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Ein Rennen gegen die Zeit: Drew Gibson über seine Lieblings-Motorspotaufnahme

Two Ford GT cars racing around the Spa-Francorchamps circuit. Taken by Drew Gibson.
Motorsportfotograf Drew Gibson hatte nur 20 Minuten Zeit, um auf der belgischen Rennstrecke von Spa-Francorchamps Ford GT-Autos zu fotografieren – ohne die Motoren laufen zu lassen. „Ford ermöglichte mir den Zugang zu zwei GT-Autos. Ich verwendete eine Canon EOS 5D Mark III (mittlerweile ersetzt durch das Nachfolgemodell Canon EOS 5D Mark IV), die mit einem 4-Stufen-Neutraldichtefilter (ND-Filter) am Auto befestigt wurde, um dieses Bild mit Bewegungsunschärfe aufzunehmen“, erzählt er. Aufgenommen mit einem Canon EF 17-40mm f/4L USM Objektiv bei 17 mm, Verschlusszeit 15 Sek., Blende 1:10 und ISO 100. © Drew Gibson

Der Motorsportfotograf Drew Gibson nimmt schon lange rasante Action auf. Gibson ist seit über einem Jahrzehnt freiberuflicher Fotograf und vor allem für seine Bilder aus der Automobil- und Rennsportwelt bekannt. Er arbeitet für Automobilhersteller wie Bentley und Aston Martin sowie für Top Gear, Goodwood Revival und viele andere Rennsportteams.

Als er von der Ford Motor Company beauftragt wurde, ihre GT-Autos auf der weltberühmten Rennstrecke Spa-Francorchamps in Stavelot, Belgien, aufzunehmen, gab es ein paar Schwierigkeiten – er hatte nur 20 Minuten Aufnahmezeit, und die Motoren durften nicht laufen.

In diesem Artikel verrät er die Geschichte hinter seinem Lieblingsfoto und gewährt einen Blick hinter die Kulissen der Arbeit für einen großen Rennwagenhersteller.

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Ein legendärer Streckenabschnitt

Gibson nahm dieses Bild im April 2016 für das Ford GT-Team auf. Er sollte kreative Bilder liefern, um die Anforderungen des Teams für Social Media, Sponsoren und Marketing zu erfüllen.

Auf der gesamten Strecke von Spa-Francorchamps wollte Gibson das Bild an einem erkennbaren und fesselnden Ort aufnehmen. „Das Foto wurde in der Kurvenkombination Eau Rouge aufgenommen“, erklärt er. „Es ist einer der legendärsten Streckenabschnitte der Welt und somit der ideale Ort für die Aufnahme.“

Spa-Francorchamps ist bekannt für sein extrem wechselhaftes Wetter, weshalb Gibson sehr erleichtert war, einen klaren Himmel zu sehen. „Es war gut, die Aufnahme im April zu machen, da die Sonne nicht so hoch steht und ziemlich früh untergeht“, fährt er fort. „Wir haben die Aufnahme am späten Nachmittag gegen 17:00 Uhr gemacht, die Sonne war noch niedrig genug, um kontrastreiche Schatten und starke Farben zu bieten.

„Ich hatte Glück, dass die Sonne in der perfekten Position war, also rechts neben dem Auto, und die Kamera so keinen Schatten warf oder die Sonne direkt auf das Objektiv schien. Ich würde gerne sagen, dass alles genauso geplant war. Aber aufgrund der zeitlichen Beschränkungen war auch eine Menge Glück dabei.“

A Bentley racing car during a pit stop at the Spa-Francorchamps circuit. Taken by Drew Gibson.
Gibson ist häufig auf der Rennstrecke von Spa-Francorchamps – diese Aufnahme nahm er 2019 bei einem 24-Stunden-Rennen auf. „Ich wartete auf einen Boxenstopp, als ein plötzlicher Wolkenbruch kam. Ich wusste, dass ich für die Aufnahme nur eine Sekunde Zeit hatte, bevor mein Objektiv mit Wasser bedeckt war und Aufnahmen unmöglich waren.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS-1D X Mark II (mittlerweile ersetzt durch das Nachfolgemodell Canon EOS-1D X Mark III) mit einem Canon EF 50 mm f/1.2 L USM Objektiv, Verschlusszeit 1/500 Sek., Blende 1:1,4 und ISO 800. © Drew Gibson

Ein Rennen gegen die Zeit

Gibsons größte Herausforderung bestand darin, die Aufnahme innerhalb der verfügbaren Zeit zu machen. Um den richtigen Moment für die Aufnahme zu finden, musste er sich anpassen, da die Rennwagen für Tests und Qualifying und das eigentliche Rennen vorbereitet wurden.

„Am Rennwochenende ist die Hölle los, und zusätzliche Aktivitäten wie Foto-Shootings bringen den Zeitplan des Teams durcheinander“, sagt Gibson. „Die Veranstalter gaben uns nur eine halbe Stunde, um die Autos auf die Strecke zu bringen, sie zu fotografieren und wieder in die Box zu bringen. Ich hatte alles geplant und war so gut wie möglich vorbereitet.“

Da zunächst die Autos bewegt werden mussten, blieben Gibson für die eigentlichen Aufnahmen nur 20 Minuten. Fehler durfte er sich dabei nicht erlauben. Um für diese Aufgabe über die richtige und zuverlässige Ausrüstung zu verfügen, entschied sich Gibson für die Canon EOS 5D Mark III mit einem Canon EF 17-40 mm f/4L USM Zoomobjektiv.

