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Erweitere deinen Horizont: alles über die Bildstabilisierung in 8 Stufen

An aerial photo of still turquoise waters flanked by tree-covered hillsides.
Die Canon EOS R5 und die Canon EOS R6 sind die ersten Canon Kameras, die über eine kamerainterne Bildstabilisierung auf 5 Achsen verfügen. Wenn du die Kameras mit kompatiblen Objektiven kombinierst, erreichst du so eine Bildstabilisierung von bis zu 8 Stufen. Die kombinierte Bildstabilisierung sorgt für beeindruckend scharfe und klare Bilder. Aufgenommen mit einer Canon EOS R5 mit einem Canon RF 15–35 mm F2.8L IS USM Objektiv bei 15 mm mit einer Verschlusszeit von 1/320 Sek., Blende 1:9 und ISO 400. © Ulla Lohmann

Hin und wieder taucht eine neue Technologie auf, die nicht nur Fotografen und Filmemachern Aufnahmen ermöglicht, die zuvor einfach nicht machbar waren, sondern auch noch die Qualität des Endergebnisses deutlich verbessert. Die Canon EOS R5 und die Canon EOS R6 sind die ersten Canon Kameras, die über eine kamerainterne Bildstabilisierung auf 5 Achsen verfügen und in Kombination mit kompatiblen Objektiven eine branchenführende Bildstabilisierung in 8 Stufen* bieten.

Dank dieser unerreichten Leistung können Bildschaffende die bestehenden Regeln für handgeführte Aufnahmen getrost über Bord werfen – und ihr Stativ gleich hinterher. Stattdessen eröffnet die Technologie ihnen unglaublich stabile Aufnahmen an bisher unzugänglichen Orten ganz ohne Verwacklungen.

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Welche Möglichkeiten bietet eine Bildstabilisierung in 8 Stufen?

Dank dieser bahnbrechenden Bildstabilisierung musst du dir keine Sorgen mehr machen, wenn du eine längere Verschlusszeit auswählst. Außerdem ermöglicht sie dir z. B., Bewegungsunschärfe bei beweglichen Motiven kreativ einzusetzen, ohne dabei die Schärfe durch Verwacklungen zu beeinträchtigen. Fotografen, die gerne in Innenräumen fotografieren, wo längere Belichtungszeiten und kleine Blendenöffnungen für eine weitere Feldtiefe die Regel sind, können jetzt auch bei Belichtungszeiten von einer bis zu vier Sekunden (je nach Brennweite) von Hand fotografieren und einen geringeren ISO-Wert wählen, um maximale Details zu erhalten.

Beim Aufnehmen von Videos erreichst du deutlich ruhigeres Videomaterial, wenn du dich zusammen mit dem Motiv bewegst, beispielsweise bei dynamischen Drehs, bei denen Filmemacher mitten in die Action eintauchen und oft ihre Position wechseln.

Außerdem kannst du jetzt Aufnahmen aus der Hand mit deutlich längeren Belichtungszeiten machen, als die Freihandregel zur Minimierung von Verwacklung vorgibt. (Diese Regel besagt, dass die Verschlusszeit nicht länger als 1 geteilt durch die gewählte Brennweite sein darf, d. h. 1/50 Sek. oder schneller bei 50 mm, 1/100 Sek. bei 100 mm usw.) Wenn du die Bildstabilisierung in der Kamera oder im Objektiv aktivierst, verlängerst du dadurch effektiv die zulässige Verschlusszeit aus der freien Hand um die Anzahl der Stufen, die von der Stabilisierung kompensiert werden. Eine Bildstabilisierung in 2 Stufen bietet dir also um zwei oder mehr Stufen langsamere Verschlusszeiten.

