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Solltest du neben Fotos auch Videos machen?

Die Fotojournalisten Magnus Wennman und Ilvy Njiokiktjien verraten, wie sie mit dem Videofilmen begonnen haben, und weshalb das Medium für Fotografen heutzutage so wichtig ist.
Drei afghanische Jungen, die in einem Gespräch vertieft auf einer Mauer vor einem großen Gewässer sitzen. Einer der Jungen hält eine Sandale in leuchtendem Pink.

Der schwedische Fotojournalist Magnus Wennman hat dieses Bild während seiner Reise in Afghanistan aufgenommen. Er sieht sich selbst nicht mehr länger als reinen Zeitungsfotografen. Seine Arbeit umfasst nun auch Videos und Sound. „Durch das Internet gibt es unendlich viele Möglichkeiten, Geschichten zu erzählen“, sagt er. Aufgenommen mit einer Canon EOS R5 mit einem Canon RF 28-70mm F2L USM Objektiv bei 59 mm. Verschlusszeit 1/3200 Sek., Blende 1:2 und ISO 125. © Magnus Wennman

Muss man wirklich Videos parallel zu seinem professionellen Fotogeschäft anbieten? Viele Fotografen fragen sich, ob es notwendig ist, ihr Portfolio zu diversifizieren und auch Videos anzubieten, um relevant zu bleiben, oder ob es sinnvoller wäre, sich auf einen Bereich der Fotografie zu spezialisieren, der ihnen am Herzen liegt.

Wir haben die Fotojournalisten und Canon Botschafter Magnus Wennman und Ilvy Njiokiktjien gefragt, wie wichtig es ihrer Meinung nach in letzter Zeit geworden ist, dass professionelle Fotografen auch wissen, wie man Videos aufnimmt.

Der Fotojournalist Magnus Wennman hat auf Instagram sehr viele Follower. Er hat sogar mehr Follower als die Zeitung, bei der er seine Karriere begann, Leser hat. Das verdeutlicht einmal mehr, wie sehr sich die Medienlandschaft in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Er hat die Veränderungen in Sachen Nachfrage schnell erkannt und bald bemerkt, welche Vorteile ihm Sound und Video beim Erzählen seiner Geschichten bieten würden.

„Früher konnte man mit Fotokameras keine Videos aufnehmen. Ich habe also für die Nachrichten Diashows erstellt, dazu einen Dialog aufgenommen und sie mit Hintergrundmusik unterlegt“, sagt er. „Sie sind wirklich gut angekommen. Dass ich das ganz alleine machen konnte, hat mich wirklich überrascht. Es war ein toller Moment. Daraus hat sich meine heutige Arbeitsweise mit Videos entwickelt.“

Schwarz-Weiß-Porträt von Magnus Wennman mit Baseballkappe.

Magnus Wennman

Wennman ist als Fotograf bei der größten Zeitung Schwedens, Aftonbladet, fest angestellt. Er ist nicht mehr nur für seinen preisgekrönten Fotojournalismus bekannt, sondern erlangt nun auch als Filmemacher Aufmerksamkeit. Sein Kurzfilm „Fatima's Drawings“ (unten) hat 2016 den Preis für den besten digitalen Nachrichtenbericht beim Visa pour l'Image gewonnen.

„Meiner Ansicht nach geht es bei meiner Arbeit vor allem darum, herauszufinden, wie ich eine Geschichte bestmöglich erzählen kann. Die Canon EOS 5D Mark II (mittlerweile ersetzt durch die Canon EOS 5D Mark IV) hat alles verändert. Erstmals konnte ich mit einer Kamera Fotos und Videos aufnehmen. Der Umstieg auf Videos fiel mir leicht. Plötzlich konnte ich Inhalte erstellen, die mit Fotos alleine einfach nicht möglich waren. Außerdem hat es Spaß gemacht, etwas Neues zu lernen. Es kommt nicht oft vor, dass wir Fotografen etwas von anderen lernen. Meist lernen wir etwas, indem wir verschiedene Dinge ausprobieren. Wir lernen aus unseren Fehlern, was aber an sich nichts Schlechtes ist. Es war wirklich inspirierend und spannend.“

Wennman hat nicht nur für Aftonbladet gearbeitet, sondern auch Geschichten für die globale Presse wie National Geographic, TIME Magazine und internationale Zeitungen dokumentiert. „Wenn du heutzutage als Fotograf für diese Unternehmen arbeiten möchtest, musst du lernen, wie man Videos filmt. Sonst bekommst du nie einen Job“, sagt er. „Das gehört zur Arbeit als Fotograf einfach dazu. Heutzutage findet alles online statt. Wir müssen Videos produzieren, um mit anderen Medien konkurrieren zu können. Das muss nicht kompliziert sein. Solange du neugierig bleibst und etwas lernen möchtest, sehe ich kein Problem. Meiner Meinung nach ist es etwas Positives. Heutzutage gibt es so viel mehr Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen. Wichtig ist nur, dass du dir immer die Frage stellst, welches Format sich für das Erzählen der Geschichte am besten eignet. Einige Geschichten können mit Videos nicht erzählt werden. Bei anderen stoßen Fotos an ihre Grenzen.“

Ein Techniker mit weißen Handschuhen reinigt den Sensor einer Canon Kamera.

