wenn er die Belichtung für Porträts manuell einstellt, verlässt er sich gerne auf den Autofokus der Canon Kameras und beschreibt die Dual Pixel Intelligent AF Augenerkennung als echten „Game Changer“.
„Ich kann dem Fokus meiner Kamera jederzeit vertrauen“, sagt er, „und sehe mir die Bilder während des Shootings nicht nochmal an. Manchmal habe ich einen digitalen Assistenten, der sie für mich überprüft, wenn ich am Set an einem Kabel hänge. Aber im Vertrauen darauf, wie gut Autofokus und Augenerkennung bei den Kameras der EOS R5 Serie sind, kann ich mich völlig auf Belichtung, Komposition und meine Porträts konzentrieren. Das hat alles verändert.“
Eine weitere bahnbrechende Funktion ist für Samuel die Möglichkeit, Wireless Tethering mit Capture One zu verwenden. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unterstützt das Wireless Tethering der zweiten Generation im Foto-Editor exklusiv die EOS R5 Mark II und die EOS R1. Dabei werden RAW-Dateien mit hoher Geschwindigkeit über einen lokalen 5-GHz- oder WLAN-Zugangspunkt an Capture One übertragen. Die RAW-Dateien sind klein, bearbeitbar und stehen direkt nach der Aufnahme in Capture One zur Verfügung. Du kannst dir das Bild also fast sofort ansehen und Anpassungen vornehmen, ohne auf die drahtlose Übertragung warten zu müssen. Die RAW-Dateien werden in voller Größe im Hintergrund gesendet und Änderungen schon während des Shootings angewendet.
„Normalerweise muss ich meine Kamera mit langen Kabeln mit dem Laptop verbinden. Da fühlt man sich überall am Set wie angeleint“, sagt Samuel. „Viele meiner Aufnahmen entstehen auf der Straße, und wenn ein Auto kommt, muss man das Kabel aufsammeln und dann wieder von vorne anfangen. Das kommt der eigenen Kreativität in die Quere: Man bekommt gerade die ersten guten Ergebnisse mit seinem Modell und muss plötzlich aufhören.“
Als er das erste mal das schnellere Wireless Tethering mit einer EOS R5 Mark II ausprobiert hat, war er von der neuen kreativen Freiheit verblüfft. „Es fühlte sich so an, als würde ich persönliche Fotos mit einer Speicherkarte in der Kamera machen. Ich konnte einfach überallhin gehen und Aufnahmen in jedem gewünschten Winkel machen.“
Es ist sehr wichtig, sich vor dem Shooting zu unterhalten und sein Model kennenzulernen, findet Samuel. „Vergewissere dich, dass das Model mit dem Setup zufrieden ist, dass er oder sie nicht friert oder müde ist, und sich in der Kleidung wohlfühlt.“
Warum durch Zusammenarbeit bessere Porträts entstehen
Auch wenn Samuel bei Arbeiten auf der Straße seine Freiheit schätzt, hat er doch bei 95 % seiner Porträt-Sessions einen Laptop dabei. Er vertraut der Ausgabe seiner Kameras derart, dass er sich die Bilder bei einigen Shootings erst am Ende des Tages aussieht – und lässt die Bilder unterwegs von seinem digitalen Assistenten überprüfen. Es hilft ihm aber dabei, den gewünschten Look zu erhalten, dass er den Models (und manchmal auch Kunden) die Bilder am Laptopbildschirm zeigen kann.
„Es ist sehr wichtig, den Beteiligten die Bilder zu zeigen, damit alle an einem Strang ziehen“, sagt er. „Ohne Laptop mache ich ein paar Aufnahmen und zeige sie dann dem Model an der Kamera, um besser zu vermitteln, welche Szene, welches Licht und welche Stimmung ich mir vorstelle. Er oder sie schlägt dann Posen vor, die das ergänzen."
Für die besten Porträts ist es absolut entscheidend, als Partner mit der Person vor der Kamera zusammenzuarbeiten – ob bei natürlichem oder künstlichem Licht. „Je mehr du mit deinen Models sprichst, umso besser kannst du ihre Bedürfnisse verstehen und die Situation an sie anpassen, und umso stärker werden deine Bilder“, sagt Samuel.
Eine gute Beziehung zwischen Fotografen und Model ist wichtig, aber Samuel zufolge baut sein Erfolg darauf auf, dass er so eine Arbeitsbeziehung mit allen Beteiligten entwickelt. „Als Porträtfotograf braucht man die Talente aller Menschen am Set, um noch bessere Fotos zu machen“, sagt er. „Ob Assistenten, Visagisten, Stylisten – einfach jeder ist entscheidend.“
Ob nur mit Sonnenlicht und einem Reflektor, oder mit den neuesten Tools für einen kabellosen Workflow, Samuel verfolgt bei seinen Porträts immer den gleichen Ansatz: Er definiert die Stimmung, formt das Licht und arbeitet mit den Menschen um ihn herum zusammen.