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Meinung: Sollten Fotografen ihr Portfolio um Video erweitern?

Dieses Bild aus Roger Turessons Fotojournalismusserie in Nordkorea zeigt Pendler in der Metro von Pjöngjang auf der langen Rolltreppe der Station „Wohlstand“. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark IV mit einem Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM Objektiv mit 65 mm, Verschlusszeit 1/250 Sek., Blende 1:2,8 und ISO 6400. © Roger Turesson

Muss man wirklich Videos parallel zu seinem professionellen Fotogeschäft anbieten? Viele Fotografen fragen sich, ob es notwendig ist, ihr Portfolio zu diversifizieren und auch Videos anzubieten, um relevant zu bleiben, oder ob es sinnvoller wäre, sich auf einen Bereich der Fotografie zu spezialisieren, der ihnen am Herzen liegt.

Wir haben mit Bildredakteur Espen Rasmussen, Fotojournalist Roger Turesson und Dokumentar- und Werbefotograf Alvaro Ybarra Zavala über dieses Thema gesprochen. Sie alle nehmen Videos und Fotos auf, daher haben wir sie gebeten, uns ihre ehrliche Meinung darüber zu verraten, ob Videos Fotografen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Der Nachrichtenfotograf

Canon photographer and videographer Roger Turesson holds a Canon DSLR.

Über Roger Turesson

Turesson ist festangestellter Fotograf bei der schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter. Er war als festangestellter Fotograf und Freiberufler für verschiedene Tageszeitungen tätig und ist Gründer der Moment Agency.

Reportagenfotograf Roger Turesson sagt: „Ich habe mit der Aufnahme von Videos begonnen, als die Canon EOS 5D Mark II auf den Markt kam. Es war die erste Kamera der 5D-Serie mit Videofunktionen, die uns in der Fotografieabteilung von Dagens Nyheter die Möglichkeit eröffnete, Videos zu drehen. Wir hatten zwar auch zuvor Videokameras, aber ich glaube, dass die meisten Fotografen die Kameras der 5D-Serie bevorzugen, weil sie damit einen kinoähnlichen Look erreichen und sie unserer Arbeitsweise als Fotografen besser entspricht. Viele TV-Videofilmer zoomen und schwenken viel, aber ich bevorzuge es, eine gute Komposition zu finden und sich die Geschichte im Bild entwickeln zu lassen.“

„Ich verwende jetzt die Canon EOS 5D Mark IV und hauptsächlich Objektive mit fester Brennweite. Wenn ich ein 24-70-mm-Objektiv verwende, zoome ich nicht viel. Dieser Ansatz und die geringe Schärfentiefe geben mir das Gefühl, auf die gleiche Weise wie mit Fotos zu kommunizieren.“

„Wir haben ein paar dedizierte Videofilmer im Team, aber alle Fotografen müssen im Rahmen ihrer Arbeit Videos erstellen können. Ich würde sagen, dass etwa 20 bis 25 % meiner Aufträge Videos umfassen. Vor allem auf Reisen habe ich Zeit, Videos aufzunehmen. Bei schnellen Nachrichtenjobs ist das oft nur schwer zu bewältigen. Früher haben wir versucht, von einer Person sowohl Videos als auch Fotos aufnehmen zu lassen, aber das funktioniert einfach nicht sehr gut. Bei regulären Nachrichten setzen wir daher einen Fotografen ein, der Videos aufnimmt, und einen, der Fotos macht.“

„Die Nachfrage nach Videos ist jetzt höher, daher werden sie auch immer häufiger von Fotografen verlangt. Ebenso verhält es sich mit VR, was meiner Meinung nach ein wachsender Trend ist.“

A teenage boy looks up and uses his phone to film a shark swimming overhead in an aquarium. Photo by Roger Turesson on a Canon EOS 5D Mark IV.
Ein Besucher filmt im Aquarium des Songdowon International Children's Camp – ein Camp in Wonsan, Nordkorea, für Kinder mit den besten Noten. Aufgenommen mit einer Canon EOS 5D Mark IV mit einem Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM Objektiv mit 28 mm, Verschlusszeit 1/400 Sek., Blende 1:2,8 und ISO 6400. © Roger Turesson
Canon Professional Services

