Bokeh ist in kreativen Kreisen zu einem Modewort geworden. Das japanische Wort für „Unschärfe“ beschreibt das Aussehen von unscharfen Bereichen in Bildern. Ein gutes Bokeh ist ein Schlüsselfaktor bei der Technik zur Isolierung des Hauptmotivs einer Szene durch eine unscharfe Umgebung und ist daher besonders effektiv bei Porträts und Stillleben. Mehr zu diesem Thema findest du in unserem Leitfaden für Einsteiger in die Fotografie mit Bokeh.
Ein attraktives Bokeh ist ein zentrales Element von Rosie Luggs Aufnahmestil. Rosie ist nicht nur eine versierte Fotografin, sondern auch eine begeisterte TikTokerin, die hilfreiche How-to-Videos veröffentlicht, in denen sie angehenden Fotografen Schritt für Schritt neue Tipps und Tricks vorstellt. Hier erklärt sie, wie man mit Bokeh kreativ wird und es von einem bloßen Unschärfeeffekt zu etwas wirklich Künstlerischem macht.
Kreative Tipps für künstlerische Bokeh-Effekte
1. Die Wahl der Ausrüstung
Die Möglichkeit, Bereiche im Vorder- oder Hintergrund eines Motivs in Unschärfe zu tauchen, ist entscheidend für den Bokeh-Effekt. Dazu brauchst du eine geringe Schärfentiefe, die jedoch schwierig zu erreichen ist, wenn man mit einem Smartphone fotografiert. Mit einer Kamera mit einem großen Bildsensor, wie er bei vielen spiegellosen Kameras zu finden ist, oder durch die Verwendung von besonders lichtstarken Objektiven und sogar Teleobjektiven lässt sich das Bokeh leicht erzeugen.
Jede Canon Kamera ist in der Lage, Bilder mit einem schönen Bokeh zu produzieren. Eine Vollformatkamera wie die EOS R8 oder die EOS R6 Mark III ist jedoch ideal dafür.
Dazu empfiehlt sich eine lichtstarke Festbrennweite. Beim EOS R System wären das z.B. das Canon RF 50mm F1.8 STM mit seiner ganz natürlichen Perspektive oder das RF 45mm F1.2 STM. Für einen größeren Bildwinkel ist das Canon RF 35mm F1.8 MACRO IS STM eine gute Wahl, und für Porträtaufnahmen ist das Canon RF 85mm F2 MACRO IS STM perfekt. Die kurze Telebrennweite ermöglicht einen komfortablen Aufnahmeabstand, bei dem sich das Motiv nicht bedrängt fühlt, und bietet eine schmeichelhafte, leicht abgeflachte Perspektive. Die beiden Makroobjektive bieten eine sehr kurze Naheinstellgrenze, was ebenfalls zu einer sehr geringen Schärfentiefe beiträgt.
Das Aussehen des Bokehs wird auch durch die Anzahl der Blendenlamellen im Objektiv beeinflusst – je mehr das sind, desto besser für ein attraktives kreisförmiges Bokeh. Das Canon RF 35mm F1.8 MACRO IS STM und das Canon RF 85mm F2 MACRO IS STM verfügen über neun Blendenlamellen, und das Canon RF 50mm F1.8 STM hat sieben.
2. Ausschneiden und befestigen
Rosie sagt: „Die Schablone muss auf die Vorderseite deines Objektivs passen, also ist es am einfachsten, wenn du einfach eine Linie darum ziehst und sie ausschneidest.“ © Rosie Lugg
Um die Verwendung von Klebeband und den resultierenden klebrigen Rückständen zu vermeiden, solltest du Rosies Falt-Methode ausprobieren. „Ich habe meine Schablone mit Laschen zum Umschlagen ausgeschnitten und diesen dann mit einem Haarband am Objektiv fixiert.“ © Rosie Lugg
„Ich liebe es, meinen Aufnahmen mit individuell geformten Bokeh-Elementen ein wenig Magie zu verleihen“, fährt Rosie fort. „Und das ist obendrein auch ganz einfach. Du legst einfach ein Blatt Papier oder Karton auf den Tisch, stellst dein Objektiv mit der Frontlinse nach unten darauf und zeichnest den Umriss auf das Blatt. Dann schneidest du großzügig um den Umriss herum, so dass du aus dem Überstand Laschen einschneiden kannst, die sich über die Frontlinse falten lassen. An diesen Laschen kannst du die Schablone nun mit einem Gummiband befestigen.