A waterfall tumbles into a pool in the rocks, shot with a long exposure to blur the falling water.
Abenteuerfotografin Ulla Lohmann nutzte eine Langzeitbelichtung, um das Wasser dieses Wasserfalls zu verwischen. Dennoch ist der Vordergrund gestochen scharf. Aufgenommen mit einer Canon EOS R5 mit einem Canon RF 24–70 mm F2.8L IS USM Objektiv bei 46 mm mit einer Verschlusszeit von 0,3 Sek., Blende 1:18 und ISO 100. © Ulla Lohmann
A dancer captured in a doorway of an ornately decorated room, arms blurred by motion.
Modefotografin Wanda Martin verwendete eine viersekündige Belichtung, um die Bewegungen eines Tänzers einzufangen. Obwohl sie mit einer so langen Belichtung aus der freien Hand fotografierte, ist der Hintergrund immer noch scharf. Aufgenommen mit einer Canon EOS R6 mit einem Canon RF 15–35 mm F2.8L IS USM Objektiv bei 15 mm mit einer Verschlusszeit von 4 Sek., Blende 1:14 und ISO 100. © Wanda Martin

Die Technologie findet bereits jetzt großen Anklang bei Benutzern. Abenteuerfotografin Ulla Lohmann brach mit der Canon EOS R5 in die Alpen auf, um Kletterer beim Abseilen in einen Wasserfall einzufangen. „Das ist ziemlich abenteuerliches Gelände, da kannst du kein Stativ mitnehmen“, sagt sie. „Und du kannst die Kamera auch nicht einfach auf Felsen positionieren, weil die alle nass sind. Ich wollte eine längere Belichtungszeit verwenden, damit der Wasserfall im Hintergrund der Bilder verschwommen wirkt, während die Menschen im Vordergrund fokussiert sind. Es funktionierte wirklich gut, und ich erhielt selbst bei Belichtungszeiten von einer Sekunde und mehr noch scharfe Bilder.“

Modefotografin Wanda Martin hatte die Canon EOS R6 bei einem Shooting mit wenig Licht im Gepäck, bei dem sie einem Balletttänzer durch prunkvolle Gebäude in Palermo, Sizilien, folgte und seine Bewegungen ganz ohne Stativ bei deutlich längeren Belichtungszeiten einfing. „Ich konnte vier Sekunden lang handgeführte Aufnahmen machen, und der Hintergrund war trotzdem noch scharf. Ich konnte es kaum glauben“, sagt sie.

Aber wie funktioniert diese Technologie?

A man's hand relaxed by his side holds a Canon EOS R6 with Canon RF 24-70mm F2.8L IS USM lens.

Die Canon EOS R5 im Vergleich zur EOS R6

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Objektivbasierte und kamerainterne Bildstabilisierung

Wenn du eine mit einer kamerainternen Bildstabilisierung auf 5 Achsen ausgestattete Canon EOS R5 oder Canon EOS R6 mit einem Objektiv mit Bildstabilisierung kombinierst, erreichst du eine kombinierte Bildstabilisierung von 8 Stufen*. Dabei ist keine Bildstabilisierungstechnologie der anderen überlegen. Stattdessen gibt es Arten von Verwacklungen, die mit einer objektivbasierten Stabilisierung optimal korrigiert werden können, während die kamerainterne Stabilisierung auf andere Bereiche ausgelegt ist. Eine Kombination der beiden liefert dir daher das beste Gesamtergebnis.

Die objektivbasierte optische Bildstabilisierung feierte ihr Debüt in den EF-Objektiven von Canon zur Zeit des Kleinbildfilms in den 1990er Jahren. Bei dieser Technologie erkennt ein Gyroskop Kamerabewegungen, woraufhin sich bestimmte Linsen innerhalb des Objektivs bewegen, um diese auszugleichen und so ein stabileres Bild zu liefern. Die optische Bildstabilisierung ist besonders bei Tele-Brennweiten effektiv, wo sie auch heute noch gute Dienste leistet.