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„Früher haben wir viele kurze Videoclips gedreht, die online neben längeren Artikeln gezeigt wurden, zum Beispiel ‚Drei Fragen an einen Politiker‘, aber ich glaube nicht, dass sie viel zur Geschichte beitragen. Ich glaube, dass kurze Dokumentarfilme sich durchsetzen werden.“

„Was wir oft aufnehmen, sind kürzere Clips mit Texteinblendungen, die als Werbung für die Story auf Facebook und Instagram verwendet werden. Das Tolle an den Kameras der 5D-Serie ist, dass man immer eine Videokamera dabei hat. Selbst wenn die Agentur also keine Videos eingeplant hat, kann man sich immer noch vor Ort entscheiden, etwas zu filmen, wenn man der Meinung ist, dass die Geschichte von einem Videoclip profitieren würde.“

„Ich weiß nicht, ob unsere Bildredakteure sich bewusst für Freiberufler entscheiden, die sowohl Video- als auch Fotofähigkeiten mitbringen, aber wir festangestellten Fotografen müssen mit beidem umgehen können. Das gehört zum Job. Wenn ein angehender Fotograf mich fragt, ob er sein Portfolio um Videos erweitern sollte, würde ich antworten: ‚Wenn du für eine Medienagentur arbeiten möchtest, dann unbedingt‘.“

Der Bildredakteur

A portrait of Canon photographer and videographer Espen Rasmussen.

Über Espen Rasmussen

Rasmussen ist Bildredakteur bei VG, der größten Zeitung Norwegens. Er nimmt auch Dokumentarprojekte auf, darunter kurze Videos, und hat mehrere bedeutende World Press Photo-Auszeichnungen und weitere Preise gewonnen.

Bildredakteur Espen Rasmussen sagt: „VG hat vor einigen Jahren eine Videoabteilung eingeführt, aber für die Fotografen haben sich die Dinge schätzungsweise vor einem Jahr wirklich verändert. Unsere Abteilung begann, kurze Videos in Artikel aufzunehmen und Fotos und Videos häufiger zu mischen. Ich würde sagen, dass etwa 40 bis 50 % unserer Aufgaben nun neben Fotos auch Videos umfassen. Können dir Videofähigkeiten helfen, als Freiberufler für VG engagiert zu werden? Ja, ich denke schon.“

„Wir stellen keine Vollzeitmitarbeiter mehr ein, aber wenn wir im Sommer Mitarbeiter für die Berichterstattung in der Urlaubszeit suchen, nehmen wir nur Leute mit Videofähigkeiten. Außerdem müssen sie Live-Streams und Live-Übertragungen durchführen können, falls sie in letzter Minute losgeschickt werden, um über eine Story für die Nachrichtenwebsite zu berichten. Wenn wir jemanden einstellen, gehören Videofähigkeiten zu den Voraussetzungen – natürlich neben der Fähigkeit, eine gute Geschichte erzählen zu können.“

„Ich persönlich habe ernsthaft mit der Aufnahme von Videos begonnen, als Canon die erste Kamera der 5D-Serie mit Videofunktionen veröffentlichte: die Canon EOS 5D Mark II. Davor hatte ich einen Camcorder, aber das war zu viel Aufwand. Zu Beginn habe ich hauptsächlich aus eigenem Antrieb Videos aufgenommen, da die Nachfrage nach Videoinhalten bei VG zu diesem Zeitpunkt aufgrund von Bandbreitenbeschränkungen noch nicht sehr hoch war. Menschen, die Inhalte auf ihrem Telefon ansehen, hatten noch kein 4G. Aber das hat sich geändert.“