„Ich habe für dieses Projekt zwei verschiedene Schablonen verwendet“, sagt Rosie. „Für die Aufnahme der dampfenden Tasse mit Liebesherzen (unten) habe ich einen herzförmigen Ausschnitt gemacht, und für mein Selbstporträt habe ich mich für einen Stern entschieden. Ein herzförmiges Bokeh könnte deinen Hochzeits- oder Valentinstagsbildern eine schöne romantische Note verleihen, während Sterne eine witzige Ergänzung für Geburtstagsfotos oder saisonale Feiern wären.
„Je nach Kamera und Objektiv muss man vielleicht ein bisschen herumprobieren, um die richtige Größe der Schablone für den besten Effekt herauszufinden, aber am Ende lohnt sich das“, fügt Rosie hinzu. „Bei Objektiven mit kürzerer Brennweite, wie z.B. dem Canon RF 35mm F1.8 MACRO IS STM solltest du kleinere Schablonen verwenden.“
3. Das Licht setzen
Für diese stimmungsvolle Aufnahme positionierte Rosie eine dampfende Tasse vor einer Lichterkette, die dank eines sorgfältig angefertigten Ausschnitts über dem Objektiv ein herzförmiges Bokeh erzeugte. Aufgenommen mit einer Canon EOS 200D (mittlerweile ersetzt durch das Nachfolgemodell Canon EOS 250D) mit einem Canon EF 35mm f/1.4 L II USM Objektiv bei 1/250 Sek., F1.4 und ISO 400. © Rosie Lugg
Rosie verwendete eine einzelne Lichtquelle für den Becher und positionierte die Kamera in der Nähe auf einem Stativ. Sie wählte eine große Blendenöffnung, um die Schärfentiefe zu minimieren. „Die Lichterketten befinden sich etwa 3 bis 4 Meter hinter dem Becher. Je weiter weg man die Lichter platziert, desto unschärfer wirken sie“, sagt sie. © Rosie Lugg
„Um Bokeh-Formen im Bild zu erzeugen, benötigst du einzelne Lichter. Jedes einzelne unscharfe Licht nimmt die Form der Schablone an – eine Lichterkette im Hintergrund ist dafür ideal. Hänge sie in einer Reihe auf oder gruppiere sie – je nachdem, was am besten zum gewünschten Bild passt. Um das Hauptmotiv im Vordergrund zu beleuchten, benötigst ein einzelnes helleres Licht. Und keine Sorge, wenn du keine spezielle Fotografie-Lichtquelle hast. Eine Tischlampe oder die Raumbeleuchtung reichen völlig aus. Man kann auch das Tageslicht verwenden, das durch ein Fenster hereinkommt.“
Rosie mag es auch, ein paar Farbtupfer zu setzen. „Einer meiner Lieblingstricks ist, eine alte CD zu verwenden, um das Hauptlicht zu reflektieren, das dann verschiedene Farben auf das Motiv wirft. Du kannst die Position und den Winkel der CD verändern, um den Effekt anzupassen.“
4. Die Einstellungen
„Um die Unschärfe im Hintergrund zu maximieren, stellst du das Objektiv auf die größte Blendenöffnung“, sagt Rosie. „Ich fotografiere normalerweise im manuellen Modus (M). Zunächst wählst du die größtmögliche Blendenöffnung (kleinste Blendenzahl) und dann eine kurze Belichtungszeit, um Bewegungsunschärfe zu vermeiden. Am besten montierst du die Kamera auf ein Stativ und verwendest eine Belichtungszeit von mindestens 1/125 Sek. für Porträts. Für Stillleben ohne Bewegung sind aber auch längere Belichtungszeiten geeignet. Schau dir die Vorschau im elektronischen Sucher (EVF) oder auf dem rückseitigen Display deiner spiegellosen Kamera an, bzw. im Live-View-Modus auf dem rückseitigen Display deiner DLSR und erhöhe die ISO-Empfindlichkeit, wenn das Bild zu dunkel wirkt.“