„Normalerweise nehme ich alle Rennsportaufnahmen mit der Canon EOS-1D X Mark II (mittlerweile ersetzt durch die Canon EOS-1D X Mark III) auf, allerdings ist sie etwas zu schwer, um sie an einem Auto anzubringen. Deshalb habe ich die Canon EOS 5D Mark III verwendet, die viel leichter ist und ein schönes Bild bietet“, sagt Gibson. „Ich fotografiere lieber mit Objektiven mit Festbrennweite, aber ein 14-mm-Objektiv ist zu breit für solche Aufnahmen und ein 24-mm-Objektiv ist nicht breit genug. Das Canon EF 17-40 mm f/4L USM Objektiv bietet mir mehr Flexibilität, und ich benötige nur eine Filtergröße, um den Brennweitenbereich abzudecken.“

Wir haben beim vorausfahrenden Auto die rechte Tür entfernt, und ein starker Mechaniker duckte sich und schob das Fahrzeug ganz alleine an!

Eine ungewöhnliche Herausforderung

Um die Kamera auf dem Fahrzeug zu befestigen, verwendete Gibson eine Saugnapfbefestigung statt eines Auslegerarms. Viele Fotografen verwenden einen Auslegerarm, Gibson hingegen verzichtet lieber auf die notwendige Nachbearbeitung, um diesen aus der Aufnahme zu entfernen.

Eigentlich wollte er die Canon EOS 5D Mark III auf dem hinteren Kotflügel des Rennwagens montieren, musste aber in letzter Minute seine Pläne ändern. „Die Saugnäpfe hielten auf dem hinteren Kotflügel nicht so gut wie erwartet.“, meint er. „Ich musste schnell improvisieren und die Kamera weiter vorne montieren. Deshalb ist der hintere Kotflügel nicht im Bild zu sehen. Das war nicht so, wie ich es geplant hatte, aber ich glaube, es hat bei der Komposition wirklich geholfen. Das Weitwinkelobjektiv verzerrt statt des quadratischen Kotflügels die schlanke Karosserie des GT.

Das nächste Problem von Gibson bestand darin, die Fahrzeuge in Bewegung zu bringen, denn – angesichts des fotografischen Ergebnisses kaum zu glauben, aber wahr – die Motoren durften vor dem Rennen nicht gestartet werden. „Meine Idee war, die Autos ab der Startlinie zu schieben und die Kamera auszulösen, während sie durch die Eau Rouge auf die andere Seite zusteuerten“, sagt er. „Allerdings stellte sich heraus, dass der Bereich mit der besten Komposition ziemlich flach war und die Autos nicht alleine rollen würden.“

The Canon EOS-1D X Mark III on a beach in Tahiti.

Aufnahmen eines Surf-Shootings mit der den EOS-1D X Mark III

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Gibson bat das Mechanikerteam, die Autos mit purer Muskelkraft über die Strecke zu schieben. „Bei dem Auto, an dem die Kamera befestigt war, war das ja noch einfach, da sich die Mechaniker auf die rechte Seite stellen konnten und so außerhalb des Kamerawinkels waren. Ein Problem stellte jedoch das vorausfahrende Auto dar. Das konnte nicht von hinten angeschoben werden, da man das sonst in der Aufnahme sehen würde.“

„Um das Problem zu umgehen, haben wir beim vorausfahrenden Auto die rechte Tür entfernt und ein starker Mechaniker duckte sich und schob das Fahrzeug ganz alleine an! So konnten wir gerade genug Bewegung erzeugen, wie für die Aufnahme komplett nötig war.“

Um die langsam vorbeiziehende Landschaft unscharf und die Autos scharf und klar darzustellen, war eine Langzeitbelichtung notwendig. Da es aber ein heller und sonniger Tag war, musste Gibson einen Filter verwenden. „Ich habe einen 4-Stufen-Neutraldichtefilter (ND-Filter) verwendet, um eine sehr lange Verschlusszeit von 15 Sekunden zu erreichen“, erklärt er. „Wir haben die Autos geschoben, als der Verschluss geöffnet war, und die Unschärfe erzeugte ein Gefühl von Geschwindigkeit. Ich habe einen Fernauslöser verwendet, damit ich die Kamera nicht berühren muss und eine Verwacklung riskiere.“

Verfasst von Jason Parnell-Brookes


Drew Gibsons Ausrüstung

Die Ausrüstung, die Profis für ihre Fotos verwenden

The Canon EOS 5D Mark IV.

Kameras

Canon EOS-1D X Mark III

Der Nachfolger der Canon EOS 1D X Mark II, den Gibson verwendet. Schnell, präzise und leistungsstark ohne Kompromisse bei der Qualität. Sie ist das ultimative Werkzeug mit erstklassigen Low-Light-Eigenschaften, Deep-Learning-AF und 5,5K-RAW-Video.

Objektive

Canon EF 16-35mm f/2.8L III USM

Der Nachfolger des Canon EF 16-35 mm f/2.8L II USM Objektivs, das Gibson verwendet. Die neue Version des klassischen Weitwinkel-Zooms bietet über den gesamten Zoombereich eine beeindruckende Schärfe.

Objektive

Canon Extender EF 2x III

Dieser Extender, speziell für Presse-, Sport- und Naturfotografen, verlängert bei Canon Tele- oder Telezoomobjektiven der L Serie die Brennweite um den Faktor 2,0 und sorgt für erhöhte AF-Präzision und optimierte Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv.

Canon Extender EF 1.4x III

Dieser kompakte Extender, speziell für Presse-, Sport- und Naturfotografen, verlängert bei Canon Tele- oder Telezoomobjektiven der L Serie die Brennweite um den Faktor 1,4 und sorgt für erhöhte AF-Präzision und optimierte Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv.

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