„Oft nehmen wir nur einen zehnsekündigen Clip auf, der fast wie ein Standbild funktioniert. Die Anweisungen, die ich den Fotografen dazu erteile, unterscheiden sich nicht wesentlich von einem Fotoauftrag. Ich fordere sie auf, ein Stativ zu verwenden und 10 Sekunden zu filmen. Parallel dazu müssen sie Einzelbilder vom selben Motiv aufnehmen, da wir in der Regel keine Einzelbilder aus den Videos entnehmen.“

„Vor kurzem habe ich eine Fotografin beauftragt, nach Nordnorwegen zu fahren und eine Frau zu fotografieren, die von einem Boot aus angelt. Sie sollte das Motiv und die Szene im Querformat aufnehmen, wie sie es bei normalen Fotos tun würde, aber im Videoformat. So entsteht im Grund quasi ein Einzelbild, auf dem die Wellen tanzen oder die Wolken sich bewegen. Das gleiche machen wir auch mit Porträts für das Magazin.“

A pair of glasses rest on a golden surface. A video play icon is over the image.

Aufnehmen von Videos für soziale Netzwerke

Quentin Cafffier erklärt, was dabei wichtig ist

„Wenn ich Videoaufträge vergebe, gehören Aufnahmen in Full HD zu den Anforderungen, was man mit der Canon EOS 5D Mark IV erreichen kann. Gelegentlich verwenden unsere Fotografen ihre Telefone, aber sie benötigen dann eine sehr hohe Auflösung, da Videos auf Telefonen vertikal aufgenommen werden und man sie zuschneiden muss. Es ist einfach aufwändig, zwei verschiedene Geräte bei sich tragen zu müssen, daher bevorzugen die meisten Fotografen nur eines.“

„Ich finde, dass Videos ein besonders nützliches Werkzeug für Fotografen sind, die Dokumentararbeiten anfertigen. Bei Dokumentargeschichten beziehen wir oft ein 5- bis 10-minütiges Video mit ein. Dazu sind umfassendere Videofähigkeiten, Kenntnisse über das Erzählen der Geschichte und ein Verständnis für die Bearbeitung erforderlich.“

„Es kommt immer häufiger vor, dass junge Fotografen wissen, wie man Videos aufnimmt, aber meiner Erfahrung nach konzentriert sich die Mehrheit auf Fotos. Heutzutage tun sich viele junge Fotografen zu Agenturen zusammen, die sowohl Dokumentararbeiten als auch kommerzielle Aufträge bearbeiten. Diese Agenturen übernehmen immer mehr Videoaufträge. Ich glaube, dass die Zugehörigkeit zu einer Agentur die Sache vereinfacht, weil sich die Geräte schneller amortisieren. Es bedeutet eine Menge Arbeit für einen einzigen Fotografen, sowohl mit Video als auch mit Fotos zu arbeiten; zudem lohnt es sich finanziell nur selten. Aber Agenturen können ihre Ressourcen bündeln und die Kosten dafür senken.“

Der Freiberufler

Canon Ambassador and photographer and videographer Alvaro Ybarra Zavala holds a Canon DSLR in woodland.

Über Alvaro Ybarra Zavala

Canon Botschafter Zavala begann seine Karriere als Nachrichtenfotograf bei CNN und arbeitet heute als freiberuflicher Fotograf für Dokumentationen, kommerzielle, redaktionelle und persönliche Arbeiten.

Freiberufler Alvaro Ybarra Zavala sagt: „Ich glaube nicht, dass ein Fotograf nur auf Einzelbilder beschränkt sein muss, vor allem nicht in der heutigen Zeit. Früher hatten wir nur Zeitschriften und Zeitungen, aber jetzt gibt es all diese Online-Plattformen und so viele neue Möglichkeiten, das Publikum mit Bildern, Audioinhalten und Videos zu erreichen.“

„Ich begann als Praktikant bei CNN und arbeitete als Fotograf in der Nachrichtenzentrale. Dort habe ich viel über Videobearbeitung und Videoerzählungen erfahren.“

„Derzeit arbeite ich an einem persönlichen Projekt in Venezuela, bei dem ich Videos auf eine Art und Weise hinzufüge, die die Absichten des Projekts ergänzt, z. B. Videos von Personen, die fotografiert wurden, Filmmaterial zu unserer Reise und andere Videos, die Zuschauern ein Gefühl für die Atmosphäre des Ortes vermitteln.“