5. Selbst im Bild sein
Rosie verwendete die Canon Camera Connect App auf ihrem Handy, um den Autofokus der Kamera zu steuern, während sie ihr Selbstporträt aufnahm. © Rosie Lugg
Hier ist das fertige Selbstporträt, aufgenommen mit einer einzelnen Lichtquelle, die Rosies Kopf und Schultern beleuchtet, und einem sternförmigen Bokeh, das durch die Lichterketten im Hintergrund entsteht. Aufgenommen mit einer Canon EOS 200D (mittlerweile ersetzt durch das Nachfolgemodell Canon EOS 250D) und einem Canon EF 35mm f/1.4 L II USM Objektiv bei 1/125 Sek., F1.4 und ISO 200. © Rosie Lugg
„Für das Selbstporträt hätte ich zwar das dreh- und schwenkbare Display verwenden können, das viele Canon Kameras bieten, aber ich benutze dafür lieber die Canon Camera Connect App auf meinem Handy“, sagt Rosie. „Damit geht alles so einfach. Du kannst eine Echtzeit-Vorschau des Bildes auf dem Handy anzeigen und durch Antippen des Bildschirms den Punkt auswählen, auf den der Autofokus gehen soll. Bei Porträts ist das in der Regel das Auge, das der Kamera am nächsten ist. Es ist auch nützlich, den Selbstauslöser der Kamera mit zwei Sekunden Verzögerung zu nutzen. So hast du genug Zeit, um das Handy wegzulegen und dich in Pose zu werfen, bevor die Aufnahme gemacht wird.“
6. Zeit zum Spielen
Für dieses Selbstporträt hat Rosie eine alte CD verwendet: „Nicht nur, um Farbe hinzuzufügen, sondern auch, um eine Spiegelung zu erzeugen, die der Aufnahme ein zusätzliches kreatives Element verleiht.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS 200D und einem Canon EF 35mm f/1.4 L II USM Objektiv bei 1/125 Sek., F1.4 und ISO 200. © Rosie Lugg
Rosie ist eine große Befürworterin des Experimentierens. „Hände können ein interessantes und ausdrucksstarkes Vordergrundmotiv darstellen“, erklärt sie. „Ich liebe es, mit mit den unterschiedlichsten Gesten und Formen zu spielen.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS 200D und einem Canon EF 35mm f/1.4 L II USM Objektiv bei 1/125 Sek., F1.4 und ISO 200. © Rosie Lugg
Sobald du die Grundlagen beherrschst, kannst du dieselben Techniken anwenden, um deinen Porträtaufnahmen von Freunden und Familienmitgliedern einen besonderen Look zu verleihen. Rosie sagt, dass es sich lohnt, mit dem Setup herumzuspielen. „Man kann das Aussehen und die Wirkung von Bildern dramatisch verändern, indem man nur die Position des Motivs und der Kamera leicht verändert oder aus einem anderen Blickwinkel aufnimmt. Eine Veränderung des Abstands zwischen dem Objekt im Vordergrund und den Lichterketten im Hintergrund kann eine noch größere Wirkung haben. Ich liebe es, mit zusätzlichen Requisiten und verschiedenfarbiger Beleuchtung für Stimmung zu sorgen. Lasse einfach deiner Fantasie freien Lauf.“
Hast du dich von diesen kreativen Techniken inspirieren lassen? Schau dir Rosies Tipps für die Verwendung von Bokeh-Schablonen für wunderschöne Lichteffekte auf TikTok an und probiere diese Effekte gleich bei deinen eigenen Aufnahmen aus.
Verfasser: Matthew Richards
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