Um Fotografen sogar noch langsamere Verschlusszeiten zu ermöglichen, haben Kamerahersteller darüber hinaus auch digitale Stabilisierungsmethoden entwickelt. Die kombinierte Stabilisierung, die erstmals in den EOS M Systemkameras von Canon zum Einsatz kam und auch in der Canon EOS R zu finden ist, nutzt den vom Bildsensor erkannten Bewegungsvektor, um die Wirkung des optischen Stabilisierungssystems zu verbessern. Im Gehäuse integrierte sensorbasierte Systeme sind am besten in der Lage, Verwacklungen bei höheren Brennweiten auszugleichen.

Heute liefert die Kombination der sensorbasierten und optischen Bildstabilisierungssysteme deutliche Verbesserungen bei allen Brennweiten.

A diagram showing how the optical lens IS system and in-body IS system work together.
Sowohl das Objektiv als auch das Kameragehäuse verfügen über Sensoren, die jede Bewegung ständig überwachen. Anschließend stellt die Highspeed-Kommunikation zwischen den beiden Systemen stabile Bilder und Videos sicher.
A diagram showing the effectiveness of a combination of sensor-shift and optical IS.
Die Kombination aus Sensorshift- und optischer Bildstabilisierung sorgt für eine effektive Stabilisierung bei weiten und Tele-Brennweiten und kompensiert sowohl kleinere als auch größere Verwacklungen.

Kommunikation zwischen Objektiv und Kamera

Dieses Bildstabilisierungssystem verfügt über zwei separate Eingaben, eine vom Kamerasensor und die andere vom Objektiv mit Bildstabilisierung.

Der Gyrosensor im Objektiv misst den Winkel und die Geschwindigkeit von Objektivverwacklungen, während ein Beschleunigungssensor die Beschleunigung der Bewegung misst. Diese Daten werden vom Prozessor des Objektivs überwacht.

Auch in der Kamera selbst sind Gyro- und Beschleunigungssensoren enthalten. Hinzu kommt ein zusätzlicher Sensor auf dem Bildsensor selbst, der den Bewegungsvektor ermittelt. Die erfassten Daten werden anschließend vom leistungsstarken DIGIC X-Prozessor der Kamera verarbeitet.

Sie werden in Echtzeit zwischen dem Objektiv und dem Sensor ausgetauscht, um eine optimale Korrektur zu ermitteln und dann anzuwenden, sodass Verwacklungen effizient ausgeglichen werden. Innerhalb des Objektiv wirken bewegliche optische Elemente Neigungs- und Gierbewegungen entgegen. Bei Objektiven mit hybrider Bildstabilisierung werden auch Bewegungen entlang der X-Y-Achse (seitliche Bewegungen und Auf-/Ab-Bewegungen) für Einzelbilder kompensiert.

Im Kameragehäuse wird der Sensor selbst mithilfe eines extrem präzisen Magnetsystems bewegt und kann so Roll-, X-Y-, Neigungs- und Gierbewegungen ausgleichen. Dazu arbeiten die einzelnen Technologien dank des Highspeed-Kommunikationssystems im RF-Bajonett in Echtzeit zusammen, was dem Canon EOS R System seinen einzigartigen Vorteil verleiht.

A diagram of the Canon EOS R5 illustrating 5-axis Image Stabilization.
Die kamerainterne Bildstabilisierung auf 5 Achsen in der Canon EOS R5 und der Canon EOS R6 ist energieeffizient und hat keine merklichen Auswirkungen auf die Lebensdauer des Akkus.
A diagram showing how the large diameter of the RF Mount gives the sensor scope for movement.
Da das RF-Objektivbajonett über einen besonders großen Durchmesser verfügt, kann der Sensor stärker bewegt werden, um eine bisher unerreichte Bildstabilisierung zu liefern.

Die Rolle des RF-Bajonetts

Das neue System stützt sich nicht nur auf die Elektronik innerhalb der Kamera, sondern auch auf das innovative RF-Objektivbajonett, das eine deutlich schnellere Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv ermöglicht. Damit die Bildstabilisierung optimal funktionieren kann, müssen das Objektiv und die Kamera zahlreiche Daten untereinander austauschen. Daher ist das RF-Bajonett darauf ausgelegt, große Mengen an Daten in Echtzeit zu kommunizieren.