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Wennman macht seine Aufnahmen nun mit einer Canon EOS R5, die sich ebenso wie die EOS R6 zum Aufnehmen von Videos und Fotos eignet. Das Canon EOS R System wurde speziell für „Hybrid-Shooter“ entwickelt. Die beeindruckende Anzahl an RF Objektiven, das erweiterteAutofokus- sowie das Bildstabilisierungssystem eignen sich sowohl für Videos als auch für Fotos.

„Mir ist es beim Filmen von Videos extrem wichtig, dass ich entscheiden kann, wie ich eine Geschichte erzähle“, sagt Wennman. „Die EOS R5 ist eine fantastische Kamera. Sie war eine Offenbarung für mich. Ich verwende für Fotos und Videos nur diese Kamera. Die Qualität ist klasse. Darüber musst du dir also keine Gedanken machen. Außerdem ist die Kamera unglaublich vielseitig. Ich nehme am liebsten so wenig Ausrüstung wie möglich mit. Wenn ich zu viel Ausrüstung dabei habe, schränkt mich das meiner Meinung nach bei der Suche nach einer Geschichte zu sehr ein. Normalerweise nehme ich nur die Canon EOS R5 mit einem Canon RF 24-70mm F2.8L IS USM und einem RF 70-200mm F2.8L IS USM Objektiv mit. Damit bin ich voll ausgestattet.“

Ilvy Njiokiktjien: Fotojournalistin und Geschichtenerzählerin

Als Ilvy Njiokiktjien ihr erstes Video gedreht hat, war sie als Fotografin bereits äußerst erfolgreich. „Ich habe im Rahmen eines Langzeitprojekts namens Afrikaner Blood gemeinsam mit einer Kollegin Fotos in einem rechtsradikalen Camp gemacht. Der Anführer des Camps hat einige wirklich schreckliche Dinge gesagt. Da wurde mir klar, dass uns niemand glauben würde, dass er das wirklich gesagt hat, wenn wir es nicht auf Video festhielten“, erklärt sie. „Wir haben ihn gefragt, ob es für ihn okay wäre, wenn wir ein Interview mit ihm machen würden. Er war einverstanden. Wir haben ihm jedoch nicht gesagt, dass wir nicht wussten, wie man mit der Kamera Videos aufnimmt. Wir mussten uns die Bedienungsanleitung im Internet suchen und ausdrucken, haben uns online ein paar Lern-Tutorials angesehen und dann weitergemacht. Für die Menschen im Camp müssen wir wie Amateure ausgesehen haben. Am Ende hatten wir eine wahrhaft überwältigende Masse an Material. Wir haben es zusammengeschnitten und dafür sogar den ersten Preis beim World Press Photo Multimedia Contest gewonnen.“

Canon Botschafterin Ilvy Njiokiktjien mit ihrer Canon Kamera.

Ilvy Njiokiktjien

Njiokiktjien ist eine preisgekrönte niederländische Dokumentarfotografin. Sie hat schon auf der ganzen Welt gearbeitet und dabei Fotos und Videos für die New York Times, das TIME Magazin, Newsweek, National Geographic und The Guardian aufgenommen. Außerdem arbeitet sie mit NGOs zusammen, darunter auch UNICEF. Ihre erste Kamera hat sich Njiokiktjien 2002 gekauft. Den ersten Fotopreis gewann sie nur vier Jahre später.

„Manchmal ist es dir peinlich, wenn du nicht wirklich weißt, was du tust. Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass die Geschichte das Wichtigste ist,und du alles dafür tun solltest, die Geschichte zu erzählen. Etwas Neues zu lernen, ist ohnehin immer etwas Tolles. Manchmal ist es sogar von Vorteil, wenn du etwas Neues ausprobierst und keine vorgefasste Meinung dazu hast. Du kannst dann einfach das tun, was dir automatisch von der Hand geht. Es ist wirklich interessant zu sehen, wie viel und wie schnell du etwas auf diese Weise lernst.“

Ein afrikanischer Teenager mit blutigem Gesicht und einer an den Kopf gedrückten Hand steht entmutigt in einem Feld mit hohem Gras.