A black and white photo shows men walking by industrial train tracks surrounded by factory smoke. Photo by Alvaro Ybarra Zavala.
Mitarbeiter einer Kokerei in der Ukraine während eines Arbeitstages, stimmungsvoll eingefangen von Alvaro Ybarra Zavala. © Alvaro Ybarra Zavala

„Bei persönlichen Projekten können Videos ein Gefühl vermitteln, das ich mit der Fotografie nicht ausdrücken kann. Das Gleiche gilt auch für Audioinhalte. Bald werde ich mein Projekt zum Thema ‚Stille‘ beginnen, das ich schon immer sehr interessant fand, insbesondere als Dokumentarfotograf. Ich verfolge dabei einen sehr sinnlichen Ansatz und bringe das, was ich beim Fotografieren anderer Motive in der Vergangenheit gefühlt habe, zum Ausdruck.“

„Als Fotograf bin ich dankbar, dass ich bei CNN, TV5 und bei kleinen Produktionsfirmen arbeiten durfte, wo ich etwas über die Produktion von Dokumentarfilmen lernen konnte. Meine Arbeit dort hat mir Werkzeuge an die Hand gegeben, die ich beim Erzählen von Geschichten als nützlich empfinde. Ich hätte beispielsweise nie gedacht, dass es mir einmal helfen würde, etwas über die Farbkorrektur von Videos zu wissen, aber jetzt nutze dieses Wissen. Das Erzählen einer Geschichte mit einem Video unterscheidet sich von dem Erzählen mit Fotos. Ich empfinde es als hilfreich, diese Tatsache zu verstehen.“

„Ich nehme auch im Rahmen meiner kommerziellen Arbeit Videos auf. Es macht Spaß, Kameramann zu spielen und ein Storyboard für meine Videos zu erstellen. Dadurch wächst man auch als Fotograf. Man wird gebeten, eine Idee und eine Geschichte zu entwickeln, und muss entscheiden, wie man sie aufnimmt und beleuchtet. Das ist eine spannende Herausforderung.“

„Da ich mich im Allgemeinen auf Dokumentararbeiten konzentriere, empfand ich es als schwierig, Angebote für Werbeaufnahmen einzureichen. Mein Hintergrund beim Fernsehen hat mir dabei geholfen. Ich kenne die Kette, die man durchlaufen muss. Ich musste also nicht von Grund auf neu anfangen. Aber es kann schwierig sein. Es ist eine harte Branche mit viel Druck, und es ist schwierig, seinen eigenen Platz darin zu finden. Aber manchmal sehe ich, wie Studenten das Wichtigste an der Fotografie vergessen: Die Freude, die sie dir bringt. Wenn man sich mit Leib und Seele hineinkniet, dann erzählt man auch eine gute Geschichte.“

Verfasst von Kathrine Anker


Ausrüstung für Fotos und Videos

Grundlegende Ausrüstung für Foto- und Videoaufnahmen

A camera bag is open, revealing two Canon DSLRs, lenses and accessories.

Kamera

Canon EOS 5D Mark IV

Der 30,4-Megapixel-Sensor der EOS 5D Mark IV erfüllt die höchsten Standards an Bildqualität und liefert sehr detailreiche Bilder in extrem hellen und dunklen Umgebungen.

Objektive

Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM

Ein professionelles Standard-Zoomobjektiv, das neben erstklassiger Abbildungsqualität auch eine hohe Lichtstärke von 1:2,8 über den gesamten Zoombereich bietet. Dieses Zoomobjektiv der L Serie genießt unter Profi-Fotografen einen erstklassigen Ruf.

Canon EF 35mm f/1.4L II USM

Ein Standard-Weitwinkelobjektiv mit natürlicher Perspektive, erstklassigen Low-Light-Eigenschaften und außergewöhnlicher optischer Leistung – ganz so wie Reportagefotografen es lieben.

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