Ein weiterer entscheidender Aspekt ist das mechanische und optische Design des RF-Bajonetts. Mit einem Durchmesser von 54 mm bietet es dem Sensor mehr Platz, sodass er sich weiter bewegen und eine umfassendere Bewegungskorrektur erzielen kann.

Für die Ingenieure bei Canon bestand die größte Herausforderung darin, die gemeinsame Steuerung zwischen der optischen und kamerainternen Bildstabilisierung über die Hochgeschwindigkeits-Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv zu koordinieren. Zu diesem Zweck waren extrem genaue Daten erforderlich, weshalb man sich entschied, einen Trägheitssensor und Bewegungsvektordaten zu ergänzen.

Dank des großen Durchmessers und kurzen Auflagemaßes eröffnete das RF-Objektiv auch neue Entwicklungsmöglichkeiten für Objektive mit einem großen Bildkreis. Ein größerer Bildkreis verschafft dem Sensor mehr Bewegungsfreiheit, ohne dass die Bildränder abgeschnitten werden, wie es bei schmaleren Objektivbajonetten manchmal der Fall sein kann. Dank des größeren Bildkreises kann die im Gehäuse integrierte Bildstabilisierung der Kamera daher in Kombination mit Objektiven wie dem RF 28–70 mm F2L USM und dem RF 85 mm F1.2L USM, die keine integrierte optische Stabilisierung umfassen, eine Bildstabilisierung von bis zu 8 Stufen bieten.

Da die Kameras des Canon EOS R Systems auch mit EF-Objektiven kompatibel sind (über einen beliebigen EF-EOS R Bajonettadapter), musste bei der Entwicklung der Canon EOS R5 und der EOS R6 darüber hinaus gewährleistet werden, dass die Bildstabilisierung sowohl mit RF-Objektiven, EF-Objektiven und Objektiven mit Bildstabilisierung als auch Objektiven ohne Bildstabilisierung optimal ist. Die Tabelle unten fasst zusammen, wie alle Komponenten des Systems Hand in Hand gehen, um in Kombination mit all diesen unterschiedlichen Objektiven eine Korrektur auf 5 Achsen zu erreichen.

A table showing how the IS system in the EOS R5 and EOS R6 works with different RF and EF lenses.
So funktioniert das Bildstabilisierungssystem der Canon EOS R5 und der EOS R6 mit unterschiedlichen Objektiven mit und ohne optische Bildstabilisierung. Diese Tabelle umfasst keine Objektive der Cinema-Serie. ** Stand: Juli 2020. Ausgenommen RF 600 mm F11 IS STM und RF 800 mm F11 IS STM.

Wie du siehst, profitieren auch Fotografen und Filmemacher mit bestehenden EF- und RF-Objektiven ohne Bildstabilisierung von der kamerainternen Bildstabilisierung in der Canon EOS R5 und der Canon EOS R6. RF-Objektive mit optischer oder hybrider Bildstabilisierung können die Vorteile beider Systeme nutzen (wobei die Effektivität je nach Objektiv abweichen kann).

Die größten Vorteile lassen sich natürlich erzielen, wenn das Objektiv und die Kamera zusammenarbeiten. So werden die Stärken der Systeme kombiniert, um alle Arten von Verwacklungen über verschiedene Brennweiten und unterschiedliche Szenarien hinweg zu minimieren, damit du ganz neue Möglichkeiten bei handgeführten Aufnahmen und darüber hinaus entdecken kannst.

Verfasst von Adam Duckworth


* Bildstabilisierung in 8 Stufen basierend auf dem CIPA-Standard mit dem RF 24–105 mm F4L IS USM Objektiv bei einer Brennweite von 105 mm.

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