Njiokiktjien hat sich immer schon leidenschaftlich für Menschen interessiert und wollte interessante Geschichten erzählen. So kam es auch dazu, dass sie im Rahmen ihres preisgekrönten Projekts „Afrikaner Blood“ die rechtsradikale Organisation Kommandokorps in Südafrika fotografierte. Obwohl sie andere Ansichten vertritt, wollte Njiokiktjien die Menschen auf faire Weise darstellen. Für sie ist es immer noch die schwierigste Geschichte, die sie je erzählt hat. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark II (mittlerweile ersetzt durch das Nachfolgemodell Canon EOS 5D Mark IV) bei 40 mm. Verschlusszeit 1/4000 Sek., Blende 1:3,2 und ISO 800. © Ilvy Njiokiktjien

In dieser Episode des Canon Podcasts „Shutter Stories“ erhältst du weitere wichtige Einblicke von Branchenexperten:

„Viele Fotografen nehmen ohnehin Videos auf. Das gehört heutzutage einfach dazu“, fährt Njiokiktjien fort. „Da ich ohnehin schon als Fotografin gearbeitet habe, war der Schritt von Fotos zu Videos und dann von Videos zum Geschichtenerzählen zwar ein großer, aber ein machbarer. Du musst zwar viel lernen, aber als Fotograf denken wir ohnehin visuell. Das ist wirklich von Vorteil.“

„Die Bedeutung von Sound sollte dabei allerdings nicht vergessen werden. Meiner Meinung nach kannst du mit gutem Audio zwar viel erreichen, mit schlechtem Audio jedoch umso mehr verlieren. Wenn die Bilder in einem Video wunderschön sind, die Qualität des Sounds jedoch wirklich schlecht ist, dann bleiben die Zuschauer nicht lange genug, um sich die Bilder anzusehen.“

Die Canon EOS C500 Mark II, an einer Drohne befestigt.

Begriffe, die du als Videoeinsteiger kennen solltest

Du möchtest von Einzelbildern auf Videos umsteigen? In unserem Glossar findest du 27 Profi-Videobegriffe von „Anamorph“ bis „Wide DR“, damit du bestens vorbereitet deine ersten Schritte wagen kannst.

Laut Njiokiktjien geht es vor allem um Durchhaltevermögen. „Wenn dir eine Geschichte wichtig ist, dann solltest du meiner Meinung nach etwas daraus machen. Die Redakteure erzählen dir vielleicht, dass es eine langweilige Geschichte ist oder das Budget nicht ausreicht, um die Geschichte zu veröffentlichen. Manchmal melden sie sich nicht einmal bei dir. Wenn du jedoch fest der Meinung bist, dass eine Geschichte erzählt werden sollte, dann bleib dran. Bei meinem Projekt „Afrikaner Blood“ habe ich wirklich oft „Nein“ gehört. Aber wenn du von einer Geschichte überzeugt bist, dann musst du weitermachen. Gib niemals auf.“

Wie Wennman macht Njiokiktjien ihre Aufnahmen nun ebenfalls mit einer Canon EOS R5. „Diese Kamera hat meinen Arbeitsalltag als Fotografin grundlegend verändert. Dank der EOS R5 bin ich zu einer besseren Geschichtenerzählerin geworden. Damit kann ich alles einfach, intuitiv und sofort erledigen. Ich kann viel schneller reagieren. Weil die R5 so irre schnell fokussiert, kann ich mich auf die Interaktion mit den Menschen konzentrieren, statt vom Anpassen der Kameraeinstellungen abgelenkt zu werden. Diese Kamera ist wirklich die beste Erweiterung für alle guten Objektive und anderen Zubehörteile, mit denen ich bisher gearbeitet habe.“

Verfasser Matthew Richards


Die Ausrüstung eines Multimedia-Fotojournalisten

Die essentielle Ausrüstung, die Profis für ihre Fotos und Videos verwenden

Die Ausrüstung der Canon Botschafterin Ilvy Njiokiktjien umfasst Kameras, Objektive und Zubehör von Canon.

Kameras

Canon EOS R5

Die kompromisslose Leistung der spiegellosen Kamera revolutioniert das Fotografieren und Filmemachen. „Die Canon EOS R5 hat mir das Leben wirklich erleichtert. Sie ist einfach eine fantastische Kamera“, sagt Wennman.

Canon EOS R6

Du wirst deine Motive auf eine neue Art und Weise sehen und fotografieren und deinem visuellen Storytelling eine ganz neue Dimension geben.

Objektive

Canon RF 24-70mm F2.8 L IS USM

Mit diesem 24-70mm Zoomobjektiv für spiegellose Vollformatkameras kannst du die Erwartungen übertreffen. Die erstklassige optische Konstruktion, die hohe Lichtstärke von 1:2,8 und der 5-Stufen-Bildstabilisator ermöglichen in allen Situationen ein kreatives Arbeiten.

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